Abitur Hessen Katholische Religion 2022 · GK

Abiturprüfung Katholische Religion in Hessen 2022, GK: 12 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen.

Themen der Prüfung: Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus · Moralisch argumentieren: philosophische Modelle der Ethik · Biblische Ethik und Engagement für das Leben

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen

Material

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt (2008)

Keine Frage: Die Hoffnung auf Auferstehung gehört zum Kern christlichen Glaubens. Aber sie ist nur ein Teil, ein Ausschnitt aus einer größeren Hoffnung. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“, heißt es im Großen Glaubensbekenntnis. In der Sprache Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe“, eine Welt, nach der sich viele Menschen sehnen und in der alte Verheißungen Wirklichkeit werden: Kriege werden abgeschafft, Gefangene freigelassen, verfeindete Völker feiern zusammen ein Friedensfest, Reiche teilen mit den Armen, Hungernde haben satt zu essen, Unterdrückte bekommen ihr Recht, Blinde können sehen, Lahme gehen, die Großen bedienen die Kleinen.

Für Jesus war diese Welt zum Greifen nahe. Er sprach nicht von einer fernen Zukunft; er fing schon an, die neue Welt zu leben. Er nahm Menschen mit auf den Weg. Vieles wurde möglich: Kranke wurden gesund, Verfeindete fanden sich an einem Tisch, Hungrige erlebten das Wunder des Teilens. Er sah das nicht als Ausnahmezustand, sondern als einen Anfang: als Beginn einer kommenden Welt.

Natürlich wusste er, dass die alte Welt weiter lief: Die römischen Besatzungssoldaten waren weiter im Land, Kollaborateure 1 lebten vom Unrecht, Würdenträger und eingebildete Rechtgläubige verachteten die kleinen Leute als vermeintliche Feinde Gottes, in seinem eigenen Jüngerkreis stritt man über die besten Plätze. Er selbst geriet unter die Räder der Mächtigen, wurde ausgelacht, gefoltert, umgebracht. Aber er hatte seine Jünger und Jüngerinnen darauf vorbereitet: Viel vom Samen des Reiches Gottes verdorrt unter den Dornen, kommt auf steinigem Grund oder wird von den Vögeln aufgefressen. Aber Glauben bedeutete die Hoffnung, dass die Saat schließlich doch aufgeht. Die neue Welt kommt, trotz allem – und sie will schon heute gelebt werden.

Das ist die praktische Seite der Hoffnung: Nicht abwarten, bis eine schönere Welt kommt, sondern die kommende Welt anfangshaft heute schon leben – in dem Vertrauen, dass aus dem Anfang einmal Vollendung wird: Einmal wird reiche Ernte sein.

Das alles wäre natürlich schlecht denkbar, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Dann wäre ja bestenfalls die letzte Generation der Menschheit die Gewinnerin, und alle vorherigen wären nur Opfer der Geschichte, allenfalls Pflastersteine auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Christliche Hoffnung richtet sich aber darauf, dass jeder Mensch die vollendete Welt erleben wird. Deshalb „muss“ es Auferstehung der Toten geben. [...]

In der ältesten neutestamentlichen Schrift bedeutet der Glaube an Jesus Christus vor allem die Hoffnung auf sein machtvolles Kommen, das die Welt verwandeln würde. Dieses Kommen mit Macht (wir sagen: die „Parusie“, die „Wiederkunft“ Christi) erwarteten sie [die Christen und Christinnen der ersten Generation] zu ihren Lebzeiten. Wohlgemerkt: nicht, dass sie in den Himmel kamen, sondern, dass Christus auf die Erde kam. [...]

Die Hoffnung auf Auferstehung ist Teil einer größeren Hoffnung, der Hoffnung auf die Vollendung der Welt.

Von dieser Hoffnung werden die christlichen Kirchen heute Zeugnis geben müssen: Nicht nur durch die Lehre von der Auferstehung und durch eine lebendige Liturgie für die Verstorbenen (beides ist wichtig), sondern auch durch eine Praxis des Lebens, die als Vorschein der kommenden Welt erkennbar ist.

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt, in: Jesuiten, Tod und Auferstehung 1/2008, S. 20f.

1 Kollaborateur: einer, der mit dem Kriegsgegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeitet

Hinweis

Franz-Josef Nocke (geb. 1932): römisch-katholischer, deutscher Theologe. Er war von 1981 bis 1993 Professor für Systematische Theologie an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und von 1993 bis 1998 an der Universität Essen.

1

Fassen Sie den Text von Franz-Josef Nocke zusammen. (Material) (25 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge

Material

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt (2008)

Keine Frage: Die Hoffnung auf Auferstehung gehört zum Kern christlichen Glaubens. Aber sie ist nur ein Teil, ein Ausschnitt aus einer größeren Hoffnung. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“, heißt es im Großen Glaubensbekenntnis. In der Sprache Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe“, eine Welt, nach der sich viele Menschen sehnen und in der alte Verheißungen Wirklichkeit werden: Kriege werden abgeschafft, Gefangene freigelassen, verfeindete Völker feiern zusammen ein Friedensfest, Reiche teilen mit den Armen, Hungernde haben satt zu essen, Unterdrückte bekommen ihr Recht, Blinde können sehen, Lahme gehen, die Großen bedienen die Kleinen.

Für Jesus war diese Welt zum Greifen nahe. Er sprach nicht von einer fernen Zukunft; er fing schon an, die neue Welt zu leben. Er nahm Menschen mit auf den Weg. Vieles wurde möglich: Kranke wurden gesund, Verfeindete fanden sich an einem Tisch, Hungrige erlebten das Wunder des Teilens. Er sah das nicht als Ausnahmezustand, sondern als einen Anfang: als Beginn einer kommenden Welt.

Natürlich wusste er, dass die alte Welt weiter lief: Die römischen Besatzungssoldaten waren weiter im Land, Kollaborateure 1 lebten vom Unrecht, Würdenträger und eingebildete Rechtgläubige verachteten die kleinen Leute als vermeintliche Feinde Gottes, in seinem eigenen Jüngerkreis stritt man über die besten Plätze. Er selbst geriet unter die Räder der Mächtigen, wurde ausgelacht, gefoltert, umgebracht. Aber er hatte seine Jünger und Jüngerinnen darauf vorbereitet: Viel vom Samen des Reiches Gottes verdorrt unter den Dornen, kommt auf steinigem Grund oder wird von den Vögeln aufgefressen. Aber Glauben bedeutete die Hoffnung, dass die Saat schließlich doch aufgeht. Die neue Welt kommt, trotz allem – und sie will schon heute gelebt werden.

Das ist die praktische Seite der Hoffnung: Nicht abwarten, bis eine schönere Welt kommt, sondern die kommende Welt anfangshaft heute schon leben – in dem Vertrauen, dass aus dem Anfang einmal Vollendung wird: Einmal wird reiche Ernte sein.

Das alles wäre natürlich schlecht denkbar, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Dann wäre ja bestenfalls die letzte Generation der Menschheit die Gewinnerin, und alle vorherigen wären nur Opfer der Geschichte, allenfalls Pflastersteine auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Christliche Hoffnung richtet sich aber darauf, dass jeder Mensch die vollendete Welt erleben wird. Deshalb „muss“ es Auferstehung der Toten geben. [...]

In der ältesten neutestamentlichen Schrift bedeutet der Glaube an Jesus Christus vor allem die Hoffnung auf sein machtvolles Kommen, das die Welt verwandeln würde. Dieses Kommen mit Macht (wir sagen: die „Parusie“, die „Wiederkunft“ Christi) erwarteten sie [die Christen und Christinnen der ersten Generation] zu ihren Lebzeiten. Wohlgemerkt: nicht, dass sie in den Himmel kamen, sondern, dass Christus auf die Erde kam. [...]

Die Hoffnung auf Auferstehung ist Teil einer größeren Hoffnung, der Hoffnung auf die Vollendung der Welt.

Von dieser Hoffnung werden die christlichen Kirchen heute Zeugnis geben müssen: Nicht nur durch die Lehre von der Auferstehung und durch eine lebendige Liturgie für die Verstorbenen (beides ist wichtig), sondern auch durch eine Praxis des Lebens, die als Vorschein der kommenden Welt erkennbar ist.

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt, in: Jesuiten, Tod und Auferstehung 1/2008, S. 20f.

