Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Thema: Spezielle Relativitätstheorie · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabe: Zerfall atmosphärischer Myonen

Albert Einstein begründete im Jahre 1905 die Spezielle Relativitätstheorie (SRT), eine Erweiterung der Newtonschen Mechanik mit wichtigen Konsequenzen für Kinematik und Dynamik wie auch eine Revolution des wissenschaftlichen Weltbilds insgesamt.

Die Voraussagen der SRT lassen sich mit vielen Experimenten bestätigen. Einen besonders eindrucksvollen Beleg liefert die Analyse des Zerfalls atmosphärischer Myonen.

Teilaufgabe 1: Zeitdilatation und Längenkontraktion [22 Punkte]

Um den Zerfall atmosphärischer Myonen untersuchen zu können, benötigt man zunächst Kenntnisse über Zeitdilatation und Längenkontraktion.

a) Eine Rakete besitzt an ihrer Spitze eine Lampe, die in regelmäßigen Abständen kurz aufleuchtet. Im Raketenbezugssystem wird dabei zwischen zwei aufeinanderfolgenden Leuchtereignissen die Zeit Δt1\Delta t_1 gemessen. Im Erdbezugssystem, in dem sich die Rakete geradlinig-gleichförmig mit hoher Geschwindigkeit vv bewegt, wird stattdessen zwischen zwei aufeinanderfolgenden Leuchtereignissen die Zeit Δt2\Delta t_2 gemessen.

Unter der Voraussetzung, dass es sich bei den Bezugssystemen um Inertialsysteme im Sinne der SRT handelt, gilt folgender Zusammenhang: Δt2=γ⋅Δt1\Delta t_2 = \gamma \cdot \Delta t_1

Dabei ist der sogenannte Lorentzfaktor γ\gamma definiert durch γ=11−v2c2\gamma = \frac{1}{\sqrt{1 - \frac{v^2}{c^2}}}, wobei c=299.792.458 m/sc = 299.792.458\text{ m/s} die Vakuumlichtgeschwindigkeit ist.

Es wird nun eine Rakete betrachtet, die sich mit einer Geschwindigkeit von v=0,7 cv = 0{,}7\,c relativ zur Erde bewegt und deren Raketenlampe im Raketenbezugssystem zweimal pro Sekunde blinkt. Die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Leuchtereignissen ist also in diesem Bezugssystem Δt1=0,5 s\Delta t_1 = 0{,}5\text{ s}.

a1)

a2)

Entscheiden Sie begründet, in welchem der beiden Bezugssysteme, Raketen- oder Erdbezugssystem, die Blinkfrequenz der Raketenlampe größer ist:

a3)

Erklären Sie, warum Δt1\Delta t_1 und Δt2\Delta t_2 in derselben Messung nicht mit nur einer einzigen Uhr bestimmt werden können:

b) Die Entfernung zwischen dem vorderen und hinteren Ende einer Rakete wird gemessen. Im Raketenbezugssystem wird eine Entfernung Δx1\Delta x_1, die sogenannte Ruhelänge, gemessen. Im Erdbezugssystem, in dem sich die Rakete geradlinig-gleichförmig mit hoher Geschwindigkeit vv bewegt, wird stattdessen zwischen dem vorderen und hinteren Ende eine Entfernung Δx2\Delta x_2 gemessen.

Unter der Voraussetzung, dass es sich bei den Bezugssystemen um Inertialsysteme im Sinne der SRT handelt, gilt ein Zusammenhang zwischen beiden Größen: Δx2=1γ⋅Δx1\Delta x_2 = \frac{1}{\gamma} \cdot \Delta x_1

Eine Rakete der Länge Δx1=100 m\Delta x_1 = 100\text{ m} kann somit in einem Inertialsystem, in dem die Rakete eine ausreichend hohe Geschwindigkeit vv besitzt, die Länge Δx2=50 m\Delta x_2 = 50\text{ m} besitzen.

b1)

⋅c\cdot c

b2)

Entscheiden Sie begründet, ob ein Inertialsystem existiert, in dem für die Rakete eine größere Länge gemessen wird als im Raketenbezugssystem:

c)

Ein Zug bewegt sich geradlinig gleichförmig entlang eines Gleises vorwärts. Dabei wird vorhergesagt, dass es bei einer relativistisch bedeutsamen Geschwindigkeit zum Entgleisen des Zuges würde, da die Radachse des Zuges so stark kontrahiert wird, dass die Räder nicht mehr auf den Gleisen aufliegen (siehe Abbildung 1).

