Sujet 1 - Partie 1 : Synthèse du dossier · Bac Allemand Métropole remplacement 2021

Thème : Voyages de découverte et d'exploration · Tiré du sujet Métropole France remplacement (2021)

Énoncé

Thématique: « Voyages: circulation des hommes et des idées » — Axe d'étude: « Voyages de découverte et d'exploration »

Partie 1: Synthèse du dossier [16 points]

SUJET 1

Thématique: « Voyages: circulation des hommes et des idées »

Axe d'étude: « Voyages de découverte et d'exploration »

Document A

Wanderung

Wohlauf und froh gewandert

Ins unbekannte Land!

Zerrissen, ach! zerrissen

Ist manches teure Band.

5 Ihr heimatlichen Kreuze,

Wo ich oft betend lag,

Ihr Bäume, ach! ihr Hügel,

O blickt mir segnend 1 nach!

Noch schläft die weite Erde,

10 Kein Vogel weckt den Hain 2,

Doch bin ich nicht verlassen,

Doch bin ich nicht allein:

Denn, ach! auf meinem Herzen

Trag ich ihr teures Pfand 3,

15 Ich fühl's, und Erd' und Himmel

Sind innig mir verwandt 4.

Nach: Justinus Kerner, Die lyrischen Gedichte, 1854.

1 segnen: bénir

2 Hain:= kleiner Wald

3 Pfand = hier im Sinne von Gabe

4 verwandt sein: être de la même famille

Document B

Das Bild bezieht sich auf das berühmte Gemälde von Caspar David Friedrich Der Wanderer über dem Nebelmeer aus dem Jahr 1818:

Document C

Dans le texte ci-dessous l'auteur a choisi de ne pas mettre de majuscules pour conserver la linéarité du texte. Mais afin de faciliter votre lecture nous signalons les majuscules manquantes en caractères gras.

Unterwegs im Nebel

ragte die a utobahn plötzlich auf zu den w olken

oder hatten die w olken sich entschlossen,

den s chlaf von j ahrhunderten zwischen uns nachzuholen?

die s cheinwerferkegel tasteten – klägliche

5 i nsektenfühler 5 – nach der verborgenen s onne:

alles war kleiner und enger geworden.

das unwirkliche l icht der a rmaturen

erhellte uns spärlich in unseren w aben 6 aus b lech 7,

die w elt war geschrumpft 8 auf die nächste f ahrbahnmarkierung,

10 der h orizont spannte sich nur mehr zwischen

die b remsleuchten 9 des vor uns kriechenden 10 w agens:

dort seilten 11 wir die müden b licke an.

im r auschen zwischen den s enderfrequenzen keimte

der v erdacht, daß es stets dieselbe b rücke wäre,

15 die vorgab 12, das t or nach draußen zu sein,

und ab und zu tauchte auf der g egenspur 13

lautlos enigmatisch ein l kw auf,

ein w al 14, der sich kurz aus den t iefen des m eeres erhebt,

wie wir unterwegs im n ebel,

20 den man beharrlich über uns hängen ließ

wie das »bitte nicht stören«- s child überm k nauf einer t ür

in irgendeinem h otel einer s tadt ohne n amen.

Nach: Jan Wagner, Selbstporträt mit Bienenschwarm, ausgewählte Gedichte, 2001-2015, 2016.

5 Fühler = Antennen

6 in unseren Waben: L'intérieur du véhicule est comparé à un nid d'abeille avec ses alvéoles

7 Blech = Metall

8 schrumpfen = kleiner werden

9 die Bremsleuchten = das Licht an der Rückseite von dem Auto

10 kriechen = langsam fahren

11 anseilen = fixieren

12 vorgeben = so tun, als ob …

13 die Gegenspur = auf der anderen Seite der Straße

14 der Wal: la baleine

Document D

„Den ganzen Outdoor-Kram braucht man nicht“

Frank Hülsemann ist über die Anden gelaufen, auf den Spuren deutscher Einwanderer. 350 Kilometer, 23 Kilogramm auf dem Rücken und drei Wochen Zeit. Auf Outdoor-Kleidung hat er bewusst verzichtet.