1 Kollaborateur: einer, der mit dem Kriegsgegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeitet

Hinweis

Franz-Josef Nocke (geb. 1932): römisch-katholischer, deutscher Theologe. Er war von 1981 bis 1993 Professor für Systematische Theologie an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und von 1993 bis 1998 an der Universität Essen.

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Erläutern Sie, vom Text ausgehend, die Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Berücksichtigen Sie dabei biblische Beispiele. (40 BE)

Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 3 · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus

Material

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt (2008)

Keine Frage: Die Hoffnung auf Auferstehung gehört zum Kern christlichen Glaubens. Aber sie ist nur ein Teil, ein Ausschnitt aus einer größeren Hoffnung. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“, heißt es im Großen Glaubensbekenntnis. In der Sprache Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe“, eine Welt, nach der sich viele Menschen sehnen und in der alte Verheißungen Wirklichkeit werden: Kriege werden abgeschafft, Gefangene freigelassen, verfeindete Völker feiern zusammen ein Friedensfest, Reiche teilen mit den Armen, Hungernde haben satt zu essen, Unterdrückte bekommen ihr Recht, Blinde können sehen, Lahme gehen, die Großen bedienen die Kleinen.

Für Jesus war diese Welt zum Greifen nahe. Er sprach nicht von einer fernen Zukunft; er fing schon an, die neue Welt zu leben. Er nahm Menschen mit auf den Weg. Vieles wurde möglich: Kranke wurden gesund, Verfeindete fanden sich an einem Tisch, Hungrige erlebten das Wunder des Teilens. Er sah das nicht als Ausnahmezustand, sondern als einen Anfang: als Beginn einer kommenden Welt.

Natürlich wusste er, dass die alte Welt weiter lief: Die römischen Besatzungssoldaten waren weiter im Land, Kollaborateure 1 lebten vom Unrecht, Würdenträger und eingebildete Rechtgläubige verachteten die kleinen Leute als vermeintliche Feinde Gottes, in seinem eigenen Jüngerkreis stritt man über die besten Plätze. Er selbst geriet unter die Räder der Mächtigen, wurde ausgelacht, gefoltert, umgebracht. Aber er hatte seine Jünger und Jüngerinnen darauf vorbereitet: Viel vom Samen des Reiches Gottes verdorrt unter den Dornen, kommt auf steinigem Grund oder wird von den Vögeln aufgefressen. Aber Glauben bedeutete die Hoffnung, dass die Saat schließlich doch aufgeht. Die neue Welt kommt, trotz allem – und sie will schon heute gelebt werden.

Das ist die praktische Seite der Hoffnung: Nicht abwarten, bis eine schönere Welt kommt, sondern die kommende Welt anfangshaft heute schon leben – in dem Vertrauen, dass aus dem Anfang einmal Vollendung wird: Einmal wird reiche Ernte sein.

Das alles wäre natürlich schlecht denkbar, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Dann wäre ja bestenfalls die letzte Generation der Menschheit die Gewinnerin, und alle vorherigen wären nur Opfer der Geschichte, allenfalls Pflastersteine auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Christliche Hoffnung richtet sich aber darauf, dass jeder Mensch die vollendete Welt erleben wird. Deshalb „muss“ es Auferstehung der Toten geben. [...]

In der ältesten neutestamentlichen Schrift bedeutet der Glaube an Jesus Christus vor allem die Hoffnung auf sein machtvolles Kommen, das die Welt verwandeln würde. Dieses Kommen mit Macht (wir sagen: die „Parusie“, die „Wiederkunft“ Christi) erwarteten sie [die Christen und Christinnen der ersten Generation] zu ihren Lebzeiten. Wohlgemerkt: nicht, dass sie in den Himmel kamen, sondern, dass Christus auf die Erde kam. [...]

Die Hoffnung auf Auferstehung ist Teil einer größeren Hoffnung, der Hoffnung auf die Vollendung der Welt.

Von dieser Hoffnung werden die christlichen Kirchen heute Zeugnis geben müssen: Nicht nur durch die Lehre von der Auferstehung und durch eine lebendige Liturgie für die Verstorbenen (beides ist wichtig), sondern auch durch eine Praxis des Lebens, die als Vorschein der kommenden Welt erkennbar ist.

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt, in: Jesuiten, Tod und Auferstehung 1/2008, S. 20f.

1 Kollaborateur: einer, der mit dem Kriegsgegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeitet

Hinweis

Franz-Josef Nocke (geb. 1932): römisch-katholischer, deutscher Theologe. Er war von 1981 bis 1993 Professor für Systematische Theologie an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und von 1993 bis 1998 an der Universität Essen.

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„Von dieser Hoffnung werden die christlichen Kirchen heute Zeugnis geben müssen: [...] durch eine Praxis des Lebens, die als Vorschein der kommenden Welt erkennbar ist.“ (Material)

Erörtern Sie, inwieweit diese Aussage geeignet ist, religionskritischen Argumentationen zu begegnen. (35 BE)

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen

Material 1

Franz Langstein: Predigt zu Mt 16,13–20 (2020)

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor einigen Jahren hörte ich eine Predigt, in der der Prediger viel erzählte über das Geheimnis

Gottes, seine Fremdheit, seine Ferne, seine Unaussprechlichkeit, seine Unbegreiflichkeit usw. Alles

richtig und von tiefer Ehrfurcht bestimmt. Mich erinnerte das an eine Geschichte: da unterhielten sich

5 zwei Forscher, die im Urwald auf eine Lichtung stießen, die mit vielen Blumen angelegt war. Einer

der Forscher meinte sofort: „Hier muss ein Gärtner am Werk gewesen sein. Von selbst kann dies nicht

so wunderbar geordnet worden sein.“ „Nein“, meinte der andere, „es gibt keinen Gärtner.“ Da

schlugen sie die Zelte auf und überwachten die Lichtung. Kein Gärtner ließ sich blicken. Daraufhin

sagte der erste: „Vielleicht ist der Gärtner unsichtbar.“ Da spannten sie einen Stacheldraht um die

10 Lichtung und setzten ihn unter Strom. Aber nichts tat sich. Es kam kein Gärtner. Der erste aber ließ

nicht locker und behauptete: „Vielleicht ist der Gärtner unberührbar und unempfindlich gegen

elektrische Schläge und vielleicht hinterlässt er keine Spuren?“ Der andere antwortete: „Sag mal, was

ist denn eigentlich der Unterschied zwischen deinem unsichtbaren, unberührbaren, gegen elektrische

Ströme unempfindlichen und keine Spuren hinterlassenden Gärtner und überhaupt keinem Gärtner?“

15 Das ist genau der Punkt: Wir können Gott so sehr in das Reich des Geheimnisvollen, des

Unaussprechlichen, Unfassbaren, Unbegreiflichen, ja Unerfahrbaren hineinpredigen, dass man sich

fragen muss, wo da noch der Unterschied ist zwischen diesem fernen Gott und überhaupt keinem Gott.

Und ich glaube, dass das auch ein Problem unserer Zeit ist. Viele Menschen verbieten sich eine

Aussage über Gott oder gar eine Definition Gottes. Was ganz verständlich ist und vielleicht sogar

20 richtig. Aber genau damit rückt er weit weg. Worum geht es also? Es geht um die Frage: Wie kann

Gott aus dem Abstrakten ins Konkrete kommen? Wie kann Gott aus dem Geheimnis seines Daseins in

unsere Welt so treten, dass er sichtbar wird, erfahrbar wird? Also so, dass er nicht mehr

unaussprechlich ist, sondern dass wir Aussagen über ihn machen können?

2. […] Jesus fragt seine Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Genau das ist die entscheidende Frage an

25 das Christentum, damit das Christentum als solches auch Christentum bleibt. Das ist eine Frage, die

den Kern des Glaubens betrifft. Ohne diesen Kern wären wir keine Christen. Es ist zu wenig zu sagen:

[…] Jesus sei ein Kämpfer für Gott, ein Mensch, der sich im Volk für Gott und für die Mitmenschen

eingesetzt hat. „Für wen haltet ihr mich?“ Wer ist Jesus für das Christentum?

3. Das ist die alles entscheidende Frage. Für uns Christen ist Jesus der, der uns Gott aus dem

30 Geheimnis in die konkrete Erfahrung gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unsichtbarkeit in die

Sichtbarkeit gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unaussprechlichkeit gebracht hat, so dass wir

durch das Leben und die Worte Jesu sehr wohl sagen können, wie Gott ist. Und Jesus ist der, der den

fernen Gott in die Nähe, ja in die Unmittelbarkeit des Menschen gebracht [hat]. Im Kolosserbrief heißt

es: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“. Also das Abbild Gottes. Die Selbstoffenbarung

35 Gottes. Und genau das ist das Einzigartige und Unverwechselbare des Christentums: Die Sichtbarkeit

Gottes durch Jesus Christus. Die Erfahrbarkeit Gottes durch Jesus Christus.

