Aufgabe 4 (NT 2) · Abitur NRW Englisch GK · Nachtermin 2022
Thema: Sprachmittlung Deutsch → Englisch (Mediation) · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2022)
Aufgabenstellung
Klausurteil B: Isolierte Sprachmittlung
A friend of yours from Britain is completing an internship with the initiative Diversity in Arts and Culture. She/He would like to find out more about diversity in German films and series. After finding Philipp Jedicke's article, write an email to your friend in which you outline his statements on the present situation in Germany and the way UFA intends to improve it.
(18 Punkte)
Philipp Jedicke — Mehr Diversität in deutschen Filmen und Serien
Der deutsche Film ist weiß. Käseweiß. In TV- wie in Kinoproduktionen sieht man meist „Biodeutsche", also weiße, mitteleuropäisch aussehende Menschen – vorwiegend männlich. Deshalb standen deutsche Filmproduktionen in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik, die heutige deutsche Gesellschaft nicht so abzubilden, wie sie ist. Schauspielerinnen und Schauspieler beklagen in Interviews den Mangel an Frauenrollen und die vielen klischeebeladenen Rollen, die Menschen mit Migrationshintergrund meist angeboten werden: als Kleinkriminelle, Clanchefs oder exotische Verführer.
Nach den Weckrufen der vergangenen Jahre, darunter die #Metoo-Bewegung und zuletzt die Black Lives Matter-Proteste, haben sich international immer mehr Institutionen der Filmbranche dazu verpflichtet, ihre Gremien, Vorstände oder Besetzungen „durchzulüften" und die moderne Gesellschaft mit mehr Frauenrollen, mehr Schauspielerinnen mit Migrationshintergrund oder mehr Menschen aus der LGBTIQ+-Community zu spiegeln. Nun hat sich auch die UFA, Deutschlands ältestes Filmunternehmen, eine Selbstverpflichtung in Sachen Diversität verordnet. Die UFA mit Sitz in Potsdam ist eines der größten europäischen Unternehmen seiner Art und produziert sowohl fürs Kino als auch fürs Fernsehen.
Wie eine Sprecherin des Unternehmens nun der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, strebe die UFA an, „die Gruppen Gender, People of Color, LGBTIQ+ und Menschen mit Beeinträchtigungen so abzubilden, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht."
Die afrodeutsche Schauspielerin Denise M'Baye setzt sich schon seit Langem für mehr Vielfalt im deutschen Film ein. Gegenüber der DW sagt sie, sie freue sich, dass die Branche nun „in eine gute Richtung" tendiere. Und sie ist überzeugt, dass Geschichten mit mehr Vielfalt und Komplexität „für jeden ein Gewinn" seien, „nicht nur für diejenigen, die entweder gar nicht oder nur dem Klischee entsprechend stattfinden." […]
Doch die wichtigsten Entscheidungen in Sachen Film werden nicht vor, sondern hinter der Kamera gefällt – angefangen beim Drehbuch über die Regie bis hin zur Produktion. Auch hier, bei den Entscheider-Positionen hinter der Kamera, will sich die UFA laut ihrer Sprecherin verändern. Denn „mehr Diversität hinter der Kamera ist eine Voraussetzung für mehr Diversität vor der Kamera". UFA-Chef Nico Hoffman ergänzt, es gehe um „Strukturen, die Talent fernhalten. Diese Strukturen aufzubrechen, das ist unser Thema."
Und diese Strukturen sind lange gewachsen und reichlich starr in Deutschland. […] Die Vielfalt, die in vielen westlichen Ländern wie Skandinavien oder Großbritannien schon lange im Arbeitsalltag gelebt wird, ist in Deutschland noch lange nicht erreicht. Dabei „sollten wir die Chance nutzen, unterschiedliche Lebensrealitäten zu Wort kommen zu lassen", so Denise M'Baye.
