Aufgabe 1 · Abitur NRW Biologie GK · Werner-Syndrom 2026

Thema: DNA, Proteinbiosynthese und Mutationen · Aus der Prüfung GK · Werner-Syndrom (2026)

Aufgabenstellung

Das Werner-Syndrom

Das Werner-Syndrom ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Ihre molekularbiologischen Ursachen werden untersucht. Die Betroffenen des Werner-Syndroms leiden unter vorzeitigen Alterungsprozessen.

1

Beschreiben Sie den molekularen Ablauf der DNA-Replikation unter Mitverwendung von Abbildung 1 (M 1). [8 BE]

Material 1: DNA-Replikation

Zellteilungen sind nicht nur während der Entwicklung, sondern zeitlebens wichtig, beispielsweise für die Erneuerung bestimmter Gewebe, wie z. B. von Schleimhäuten, Blut oder bei Wundheilungsprozessen. Vor einer Zellteilung findet die Replikation der DNA statt (Abb. 1).

2

Geben Sie für die in Material 2 dargestellten DNA-Sequenzen die mRNA- und die Aminosäuresequenzen sowie den Typ der Genmutation an (M 2).

Erklären Sie den Funktionsverlust des Werner-Proteins bei Betroffenen (M 2). [8 BE]

Material 2: Das Werner-Syndrom und seine genetischen Grundlagen

Das Werner-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung. Etwa in der Lebensmitte setzt bei Betroffenen ein verfrühter Alterungsprozess ein. Die meisten Patienten versterben vor dem 50. Lebensjahr. Ursache des Werner-Syndroms ist ein Funktionsverlust des sogenannten Werner-Proteins (WRNp).

Das WRN -Gen, welches für das WRNp codiert, ist bei Personen mit Werner-Syndrom verändert.

Im Folgenden sind Ausschnitte aus dem nicht-codogenen Strang des WRN -Gens dargestellt. Der nicht-codogene Strang ist der Strang, der nicht transkribiert wird.

(A) Ausschnitt aus dem WRN -Gen bei Nicht-Betroffenen:

5'... TTT CCC CAG GGA TTA AAA ATG... 3'

(B) Ausschnitt aus dem WRN -Gen bei Betroffenen:

5'... TTT CCC CAG GGA TTA AAC ATG... 3'

Nicht-Betroffene:

mRNA-Sequenz

5'...

... 3'

AS-Sequenz

...

...

Betroffene:

mRNA-Sequenz

5'...

... 3'

AS-Sequenz

...

...

3

Erläutern Sie ausgehend von Material 3 die Entstehung vorzeitiger Alterungsprozesse bei Betroffenen des Werner-Syndroms (M 3). [10 BE]

Material 3: Replikation der Telomere bei Betroffenen des Werner-Syndroms

Telomere sind DNA-Strukturen, die sich an den Enden eukaryotischer Chromosomen befinden und diese stabilisieren und schützen. Die Telomere enthalten keine genetische Information, jedoch ist ihre Länge wichtig für das Überleben der Zelle. Werden die Telomere zu kurz, löst dies eine intrazelluläre Signalkaskade aus, in deren Folge die Zelle abstirbt. Betroffene Zellen und damit Gewebe können sich nicht mehr regenerieren.

Die Telomere enthalten Basensequenzen, die sich vielfach wiederholen, beim Menschen z. B. (TTAGGG) n. Guaninreiche Abschnitte der Telomere bilden an Einzelsträngen häufig sogenannte Quadruplex-Strukturen (Q) aus. Dies sind besondere Schleifenbildungen im Einzelstrang. Darin kommen sich jeweils vier Guaninbasen so nahe, dass sie untereinander Wasserstoffbrückenbindungen ausbilden, die diese Schleifen stabilisieren (Abb. 3).

Bei der störungsfreien Replikation der Telomere spielt das Werner-Protein eine zentrale Rolle.

4

Stellen Sie eine Hypothese zur Funktion des Werner-Proteins bei der DNA-Replikation auf (M 2, M 3). [4 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Biologie GK · Werner-Syndrom 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1 Beschreiben Sie den molekularen Ablauf der DNA-Replikation unter Mitverwendung von Abbildung 1 (M 1).

