Aufgabe 1 · Abitur NRW Physik GK · Induktionsherd 2026
Thema: Magnetfeld und elektromagnetische Induktion · Aus der Prüfung GK · Induktionsherd (2026)
Aufgabenstellung
Material
Material 1: Funktionsprinzip eines Induktionskochfelds
Unter der Kochfläche eines Induktionskochfelds befindet sich eine flache, spiralförmige Spule mit Metallkern, die ein zeitlich mit hoher Frequenz veränderliches Magnetfeld erzeugt. Der Metallkern ist in den Abbildungen nicht dargestellt. Durch elektromagnetische Induktion wird im darauf stehenden Topfboden ein zeitlich veränderlicher Strom hervorgerufen. Dieser sogenannte Wirbelstrom fließt ähnlich wie in einer Leiterschleife im Kreis und erhitzt den Topfboden. Die Kochfläche erwärmt sich ausschließlich ein wenig durch den Kontakt mit dem heißen Topf. Steht kein Topf auf der Kochfläche, so wird bei den meisten Herden die Spannungsversorgung der spiralförmigen Spule unterbrochen.
Material 2: Magnetfeld einer spiralförmigen Spule
Mit der folgenden Gleichung lässt sich die magnetische Flussdichte im Inneren einer flachen spiralförmigen Spule berechnen. Vereinfachend wird davon ausgegangen, dass überall im Inneren der Spule dieselbe Flussdichte herrscht.
· : Stoffkonstante für das Material im Inneren der Spule
: Windungszahl der Spule
: elektrische Stromstärke in der Spule
: Radius der innersten Windung
: Radius der äußersten Windung
Für die verwendete Spule gilt: , , und .
Material 3: Aussagen zum Kochgeschirr
Ein Tontopf eignet sich nicht zum Einsatz auf Induktionskochfeldern.
Bei gleichem elektrischem Widerstand beider Materialien ist ein Topfboden aus einem magnetisierbaren Material besser geeignet als ein Topfboden aus einem nicht magnetisierbaren Material.
Material 4: Entfernungsabhängigkeit der Flussdichte über der Spule
Der Graph stellt die magnetische Flussdichte im Abstand über dem Inneren der Spule als Prozentsatz der Flussdichte im Inneren der Spule dar.
Material 5: Empfehlungen des Bundesamts für Strahlenschutz für Induktionsherde
„In den üblichen Gebrauchsabständen halten Induktionskochfelder den von der Internationalen Kommission zum Schutz vor Nichtionisierender Strahlung […] entwickelten Referenzwert für die magnetische Flussdichte […] üblicherweise ein. Gesundheitliche Wirkungen sind dann nicht zu erwarten. In ungünstigen Fällen […] kann der Referenzwert nahe an den Geräten erreicht werden. Wegen der geringen Kopplung der Felder mit dem Körper sind gesundheitliche Wirkungen nicht zu erwarten, können bei Erreichen des Referenzwertes aber nicht ausgeschlossen werden. […]
Die Exposition mit den von Induktionskochfeldern ausgehenden Magnetfeldern kann gering gehalten werden, wenn
Kochgeschirr geeigneter Größe aus geeignetem Material verwendet wird,
aktive Kochzonen möglichst vollständig mit Kochgeschirr bedeckt sind,
fünf bis zehn Zentimeter Abstand von der Vorderkante des Herds oder einer aktiven Kochzone eingehalten werden.“
Material 6: Funktionsweise eines Herzschrittmachers
Herzschrittmacher werden bei vielen Erkrankungen des Herzens, die bei Menschen im höheren Lebensalter vermehrt auftreten, angewendet. Ein Herzschrittmacher besteht aus einem etwa streichholzschachtelgroßen Impulsgeber, der in die Brust des Trägers implantiert und über elektrische Leitungen mit dem Herzen verbunden wird. Eine Elektronik im Impulsgeber analysiert den Herzschlag des Trägers und löst bei einer Unregelmäßigkeit einen elektrischen Impuls aus, der das Herz stimuliert. Eine Batterie versorgt den Herzschrittmacher mit elektrischer Energie.