Hinweis: Dies ist ein Gedankenexperiment, bei dem die tatsächliche technische Realisierbarkeit für die Diskussion belanglos ist.

Erklären Sie, weshalb diese Vorhersage nicht zutrifft:

Teilaufgabe 2: Relativistische Phänomene atmosphärischer Myonen [32 Punkte]

Die Teilchenart der sogenannten Myonen wurde in den Jahren 1936/1937 von C. D. Anderson und S. Neddermeyer sowie von J. C. Street und E. C. Stevenson entdeckt.

a) Myonen unterscheiden sich von ihren „Verwandten“, den Elektronen, insbesondere durch ihre größere Masse. Zudem sind Myonen im Gegensatz zu Elektronen instabil, mit einer Halbwertszeit von T1/2=1,523⋅10−6 sT_{1/2} = 1{,}523 \cdot 10^{-6}\text{ s}.

Aufgrund ihrer Instabilität werden beispielsweise von einer anfänglichen Menge von 10001000 Myonen nach kurzer Zeit nur noch wenige Myonen vorhanden sein.

a)

b) Die Erdatmosphäre wird beständig von kosmischer Strahlung getroffen. In den höheren Schichten der Atmosphäre entstehen dabei zahlreiche Myonen, von denen viele Richtung Erdoberfläche fliegen. Zur Analyse dieses Flugs wird nachfolgend von einigen vereinfachenden Annahmen ausgegangen (siehe Abbildung 2):

1. Alle Myonen entstehen in der gleichen Höhe h=10 kmh = 10\text{ km}.

2. Alle Myonen haben die gleiche Geschwindigkeit v=0,995 cv = 0{,}995\,c.

3. Alle Myonen bewegen sich senkrecht zur Erdoberfläche.

4. Bei ihrem Flug kommt es zu keinen Kollisionen mit Teilchen der Atmosphäre.

b1)

Zeigen Sie unter Nichtberücksichtigung relativistischer Effekte, dass von anfänglich jeweils 4,229⋅1064{,}229 \cdot 10^6 Myonen mittels eines Detektors auf der Erdoberfläche rechnerisch gesehen nur ein einziges Myon registriert wird:

b2)

Erklären Sie den experimentellen Befund, dass tatsächlich deutlich mehr Myonen registriert werden, einmal aus Sicht eines mitbewegten Bezugssystems (in dem das Myon ruht) und einmal aus Sicht des Erdbezugssystems:

b3)

c) Als massebehaftete Teilchen bewegen sich die Myonen stets langsamer als Licht.

c1)

Erklären Sie, wie viele Myonen man registrieren würde, wenn die Teilchen sich näherungsweise mit Lichtgeschwindigkeit bewegten:

c2)

Begründen Sie qualitativ und mit Bezug auf den oben beschriebenen Entstehungsprozess der Myonen, warum Annahme 3 eine sehr grobe Vereinfachung darstellt:

c3)

Ohne Vereinfachung 3 fiele die berechnete Anzahl detektierter Myonen geringer aus. Begründen Sie diese Aussage qualitativ:

c4)

Beurteilen Sie qualitativ und mit Bezug auf die Wechselwirkung während der Kollision, wie sich die berechnete Zahl der detektierten Myonen verändern würde, wenn die obige Vereinfachung 4 nicht vorgenommen werden würde:

