Aufgabe HT 3 (Interpretation lyrischer Texte) · Abitur NRW Deutsch LK · Haupttermin 2021
Thema: Interpretation lyrischer Texte · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2021)
Aufgabenstellung
Aufgabenstellung:
1.
Analysieren Sie das Gedicht „Der verspätete Wanderer“ von Joseph von Eichendorff und legen Sie dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bildlichkeit.
[36 Punkte]
2.
Analysieren Sie das Gedicht „Straßen“ von Günter Kunert und vergleichen Sie es anschließend mit dem Gedicht Eichendorffs. Gehen Sie dabei vor allem auf das Motiv des Unterwegsseins sowie auf die verschiedenen Entstehungszeiten beider Gedichte ein.
[36 Punkte]
Materialgrundlage
Joseph von Eichendorff
Der verspätete Wanderer
Wo aber werd ich sein im künftgen Lenze?
So frug ich sonst wohl, wenn beim Hüteschwingen
Ins Tal wir ließen unser Lied erklingen,
Denn jeder Wipfel bot mir frische Kränze 1.
5 Ich wußte nur, daß rings der Frühling glänze,
Daß nach dem Meer die Ströme leuchtend gingen,
Vom fernen Wunderland die Vögel singen,
Da hatt das Morgenrot noch keine Grenze.
Jetzt aber wirds schon Abend, alle Lieben
10 Sind wandermüde längst zurückgeblieben,
Die Nachtluft rauscht durch meine welken Kränze,
Und heimwärts rufen mich die Abendglocken,
Und in der Einsamkeit frag ich erschrocken:
Wo werde ich wohl sein im künftgen Lenze?
Anmerkungen zum Autor:
Eichendorff lebte von 1788 – 1857. Die Erstveröffentlichung des Gedichts war 1859.
1 Kränze: hier als Belohnung für erreichte Ziele
Günter Kunert
Straßen
Straßen: begehbar, gesperrte, verschlammte, zu viele,
ansteigend, abfallend, grade und krumme zum Ziele,
gepflastert und steinig, nicht endend, so scheint es;
bis man da anlangt, ist man schon Aas und beweintes,
5 hat einen Platz an der Straße erhalten, doch unter
dem Boden. Drüber und weiter und unaufhaltsam und munter
gehen und laufen, marschieren, die leben, die blicken
nicht rechts, links und rückwärts, spüren die Tücken
der Straßen erst später, selber schon müde vom Laufen
10 harren des Zieles noch, und ohne Verschnaufen
tappen sie weiter, stürzen wo nieder und fragen vergebens
den leeren Himmel: Ob denn das Leben der Sinn allen Lebens.
Anmerkungen zum Autor:
Kunert lebte von 1929 bis 2019, bis 1979 in der DDR, danach in der Bundesrepublik. Das Gedicht aus der erstmals im Jahr 1970 erschienenen Sammlung „Warnung vor Spiegeln“ entstand zwischen 1965 und 1969 in der DDR.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Analysieren Sie das Gedicht „Der verspätete Wanderer“ von Joseph von Eichendorff und legen Sie dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Bildlichkeit. 2. Analysieren Sie das Gedicht „Straßen“ von Günter Kunert und vergleichen Sie es anschließend mit dem Gedicht Eichendorffs. Gehen Sie dabei vor allem auf das Motiv des Unterwegsseins sowie auf die verschiedenen Entstehungszeiten beider Gedichte ein.
Lösung: Vergleichende Interpretation der beiden Gedichte mit Fokussierung auf die Bildlichkeit des Wanderns, die Form sowie den historischen Wandel des Unterwegssein-Motivs.
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