4. […] Petrus hat die Taten Jesu gesehen: Seine Liebe zu den Menschen, seine Wunder, seine Art und

Weise, wie er von Gott sprach. Petrus ahnt, dass da mit Jesus jemand auf Erden war, dessen Leben

nicht allein nur menschlich zu erklären war. Petrus ahnt, dass in Christus eine größere Macht, ein

40 höheres Geheimnis ins Dasein drängt, ja Gott gegenwärtig wird. Und Petrus kann das nicht in Worte

fassen. Er bedient sich der Worte, die damals geläufig waren. Auf die Frage, für wen die Jünger Jesus

halten, antwortet er: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Das ist jetzt weniger eine

dogmatische Aussage als vielmehr eine Aussage, die sich ergibt aus dem, wie die Jünger Jesus

erfahren haben. Sie haben seine Liebe gespürt und geahnt, dass dahinter die göttliche Liebe

45 durchscheint. Sie haben seine Worte gehört und es kam ihnen vor, als ob Gott zu ihnen sprechen

würde. Sie sahen seine Taten und spürten, dass da eine göttliche Macht am Werk war. Kurz: Sie haben

durch Christus Gott erfahren.

Franz Langstein: Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis 2020, Marburg 2020, URL: https://www.st-johannes-marburg.de/marburgstjohannes/pfarrei_stjohannes/Archiv/2020/23_08_2020.php (abgerufen am 19.07.2021).

Hinweis

Franz Langstein (geb. 1958): katholischer Pfarrer

Material 2

Kevin Smith: Buddy Christ (1999)

Hinweise

Die Figur „Buddy Christ“ stammt aus dem US-amerikanischen Spielfilm „Dogma“ von Kevin Smith, der 1999 entstand.

Kevin Smith (geb. 1970): US-amerikanischer Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler und Comicautor

Vorschlag B – Gott: verborgen und offenbar

1 Fassen Sie die zentralen Aussagen der Predigt von Franz Langstein zusammen. (Material 1) [25 BE]

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Gottesrede: angemessen von Gott sprechen

Material 1

Franz Langstein: Predigt zu Mt 16,13–20 (2020)

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor einigen Jahren hörte ich eine Predigt, in der der Prediger viel erzählte über das Geheimnis

Gottes, seine Fremdheit, seine Ferne, seine Unaussprechlichkeit, seine Unbegreiflichkeit usw. Alles

richtig und von tiefer Ehrfurcht bestimmt. Mich erinnerte das an eine Geschichte: da unterhielten sich

5 zwei Forscher, die im Urwald auf eine Lichtung stießen, die mit vielen Blumen angelegt war. Einer

der Forscher meinte sofort: „Hier muss ein Gärtner am Werk gewesen sein. Von selbst kann dies nicht

so wunderbar geordnet worden sein.“ „Nein“, meinte der andere, „es gibt keinen Gärtner.“ Da

schlugen sie die Zelte auf und überwachten die Lichtung. Kein Gärtner ließ sich blicken. Daraufhin

sagte der erste: „Vielleicht ist der Gärtner unsichtbar.“ Da spannten sie einen Stacheldraht um die

10 Lichtung und setzten ihn unter Strom. Aber nichts tat sich. Es kam kein Gärtner. Der erste aber ließ

nicht locker und behauptete: „Vielleicht ist der Gärtner unberührbar und unempfindlich gegen

elektrische Schläge und vielleicht hinterlässt er keine Spuren?“ Der andere antwortete: „Sag mal, was

ist denn eigentlich der Unterschied zwischen deinem unsichtbaren, unberührbaren, gegen elektrische

Ströme unempfindlichen und keine Spuren hinterlassenden Gärtner und überhaupt keinem Gärtner?“

15 Das ist genau der Punkt: Wir können Gott so sehr in das Reich des Geheimnisvollen, des

Unaussprechlichen, Unfassbaren, Unbegreiflichen, ja Unerfahrbaren hineinpredigen, dass man sich

fragen muss, wo da noch der Unterschied ist zwischen diesem fernen Gott und überhaupt keinem Gott.

Und ich glaube, dass das auch ein Problem unserer Zeit ist. Viele Menschen verbieten sich eine

Aussage über Gott oder gar eine Definition Gottes. Was ganz verständlich ist und vielleicht sogar

20 richtig. Aber genau damit rückt er weit weg. Worum geht es also? Es geht um die Frage: Wie kann

Gott aus dem Abstrakten ins Konkrete kommen? Wie kann Gott aus dem Geheimnis seines Daseins in

unsere Welt so treten, dass er sichtbar wird, erfahrbar wird? Also so, dass er nicht mehr

unaussprechlich ist, sondern dass wir Aussagen über ihn machen können?

2. […] Jesus fragt seine Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Genau das ist die entscheidende Frage an

25 das Christentum, damit das Christentum als solches auch Christentum bleibt. Das ist eine Frage, die

den Kern des Glaubens betrifft. Ohne diesen Kern wären wir keine Christen. Es ist zu wenig zu sagen:

[…] Jesus sei ein Kämpfer für Gott, ein Mensch, der sich im Volk für Gott und für die Mitmenschen

eingesetzt hat. „Für wen haltet ihr mich?“ Wer ist Jesus für das Christentum?

3. Das ist die alles entscheidende Frage. Für uns Christen ist Jesus der, der uns Gott aus dem

30 Geheimnis in die konkrete Erfahrung gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unsichtbarkeit in die

Sichtbarkeit gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unaussprechlichkeit gebracht hat, so dass wir

durch das Leben und die Worte Jesu sehr wohl sagen können, wie Gott ist. Und Jesus ist der, der den

fernen Gott in die Nähe, ja in die Unmittelbarkeit des Menschen gebracht [hat]. Im Kolosserbrief heißt

es: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“. Also das Abbild Gottes. Die Selbstoffenbarung

35 Gottes. Und genau das ist das Einzigartige und Unverwechselbare des Christentums: Die Sichtbarkeit

Gottes durch Jesus Christus. Die Erfahrbarkeit Gottes durch Jesus Christus.

4. […] Petrus hat die Taten Jesu gesehen: Seine Liebe zu den Menschen, seine Wunder, seine Art und

Weise, wie er von Gott sprach. Petrus ahnt, dass da mit Jesus jemand auf Erden war, dessen Leben

nicht allein nur menschlich zu erklären war. Petrus ahnt, dass in Christus eine größere Macht, ein

40 höheres Geheimnis ins Dasein drängt, ja Gott gegenwärtig wird. Und Petrus kann das nicht in Worte

fassen. Er bedient sich der Worte, die damals geläufig waren. Auf die Frage, für wen die Jünger Jesus

halten, antwortet er: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Das ist jetzt weniger eine

dogmatische Aussage als vielmehr eine Aussage, die sich ergibt aus dem, wie die Jünger Jesus

erfahren haben. Sie haben seine Liebe gespürt und geahnt, dass dahinter die göttliche Liebe

45 durchscheint. Sie haben seine Worte gehört und es kam ihnen vor, als ob Gott zu ihnen sprechen

würde. Sie sahen seine Taten und spürten, dass da eine göttliche Macht am Werk war. Kurz: Sie haben

durch Christus Gott erfahren.

Franz Langstein: Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis 2020, Marburg 2020, URL: https://www.st-johannes-marburg.de/marburgstjohannes/pfarrei_stjohannes/Archiv/2020/23_08_2020.php (abgerufen am 19.07.2021).

Hinweis

Franz Langstein (geb. 1958): katholischer Pfarrer

Material 2

Kevin Smith: Buddy Christ (1999)

Hinweise

Die Figur „Buddy Christ“ stammt aus dem US-amerikanischen Spielfilm „Dogma“ von Kevin Smith, der 1999 entstand.

