Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 3 · Abitur NRW Psychologie GK · Haupttermin 2023

Thema: Psychische Störungen und Psychotherapie · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2023)

Aufgabenstellung

3. Prüfen Sie, ob sich eine klassische Verhaltenstherapie für Patricia eignen würde. Nehmen Sie zum Schluss begründet Stellung dazu, welcher Therapierichtung Sie den Vorzug geben würden. (26 Punkte)

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Aufgabenstellung: Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 3 · Abitur NRW Psychologie GK · Haupttermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Skizzierung eines klassisch-verhaltenstherapeutischen Verfahrens

Lösung: - Systematische Desensibilisierung (Reziproke Hemmung nach Wolpe): Erstellung einer Angsthierarchie bezüglich auslösender Reize (z. B. Erbrechen in der Schule, Hänseleien), Erlernen eines Entspannungsverfahrens (PMR), schrittweise gedankliche Konfrontation im Zustand tiefer Entspannung. - Alternativ: Konfrontationstherapie (Exposition in sensu/in vivo) oder Operante Verfahren (Token-System, Verstärkerpläne, Shaping zum gezielten Aufbau prosozialen Verhaltens und Abbau von Wutausbrüchen).

Prüfung der Eignung der Verhaltenstherapie im Fall Patricia (Pro- und Contra-Argumente)

Lösung: - Zustimmende Argumente: Schnelle Linderung des hohen Leidensdrucks möglich; Übelkeit und Brechreiz können als klassisch konditionierte Reaktion auf die Schule/Kränkung durch Gegenkonditionierung abgebaut werden; Wutausbrüche und grenzüberschreitendes Verhalten lassen sich durch operante Konditionierung (Verstärkung von Impulskontrolle, Token-System) rasch modifizieren. - Ablehnende Argumente: Die eigentliche Ursache liegt in tief sitzenden, unbewussten Beziehungskonflikten (emotionale Unterversorgung, Trennungsängste, unbewusste narzisstische Wut); eine rein oberflächliche Verhaltensänderung birgt die erhebliche Gefahr einer Symptomverschiebung (Verlagerung auf andere psychosomatische oder verhaltensbezogene Symptome); fehlende Bearbeitung der familiären Beziehungsdynamik.

Begründete Schlussfolgerung und Stellungnahme zur favorisierten Therapierichtung

Lösung: - Eigene fundierte Positionierung, z. B.: * Favorisierung der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie / Psychoanalyse: Notwendig, da Patricias Symptome aus schweren Beziehungsstörungen und unbewussten Trieb-/Affektkonflikten resultieren, die nur durch Aufdeckung, Übertragungsbearbeitung und Nachreifung dauerhaft gelöst werden können. * Favorisierung einer Kombinationstherapie: Zu Beginn verhaltenstherapeutische Interventionen (Entspannung, Verhaltensverträge) zur schnellen Entlastung in Schule und Familie, gefolgt von einer tiefenpsychologischen Aufarbeitung der Ursachen. * Einbezug systemischer Aspekte: Da die elterliche Paardynamik und die Mutter-Kind-Symbiose maßgeblich beteiligt sind, ist eine Einbeziehung der Eltern zwingend erforderlich.

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