Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Psychologie GK · Haupttermin 2023

Thema: Psychische Störungen und Psychotherapie · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2023)

Aufgabenstellung

2. Erklären Sie den Fall Patricia aus tiefenpsychologischer Perspektive, indem Sie das passende Persönlichkeitsmodell und die passende Angsttheorie heranziehen. Erläutern Sie anhand der Psychoanalyse, wie Patricia und die Therapeutin wechselseitig aufeinander wirken. (26 Punkte)

a)

b)

c)

Aufgabenstellung: Aufgabe HT 3 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Psychologie GK · Haupttermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Theoretische Grundlagen: Persönlichkeitsmodell, Unbewusstes und Angsttheorie nach Freud

Lösung: - Struktur der Persönlichkeit: Instanzenmodell (Es = angeborene Triebe, Lustprinzip; Ich = Realitätsprinzip, Vermittler; Über-Ich = moralische Instanz, Werte, Gewissen) sowie Schichtenmodell (Bewusstes, Vorbewusstes, Unbewusstes). - Innerpsychische Dynamik: Verdrängung verpönter Triebwünsche ins Unbewusste; Konflikte zwischen den Instanzen; Bedeutung frühkindlicher Entwicklungsphasen (orale Phase). - Signaltheorie der Angst: Angst als Alarmsignal des Ichs bei drohender Überflutung durch unerträgliche Triebimpulse oder Bestrafung durch das Über-Ich, wodurch Ich-Abwehrmechanismen aktiviert werden.

Fallbezogene tiefenpsychologische Erklärung des Falls Patricia

Lösung: - Es-Impulse: Heftige, unkontrollierte Wut- und Aggressionsimpulse (beim Tennisspiel, Schlagen auf Instrumente, Wutausbrüche zu Hause). - Ich-Abwehr: Reaktionsbildung zur Verdrängung der Aggression (übertriebene Höflichkeit, „Gesundheit“-Sagen, sofortiges Herbeieilen zum Ballaufheben zur Wiedergutmachung); Verdrängung der eigenen Schmerzgrenze und Hilflosigkeit; Konversion bzw. somatisches Symptom (Übelkeit als psychosomatische Abfuhr / „zum Kotzen zumute“). - Über-Ich & Bindung: Unsicherheit in der oralen Phase (Trennungsangst, Wunsch nach immer wiederkehrender mütterlicher Versorgung bei gleichzeitiger emotionaler Distanz der Eltern). - Signalangst: Die Angst vor Zurückweisung oder Überwältigung durch Wut aktiviert sofort Abwehrreaktionen gegen die Therapeutin und die Bezugspersonen.

Psychoanalytische Grundlagen sowie Übertragung und Gegenübertragung im therapeutischen Kontakt

Lösung: - Psychoanalytische Grundlagen: Aufdeckung unbewusster Konflikte durch Deutung von Verhalten, freie Assoziation und Beziehungsdynamik zur emotionalen Nachreifung. - Übertragung: Patricia überträgt frühkindliche Beziehungsmuster auf die Therapeutin. Sie inszeniert ihre körperliche Bedürftigkeit (Vorzeigen von Schrammen/blauen Flecken) als unbewusste Suche nach mütterlicher Zuwendung und testet gleichzeitig durch rücksichtsloses Ballwerfen Grenzen aus. - Gegenübertragung: Die Therapeutin spürt Irritation, Ärger und das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Diese Reaktionen spiegeln Patricias eigenes frühes Lebensgefühl wider (das Gefühl, von Ereignissen unkontrollierbar überrollt und emotional nicht wahrgenommen worden zu sein). Durch die Reflexion der Gegenübertragung versteht die Therapeutin Patricias Beziehungsdefizite.

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