Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3: Stammbäume, Verhalten… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2022

Thema: Stammbäume, Verhalten und Evolution des Menschen · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2022)

Aufgabenstellung

Material A: Afrikanische Wildhunde, Tüpfelhyänen und Löwen

Afrikanische Wildhunde ( Lycaon pictus) gehören zu den bedrohten Tierarten, da ihr Bestand vor allem durch menschliche Einflüsse gefährdet ist. Sie leben in Rudeln in der afrikanischen Savanne. Afrikanische Wildhunde sind ausdauernde Hetzjäger, die ihre Beute über mehrere Kilometer verfolgen können. Sie jagen ein- bis zweimal am Tag, morgens und abends. Ihre Beute verteidigen sie etwa gegen Tüpfelhyänen ( Crocuta crocuta), wenn diese nicht zu zahlreich sind.

Tüpfelhyänen sind wie Löwen ( Panthera leo) dämmerungs- und nachtaktiv. Den überwiegenden Anteil der Beute jagen Tüpfelhyänen durch Hetzjagd. Allerdings sind sie auch Aasfresser und nehmen zudem anderen Raubtieren die bereits gerissene Beute weg. Tüpfelhyänen haben ein sehr breites Beutespektrum. Löwen sind keine ausdauernden Jäger, können jedoch schnell beschleunigen und erbeuten ihre Beute auf kurzer Distanz. Löwen können Afrikanische Wildhunde töten und fressen.

Im Rahmen ökologischer Untersuchungen wurden in Tansania die Populationsdichten von Afrikanischen Wildhunden, Tüpfelhyänen und Löwen in den Regionen Serengeti, Selous und Ngorongoro untersucht (Abbildung 1). In der Region Ngorongoro existieren keine Afrikanischen Wildhunde mehr. Parallel zu deren Abnahme stieg dort die Dichte an Beutetieren sowie Tüpfelhyänen und Löwen.

Zudem wurden das Beutespektrum (Tabelle 1) sowie der Umgang der Tüpfelhyänen mit der gerissenen Beute von Afrikanischen Wildhunden untersucht (Tabelle 2).

Tabelle 1: Bevorzugte Beutetiere von Afrikanischen Wildhunden, Tüpfelhyänen und Löwen

Region · Afrikanischer Wildhund · Tüpfelhyäne · Löwe

Serengeti · Gnu, Gazelle, Zebra · Gnu, Gazelle, Zebra · Gnu, Zebra, Büffel und Warzenschwein

Selous · Gnu, Antilope, Warzenschwein · Gnu, Antilope · Büffel, Gnu, Zebra und Warzenschwein

Tabelle 2: Umgang der Tüpfelhyänen mit gerissener Beute von Afrikanischen Wildhunden; Anteil an der gesamten Beute der Afrikanischen Wildhunde

Region · Tüpfelhyänen

finden Beute der Afrikanischen Wildhunde · fressen Beute der Afrikanischen Wildhunde

Serengeti · 86 % · 86 %

Selous · 18 % · 2 %

Material B: Afrikanische Wildhunde aus Süd- und Ostafrika

Afrikanische Wildhunde aus Ost- und Südafrika unterscheiden sich. Vertreter aus Südafrika haben ein helleres Fell, einen größeren Schädel sowie größere Zähne und sind insgesamt größer als Vertreter aus Ostafrika. Anhand des Vergleichs mitochondrialer DNA von Afrikanischen Wildhunden wurden verschiedene Genotypen ermittelt, unter anderem die E- und S-Genotypen (Abbildung 2). Die Analysen legen nahe, dass sich die Populationen mit dem E- und dem S-Genotyp vor etwa 350 000 Jahren trennten. Es wird vermutet, dass klimatische und geografische Bedingungen für die Trennung verantwortlich waren.

Material C: Evolution des Afrikanischen Wildhundes

Anhand molekularer Daten und morphologischer Merkmale wurde die Verwandtschaft der Afrikanischen Wildhunde innerhalb der Familie der Hunde ( Canidae) untersucht (Abbildung 3). Die Vierzehigkeit an den Vorderextremitäten wirkt sich auf eine größere Schrittlänge und Geschwindigkeit aus und begünstigt die Hetzjagd von Beute über große Entfernungen.

3. Stellen Sie in Grundzügen dar, wie man anhand genetischer Daten phylogenetische Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt.

Entwickeln Sie unter Anwendung der Synthetischen Evolutionstheorie eine Hypothese, mit der sich die Entstehung der Vierzehigkeit bei den Afrikanischen Wildhunden erklären lässt (Materialien A bis C).

[12 Punkte]

a)

b)

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3: Stammbäume, Verhalten… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

3. Stellen Sie in Grundzügen dar, wie man anhand genetischer Daten phylogenetische Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt.

Lösung: 1. Aus unterschiedlichen Arten wird DNA isoliert und gegebenenfalls mittels PCR amplifiziert. Bereiche homologer Gene werden sequenziert. 2. Die DNA-Sequenzen der Gene verschiedener Arten werden verglichen. 3. Daraus können phylogenetische Stammbäume abgeleitet werden. Je weiter die Arten stammesgeschichtlich voneinander entfernt sind, umso mehr Unterschiede haben sich wahrscheinlich in den verglichenen DNA-Sequenzen aufgrund von Mutationen angesammelt.

Entwickeln Sie unter Anwendung der Synthetischen Evolutionstheorie eine Hypothese, mit der sich die Entstehung der Vierzehigkeit bei den Afrikanischen Wildhunden erklären lässt (Materialien A bis C).

Lösung: - Afrikanische Wildhunde haben als einzige Art der Canidae vier Zehen an den Vorderextremitäten. - In der Entwicklungslinie, die zum heutigen Afrikanischen Wildhund führt, gab es in einer ursprünglichen Population vermutlich Individuen mit Mutationen, die zu phänotypischen Varianten mit nur vier Zehen an den Vorderpfoten führten. - Diese Individuen hatten wahrscheinlich Selektionsvorteile, da sie schneller jagen konnten und hatten dadurch auch eine erhöhte reproduktive Fitness. - Die vorteilhaften Allele sammelten sich so im Genpool der Population an und die Allelfrequenz verschob sich. - Die Vierzehigkeit etablierte sich als Merkmal in der Entwicklungslinie der Afrikanischen Wildhunde.

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