Aufgabe 4 · Abitur NRW Geschichte-Sozialwissenschaften LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
Thema: Kalter Krieg und Kubakrise · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)
Aufgabenstellung
Abiturprüfung 2021 – Geschichte/Sozialwissenschaften, Leistungskurs
Aufgabe 4
Aufgabenstellung
1.
Geben Sie den Gedankengang sowie die zentralen Aussagen des vorliegenden Textes in strukturierter Form wieder. (22 Punkte)
2.
Erläutern Sie, wie es zum Kalten Krieg kam und wie er sich von 1945 bis 1962 entwickelte. Gehen Sie dabei vor allem auf die einzelnen Etappen der Kubakrise ein. Charakterisieren Sie im Anschluss die Position Chruschtschows in der Kubakrise. (34 Punkte)
3.
„Dieser Prozess des Kampfes wird andauern, solange es in der Welt zwei sozial-politische Systeme gibt […]". Diskutieren Sie, inwiefern der Gegensatz zwischen Ost und West durch das Ende des Kalten Krieges und der kommunistischen Ideologie in Osteuropa 1990/91 bis heute überwunden ist. (24 Punkte)
Hinweis: Für die Darstellungsleistung können zusätzlich bis zu 20 Punkte erreicht werden.
Materialgrundlage
Aus dem Schreiben des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Nikita Chruschtschow an den kubanischen Regierungschef Fidel Castro vom 30.10.1962:
Lieber Genosse Fidel Castro!
1 Wir haben Ihren Brief vom 28. Oktober und die Berichte über die Gespräche, die Sie und auch Präsident Dorticós¹ mit unserem Botschafter geführt haben, erhalten.
5 Wir verstehen Ihre Lage und berücksichtigen die Schwierigkeiten, die Sie jetzt haben, in der ersten Übergangsetappe nach der Beseitigung der höchsten Spannung, die durch den drohenden Überfall seitens der amerikanischen Imperialisten, den Sie von Stunde zu Stunde erwartet hatten, entstanden war.
10 Wir verstehen, dass für Sie bestimmte Schwierigkeiten entstanden sind, da wir der Regierung der USA zugesagt haben, die Raketen als Angriffswaffe aus Kuba abzuziehen, im Tausch gegen die Verpflichtung der USA, auf eine Invasion Kubas durch Truppen der USA und ihrer Verbündeten in der westlichen Hemisphäre² zu verzichten sowie die sogenannte „Quarantäne“ aufzuheben, das heißt die Blockade Kubas zu beenden. Das führte zur Beendigung des Konflikts in der Zone des Karibischen Meers, der, wie Sie gut verstehen, die Gefahr des Zusammenstoßes zweier Großmächte und des Umschlagens in einen Weltkrieg mit Atomraketen in sich barg.
[…]
15 Wenn wir, Stimmungen im Volk nachgebend, uns an der Leine einiger aufgebrachter Bevölkerungsschichten führen ließen und uns geweigert hätten, ein vernünftiges Abkommen mit der Regierung der USA zu schließen, hätte wahrscheinlich ein Krieg angefangen, in dessen Verlauf Millionen Menschen umgekommen wären, und die am Leben Gebliebenen würden sagen, dass die Führer daran schuld seien, die keine notwendigen Maßnahmen zur Verhütung dieses vernichtenden Krieges unternommen hätten.
20 Diese Verhütung des Krieges und des Überfalls auf Kuba hing nicht nur von Maßnahmen ab, die unsere Regierungen ergriffen haben, sondern auch von den Handlungen feindlicher Kräfte, die sich in Ihrer unmittelbaren Nähe befinden. Deshalb musste man die Lage insgesamt berücksichtigen.
[…]
25 Bei uns hatte sich die Meinung gebildet, dass die Imperialisten wie gebannt auf unsere strategischen Raketen auf Kuba starrten: Sie waren erschrocken, und aus Furcht, dass diese Raketen abgeschossen würden, konnten sie darauf verfallen, die Raketen durch ein Bombardement unbrauchbar zu machen oder die Invasion Kubas zu unternehmen. Und man muss sagen, dass sie die Raketen unbrauchbar machen konnten. Deshalb, so wiederhole ich, war Ihr Alarm völlig begründet.
30 Im Telegramm vom 27. Oktober haben Sie uns vorgeschlagen, als erste einen Schlag mit Kernwaffen auf das Territorium des Gegners zu führen. Sie verstehen natürlich, welche Folgen das gehabt hätte. Es wäre nicht einfach ein überraschender Angriff gewesen, sondern der Beginn eines atomaren Weltkriegs.
Lieber Genosse Castro, ich halte diesen Vorschlag für falsch, obwohl ich Ihre Beweggründe verstehe.
35 Wir haben äußerst verantwortungsvolle Stunden durchlebt, da ein atomarer Weltkrieg beginnen konnte. Natürlich hätten wir den USA in diesem Falle riesige Verluste beigebracht, aber auch die Sowjetunion und das ganze sozialistische Lager hätten schwer gelitten. Was Kuba betrifft, das kubanische Volk, so ist es sogar schwer zu sagen, wie alles enden konnte. Kuba wäre zuerst im Feuer des Krieges verbrannt. Es gibt keinen Zweifel, dass das kubanische Volk heroisch gekämpft hätte, aber, dass es heroisch umgekommen wäre, daran ist auch nicht zu zweifeln. Wir führen jedoch den Kampf gegen die Imperialisten nicht, um zu sterben, sondern um alle unsere Möglichkeiten zu nutzen, in diesem Kampf weniger zu verlieren und mehr zu gewinnen, um zu siegen, um den Sieg des Kommunismus zu erringen.