Teilaufgabe 3: Zeitdilatation in Spezieller und Allgemeiner Relativitätstheorie [11 Punkte]

a) Im Jahr 1975 wurden Atomuhren 15 Stunden lang in einem kreisenden Flugzeug transportiert, in einer Höhe von 8 bis 10 km. Der Stand dieser Uhren wurde mittels Laserimpulsen mit dem Stand gleichartiger Uhren auf dem Erdboden verglichen. Für einen fünfzehnstündigen Flug sagt die SRT voraus, dass die kreisende Uhr im Vergleich zur Erduhr „nachgeht“, nämlich 5,7 Nanosekunden. Tatsächlich wurde jedoch gemessen, dass die kreisende Uhr „vorgeht“, nämlich 47,2 Nanosekunden. Die SRT kann also diesen Unterschied zwischen Theorie und Experiment von 52,9 Nanosekunden nicht erklären. Die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) dagegen kann diesen Unterschied auf die Höhendifferenz zwischen kreisender Uhr und Erduhr zurückführen.

a)

Begründen Sie qualitativ, warum die ART den Gegensatz zwischen SRT und Experiment auf die Höhendifferenz zwischen kreisender Uhr und Erduhr zurückzuführen vermag:

b) Im Falle von kreisenden Flugzeugen ist die genaue Berechnung zeitlicher Differenzen vergleichsweise kompliziert. In der Nähe eines massereichen Körpers kann die allgemein-relativistische Zeitdilatation näherungsweise durch die folgende Formel beschrieben werden: Δt=1−2⋅G⋅Mc2⋅r⋅Δtentfernt\Delta t = \sqrt{1 - \frac{2 \cdot G \cdot M}{c^2 \cdot r}} \cdot \Delta t_{\text{entfernt}}

Dabei ist Δtentfernt\Delta t_{\text{entfernt}} diejenige Zeit, die auf einer relativ zur Masse MM ruhenden Uhr A verstreicht, die sehr weit von dieser Masse entfernt ist, und Δt\Delta t ist diejenige Zeit, die auf einer relativ zur Masse MM ruhenden Uhr B verstreicht, die dieser Masse sehr nahe ist (mit Abstand rr zwischen Uhr und Massenmittelpunkt, siehe Abbildung 3). c=299.792.458 m/sc = 299.792.458\text{ m/s} und G=6,67430⋅10−11 m3/(kg⋅s2)G = 6{,}67430 \cdot 10^{-11}\text{ m}^3/(\text{kg}\cdot\text{s}^2).

Der Pilot der Rakete A sieht auf seiner Uhr die Zeit Δtentfernt=1 min\Delta t_{\text{entfernt}} = 1\text{ min} verstreichen.

b1)

b2)

Die Sonnenmasse verursacht nicht nur eine Zeitdilatation im Falle von Uhren, die sich auf in der Nähe befindlichen Raketen befinden, sondern auch auf Uhren, die sich auf der fernen Erde befinden (R=1,496⋅1011 mR = 1{,}496 \cdot 10^{11}\text{ m}). Beurteilen Sie qualitativ die Bedeutung der von der Sonnenmasse verursachten allgemein-relativistischen Zeitdilatation für das Verstreichen der Zeit auf einer Uhr, die sich auf der Erdoberfläche befindet:

b3)

Erklären Sie, welche Eigenschaften ein Himmelskörper im Vergleich zu unserer Sonne besitzen muss, damit auf seiner Oberfläche eine sehr viel stärkere allgemein-relativistische Zeitdilatation herrschen wird als auf der Oberfläche der Sonne:

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. a1) Berechnen Sie den Lorentzfaktor γ\gamma:

Lösung: 1,41{,}4

1. a1) Berechnen Sie die Zeit Δt2\Delta t_2, die im Erdbezugssystem gemessen wird:

Lösung: 0,70{,}7 s

1. a2) Entscheiden Sie, ob die Blinkfrequenz der Lampe im Raketenbezugssystem oder im Erdbezugssystem höher ist:

Lösung: A) Im Raketenbezugssystem

1. a2) Begründung zur Blinkfrequenz:

Lösung: Die Periodendauer Δt2\Delta t_2 im Erdbezugssystem ist größer als die Periodendauer Δt1\Delta t_1 im Raketenbezugssystem. Da die Frequenz umgekehrt proportional zur Periodendauer ist, muss die Blinkfrequenz im Erdbezugssystem kleiner sein.

