Aufgabe 2 - Teilaufgabe 1 · Abitur NRW Chemie GK · Nachtermin 2023

Thema: Farbstoffe und Fotometrie · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2023)

Aufgabenstellung

Fachspezifische Vorgaben:

Für Abschlussfahrten oder den letzten Schultag werden oft T-Shirts oder Sweatshirts mit individuellem Aufdruck bestellt.

Wer kurzfristig ein Kleidungsstück mit einem Motiv oder Schriftzug versehen will, kann hierfür auch den heimischen Drucker nutzen. In der Industrie wird meist unmittelbar auf die ausgewählten Baumwollshirts gedruckt; zu Hause verwendet man dagegen spezielle Folien, die mit einem Tintenstrahldrucker bedruckt und anschließend auf das Kleidungsstück gebügelt werden. Die dafür vorgesehenen Inkjet-Tinten enthalten häufig Azofarbstoffe, z. B. Chrysoidin.

Chrysoidin zeigt in Abhängigkeit vom pH-Wert unterschiedliche Farben, da das Farbstoff-Molekül in saurer Lösung an der Azogruppe protoniert wird. Der Farbstoff kann aus Anilin und 1,3-Diaminobenzol unter Verwendung von Natriumnitrit und Salzsäure hergestellt werden.

Synthese von Chrysoidin

Zur Synthese von Chrysoidin wird zunächst Benzol nitriert, wobei Nitrobenzol entsteht. Die Hälfte des Nitrobenzols wird zu Anilin reduziert und diazotiert (Komponente A). Die andere Hälfte des Nitrobenzols wird ein weiteres Mal nitriert (1,3-Dinitrobenzol) und anschließend mit Wasserstoff zu 1,3-Diaminobenzol (Komponente B) reduziert. Beide Komponenten lässt man nun zu Chrysoidin reagieren.

Vom Direktfarbstoff zum Reaktivfarbstoff

Anstatt der ursprünglichen Azofarbstoffe werden zum Bedrucken von Baumwollstoffen heute modifizierte Farbstoff-Moleküle verwendet. Um den Direktfarbstoff in einen Reaktivfarbstoff umzuwandeln, wird am Farbstoff-Molekül ein sogenanntes Anker-Molekül angefügt. Beim Färbevorgang einer Baumwollfaser mit diesem so gebildeten Reaktivfarbstoff entsteht eine salzsaure Lösung.

Zusatzinformationen:

Tabelle 1: Zusammenhang von absorbierter Strahlung, zugehöriger Spektralfarbe und beobachteter Komplementärfarbe

Wellenlänge λ\lambda in nm

Spektralfarbe

Komplementärfarbe

< 400

ultraviolett

farblos

400 – 435

violett

gelbgrün

435 – 480

blau

gelb

480 – 490

grünblau

orange

490 – 500

blaugrün

rot

500 – 560

grün

purpur

560 – 580

gelbgrün

violett

580 – 595

gelb

blau

595 – 605

orange

grünblau

605 – 770

rot

blaugrün

Reaktivfarbstoffe besitzen reaktive Gruppen, die mit den funktionellen Gruppen der Faseroberfläche reagieren können.

1. Erklären Sie ganz allgemein, wodurch Azofarbstoffe farbig erscheinen. Geben Sie für das Chrysoidin-Molekül in neutraler Lösung eine zusätzliche mesomere Grenzstruktur sowie für die Protonierung des Chrysoidin-Moleküls in saurer Lösung eine Reaktionsgleichung an. Erklären Sie mithilfe mesomerer Grenzstrukturen, warum die Farbe in neutraler und saurer Lösung verschieden ist, und nennen Sie dabei die Bereiche der Absorptionsmaxima.

[28 Punkte]

a)

b)

c)

d)

e)

Zustand

Bereich des Absorptionsmaximums

Beobachtete Farbe

Neutrale Lösung (unprotoniert)

Saure Lösung (protoniert)

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgabe 1 · Abitur NRW Chemie GK · Nachtermin 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erklären Sie ganz allgemein, wodurch Azofarbstoffe farbig erscheinen.

Lösung: Ausgedehntes System konjugierter Doppelbindungen (Chromophor mit mindestens einer Azobrücke); Mesomeriemodell: Delokalisierung von konjugierten π\pi-Elektronen; Einfluss von Donator-/Akzeptorgruppen (z. B. Aminogruppen mit +M-Effekt) verringert die Anregungsenergie, sodass Absorption im sichtbaren Bereich stattfindet.

Geben Sie für das Chrysoidin-Molekül in neutraler Lösung eine zusätzliche mesomere Grenzstruktur sowie für die Protonierung des Chrysoidin-Moleküls in saurer Lösung eine Reaktionsgleichung an. Geben Sie eine zusätzliche mesomere Grenzstruktur für das in saurer Lösung vorliegende protonierte Chrysoidin-Molekül an.

Lösung: Neutrale Form & Protonierungsgleichung: Eine weitere mesomere Grenzstruktur des neutralen Moleküls zeigt die Einbeziehung des freien Elektronenpaars einer Aminogruppe (+M-Effekt) mit Ausbildung einer Doppelbindung zum Ring und Verschiebung der Ladung zur Azogruppe (negative Partialladung an einem Stickstoffatom der Azogruppe). Grenzstruktur der protonierten Form: Nach Protonierung der Azogruppe bildet sich ein chinoides System unter Ausbildung einer Doppelbindung zur protonierten Azogruppe und einer positiven Ladung am Stickstoff der Aminogruppe.

Erklären Sie mithilfe mesomerer Grenzstrukturen, warum die Farbe in neutraler und saurer Lösung verschieden ist.

Lösung: Durch die Protonierung der Azobrücke in saurer Lösung wirkt diese als starker Elektronenakzeptor (-M-Effekt). Zusammen mit den Aminogruppen als Elektronendonatoren (+M-Effekt) wird die Delokalisierung der π\pi-Elektronen über das gesamte Molekül wesentlich verstärkt. Dadurch sinkt der Energieabstand ΔE\Delta E zwischen HOMO und LUMO, sodass energieärmeres, längerwelliges Licht absorbiert wird (Bathochromer Effekt).

Bereich des Absorptionsmaximums für Chrysoidin in neutraler Lösung (unprotoniert):

Lösung: 400 – 435 nm

Beobachtete Komplementärfarbe für Chrysoidin in neutraler Lösung (unprotoniert):

Lösung: gelbgrün

Bereich des Absorptionsmaximums für Chrysoidin in saurer Lösung (protoniert):

Lösung: 435 – 480 nm

Beobachtete Komplementärfarbe für Chrysoidin in saurer Lösung (protoniert):

Lösung: gelb

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