40 Jetzt haben wir als Ergebnis der durchgeführten Maßnahmen das Ziel erreicht, das wir uns gesetzt hatten, als wir mit Ihnen vereinbarten, Raketen auf Kuba zu stationieren. Wir haben die verpflichtende Erklärung der USA, nicht selber auf Kuba einzudringen und auch ihre Verbündeten aus den Ländern Lateinamerikas davor zurückzuhalten. Alles das haben wir ohne Atomschlag erzwungen.
45 Wir meinten, dass man alle Möglichkeiten nutzen musste, um Kuba zu verteidigen, um die Unabhängigkeit, die Souveränität Kubas zu festigen, eine militärische Aggression unmöglich zu machen und einen atomaren Weltkrieg in der gegebenen Etappe auszuschließen.
Das haben wir erreicht.
50 Hier haben wir natürlich Zugeständnisse gemacht, einen Kompromiss geschlossen; wir haben nach dem Prinzip Zugeständnis für Zugeständnis gehandelt. Die USA haben ebenfalls ein Zugeständnis gemacht, sie haben vor der ganzen Welt die Verpflichtung abgegeben, Kuba nicht anzugreifen.
55 Wenn man also vergleicht: Aggression seitens der USA und ein atomarer Krieg oder der Kompromiss, Zugeständnis für Zugeständnis, Unantastbarkeit der Kubanischen Republik und Verhütung eines Weltkriegs – ich denke, dass die Bilanz eines solchen Vergleichs völlig eindeutig ist.
60 Natürlich können wir uns bei der Verteidigung Kubas wie auch anderer sozialistischer Staaten nicht auf Erklärungen der Regierung der USA verlassen. Wir treffen weiterhin alle Maßnahmen, um unsere Verteidigungskraft zu stärken und unsere Kräfte zu vergrößern für den Fall eines notwendigen Gegenschlags. […]
65 Das Wesentliche, das wir erreicht haben, ist die Verhütung einer Aggression seitens des äußeren Feindes zur gegebenen Zeit. Wir meinen, dass wir dem Aggressor eine Niederlage beigebracht haben. Er hatte sich darauf vorbereitet, Kuba zu überfallen, wir haben ihn davor zurückgehalten und zwingen ihn, vor der Weltöffentlichkeit zu erklären, dass er das in dieser Etappe nicht tun wird. Wir schätzen das als großen Sieg ein. Die Imperialisten verzichten natürlich nicht auf den Kampf gegen den Kommunismus. Aber wir haben auch unsere Pläne und werden unsere Maßnahmen treffen. Dieser Prozess des Kampfes wird andauern, solange es in der Welt zwei sozial-politische Systeme gibt, solange eines von ihnen – und wir wissen, dass das unser kommunistisches System ist – nicht in der ganzen Welt siegt und triumphiert.
[…]
¹ Osvaldo Dorticós Torrado (1919 – 1983) war kubanischer Revolutionär und Staatspräsident der Republik Kuba von 1959 bis 1976, bis er vom Ministerpräsidenten und Regierungschef Fidel Castro abgelöst wurde.
² die Verbündeten in der westlichen Hemisphäre: die Verbündeten in der westlichen Welt (gemeint sind insbesondere die Verbündeten der USA aus den Ländern Lateinamerikas)
Aus: Anatoli I. Gribkow: Im Dienste der Sowjetunion. 1997, S. 486 ff. (Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.)
1.
2.
3.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Geben Sie den Gedankengang sowie die zentralen Aussagen des vorliegenden Textes in strukturierter Form wieder.
Lösung: Ausarbeitung zur Textanalyse (formale Einordnung, Thema, Kernaussage, Gedankengang und Hauptaussagen)
2. Erläutern Sie, wie es zum Kalten Krieg kam und wie er sich von 1945 bis 1962 entwickelte. Gehen Sie dabei vor allem auf die einzelnen Etappen der Kubakrise ein. Charakterisieren Sie im Anschluss die Position Chruschtschows in der Kubakrise.
Lösung: Historische Einordnung und Erläuterung der Entwicklungsphasen des Kalten Krieges (1945–1962), der Etappen der Kubakrise sowie Charakterisierung von Chruschtschows Haltung
3. „Dieser Prozess des Kampfes wird andauern, solange es in der Welt zwei sozial-politische Systeme gibt […]". Diskutieren Sie, inwiefern der Gegensatz zwischen Ost und West durch das Ende des Kalten Krieges und der kommunistischen Ideologie in Osteuropa 1990/91 bis heute überwunden ist.
Lösung: Erörterung und begründetes Fazit zur Frage der Beilegung der Ost-West-Konfrontation in der Gegenwart
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe 4 · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021 · Aufgabe 4 · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021 ›