Lösung: Helicase löst Wasserstoffbrücken zwischen DNA-Strängen; Primase synthetisiert ein kurzes komplementäres RNA-Stück (RNA-Primer); RNA-Primer dient als Startmolekül für die DNA-Polymerase; DNA-Polymerase heftet komplementäre DNA-Nukleotide in 5'->3'-Richtung an; Synthese am Leitstrang erfolgt kontinuierlich, am Folgestrang diskontinuierlich unter Bildung von Okazaki-Fragmenten; RNA-Primer werden durch DNA-Nukleotide ersetzt; DNA-Ligase verknüpft die Okazaki-Fragmente.

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 1

Lösung: UUU

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 2

Lösung: CCC

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 3

Lösung: CAG

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 4

Lösung: GGA

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 5

Lösung: UUA

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 6

Lösung: AAA

Nicht-Betroffene: mRNA-Codon 7

Lösung: AUG

Nicht-Betroffene: Aminosäure 1

Lösung: Phe

Nicht-Betroffene: Aminosäure 2

Lösung: Pro

Nicht-Betroffene: Aminosäure 3

Lösung: Gln

Nicht-Betroffene: Aminosäure 4

Lösung: Gly

Nicht-Betroffene: Aminosäure 5

Lösung: Leu

Nicht-Betroffene: Aminosäure 6

Lösung: Lys

Nicht-Betroffene: Aminosäure 7

Lösung: Met

Betroffene: mRNA-Codon 1

Lösung: UUU

Betroffene: mRNA-Codon 2

Lösung: CCC

Betroffene: mRNA-Codon 3

Lösung: CAG

Betroffene: mRNA-Codon 4

Lösung: GGA

Betroffene: mRNA-Codon 5

Lösung: UUA

Betroffene: mRNA-Codon 6

Lösung: AAC

Betroffene: mRNA-Codon 7

Lösung: AUG

Betroffene: Aminosäure 1

Lösung: Phe

Betroffene: Aminosäure 2

Lösung: Pro

Betroffene: Aminosäure 3

Lösung: Gln

Betroffene: Aminosäure 4

Lösung: Gly

Betroffene: Aminosäure 5

Lösung: Leu

Betroffene: Aminosäure 6

Lösung: Asn

Betroffene: Aminosäure 7

Lösung: Met

Typ der Genmutation

Lösung: Punktmutation / Basensubstitution / Missense-Mutation

Erklären Sie den Funktionsverlust des Werner-Proteins bei Betroffenen (M 2).

Lösung: Einbau der Aminosäure Asn statt Lys -> veränderte Wechselwirkung zwischen den Aminosäuren des Werner-Proteins -> Strukturveränderung des Werner-Proteins in funktionell wichtigem Bereich -> Funktionsverlust.

3 Erläutern Sie ausgehend von Material 3 die Entstehung vorzeitiger Alterungsprozesse bei Betroffenen des Werner-Syndroms (M 3).

Lösung: An den Enden der Chromosomen befinden sich Telomere mit sich wiederholenden Basensequenzen. Guaninreiche Abschnitte im Einzelstrang bilden Quadruplex-Strukturen, die den Ablauf der Replikation behindern. Daher kann die Replikation an diesen Telomeren nicht vollständig ablaufen und die Telomere werden verkürzt. Dies wiederholt sich bei jeder Zellteilung. Bei Unterschreitung einer kritischen Telomerlänge stirbt die Zelle ab, betroffenes Gewebe kann sich nicht erneuern und vorzeitige Alterungsprozesse setzen ein.

4 Stellen Sie eine Hypothese zur Funktion des Werner-Proteins bei der DNA-Replikation auf (M 2, M 3).

Lösung: Das Werner-Protein ist ein Enzym (eine Helikase), welches in der Lage ist, die Quadruplex-Strukturen aufzulösen, sodass die Telomere vollständig repliziert und nicht verkürzt werden.

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