1. a3) Erklären Sie, warum Δt1\Delta t_1 und Δt2\Delta t_2 in derselben Messung nicht mit nur einer einzigen Uhr bestimmt werden können:

Lösung: Auf einer Uhr, die sich relativ zum Beobachter mit hoher Geschwindigkeit bewegt, erscheint das Verstreichen der Zeit dilatiert. Messungen innerhalb eines Bezugssystems können daher nur mit Uhren durchgeführt werden, die in diesem Bezugssystem in Ruhe verharren. Da sich die Rakete mit hoher Geschwindigkeit relativ zur Erde bewegt, kann eine im Raketenbezugssystem genutzte Uhr nicht während der gleichen Messung im Erdbezugssystem genutzt werden.

1. b1) Berechnen Sie die dafür notwendige Geschwindigkeit vv (als Vielfaches der Lichtgeschwindigkeit cc):

Lösung: 0,870{,}87 / 0,8660{,}866

1. b2) Entscheiden Sie, ob ein Inertialsystem existiert, in dem für die Rakete eine größere Länge gemessen wird als im Raketenbezugssystem:

Lösung: B) Nein, in keinem Inertialsystem

1. b2) Begründung zur maximalen Länge im Ruhesystem:

Lösung: Da der Lorentzfaktor stets größer oder gleich 1 ist, ist die Länge der Rakete in anderen Inertialsystemen stets kleiner oder genauso groß wie im Raketenbezugssystem.

1. c) Erklären Sie, weshalb diese Vorhersage nicht zutrifft:

Lösung: Der Vorhersage des Gedankenexperiments liegt die zutreffende Annahme zugrunde, dass es bei einer sehr hohen Relativgeschwindigkeit zwischen Gleis und Zug zur Längenkontraktion kommen würde. Allerdings findet die Längenkontraktion immer nur in Längsrichtung statt, also in Fahrtrichtung des Zugs, niemals in den Querdimensionen, also in Richtungen quer zur Fahrtrichtung des Zugs.

2. a) Berechnen Sie, wie lange es dauert, bis nur noch etwa 125 Myonen vorhanden sind:

Lösung: 4,569⋅10−64{,}569\cdot 10^{-6} s / 4,5694{,}569 µs

2. b1) Zeigen Sie unter Nichtberücksichtigung relativistischer Effekte, dass rechnerisch nur ein einziges Myon registriert wird:

Lösung: Die Flugzeit beträgt klassisch: Δt=hv=10 km0,995 c≈3,352⋅10−5 s\Delta t = \frac{h}{v} = \frac{10\text{ km}}{0{,}995\,c} \approx 3{,}352 \cdot 10^{-5}\text{ s} Dies entspricht einer Anzahl von Halbwertszeiten von: n=ΔtT1/2=3,352⋅10−5 s1,523⋅10−6 s≈22n = \frac{\Delta t}{T_{1/2}} = \frac{3{,}352 \cdot 10^{-5}\text{ s}}{1{,}523 \cdot 10^{-6}\text{ s}} \approx 22 Damit verbleiben: N=4,229⋅106222=4,229⋅1064,194⋅106≈1,008≈1 MyonN = \frac{4{,}229 \cdot 10^6}{2^{22}} = \frac{4{,}229 \cdot 10^6}{4{,}194 \cdot 10^6} \approx 1{,}008 \approx 1\text{ Myon}

2. b2) Erklären Sie den experimentellen Befund, einmal aus Sicht eines mitbewegten Bezugssystems und einmal aus Sicht des Erdbezugssystems:

Lösung: Aus Sicht eines mitbewegten Bezugssystems (in dem das Myon ruht) wird die Flugstrecke von 10 km10\text{ km} lorentzkontrahiert, sodass das Myon in viel kürzerer Eigenzeit den Erdboden erreicht und weniger Myonen zerfallen. Aus Sicht des Erdbezugssystems bewegen sich die Myonen mit hoher Geschwindigkeit, sodass ihre Halbwertszeit zeitdilatiert verlängert ist und folglich ebenfalls weniger Myonen auf dem Weg zerfallen.