Der Mann hat ein Faible für Reisen, von denen man Normalsterblichen nur abraten kann. Er trägt Joggingschuhe, eine schwarze Jogginghose und ein schwarzes Sweatshirt mit dem Aufdruck „Moonsorrow“, dem Namen einer finnischen Metal-Band. Er misst 1,96 Meter und ist kahlrasiert, nur dass am Hinterkopf ein langer, dünner Zopf baumelt. Soeben ist Frank Hülsemann mit einem Freund zu Fuß über die peruanischen Anden gewandert – auf dem Weg, den vor 160 Jahren deutsche Einwanderer genommen hatten. 18 Tage lang marschierten die beiden 350 Kilometer weit – von der Küste über die 4800 Meter hohen Anden bis in den Dschungel.

Er erzählt seine Reise:

Ich habe mir sofort Literatur besorgt und alles gelesen, was es über die Einwanderer zu lesen gibt. Ein Freund von mir, Markus de Marées, mit dem ich schon den Vulkan in Chile hochgefahren bin, war auch gleich begeistert. So wie andere Menschen zu Fuß die Alpen überqueren möchten, wollten wir schon immer zu Fuß über die Anden. Jetzt hatten wir die passende Geschichte dazu.

Wir mussten uns die ganze Zeit dagegen wehren, mit dem Auto mitgenommen zu werden. Markus war in der Mitte der Wanderung jedoch so erschöpft, dass er auf einmal in einem Lkw verschwand. Er konnte einfach nicht mehr. Wir haben uns dann in eine Stadt fahren lassen und sind danach wieder zu Fuß weiter. Streng genommen haben wir also nicht geschafft, was wir uns vorgenommen hatten.

Anfangs jedenfalls lief alles bestens. Wir landeten in Lima, verbrachten eine Nacht im Hotel, und am nächsten Morgen ging's los, mit 30 Kilo Gepäck. Viel zu viel. Wir haben eine Menge verschenkt, eine Bratpfanne zum Beispiel, oder eine Kaffeekanne, sodass jeder am Ende gut 23 Kilo auf dem Rücken hatte. Wir hatten acht Kilo Lebensmittel, aber keine Möglichkeit, etwas zu horten. Außerdem hatten wir topografische Karten dabei, einen Fotoapparat und ein GPS-Handgerät, denn sonst hätten wir die Wege nicht gefunden. Schön war, dass uns schon kurz nach dem Start die Leute grüßten. Je abgeschiedener die Gegend, desto freundlicher waren sie. Auf den letzten hundert Kilometern gab's nur noch Pfade, da kommt kein Auto hin, und die Leute sind zu Fuß unterwegs oder mit dem Pferd. Sie beugen sich dann so weit runter, um dir die Hand zu schütteln, dass sie fast herunterfallen.

Nach: Frank Lorentz, welt.de, 05.10.2016

Fassen Sie das vorliegende Dossier in etwa 500 Wörtern zusammen und beachten Sie dabei folgende Punkte:

Stellen Sie die vorliegenden Texte ( documents A, C et D) und das Bild ( document B) vor und erläutern Sie den thematischen Hintergrund.

Erklären Sie, ob die Reise in beiden Gedichten ( documents A et C) als positiv oder negativ bewertet wird. Achten Sie dabei auf die Atmosphäre und die Gefühle der Autoren.

Nennen Sie mögliche Parallelen zwischen dem Bild ( document B) und Jan Wagners Gedicht ( document C). Achten Sie dabei auf den Begriff „Nebel" und auf den zeitlichen Hintergrund. Was symbolisiert der Nebel in beiden Dokumenten?

Erläutern Sie anhand des Bildes ( document B) und der beiden zeitgenössischen Texte ( documents C et D), wie die Reise heute neu interpretiert wird.

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Corrigé

Corrigé proposé par AprenAI (non officiel)

Fassen Sie das vorliegende Dossier in etwa 500 Wörtern zusammen und beachten Sie dabei die vier genannten Punkte.

