Aufgabe 2 - DNA, Proteinbiosynthese und Mutationen · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin 2023
Thema: DNA, Proteinbiosynthese und Mutationen · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
Thema: Die Südliche Seide und die Zeit zum Blühen
Material A: Blühen zur rechten Zeit
Die Südliche Seide ( Cuscuta australis) ernährt sich als Vollparasit von anderen Pflanzen, indem sie über spezielle Saugorgane bis zu den Leitungsbahnen der Wirte vordringt und die dort transportierten Nährstoffe nutzt. Die Pflanze bildet kleine weißliche Blüten, die bis zu 100 000 Samen pro Pflanze produzieren können. Die Samen können bis zu 20 Jahre überdauern.
Der junge Keimling der Südlichen Seide weist noch Wurzeln und auch etwas Chlorophyll in den Blättern auf. Die Wurzeln und auch das Chlorophyll werden aber innerhalb der ersten zehn Tage abgebaut. Durch Drehbewegung des Sprosses wird in dieser Zeit eine mögliche Wirtspflanze im Umfeld gesucht. Im Unterschied zu vielen anderen Parasiten ist die Südliche Seide nicht wirtsspezifisch, sondern findet sich zum Beispiel auf Kulturpflanzen wie Tomaten, Sojabohnen, Gurken und auch vielen anderen Wildpflanzen. Die meisten dieser Arten sind genau wie die Südliche Seide einjährig. Nach der Keimung im Frühjahr und einer Wachstumsphase beginnen die Wirtspflanzen bei guter Nährstoffversorgung zu blühen (Abbildung 1) und sterben nach der Samenbildung im Herbst ab.
Material B: Nachweis von mRNA mittels RT-PCR
Um die Expression eines Gens in einer Zelle zu untersuchen, verwendet man die Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR). Die Reverse Transkriptase ist ein Enzym, das mRNA in die komplementäre DNA (cDNA) umschreibt (Abbildung 2).
Material C: Expression des FT -Gens der Südlichen Seide
Der Blühbeginn wird bei den Blütenpflanzen maßgeblich durch das FT-Protein (Flowering Locus T) gesteuert. Sobald die tägliche Belichtungsdauer für die jeweilige Art ausreichend ist, wird das FT -Gen in den Blattzellen exprimiert und das FT-Protein gebildet. Aus den Blättern wird das FT-Protein durch die Leitbündel innerhalb der Pflanze bis zu den Blütenknospen transportiert und steuert dort als ein beteiligter Transkriptionsfaktor die Blütenbildung. Die aus der genomischen DNA abgeleiteten Aminosäuresequenzen der FT-Proteine verschiedener Blütenpflanzen zeigen über die Artgrenzen hinweg eine hohe Übereinstimmung der Sequenz gerade in funktionell bedeutenden Abschnitten.
Die Expression des FT -Gens der Südlichen Seide wurde mittels RT-PCR untersucht. Hierfür wurden Sojabohnen von der Südlichen Seide befallen. Bis zum Blühbeginn der Sojabohnen und der Südlichen Seide am 35. Tag wurden alle fünf Tage Zellen des Sprosses der Südlichen Seide auf mRNAs des FT -Gens mittels RT-PCR untersucht. Zur Kontrolle wurden zeitgleich die Zellen des Sprosses auf die Expression des EF -Gens untersucht. Das EF -Gen wird kontinuierlich in den Sprosszellen der Südlichen Seide exprimiert, sodass stets EF-mRNA vorhanden ist. Abbildung 3 zeigt das gelelektrophoretische Bild nach erfolgter RT-PCR.
Material D: Protein oder mRNA?
Um zu klären, ob artfremde FT-Proteine oder artfremde FT-mRNA den Blühbeginn der Südlichen Seide auslösen, wurde ein Experiment durchgeführt. Der Versuchsablauf und die beobachteten Ergebnisse sind in Abbildung 4 dargestellt.
2. Stellen Sie dar, welche zentralen Schritte die Prozessierung der mRNA in eukaryotischen Zellen umfasst. [6 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Stellen Sie dar, welche zentralen Schritte die Prozessierung der mRNA in eukaryotischen Zellen umfasst.
Lösung: Die wesentlichen Schritte der prä-mRNA-Prozessierung: - Es handelt sich um im Zellkern stattfindende Prozesse, die von der transkribierten prä-mRNA zur reifen mRNA führen. - Capping: Am 5'-Ende der mRNA wird eine Cap-Struktur angefügt (Schutz vor enzymatischem Abbau, wichtig für den Export und die Translation). - Polyadenylierung: Am 3'-Ende wird ein Poly-A-Schwanz angehängt (ebenfalls Schutz vor enzymatischem Abbau und Erhöhung der Stabilität). - Spleißen: Die nicht-codierenden Abschnitte (Introns) werden aus der prä-mRNA herausgeschnitten und die codierenden Abschnitte (Exons) werden miteinander verknüpft.
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