Kevin Smith (geb. 1970): US-amerikanischer Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler und Comicautor

Vorschlag B – Gott: verborgen und offenbar

„Wie kann Gott aus dem Geheimnis seines Daseins in unsere Welt so treten, dass er sichtbar wird, erfahrbar wird?“ (Material 1)

2 Erläutern Sie anhand konkreter Beispiele aus dem Alten und Neuen Testament die Spannung zwischen der Verborgenheit Gottes und seiner Offenbarung. [30 BE]

Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge

Material 1

Franz Langstein: Predigt zu Mt 16,13–20 (2020)

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Vor einigen Jahren hörte ich eine Predigt, in der der Prediger viel erzählte über das Geheimnis

Gottes, seine Fremdheit, seine Ferne, seine Unaussprechlichkeit, seine Unbegreiflichkeit usw. Alles

richtig und von tiefer Ehrfurcht bestimmt. Mich erinnerte das an eine Geschichte: da unterhielten sich

5 zwei Forscher, die im Urwald auf eine Lichtung stießen, die mit vielen Blumen angelegt war. Einer

der Forscher meinte sofort: „Hier muss ein Gärtner am Werk gewesen sein. Von selbst kann dies nicht

so wunderbar geordnet worden sein.“ „Nein“, meinte der andere, „es gibt keinen Gärtner.“ Da

schlugen sie die Zelte auf und überwachten die Lichtung. Kein Gärtner ließ sich blicken. Daraufhin

sagte der erste: „Vielleicht ist der Gärtner unsichtbar.“ Da spannten sie einen Stacheldraht um die

10 Lichtung und setzten ihn unter Strom. Aber nichts tat sich. Es kam kein Gärtner. Der erste aber ließ

nicht locker und behauptete: „Vielleicht ist der Gärtner unberührbar und unempfindlich gegen

elektrische Schläge und vielleicht hinterlässt er keine Spuren?“ Der andere antwortete: „Sag mal, was

ist denn eigentlich der Unterschied zwischen deinem unsichtbaren, unberührbaren, gegen elektrische

Ströme unempfindlichen und keine Spuren hinterlassenden Gärtner und überhaupt keinem Gärtner?“

15 Das ist genau der Punkt: Wir können Gott so sehr in das Reich des Geheimnisvollen, des

Unaussprechlichen, Unfassbaren, Unbegreiflichen, ja Unerfahrbaren hineinpredigen, dass man sich

fragen muss, wo da noch der Unterschied ist zwischen diesem fernen Gott und überhaupt keinem Gott.

Und ich glaube, dass das auch ein Problem unserer Zeit ist. Viele Menschen verbieten sich eine

Aussage über Gott oder gar eine Definition Gottes. Was ganz verständlich ist und vielleicht sogar

20 richtig. Aber genau damit rückt er weit weg. Worum geht es also? Es geht um die Frage: Wie kann

Gott aus dem Abstrakten ins Konkrete kommen? Wie kann Gott aus dem Geheimnis seines Daseins in

unsere Welt so treten, dass er sichtbar wird, erfahrbar wird? Also so, dass er nicht mehr

unaussprechlich ist, sondern dass wir Aussagen über ihn machen können?

2. […] Jesus fragt seine Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Genau das ist die entscheidende Frage an

25 das Christentum, damit das Christentum als solches auch Christentum bleibt. Das ist eine Frage, die

den Kern des Glaubens betrifft. Ohne diesen Kern wären wir keine Christen. Es ist zu wenig zu sagen:

[…] Jesus sei ein Kämpfer für Gott, ein Mensch, der sich im Volk für Gott und für die Mitmenschen

eingesetzt hat. „Für wen haltet ihr mich?“ Wer ist Jesus für das Christentum?

3. Das ist die alles entscheidende Frage. Für uns Christen ist Jesus der, der uns Gott aus dem

30 Geheimnis in die konkrete Erfahrung gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unsichtbarkeit in die

Sichtbarkeit gebracht hat. Jesus ist der, der Gott aus der Unaussprechlichkeit gebracht hat, so dass wir

durch das Leben und die Worte Jesu sehr wohl sagen können, wie Gott ist. Und Jesus ist der, der den

fernen Gott in die Nähe, ja in die Unmittelbarkeit des Menschen gebracht [hat]. Im Kolosserbrief heißt

es: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“. Also das Abbild Gottes. Die Selbstoffenbarung

35 Gottes. Und genau das ist das Einzigartige und Unverwechselbare des Christentums: Die Sichtbarkeit

Gottes durch Jesus Christus. Die Erfahrbarkeit Gottes durch Jesus Christus.

4. […] Petrus hat die Taten Jesu gesehen: Seine Liebe zu den Menschen, seine Wunder, seine Art und

Weise, wie er von Gott sprach. Petrus ahnt, dass da mit Jesus jemand auf Erden war, dessen Leben

nicht allein nur menschlich zu erklären war. Petrus ahnt, dass in Christus eine größere Macht, ein

40 höheres Geheimnis ins Dasein drängt, ja Gott gegenwärtig wird. Und Petrus kann das nicht in Worte

fassen. Er bedient sich der Worte, die damals geläufig waren. Auf die Frage, für wen die Jünger Jesus

halten, antwortet er: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Das ist jetzt weniger eine

dogmatische Aussage als vielmehr eine Aussage, die sich ergibt aus dem, wie die Jünger Jesus

erfahren haben. Sie haben seine Liebe gespürt und geahnt, dass dahinter die göttliche Liebe

45 durchscheint. Sie haben seine Worte gehört und es kam ihnen vor, als ob Gott zu ihnen sprechen

würde. Sie sahen seine Taten und spürten, dass da eine göttliche Macht am Werk war. Kurz: Sie haben

durch Christus Gott erfahren.

Franz Langstein: Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis 2020, Marburg 2020, URL: https://www.st-johannes-marburg.de/marburgstjohannes/pfarrei_stjohannes/Archiv/2020/23_08_2020.php (abgerufen am 19.07.2021).

Hinweis

Franz Langstein (geb. 1958): katholischer Pfarrer

Material 2

Kevin Smith: Buddy Christ (1999)

Hinweise

Die Figur „Buddy Christ“ stammt aus dem US-amerikanischen Spielfilm „Dogma“ von Kevin Smith, der 1999 entstand.

Kevin Smith (geb. 1970): US-amerikanischer Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler und Comicautor

Vorschlag B – Gott: verborgen und offenbar

3.1

Beschreiben Sie das Jesusbild, das mit der „Buddy-Christ“-Figur vermittelt wird. (Material 2) [15 BE]

3.2

Beurteilen Sie vor dem Hintergrund der Reich-Gottes-Botschaft Jesu, ob die „Buddy-Christ“-Figur geeignet ist, „Gott aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit“ zu bringen. [30 BE]

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen

Material

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen (2021)

In seinem Urteil zum Paragraphen 217 des Strafgesetzbuchs (StGB) hat das Bundesverfassungsgericht

im Februar vergangenen Jahres das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen auch und gerade im Blick

auf das eigene Sterben und den eigenen Tod in den Mittelpunkt gerückt. Die Richter erklären das

Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe, das der 2015 verabschiedete Paragraph 217 StGB zum

5 Gegenstand hatte, für nichtig, da nach Auffassung des Gerichts angesichts des Mangels an

Alternativen eine solche geschäftsmäßige Suizidbeihilfe faktisch der einzige Weg sei, über den

Sterbewillige die professionelle Hilfe Dritter für einen Suizid in Anspruch nehmen können.

Das Gericht hat dabei keineswegs den Gesetzgeber dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass jeder

Suizidwillige auch tatsächlich die entsprechende Hilfe bekommt. Es gibt nach wie vor kein Recht

10 darauf, Suizidbeihilfe in Anspruch zu nehmen. Assistenz bei der Selbsttötung ist auch nach diesem

Urteil keine staatliche Verpflichtung. Weder der Staat noch einzelne Ärztinnen und Ärzte können

gezwungen werden, Suizidhilfe zu leisten. Wohl aber hat das Urteil festgehalten, dass der Staat es dem

Einzelnen nicht unmöglich machen dürfe, beim Suizid Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die

Rechtsordnung muss, so weit reicht die Selbstbestimmung des Einzelnen, den Weg offen lassen, für

15 den eigenen Suizid auf freiwillige Unterstützer zurückzugreifen. Das gebiete der Respekt vor den

Betroffenen, wenn sie sich selbstbestimmt, ohne äußeren Zwang und wohlüberlegt zur Selbsttötung

entschlossen haben. [...]