In Sachen Vielfalt scheint in Deutschland erst so richtig Bewegung in die Branche gekommen zu sein, seit der wirtschaftliche Druck auf die Branche wächst. Denn in den vergangenen Jahren pochen sowohl Filmfördereinrichtungen als auch internationale Filmpreise wie die Oscars und selbst alteingesessene europäische Filmfestivals wie die Berlinale immer deutlicher auf Diversität.
Laut Denise M'Baye liegt trotz der positiven Entwicklungen noch vieles im Argen: „Allein die Tatsache, dass mein Herz vor Freude hüpft, wenn mir eine Rolle angeboten wird, die nicht klischeebesetzt ist, ist ein deutliches Signal für diesen traurigen Umstand."
Diversität ist das Zauberwort der Stunde, doch sie besteht aus weit mehr als aus Quoten. Die Plots der erzählten Geschichten müssen diese Vielfalt auch inhaltlich widerspiegeln. Mehr Frauenrollen sind nicht gleich bessere Frauenrollen, und genauso brächte es Menschen mit Migrationshintergrund so gut wie nichts, wenn sie weiterhin auf Klischees reduziert würden – nur halt in größerer Zahl. Ob die Selbstverpflichtungen innerhalb der Filmbranche zu einem echten Paradigmenwechsel führen werden oder lediglich Makulatur sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
#Metoo-Bewegung – Kampagne in sozialen Netzwerken, bei der vor allem Frauen auf sexuelle Belästigung aufmerksam machen
LGBTIQ+-Community – Personen, die sich mit einer oder mehreren sexuellen Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten identifizieren und denen gemeinsam ist, dass sie nach Freiheit von den vorherrschenden gesellschaftlichen Normen der Zweigeschlechtlichkeit streben
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Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Write your email in English:
Lösung: Dear [Friend's Name], I hope you are doing well with your internship at Diversity in Arts and Culture! I recently read an article by Philipp Jedicke discussing diversity in German films and television, and I thought you might find it relevant to your work. According to the author, the German film landscape is predominantly white and male, failing to reflect modern society. Actors often complain about a lack of meaningful female roles and the fact that minorities are consistently cast in clichéd roles, such as petty criminals or clan leaders. Germany significantly lags behind other countries like the UK or Scandinavia in terms of everyday workplace diversity, and real changes have only begun due to growing financial pressure from film funding bodies and prestigious festivals like the Berlinale or the Oscars. To improve this situation, Germany's oldest and largest film production company, UFA, has made a formal commitment to diversity. They aim to reflect demographic proportions accurately regarding gender, people of colour, the LGBTQ+ community, and people with disabilities. Crucially, UFA plans to establish diversity behind the camera (directors, screenwriters, producers) to dismantle rigid structures, believing that true diversity in front of the camera can only stem from inclusive decision-making teams. However, commentators and actors like Denise M'Baye emphasize that true progress requires more than just meeting quotas; complex, non-stereotypical storylines are essential to achieving a genuine paradigm shift. I hope this provides useful insight for your project! Let me know what you think. Best wishes, [Your Name]
Write an email to your friend in which you outline Philipp Jedicke's statements on the present situation in Germany and the way UFA intends to improve it.
Lösung: Eine situations- und adressatengerechte E-Mail, die (1) die aktuelle Situation in deutschen Filmen und Serien mit Blick auf Diversität darstellt: mangelnde Abbildung der gesellschaftlichen Realitäten, Dominanz von Rollenangeboten für weiße, männliche Darsteller, geringe Anzahl von Rollen für Schauspielerinnen, hoher Anteil von stereotypen Rollen für Angehörige von Minoritäten; und (2) die Maßnahmen aufzeigt, mit denen die UFA die Situation verbessern möchte: Zusage eines zahlenmäßig repräsentativen Einsatzes von Schauspielerinnen und Schauspielern unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, Förderung von mehr Vielfalt bei allen an der Produktion beteiligten Gruppen, Veränderung der noch immer vorherrschenden und Diskriminierung fördernden Strukturen.
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