Aufgabe 2 · Abitur NRW Deutsch GK · Nachtermin 2021

Thema: Interpretation lyrischer Texte · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung:

1.

Analysieren Sie Josef von Eichendorffs Gedicht „Wanderlied“. (36 Punkte)

2.

Erschließen Sie den Inhalt des Gedichts „Vagabendenspruch“ von Mascha Kaléko. Vergleichen Sie danach beide Gedichte daraufhin, welche Bedeutung das Wandern und die Heimat jeweils haben. (36 Punkte)

Materialgrundlage

Josef von Eichendorff: Wanderlied. In: Ders.: Sämtliche Gedichte und Versepen. Hrsg. von Hartwig Schultz. Frankfurt am Main: Insel 2001, S. 274 f.

Mascha Kaléko: Vagabendenspruch. In: Dies.: In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlaß. Hrsg. von Gisela Zoch-Westphal. München: dtv 2017, S. 53

Zugelassene Hilfsmittel: Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung

Josef von Eichendorff

Wanderlied (1830)

Vom Grund bis zu den Gipfeln,

So weit man sehen kann,

Jetzt blühts in allen Wipfeln,

Nun geht das Wandern an 1.

5 Die Quellen von den Klüften 2,

Die Ström auf grünem Plan 3,

Die Lerchen 4 hoch in Lüften,

Der Dichter frisch voran.

Und die im Tal verderben

10 In trüber Qualme Haft,

Er will sie alle werben

Zu dieser Wanderschaft.

Und von den Bergen nieder

Erschallt sein Lied ins Tal,

15 Und die zerstreuten Brüder

Faßt Heimweh allzumal.

Da wird die Welt so munter

Und nimmt die Reiseschuh,

Sein Liebchen mitten drunter

20 Die nickt ihm heimlich zu.

Und über Felsenwände

Und auf dem grünen Plan

Das wirrt und jauchzt ohn Ende –

Nun geht das Wandern an!

Anmerkung zum Autor: Josef von Eichendorff lebte von 1788 bis 1857.

1 angehen: im Sinne von beginnen, anfangen | 2 Klüften: Felsen | 3 Plan: Ebene | 4 Lerche: Singvogel

Mascha Kaléko

Vagabendenspruch 1 (1945)

Man soll seinen Mantel nicht zu lang an den gleichen Nagel hängen,

Weil es so oft dieser Nagel nur ist, der uns am Ende noch hält.

– Wer von uns weiß es denn noch, daß auch die düsteren, engen

Gassen ins Offene führen, in die unendliche Welt …

5 Bleib du in keiner Stadt; denn ihre Türme und Mauern

Sind Menschenwerk und haben nicht Bestand.

Doch Wälder, Berg und Strom schuf Gottes Hand.

Sie werden uns ein Weilchen überdauern

Auf diesem Stern, wo man so rasch vergißt.

10 – Wer sollte wohl um unsereinen trauern,

Der überall ein Zugereister ist;

Ein Herbergsschild vielleicht? Ein Polizist?

Was mich betrifft, ich weiß, es grünt das Feld,

Wenn längst kein räudiger 2 Hund mehr nach mir bellt.

15 Und Schiffe ziehn, und Küsten blühn für andre.

Wer weiß das nicht? … Weil sich das so verhält

Auf dieser tollen, Wunder vollen Welt,

Nimm deinen Mantel von der Wand und wandre.

Anmerkung zur Autorin: Mascha Kaléko (1907 – 1975) war eine deutschsprachige jüdische Schriftstellerin. Sie wuchs in Berlin auf und emigrierte 1938 in die USA, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen.

1 Vagabund: Landstreicher, Nichtsesshafter, Herumtreiber | 2 Räude: Hautkrankheit, von der auch Hunde befallen werden

1.

2.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Deutsch GK · Nachtermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Analysieren Sie Josef von Eichendorffs Gedicht „Wanderlied“. (36 Punkte)

Lösung: Ausführliche Gedichtanalyse zu Eichendorffs „Wanderlied“ gemäß den amtlichen Kriterien.

2. Erschließen Sie den Inhalt des Gedichts „Vagabendenspruch“ von Mascha Kaléko. Vergleichen Sie danach beide Gedichte daraufhin, welche Bedeutung das Wandern und die Heimat jeweils haben. (36 Punkte)

Lösung: Ausführliche Erschließung von Kalékos Gedicht und vergleichende Analyse im Hinblick auf Wandern und Heimat gemäß den amtlichen Kriterien.

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