Vielfach und gerade im Raum der Kirchen ist diese Auslegung des Persönlichkeitsrechts als

Verabsolutierung eines abstrakten Selbstbestimmungsrechts kritisiert worden. Eine solche Auffassung

20 widerspreche nicht nur dem christlichen Bild des Menschen, das diesen und damit auch dessen

Entscheidungen und dessen Lebensführung in seiner Beziehung zu Gott versteht. Es verkenne auch die

elementare Tatsache, dass wir als Menschen immer in Beziehungskontexten leben, unabhängig wie

intensiv diese sich konkret gestalten.

Jede Entscheidung für eine Selbsttötung hat, auch wenn sie wohlüberlegt und ohne äußeren Zwang

25 getroffen wird, Auswirkungen auf die unmittelbar Beteiligten und die Gesellschaft als Ganzes.

Insgesamt handele es sich bei der Profilierung der individuellen Selbstbestimmung als letzte Instanz,

so der vielfach variierte Vorwurf, um eine naive Verbeugung vor einem idealisierten Heroismus¹ des

autonomen Subjekts im Angesicht des Sterbens. [...]

Dennoch verfängt diese Kritik letztlich nicht. Denn sie verkennt die Sonderstellung einer solchen

30 höchstpersönlichen Entscheidung am Lebensende. Hier kann, so auch der Urteilstenor, eine liberale

Rechtsordnung gar nicht anders, als dem und der Einzelnen im Fall dieser zudem noch

weltanschaulich aufgeladenen Fragestellung das Letztentscheidungsrecht zuzubilligen. [...]

Das gilt gerade auch für die, die am Rand stehen. Jede und jeder Einzelne soll als Mensch in seiner

eigenen, individuellen Würde in den Blick genommen werden. In dieser Hochschätzung des

35 Individuums und seiner Selbstbestimmung gibt es keine Differenz zwischen dem Urteilstenor des

Verfassungsgerichts und der Position der evangelischen Ethik.² Die Selbstbestimmung anzuerkennen

und zu fördern bedeutet selbstverständlich nicht, jede Handlungsweise gutzuheißen oder sich gar mit

ihr zu identifizieren. Aber es bedeutet, den unterschiedlichen Formen, das eigene Leben zu gestalten,

Respekt entgegenzubringen – auch wenn sich diese Gestaltung darauf bezieht, dem eigenen Leben ein

40 Ende zu setzen.

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen, in: FAZ, Nr. 8/2021, 11.01.2021, Seite 6.

¹ Heroismus: Heldentum, Heldenmut

² evangelische Ethik: hier: Ethik der evangelischen Kirche

Hinweis

Dr. Reiner Anselm (geb. 1965): evangelischer Theologe, lehrt Theologische Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD

Dr. Isolde Karle (geb. 1963): evangelische Theologin, lehrt Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum

Ulrich Lilie (geb. 1957): evangelischer Theologe und Pfarrer, Präsident der Diakonie Deutschland

1

Fassen Sie die Kernaussagen des Textes von Reiner Anselm, Isolde Karle und Ulrich Lilie zusammen. (Material)

(25 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Moralisch argumentieren: philosophische Modelle der Ethik

Material

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen (2021)

In seinem Urteil zum Paragraphen 217 des Strafgesetzbuchs (StGB) hat das Bundesverfassungsgericht

im Februar vergangenen Jahres das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen auch und gerade im Blick

auf das eigene Sterben und den eigenen Tod in den Mittelpunkt gerückt. Die Richter erklären das

Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe, das der 2015 verabschiedete Paragraph 217 StGB zum

5 Gegenstand hatte, für nichtig, da nach Auffassung des Gerichts angesichts des Mangels an

Alternativen eine solche geschäftsmäßige Suizidbeihilfe faktisch der einzige Weg sei, über den

Sterbewillige die professionelle Hilfe Dritter für einen Suizid in Anspruch nehmen können.

Das Gericht hat dabei keineswegs den Gesetzgeber dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass jeder

Suizidwillige auch tatsächlich die entsprechende Hilfe bekommt. Es gibt nach wie vor kein Recht

10 darauf, Suizidbeihilfe in Anspruch zu nehmen. Assistenz bei der Selbsttötung ist auch nach diesem

Urteil keine staatliche Verpflichtung. Weder der Staat noch einzelne Ärztinnen und Ärzte können

gezwungen werden, Suizidhilfe zu leisten. Wohl aber hat das Urteil festgehalten, dass der Staat es dem

Einzelnen nicht unmöglich machen dürfe, beim Suizid Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die

Rechtsordnung muss, so weit reicht die Selbstbestimmung des Einzelnen, den Weg offen lassen, für

15 den eigenen Suizid auf freiwillige Unterstützer zurückzugreifen. Das gebiete der Respekt vor den

Betroffenen, wenn sie sich selbstbestimmt, ohne äußeren Zwang und wohlüberlegt zur Selbsttötung

entschlossen haben. [...]

Vielfach und gerade im Raum der Kirchen ist diese Auslegung des Persönlichkeitsrechts als

Verabsolutierung eines abstrakten Selbstbestimmungsrechts kritisiert worden. Eine solche Auffassung

20 widerspreche nicht nur dem christlichen Bild des Menschen, das diesen und damit auch dessen

Entscheidungen und dessen Lebensführung in seiner Beziehung zu Gott versteht. Es verkenne auch die

elementare Tatsache, dass wir als Menschen immer in Beziehungskontexten leben, unabhängig wie

intensiv diese sich konkret gestalten.

Jede Entscheidung für eine Selbsttötung hat, auch wenn sie wohlüberlegt und ohne äußeren Zwang

25 getroffen wird, Auswirkungen auf die unmittelbar Beteiligten und die Gesellschaft als Ganzes.

Insgesamt handele es sich bei der Profilierung der individuellen Selbstbestimmung als letzte Instanz,

so der vielfach variierte Vorwurf, um eine naive Verbeugung vor einem idealisierten Heroismus¹ des

autonomen Subjekts im Angesicht des Sterbens. [...]

Dennoch verfängt diese Kritik letztlich nicht. Denn sie verkennt die Sonderstellung einer solchen

30 höchstpersönlichen Entscheidung am Lebensende. Hier kann, so auch der Urteilstenor, eine liberale

Rechtsordnung gar nicht anders, als dem und der Einzelnen im Fall dieser zudem noch

weltanschaulich aufgeladenen Fragestellung das Letztentscheidungsrecht zuzubilligen. [...]

Das gilt gerade auch für die, die am Rand stehen. Jede und jeder Einzelne soll als Mensch in seiner

eigenen, individuellen Würde in den Blick genommen werden. In dieser Hochschätzung des

35 Individuums und seiner Selbstbestimmung gibt es keine Differenz zwischen dem Urteilstenor des

Verfassungsgerichts und der Position der evangelischen Ethik.² Die Selbstbestimmung anzuerkennen

und zu fördern bedeutet selbstverständlich nicht, jede Handlungsweise gutzuheißen oder sich gar mit

ihr zu identifizieren. Aber es bedeutet, den unterschiedlichen Formen, das eigene Leben zu gestalten,

Respekt entgegenzubringen – auch wenn sich diese Gestaltung darauf bezieht, dem eigenen Leben ein

40 Ende zu setzen.

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen, in: FAZ, Nr. 8/2021, 11.01.2021, Seite 6.

¹ Heroismus: Heldentum, Heldenmut

² evangelische Ethik: hier: Ethik der evangelischen Kirche

Hinweis

Dr. Reiner Anselm (geb. 1965): evangelischer Theologe, lehrt Theologische Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD

Dr. Isolde Karle (geb. 1963): evangelische Theologin, lehrt Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum

Ulrich Lilie (geb. 1957): evangelischer Theologe und Pfarrer, Präsident der Diakonie Deutschland

2

Setzen Sie die im Text angesprochenen Argumente und Überlegungen in Beziehung zu unterschiedlichen philosophischen Modellen der Ethik.

(45 BE)

Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Biblische Ethik und Engagement für das Leben

Material

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen (2021)

In seinem Urteil zum Paragraphen 217 des Strafgesetzbuchs (StGB) hat das Bundesverfassungsgericht

im Februar vergangenen Jahres das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen auch und gerade im Blick

auf das eigene Sterben und den eigenen Tod in den Mittelpunkt gerückt. Die Richter erklären das

Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe, das der 2015 verabschiedete Paragraph 217 StGB zum

5 Gegenstand hatte, für nichtig, da nach Auffassung des Gerichts angesichts des Mangels an

Alternativen eine solche geschäftsmäßige Suizidbeihilfe faktisch der einzige Weg sei, über den

Sterbewillige die professionelle Hilfe Dritter für einen Suizid in Anspruch nehmen können.