2. b3) Bestimmen Sie unter Berücksichtigung des relativistischen Effekts die Zahl der registrierten Myonen:

Lösung: 9,223⋅1059{,}223\cdot 10^5 / 922300922300

2. c1) Erklären Sie, wie viele Myonen man registrieren würde, wenn die Teilchen sich näherungsweise mit Lichtgeschwindigkeit bewegten:

Lösung: Wenn sich die Geschwindigkeit der Lichtgeschwindigkeit annähert, wächst der Lorentzfaktor γ\gamma über alle Grenzen. Dadurch schrumpft die Eigenzeit bzw. die kontrahierte Wegstrecke gegen null, sodass nahezu alle in der Atmosphäre erzeugten Myonen (4,229⋅1064{,}229\cdot 10^6) den Detektor unzerfallen erreichen.

2. c2) Begründen Sie qualitativ, warum Annahme 3 eine sehr grobe Vereinfachung darstellt:

Lösung: Die Myonen entstehen durch Stöße hochenergetischer Teilchen der kosmischen Strahlung mit Atomkernen der Atmosphäre. Da diese Teilchen aus dem Weltall unter den verschiedensten Winkeln auf die Erdatmosphäre treffen, fliegen nur die wenigsten Myonen exakt senkrecht zur Erdoberfläche.

2. c3) Begründen Sie, warum bei schrägem Flug weniger Myonen detektiert würden:

Lösung: Fliegen die Myonen nicht senkrecht zur Erdoberfläche, müssen sie eine längere Wegstrecke vom Entstehungsort bis zur Erdoberfläche zurücklegen. Für eine größere Flugstrecke wird mehr Zeit benötigt, sodass ein größerer Anteil der Myonen vor Erreichen des Detektors zerfällt.

2. c4) Beurteilen Sie den Einfluss von Stößen mit Teilchen der Atmosphäre (Vereinfachung 4):

Lösung: Bei Stößen mit Luftteilchen können Myonen gestreut (Richtungsänderung), durch Ionisation abgebremst oder in andere Teilchen umgewandelt werden. Dadurch verlängert sich ihre Flugzeit bzw. sie verfehlen den Detektor, wodurch die Zahl der detektierten Myonen verringert wird.

3. a) Begründen Sie qualitativ, warum die ART den Gegensatz zwischen SRT und Experiment erklären kann:

Lösung: Die kreisende Uhr befindet sich in größerer Höhe und damit in einem schwächeren Gravitationsfeld als die Erduhr. Nach der ART vergeht die Zeit in einem schwächeren Gravitationspotenzial schneller (bzw. auf der Erdoberfläche langsamer). Dieser allgemein-relativistische Beschleunigungseffekt überwiegt bei dieser Geschwindigkeit den speziellen relativistischen Verlangsamungseffekt.

3. b1) Berechnen Sie die Zeit Δt\Delta t auf Rakete B mit einer Genauigkeit von einer hundertstel Millisekunde:

Lösung: 59,9998959{,}99989 s

3. b2) Beurteilen Sie die Bedeutung der von der Sonnenmasse verursachten Zeitdilatation auf der Erde:

Lösung: Der Abstand der Erde von der Sonne (R≈1,496⋅1011 mR \approx 1{,}496\cdot 10^{11}\text{ m}) ist fast 200-mal größer als der Abstand von Rakete B. Da die gravitative Zeitdilatation mit wachsendem Abstand rr noch deutlich geringer wird, ist der Einfluss der Sonnenmasse auf Uhren auf der Erdoberfläche im Alltag vollkommen vernachlässigbar.

3. b3) Erklären Sie, welche Eigenschaften ein Himmelskörper besitzen muss für eine stärkere Zeitdilatation:

Lösung: Der Term 2GMc2r\frac{2GM}{c^2 r} muss möglichst groß werden. Ein solcher Himmelskörper muss daher eine deutlich größere Masse MM oder einen wesentlich kleineren Radius rr (sehr hohe Dichte bzw. Kompaktheit, wie z. B. bei Neutronensternen oder Schwarzen Löchern) oder beides aufweisen.

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