a)
In Material 1 ist das Funktionsprinzip eines Induktionskochfelds beschrieben. Geben Sie die Polung der Spannung an den Punkten 1 und 2 an, um ein Magnetfeld mit der in Abbildung 1 gezeigten Richtung zu erzeugen und begründen Sie Ihre Angabe.
b)
Erklären Sie, dass in der spiralförmigen Spule ein zeitlich veränderlicher Strom fließen muss, um im Boden des Topfs einen Wirbelstrom zu erzeugen.
c)
Erklären Sie, dass beim verwendeten dreieckförmigen Wechselstrom (Abb. 2, M 2) sowohl eine Erhöhung der Frequenz als auch eine Erhöhung der Amplitude des Stroms zu einer schnelleren Erhitzung des Kochguts führt.
d)
Beurteilen Sie die Aussagen in Material 3 aus physikalischer Sicht.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1 a) Polung der Spannung an Punkt 1
Lösung: Minuspol
1 a) Polung der Spannung an Punkt 2
Lösung: Pluspol
1 a) Begründung der Polung an den Punkten 1 und 2
Lösung: Gemäß der Linke-Faust-Regel müssen die Elektronen im rechten Teil der Abbildung 1 aus der Zeichenebene herausfließen. Daher muss am Punkt 1 der Minuspol sein und am Punkt 2 der Pluspol.
1 b) Erklären Sie, dass in der spiralförmigen Spule ein zeitlich veränderlicher Strom fließen muss, um im Boden des Topfs einen Wirbelstrom zu erzeugen.
Lösung: In einer Leiterschleife wird eine Spannung induziert, wenn sich das Magnetfeld, das die Leiterschleife durchsetzt, ändert. Entsprechend wird im Topfboden nur dann ein Strom hervorgerufen, wenn sich der Strom in der spiralförmigen Spule mit der Zeit ändert.
1 c) Erklären Sie, dass beim verwendeten dreieckförmigen Wechselstrom (Abb. 2, M 2) sowohl eine Erhöhung der Frequenz als auch eine Erhöhung der Amplitude des Stroms zu einer schnelleren Erhitzung des Kochguts führt.
Lösung: Nach dem Induktionsgesetz ist die induzierte Spannung proportional zur zeitlichen Änderung des magnetischen Flusses. Wird die Frequenz oder die Amplitude des Stroms erhöht, so werden die zeitliche Änderung des magnetischen Flusses und damit die induzierte Spannung und auch der im Topfboden fließende Strom größer. Dieser erhitzt den Topfboden und damit auch das Kochgut schneller.
1 d) Beurteilung der Aussage 1 in Material 3: „Ein Tontopf eignet sich nicht zum Einsatz auf Induktionskochfeldern.“
Lösung: Bei einem Induktionsherd heizt sich der Topfboden durch einen Stromfluss auf. Ton ist ein Nichtleiter, in dem kein Strom fließen kann. Die Aussage ist somit richtig.
1 d) Beurteilung der Aussage 2 in Material 3: „Bei gleichem elektrischem Widerstand beider Materialien ist ein Topfboden aus einem magnetisierbaren Material besser geeignet als ein Topfboden aus einem nicht magnetisierbaren Material.“
Lösung: Ein Boden aus einem magnetisierbaren Material verstärkt das Magnetfeld. Damit ist bei gleichem elektrischem Widerstand auch der im Topfboden hervorgerufene Strom größer als bei einem Boden aus einem nicht magnetisierbaren Material, sodass sich ein Topf mit einem Boden aus einem magnetisierbaren Material besser für einen Einsatz auf Induktionskochfeldern eignet als ein Topf mit einem nicht magnetisierbaren Boden. Die Aussage ist somit richtig. / Die Begründung, dass die Heizwirkung bei einem magnetisierbaren Boden besonders groß ist, weil die Elementarmagnete ständig umorientiert werden, ist ebenfalls korrekt.
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