Das Gericht hat dabei keineswegs den Gesetzgeber dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass jeder

Suizidwillige auch tatsächlich die entsprechende Hilfe bekommt. Es gibt nach wie vor kein Recht

10 darauf, Suizidbeihilfe in Anspruch zu nehmen. Assistenz bei der Selbsttötung ist auch nach diesem

Urteil keine staatliche Verpflichtung. Weder der Staat noch einzelne Ärztinnen und Ärzte können

gezwungen werden, Suizidhilfe zu leisten. Wohl aber hat das Urteil festgehalten, dass der Staat es dem

Einzelnen nicht unmöglich machen dürfe, beim Suizid Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die

Rechtsordnung muss, so weit reicht die Selbstbestimmung des Einzelnen, den Weg offen lassen, für

15 den eigenen Suizid auf freiwillige Unterstützer zurückzugreifen. Das gebiete der Respekt vor den

Betroffenen, wenn sie sich selbstbestimmt, ohne äußeren Zwang und wohlüberlegt zur Selbsttötung

entschlossen haben. [...]

Vielfach und gerade im Raum der Kirchen ist diese Auslegung des Persönlichkeitsrechts als

Verabsolutierung eines abstrakten Selbstbestimmungsrechts kritisiert worden. Eine solche Auffassung

20 widerspreche nicht nur dem christlichen Bild des Menschen, das diesen und damit auch dessen

Entscheidungen und dessen Lebensführung in seiner Beziehung zu Gott versteht. Es verkenne auch die

elementare Tatsache, dass wir als Menschen immer in Beziehungskontexten leben, unabhängig wie

intensiv diese sich konkret gestalten.

Jede Entscheidung für eine Selbsttötung hat, auch wenn sie wohlüberlegt und ohne äußeren Zwang

25 getroffen wird, Auswirkungen auf die unmittelbar Beteiligten und die Gesellschaft als Ganzes.

Insgesamt handele es sich bei der Profilierung der individuellen Selbstbestimmung als letzte Instanz,

so der vielfach variierte Vorwurf, um eine naive Verbeugung vor einem idealisierten Heroismus¹ des

autonomen Subjekts im Angesicht des Sterbens. [...]

Dennoch verfängt diese Kritik letztlich nicht. Denn sie verkennt die Sonderstellung einer solchen

30 höchstpersönlichen Entscheidung am Lebensende. Hier kann, so auch der Urteilstenor, eine liberale

Rechtsordnung gar nicht anders, als dem und der Einzelnen im Fall dieser zudem noch

weltanschaulich aufgeladenen Fragestellung das Letztentscheidungsrecht zuzubilligen. [...]

Das gilt gerade auch für die, die am Rand stehen. Jede und jeder Einzelne soll als Mensch in seiner

eigenen, individuellen Würde in den Blick genommen werden. In dieser Hochschätzung des

35 Individuums und seiner Selbstbestimmung gibt es keine Differenz zwischen dem Urteilstenor des

Verfassungsgerichts und der Position der evangelischen Ethik.² Die Selbstbestimmung anzuerkennen

und zu fördern bedeutet selbstverständlich nicht, jede Handlungsweise gutzuheißen oder sich gar mit

ihr zu identifizieren. Aber es bedeutet, den unterschiedlichen Formen, das eigene Leben zu gestalten,

Respekt entgegenzubringen – auch wenn sich diese Gestaltung darauf bezieht, dem eigenen Leben ein

40 Ende zu setzen.

Dr. Reiner Anselm, Dr. Isolde Karle, Ulrich Lilie: Den assistierten professionellen Suizid ermöglichen, in: FAZ, Nr. 8/2021, 11.01.2021, Seite 6.

¹ Heroismus: Heldentum, Heldenmut

² evangelische Ethik: hier: Ethik der evangelischen Kirche

Hinweis

Dr. Reiner Anselm (geb. 1965): evangelischer Theologe, lehrt Theologische Ethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD

Dr. Isolde Karle (geb. 1963): evangelische Theologin, lehrt Praktische Theologie an der Ruhr-Universität Bochum

Ulrich Lilie (geb. 1957): evangelischer Theologe und Pfarrer, Präsident der Diakonie Deutschland

3

Nehmen Sie Stellung zu der Frage, inwiefern Jesu Leben und Sterben Impulse zum konkreten Umgang mit Krankheit und Sterben geben können.

(30 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen und Position erfassen

Material

Michael Schmidt-Salomon: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel (2007)

Kaum waren die beiden 1 zur Tür hinausgegangen, fiel ihnen etwas Seltsames auf. Irgendjemand hatte

über Nacht ein Plakat an ihrem Häuschen angebracht. „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand

darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so

gut aufgepasst.

5 „Ferkel, kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel.

Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte! Also

machten sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen.

„Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das kleine Ferkel jedes Tier, das sie auf ihrer Wanderung trafen.

Aber niemand hatte je etwas von einem Gott gehört, weder die Gans noch der Hase noch der

10 Maulwurf. Erst der schlaue Fuchs wusste Antwort.

„Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben

auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der

kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“,

antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute

15 da oben sind ziemlich verrückt!“

Das kleine Ferkel und der kleine Igel bedankten sich artig für den guten Rat des Fuchses. Aber sie

waren so neugierig, dass sie trotz der Warnung den Berg hinaufstiegen. Sie mussten doch

herausfinden, was ihnen fehlte!

Als sie den Berg erklommen hatten, entdeckten sie drei riesige Häuser, die dicht nebeneinander

20 standen. So etwas Gewaltiges hatten die beiden noch nie gesehen.

„Dieser Herr Gott muss ja riesig groß sein, wenn er solch große Häuser braucht!“, meinte der kleine

Igel. Und er bekam auch etwas Angst: „Ferkel, meinst du, wir sollten nicht besser doch nach Hause

gehen?“ „Papperlapapp, Igel!“, sagte das Ferkel. „Jetzt sind wir schon so weit gewandert, da sollten

wir den Herrn auch kennen lernen!“

25 Das klang sehr ruhig, doch insgeheim hatte auch das kleine Ferkel ein wenig Angst, aber das wollte es

dem kleinen Igel nicht zeigen. […]

Und so liefen Igel und Ferkel zum zweiten Haus. 2 „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen

seid!“, sagte der Mann, der vor dem Haus stand. Er hatte ein lustiges lila Käppchen auf dem Kopf und

trug ein seltsames Gewand, das bis auf den Boden reichte. „Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das

30 kleine Ferkel den Mann. Es stellte sich heraus, dass der ein echter Bischof war und deshalb musste er

sich in solchen Fragen natürlich auskennen. „Das ist das Haus Gottes, eine Kirche!“, erklärte der

Bischof. „Wenn wir uns im Namen des Herrn versammeln, so ist er mitten unter uns.“

„Fein!“, sagte der kleine Igel. Also spazierten sie in die Kirche hinein.

Drinnen war es ziemlich dunkel und es roch auch irgendwie komisch. „Wo ist er denn nun, der Herr

35 Gott?“, fragte das kleine Ferkel. Der Bischof zeigte nach vorne. Igel und Ferkel starrten erschrocken

auf einen halbnackten Mann, dessen Hände und Füße mit spitzen Nägeln an ein Kreuz geschlagen

waren. Auf seinem Kopf trug er eine Krone aus Dornen und an seinem Körper klebte überall Blut.

„Aua!“, sagte der kleine Igel. „Tut das nicht furchtbar weh?“ „Gott, der Herr, schickte uns seinen

Sohn, der für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist!“, erklärte der Bischof. „Oh, das hätte der Herr

40 aber wirklich nicht tun müssen“, sagte das kleine Ferkel. „Der kleine Igel und ich sind doch immer

ganz brav …“

„Mit dem Blut Jesu wusch uns der Herr von der Sünde rein!“, sagte der Bischof. „Mit Blut? Igitt!“,

meinte das kleine Ferkel. „Und ich hab’ immer gedacht, dass man sich mit Seife waschen soll!“,

wunderte sich der kleine Igel.

45 „Gott gab uns eine frohe Botschaft: Wenn wir ihm folgen, wartet auf uns das Himmelreich!“, sagte der

Bischof.

