Aufgabe 2 - Stammbäume, Verhalten und Evolution d… · Abitur NRW Biologie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
Thema: Stammbäume, Verhalten und Evolution des Menschen · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2022)
Aufgabenstellung
Material A: Das Gift des Wasserschierlings
Der Wasserschierling ( Cicuta virosa) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler ( Apiaceae), die weltweit verbreitet ist. Wasserschierlinge enthalten neben anderen Giftstoffen Cicutoxin und das nahezu strukturgleiche Virol A. Beide wirken auf GABA-gesteuerte Synapsen (Abbildung 1). Bei einer Vergiftung kommt es zu einer Serie sich wiederholender Krämpfe der Körpermuskulatur.
In einer Versuchsreihe wurde die Wirkung von Virol A auf den Chlorid()-Ionenfluss von GABA-gesteuerten Ionenkanälen an isolierten Neuronen von Ratten untersucht (Abbildung 2). Dabei wurde dauerhaft GABA hinzugegeben und es wurden unterschiedliche Konzentrationen von Virol A eingesetzt.
Material B: Verteilung von Giften im Wasserschierling
Der Wasserschierling wächst auf feuchten Wiesen und in Uferzonen stehender Gewässer. Er wird grundsätzlich von Pflanzenfressern gemieden. Sollte es dennoch zum Verzehr größerer Mengen kommen, können die Tiere daran sterben.
Der Wasserschierling besitzt eine Knolle als Wurzelverdickung, die ganzjährig Nährstoffe speichert und mit der er im Winter im Boden überdauert. Aus den Knollen treiben im folgenden Frühjahr durch ungeschlechtliche Fortpflanzung neue Pflanzen aus. Im Sommer reifen die Samen heran, die Schwimmgewebe besitzen und sich über Wasser verbreiten.
Für den Wasserschierling wurde die Giftverteilung in verschiedenen Pflanzenteilen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien im Jahresverlauf untersucht (Abbildung 3).
Material C: Verwandtschaftsbeziehungen des Wasserschierlings zu anderen Gattungen der Doldenblütler
Die artenreiche Familie der Doldenblütler enthält viele Heil- und Giftpflanzen. Als toxisch bezeichnen Botaniker bei den Doldenblütlern die Gattungen Wasserschierlinge, Hundspetersilie, Schierlinge und Wasserfenchel, deren Gift schon in geringer Konzentration zum Tode bei Menschen und Tieren führt.
Die von den vier Gattungen gebildeten Toxine lassen sich in verschiedene Stoffgruppen einteilen, wie z. B. Polyacetylene und Alkaloide, die auf sehr unterschiedlichen Synthesewegen in spezialisierten Zellen produziert werden. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Doldenblütler wurden anhand von molekularen Daten untersucht (Abbildung 4).
3. Analysieren Sie, in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis die Wasserschierlinge zu den übrigen giftigen Gattungen der Doldenblütler stehen, und beurteilen Sie, ob sich die Giftigkeit der vier giftigen Gattungen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen lässt (Material C). [12 Punkte]
a)
b)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Analysieren Sie, in welchem verwandtschaftlichen Verhältnis die Wasserschierlinge zu den übrigen giftigen Gattungen der Doldenblütler stehen (Material C)
Lösung: Wasserschierling und Wasserfenchel gehören zu zwei Schwestergattungen und sind daher eng miteinander verwandt. Sie stellen in der Evolution der Doldenblütler eine eigene Entwicklungslinie dar. Eine entferntere Verwandtschaft haben die Wasserschierlinge zu den Schierlingen und zur Hundspetersilie. Die Schierlinge und die Hundspetersilie sind enger miteinander verwandt.
Beurteilen Sie, ob sich die Giftigkeit der vier giftigen Gattungen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen lässt (Material C)
Lösung: Da beide Gifte auf die GABA-Rezeptoren wirken und die Giftstoffe beider Arten derselben Stoffgruppe angehören, hatten Wasserschierling und Wasserfenchel wahrscheinlich einen gemeinsamen Vorfahren, der bereits ein Vorläufer-Polyacetylen besaß, das auf die GABA-Rezeptoren wirkte. Der Giftstoff der Hundspetersilie ist ebenfalls ein Polyacetylen, das an GABA-Rezeptoren wirkt. Dies könnte ein Beleg dafür sein, dass Polyacetylen bei den aufgeführten Doldenblütlern eine ursprüngliche pflanzliche Stoffgruppe ist (oder alternativ auf eine weitere konvergente Entwicklung zurückzuführen ist). Das Gift der Schierlinge ist auf eine andere Stoffgruppe zurückzuführen (Alkaloid) und wirkt an einem anderen Ort (Acetylcholin-Rezeptor). Die Giftigkeit der Schierlinge ist unabhängig von der Entstehung der Giftigkeit der drei anderen Arten entstanden und nicht Folge einer gemeinsamen Entwicklung.
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