Réponse : Einleitung – Vorstellung der Dokumente Das Dossier behandelt das Thema Reise im Wandel der Zeit. Document A ist das romantische Gedicht „Wanderung“ von Justinus Kerner (1854). Es schildert den Aufbruch eines Wanderers ins Unbekannte. Document B ist ein Foto einer Ausstellung der Hamburger Kunsthalle („Wanderer im Nebelmeer in aller Welt“). Sie zeigt Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) neben zeitgenössischen Nachstellungen aus aller Welt. Document C, „Unterwegs im Nebel“ von Jan Wagner (2016), beschreibt eine moderne Autofahrt durch dichten Nebel. Document D ist ein Artikel von welt.de (2016) über Frank Hülsemann. Er wanderte mit einem Freund zu Fuß über die peruanischen Anden, auf den Spuren deutscher Einwanderer und bewusst ohne Outdoor-Ausrüstung. Gemeinsamer Hintergrund ist das Reisen: zum einen die romantische Wanderung als Natur- und Selbsterfahrung, zum anderen die technisierte Fortbewegung von heute und der Wunsch, das ursprüngliche Reiseerlebnis neu zu entdecken. Bewertung der Reise in A und C In Kerners Gedicht wird die Reise positiv bewertet. Zwar ist der Abschied von der Heimat schmerzlich („Zerrissen, ach! zerrissen / Ist manches teure Band“). Doch überwiegen Freude und Aufbruchsstimmung („Wohlauf und froh gewandert“). Die Atmosphäre ist feierlich und religiös geprägt („betend“, „segnend“). Der Wanderer fühlt sich „nicht verlassen“ und „nicht allein“, denn er trägt das Pfand der Geliebten im Herzen und fühlt sich mit Erde und Himmel „innig verwandt“. Bei Wagner wirkt die Reise dagegen negativ, beklemmend und entfremdend. Die Scheinwerfer tasten wie „klägliche Insektenfühler“ nach der verborgenen Sonne, und die Welt ist auf die nächste Fahrbahnmarkierung „geschrumpft“. Die Reisenden sitzen isoliert in „Waben aus Blech“ und starren müde auf die Bremsleuchten des Vordermanns. Es entsteht der Verdacht, dass man nicht vorankommt („stets dieselbe Brücke“). Am Ende steht Anonymität: ein Hotel in „einer Stadt ohne Namen“. Parallelen zwischen B und C – der Nebel Bild und Gedicht verbinden sich über das Motiv des Nebels und über den Wanderer, der einsam unterwegs ist. Beide spielen mit Friedrichs Gemälde: Bei Wagner taucht der Lkw wie ein Wal aus den „Tiefen des Meeres“ auf, was an das Nebelmeer erinnert. Die Bedeutung ist jedoch gegensätzlich. Bei Friedrich (1818, Romantik) steht der Wanderer über dem Nebel. Der Nebel symbolisiert das Unendliche und Erhabene, die Sehnsucht nach Transzendenz und das Geheimnis der Natur. Bei Wagner (21. Jahrhundert) steckt der Reisende mitten im Nebel. Dieser steht hier für Orientierungslosigkeit, Enge, Ungewissheit und Entfremdung von der Natur. Ruhige Betrachtung ist einem passiven, technikvermittelten Ausharren gewichen. Neuinterpretation der Reise heute Die heutigen Dokumente zeigen, wie die romantische Reise neu gedeutet wird. Die Ausstellung (B) beweist, dass Friedrichs Motiv weltweit nachgestellt wird. Der „Wanderer“ wird zur Pose moderner Touristen, oft fürs Foto inszeniert. Die romantische Sehnsucht lebt also fort, wird aber reproduziert und medial verbreitet. Wagner (C) zeigt die Kehrseite: Moderne Mobilität ist schnell und bequem, doch sie isoliert und raubt das echte Erlebnis von Landschaft und Weite. Hülsemann (D) antwortet darauf mit einer bewusst einfachen, körperlichen Reise zu Fuß. Er wehrt sich dagegen, mit dem Auto mitgenommen zu werden, verschenkt überflüssiges Gepäck und erlebt in abgelegenen Gegenden die Herzlichkeit der Menschen. Ganz ohne moderne Technik (GPS, Kamera) kommt jedoch auch er nicht aus. Die Reise wird heute also als Gegenentwurf zur beschleunigten Welt verstanden: als Abenteuer, Grenzerfahrung und Begegnung, als Suche nach dem Authentischen, die die romantische Wanderung in moderner Form wiederbelebt.

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