„Na, so richtig froh sehen die Leute hier aber gar nicht aus!“, dachte sich das kleine Ferkel. „Die

gucken doch wie Trauerklöße aus der Wäsche!“ Nein, hier wollte das Ferkel gewiss nicht länger

bleiben. […]

50 Als sie die Kirche verlassen hatten, verspürten das kleine Ferkel und der kleine Igel eigentlich keine

große Lust mehr, sich das dritte Haus anzusehen. 3 […]

Als sie wieder zuhause angekommen waren, sagte der kleine Igel: „Ferkel, ich weiß jetzt, was uns die

ganze Zeit über gefehlt hat…“ „Was denn?“, fragte das kleine Ferkel. „Ohne Gott hatten wir keine

Angst!“, sagte der Igel. „Stimmt!“, meinte das Ferkel. „Aber hat dir die Angst gefehlt?“ „Nee!“,

55 antwortete der kleine Igel. „Der Herr Gott mit seinen komischen Dienern kann mir echt gestohlen

bleiben!“

Igel und Ferkel schauten sich noch einmal das geheimnisvolle Plakat an. „Ich denke, da ist einfach nur

ein Wort zuviel!“, sagte das kleine Ferkel und strich mit einem dicken Stift das Wörtchen „nicht“ auf

dem Plakat aus. „Es müsste eigentlich heißen: ‚Wer Gott kennt, dem fehlt etwas!‘ Nämlich hier

60 oben…“ Das Ferkel tippte sich lachend an die Stirn. Der kleine Igel nickte: „Die Leute vom

Tempelberg sind wirklich verrückt! Ich glaub’ ja, dass es den Herrn Gott überhaupt nicht gibt! […]“

„Wo du Recht hast, hast du Recht, Igel!“, sagte das kleine Ferkel. […]

Und die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!

Michael Schmidt-Salomon (Text), Helge Nyncke (Illustration): Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen, Aschaffenburg 2007, S. 4–34.

1 die beiden: Gemeint sind das kleine Ferkel und der Igel.

2 Zuvor haben Ferkel und Igel, als erstes Haus Gottes, ein jüdisches Gotteshaus besichtigt und mit einem Rabbi gesprochen.

3 Anschließend schauen sich die Tiere noch eine Moschee an und sprechen mit einem muslimischen Geistlichen.

Hinweise

Michael Schmidt-Salomon (geb. 1967): freischaffender Schriftsteller

Eberhard Jüngel (1934–2021): evangelischer Theologe

1 Beschreiben und analysieren Sie, welche religionskritischen Ansichten der Autor Michael Schmidt-Salomon vertritt und wie er diese im vorliegenden Auszug aus seinem Kinderbuch vermittelt. (Material)

(35 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 2 · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus

Material

Michael Schmidt-Salomon: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel (2007)

Kaum waren die beiden 1 zur Tür hinausgegangen, fiel ihnen etwas Seltsames auf. Irgendjemand hatte

über Nacht ein Plakat an ihrem Häuschen angebracht. „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand

darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so

gut aufgepasst.

5 „Ferkel, kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel.

Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte! Also

machten sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen.

„Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das kleine Ferkel jedes Tier, das sie auf ihrer Wanderung trafen.

Aber niemand hatte je etwas von einem Gott gehört, weder die Gans noch der Hase noch der

10 Maulwurf. Erst der schlaue Fuchs wusste Antwort.

„Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben

auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der

kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“,

antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute

15 da oben sind ziemlich verrückt!“

Das kleine Ferkel und der kleine Igel bedankten sich artig für den guten Rat des Fuchses. Aber sie

waren so neugierig, dass sie trotz der Warnung den Berg hinaufstiegen. Sie mussten doch

herausfinden, was ihnen fehlte!

Als sie den Berg erklommen hatten, entdeckten sie drei riesige Häuser, die dicht nebeneinander

20 standen. So etwas Gewaltiges hatten die beiden noch nie gesehen.

„Dieser Herr Gott muss ja riesig groß sein, wenn er solch große Häuser braucht!“, meinte der kleine

Igel. Und er bekam auch etwas Angst: „Ferkel, meinst du, wir sollten nicht besser doch nach Hause

gehen?“ „Papperlapapp, Igel!“, sagte das Ferkel. „Jetzt sind wir schon so weit gewandert, da sollten

wir den Herrn auch kennen lernen!“

25 Das klang sehr ruhig, doch insgeheim hatte auch das kleine Ferkel ein wenig Angst, aber das wollte es

dem kleinen Igel nicht zeigen. […]

Und so liefen Igel und Ferkel zum zweiten Haus. 2 „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen

seid!“, sagte der Mann, der vor dem Haus stand. Er hatte ein lustiges lila Käppchen auf dem Kopf und

trug ein seltsames Gewand, das bis auf den Boden reichte. „Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das

30 kleine Ferkel den Mann. Es stellte sich heraus, dass der ein echter Bischof war und deshalb musste er

sich in solchen Fragen natürlich auskennen. „Das ist das Haus Gottes, eine Kirche!“, erklärte der

Bischof. „Wenn wir uns im Namen des Herrn versammeln, so ist er mitten unter uns.“

„Fein!“, sagte der kleine Igel. Also spazierten sie in die Kirche hinein.

Drinnen war es ziemlich dunkel und es roch auch irgendwie komisch. „Wo ist er denn nun, der Herr

35 Gott?“, fragte das kleine Ferkel. Der Bischof zeigte nach vorne. Igel und Ferkel starrten erschrocken

auf einen halbnackten Mann, dessen Hände und Füße mit spitzen Nägeln an ein Kreuz geschlagen

waren. Auf seinem Kopf trug er eine Krone aus Dornen und an seinem Körper klebte überall Blut.

„Aua!“, sagte der kleine Igel. „Tut das nicht furchtbar weh?“ „Gott, der Herr, schickte uns seinen

Sohn, der für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist!“, erklärte der Bischof. „Oh, das hätte der Herr

40 aber wirklich nicht tun müssen“, sagte das kleine Ferkel. „Der kleine Igel und ich sind doch immer

ganz brav …“

„Mit dem Blut Jesu wusch uns der Herr von der Sünde rein!“, sagte der Bischof. „Mit Blut? Igitt!“,

meinte das kleine Ferkel. „Und ich hab’ immer gedacht, dass man sich mit Seife waschen soll!“,

wunderte sich der kleine Igel.

45 „Gott gab uns eine frohe Botschaft: Wenn wir ihm folgen, wartet auf uns das Himmelreich!“, sagte der

Bischof.

„Na, so richtig froh sehen die Leute hier aber gar nicht aus!“, dachte sich das kleine Ferkel. „Die

gucken doch wie Trauerklöße aus der Wäsche!“ Nein, hier wollte das Ferkel gewiss nicht länger

bleiben. […]

50 Als sie die Kirche verlassen hatten, verspürten das kleine Ferkel und der kleine Igel eigentlich keine

große Lust mehr, sich das dritte Haus anzusehen. 3 […]

Als sie wieder zuhause angekommen waren, sagte der kleine Igel: „Ferkel, ich weiß jetzt, was uns die

ganze Zeit über gefehlt hat…“ „Was denn?“, fragte das kleine Ferkel. „Ohne Gott hatten wir keine

Angst!“, sagte der Igel. „Stimmt!“, meinte das Ferkel. „Aber hat dir die Angst gefehlt?“ „Nee!“,

55 antwortete der kleine Igel. „Der Herr Gott mit seinen komischen Dienern kann mir echt gestohlen

bleiben!“

Igel und Ferkel schauten sich noch einmal das geheimnisvolle Plakat an. „Ich denke, da ist einfach nur

ein Wort zuviel!“, sagte das kleine Ferkel und strich mit einem dicken Stift das Wörtchen „nicht“ auf

dem Plakat aus. „Es müsste eigentlich heißen: ‚Wer Gott kennt, dem fehlt etwas!‘ Nämlich hier

60 oben…“ Das Ferkel tippte sich lachend an die Stirn. Der kleine Igel nickte: „Die Leute vom

Tempelberg sind wirklich verrückt! Ich glaub’ ja, dass es den Herrn Gott überhaupt nicht gibt! […]“

„Wo du Recht hast, hast du Recht, Igel!“, sagte das kleine Ferkel. […]

Und die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!

Michael Schmidt-Salomon (Text), Helge Nyncke (Illustration): Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen, Aschaffenburg 2007, S. 4–34.

1 die beiden: Gemeint sind das kleine Ferkel und der Igel.

2 Zuvor haben Ferkel und Igel, als erstes Haus Gottes, ein jüdisches Gotteshaus besichtigt und mit einem Rabbi gesprochen.

