Aufgabe 3 · Abitur NRW Deutsch GK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2023
Thema: Interpretation lyrischer Texte · Aus der Prüfung GK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg (2023)
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung:
1.
Interpretieren Sie das abgedruckte Gedicht von Nelly Sachs. (39 Punkte)
2.
Vergleichen Sie das Gedicht von Nelly Sachs mit Irmgard Keuns Gedicht „Die fremde Stadt“ und achten Sie dabei besonders darauf, wie jeweils mit Fremdheit umgegangen wird. Berücksichtigen Sie neben dem Inhalt auch einige sprachliche und formale Gesichtspunkte. (33 Punkte)
Materialgrundlage:
Nelly Sachs (1959)
KOMMT EINER
1 von ferne
mit einer Sprache
die vielleicht die Laute
verschließt
5 mit dem Wiehern der Stute
oder
dem Piepen
junger Schwarzamseln
oder
10 auch wie eine knirschende Säge
die alle Nähe zerschneidet –
Kommt einer
von ferne
15 mit Bewegungen des Hundes
oder
vielleicht der Ratte
und es ist Winter
so kleide ihn warm
20 kann auch sein
er hat Feuer unter den Sohlen
(vielleicht ritt er
auf einem Meteor)
so schilt 1 ihn nicht
25 falls dein Teppich durchlöchert schreit –
Ein Fremder hat immer
seine Heimat im Arm
wie eine Waise
für die er vielleicht nichts
30 als ein Grab sucht.
Anmerkungen zur Autorin:
Nelly Sachs (1891 – 1970) war eine jüdische deutsch-schwedische Schriftstellerin. Nach jahrelanger Bedrohung ihres Lebens im nationalsozialistischen Deutschland konnte sie im Mai 1940 nach Schweden fliehen. Sie kehrte nicht nach Deutschland zurück.
1 schilt: Imperativ Singular von schelten: schimpfen
Irmgard Keun
Die fremde Stadt (1939)
1 Fremde Stadt,
Ich liebe dich um deiner Fremdheit willen.
Du könntest das Verlangen nach Verlorenem mir stillen,
Nach dem, was ich verließ.
5 Lass mich vollenden, was ich einst verhieß,
Einmal als Kind.
Lass mich noch einmal sein, wie Kinder sind,
Die eines Menschen Fuß noch nicht getreten hat,
Fremde Stadt.
10 Berge mich hinter deinen Mauern,
Fremde Stadt.
Lass mich in deiner Sicherheit trauern,
Fremde Stadt,
Nur eine Stunde,
15 Nur kurze Zeit.
Hunger und Hunde
Jagen das Leid,
Jage nicht du mich auch, fremde Stadt.
Lass mich ruhn unter deines Himmels Regen,
20 Fremdes Land.
Gott gab dir den Himmel, mir gab er den Segen
Für dich, fremdes Land.
Nur eine Stunde, nur kurze Zeit
Wärme uns Arme die Ewigkeit:
25 Der Himmel über dir, fremdes Land.
Anmerkungen zur Autorin:
Irmgard Keun (1905 – 1982) war eine deutsche Schriftstellerin. 1936 bis 1940 verbrachte sie im belgischen und niederländischen Exil. Ab Mai 1940 lebte sie in Köln in der Illegalität.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Interpretieren Sie das abgedruckte Gedicht von Nelly Sachs.
Lösung: Individuelle Interpretation gemäß den amtlichen Kriterien.
2. Vergleichen Sie das Gedicht von Nelly Sachs mit Irmgard Keuns Gedicht „Die fremde Stadt“ und achten Sie dabei besonders darauf, wie jeweils mit Fremdheit umgegangen wird. Berücksichtigen Sie neben dem Inhalt auch einige sprachliche und formale Gesichtspunkte.
Lösung: Individueller Textvergleich gemäß den amtlichen Kriterien.
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