3 Anschließend schauen sich die Tiere noch eine Moschee an und sprechen mit einem muslimischen Geistlichen.

Hinweise

Michael Schmidt-Salomon (geb. 1967): freischaffender Schriftsteller

Eberhard Jüngel (1934–2021): evangelischer Theologe

2 Skizzieren Sie die Position eines Ihnen bekannten Religionskritikers und setzen Sie die religionskritischen Aussagen Schmidt-Salomons im vorliegenden Kinderbuch-Auszug in Beziehung zu der von Ihnen gewählten religionskritischen Position.

(35 BE)

Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 3 · Religionskritik: Feuerbach, Nietzsche und aktueller Atheismus

Material

Michael Schmidt-Salomon: Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel (2007)

Kaum waren die beiden 1 zur Tür hinausgegangen, fiel ihnen etwas Seltsames auf. Irgendjemand hatte

über Nacht ein Plakat an ihrem Häuschen angebracht. „Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!“, stand

darauf geschrieben. Das kleine Ferkel las es dem kleinen Igel vor, denn der hatte in der Schule nicht so

gut aufgepasst.

5 „Ferkel, kennst du Gott?“, fragte der Igel. „Nee“, sagte das Ferkel. „Ich auch nicht!“, meinte der Igel.

Darüber erschraken die beiden sehr. Sie hatten ja gar nicht geahnt, dass ihnen etwas fehlte! Also

machten sie sich auf den Weg, um Gott zu suchen.

„Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das kleine Ferkel jedes Tier, das sie auf ihrer Wanderung trafen.

Aber niemand hatte je etwas von einem Gott gehört, weder die Gans noch der Hase noch der

10 Maulwurf. Erst der schlaue Fuchs wusste Antwort.

„Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben

auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der

kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“,

antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute

15 da oben sind ziemlich verrückt!“

Das kleine Ferkel und der kleine Igel bedankten sich artig für den guten Rat des Fuchses. Aber sie

waren so neugierig, dass sie trotz der Warnung den Berg hinaufstiegen. Sie mussten doch

herausfinden, was ihnen fehlte!

Als sie den Berg erklommen hatten, entdeckten sie drei riesige Häuser, die dicht nebeneinander

20 standen. So etwas Gewaltiges hatten die beiden noch nie gesehen.

„Dieser Herr Gott muss ja riesig groß sein, wenn er solch große Häuser braucht!“, meinte der kleine

Igel. Und er bekam auch etwas Angst: „Ferkel, meinst du, wir sollten nicht besser doch nach Hause

gehen?“ „Papperlapapp, Igel!“, sagte das Ferkel. „Jetzt sind wir schon so weit gewandert, da sollten

wir den Herrn auch kennen lernen!“

25 Das klang sehr ruhig, doch insgeheim hatte auch das kleine Ferkel ein wenig Angst, aber das wollte es

dem kleinen Igel nicht zeigen. […]

Und so liefen Igel und Ferkel zum zweiten Haus. 2 „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen

seid!“, sagte der Mann, der vor dem Haus stand. Er hatte ein lustiges lila Käppchen auf dem Kopf und

trug ein seltsames Gewand, das bis auf den Boden reichte. „Wo bitte geht’s zu Gott?“, fragte das

30 kleine Ferkel den Mann. Es stellte sich heraus, dass der ein echter Bischof war und deshalb musste er

sich in solchen Fragen natürlich auskennen. „Das ist das Haus Gottes, eine Kirche!“, erklärte der

Bischof. „Wenn wir uns im Namen des Herrn versammeln, so ist er mitten unter uns.“

„Fein!“, sagte der kleine Igel. Also spazierten sie in die Kirche hinein.

Drinnen war es ziemlich dunkel und es roch auch irgendwie komisch. „Wo ist er denn nun, der Herr

35 Gott?“, fragte das kleine Ferkel. Der Bischof zeigte nach vorne. Igel und Ferkel starrten erschrocken

auf einen halbnackten Mann, dessen Hände und Füße mit spitzen Nägeln an ein Kreuz geschlagen

waren. Auf seinem Kopf trug er eine Krone aus Dornen und an seinem Körper klebte überall Blut.

„Aua!“, sagte der kleine Igel. „Tut das nicht furchtbar weh?“ „Gott, der Herr, schickte uns seinen

Sohn, der für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist!“, erklärte der Bischof. „Oh, das hätte der Herr

40 aber wirklich nicht tun müssen“, sagte das kleine Ferkel. „Der kleine Igel und ich sind doch immer

ganz brav …“

„Mit dem Blut Jesu wusch uns der Herr von der Sünde rein!“, sagte der Bischof. „Mit Blut? Igitt!“,

meinte das kleine Ferkel. „Und ich hab’ immer gedacht, dass man sich mit Seife waschen soll!“,

wunderte sich der kleine Igel.

45 „Gott gab uns eine frohe Botschaft: Wenn wir ihm folgen, wartet auf uns das Himmelreich!“, sagte der

Bischof.

„Na, so richtig froh sehen die Leute hier aber gar nicht aus!“, dachte sich das kleine Ferkel. „Die

gucken doch wie Trauerklöße aus der Wäsche!“ Nein, hier wollte das Ferkel gewiss nicht länger

bleiben. […]

50 Als sie die Kirche verlassen hatten, verspürten das kleine Ferkel und der kleine Igel eigentlich keine

große Lust mehr, sich das dritte Haus anzusehen. 3 […]

Als sie wieder zuhause angekommen waren, sagte der kleine Igel: „Ferkel, ich weiß jetzt, was uns die

ganze Zeit über gefehlt hat…“ „Was denn?“, fragte das kleine Ferkel. „Ohne Gott hatten wir keine

Angst!“, sagte der Igel. „Stimmt!“, meinte das Ferkel. „Aber hat dir die Angst gefehlt?“ „Nee!“,

55 antwortete der kleine Igel. „Der Herr Gott mit seinen komischen Dienern kann mir echt gestohlen

bleiben!“

Igel und Ferkel schauten sich noch einmal das geheimnisvolle Plakat an. „Ich denke, da ist einfach nur

ein Wort zuviel!“, sagte das kleine Ferkel und strich mit einem dicken Stift das Wörtchen „nicht“ auf

dem Plakat aus. „Es müsste eigentlich heißen: ‚Wer Gott kennt, dem fehlt etwas!‘ Nämlich hier

60 oben…“ Das Ferkel tippte sich lachend an die Stirn. Der kleine Igel nickte: „Die Leute vom

Tempelberg sind wirklich verrückt! Ich glaub’ ja, dass es den Herrn Gott überhaupt nicht gibt! […]“

„Wo du Recht hast, hast du Recht, Igel!“, sagte das kleine Ferkel. […]

Und die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!

Michael Schmidt-Salomon (Text), Helge Nyncke (Illustration): Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen, Aschaffenburg 2007, S. 4–34.

1 die beiden: Gemeint sind das kleine Ferkel und der Igel.

2 Zuvor haben Ferkel und Igel, als erstes Haus Gottes, ein jüdisches Gotteshaus besichtigt und mit einem Rabbi gesprochen.

3 Anschließend schauen sich die Tiere noch eine Moschee an und sprechen mit einem muslimischen Geistlichen.

Hinweise

Michael Schmidt-Salomon (geb. 1967): freischaffender Schriftsteller

Eberhard Jüngel (1934–2021): evangelischer Theologe

„Und die Moral von der Geschicht’: Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht.“ (Material)

Der Theologe Eberhard Jüngel schreibt im Anschluss an diesen Satz des Kinderbuches:

„Well roared, young pig! Denn wie sollte man denn jemanden ‚brauchen‘ oder gar jemanden lieben, wenn man ihn gar nicht kennt? [...] Was können die christlichen Kirchen von dieser Art Atheismus lernen? Antwort: das, was sie eigentlich schon immer wissen sollten. Nämlich dass es darauf ankommt, Gott bekannt zu machen. Und zwar so, wie er sich selber in der Person Jesu Christi bekannt gemacht hat [...]. Wenn uns Christenmenschen der gegenwärtige Atheismus dazu herausfordert, diesen Gott bekannt zu machen, könnte man geradezu dankbar dafür sein, dass es noch immer atheistische Polemik gibt.“

3 Entwickeln Sie ausgehend von diesem Zitat eine christliche Entgegnung auf die Darstellung des Glaubens im Kinderbuch von Schmidt-Salomon, in der Sie „Gott bekannt [...] machen [...], wie er sich selber in der Person Jesu Christi bekannt gemacht hat“.

(30 BE)

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