Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Katholische Religion GK 2022

Thema: Jesus Christus: Reich-Gottes-Botschaft, Kreuz, Auferstehung und Nachfolge · Aus der Prüfung GK (2022)

Aufgabenstellung

Material

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt (2008)

Keine Frage: Die Hoffnung auf Auferstehung gehört zum Kern christlichen Glaubens. Aber sie ist nur ein Teil, ein Ausschnitt aus einer größeren Hoffnung. „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt“, heißt es im Großen Glaubensbekenntnis. In der Sprache Jesu: „Das Reich Gottes ist nahe“, eine Welt, nach der sich viele Menschen sehnen und in der alte Verheißungen Wirklichkeit werden: Kriege werden abgeschafft, Gefangene freigelassen, verfeindete Völker feiern zusammen ein Friedensfest, Reiche teilen mit den Armen, Hungernde haben satt zu essen, Unterdrückte bekommen ihr Recht, Blinde können sehen, Lahme gehen, die Großen bedienen die Kleinen.

Für Jesus war diese Welt zum Greifen nahe. Er sprach nicht von einer fernen Zukunft; er fing schon an, die neue Welt zu leben. Er nahm Menschen mit auf den Weg. Vieles wurde möglich: Kranke wurden gesund, Verfeindete fanden sich an einem Tisch, Hungrige erlebten das Wunder des Teilens. Er sah das nicht als Ausnahmezustand, sondern als einen Anfang: als Beginn einer kommenden Welt.

Natürlich wusste er, dass die alte Welt weiter lief: Die römischen Besatzungssoldaten waren weiter im Land, Kollaborateure 1 lebten vom Unrecht, Würdenträger und eingebildete Rechtgläubige verachteten die kleinen Leute als vermeintliche Feinde Gottes, in seinem eigenen Jüngerkreis stritt man über die besten Plätze. Er selbst geriet unter die Räder der Mächtigen, wurde ausgelacht, gefoltert, umgebracht. Aber er hatte seine Jünger und Jüngerinnen darauf vorbereitet: Viel vom Samen des Reiches Gottes verdorrt unter den Dornen, kommt auf steinigem Grund oder wird von den Vögeln aufgefressen. Aber Glauben bedeutete die Hoffnung, dass die Saat schließlich doch aufgeht. Die neue Welt kommt, trotz allem – und sie will schon heute gelebt werden.

Das ist die praktische Seite der Hoffnung: Nicht abwarten, bis eine schönere Welt kommt, sondern die kommende Welt anfangshaft heute schon leben – in dem Vertrauen, dass aus dem Anfang einmal Vollendung wird: Einmal wird reiche Ernte sein.

Das alles wäre natürlich schlecht denkbar, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Dann wäre ja bestenfalls die letzte Generation der Menschheit die Gewinnerin, und alle vorherigen wären nur Opfer der Geschichte, allenfalls Pflastersteine auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Christliche Hoffnung richtet sich aber darauf, dass jeder Mensch die vollendete Welt erleben wird. Deshalb „muss“ es Auferstehung der Toten geben. [...]

In der ältesten neutestamentlichen Schrift bedeutet der Glaube an Jesus Christus vor allem die Hoffnung auf sein machtvolles Kommen, das die Welt verwandeln würde. Dieses Kommen mit Macht (wir sagen: die „Parusie“, die „Wiederkunft“ Christi) erwarteten sie [die Christen und Christinnen der ersten Generation] zu ihren Lebzeiten. Wohlgemerkt: nicht, dass sie in den Himmel kamen, sondern, dass Christus auf die Erde kam. [...]

Die Hoffnung auf Auferstehung ist Teil einer größeren Hoffnung, der Hoffnung auf die Vollendung der Welt.

Von dieser Hoffnung werden die christlichen Kirchen heute Zeugnis geben müssen: Nicht nur durch die Lehre von der Auferstehung und durch eine lebendige Liturgie für die Verstorbenen (beides ist wichtig), sondern auch durch eine Praxis des Lebens, die als Vorschein der kommenden Welt erkennbar ist.

Franz-Josef Nocke: Die kommende Welt, in: Jesuiten, Tod und Auferstehung 1/2008, S. 20f.

1 Kollaborateur: einer, der mit dem Kriegsgegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeitet

Hinweis

Franz-Josef Nocke (geb. 1932): römisch-katholischer, deutscher Theologe. Er war von 1981 bis 1993 Professor für Systematische Theologie an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und von 1993 bis 1998 an der Universität Essen.

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Erläutern Sie, vom Text ausgehend, die Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Berücksichtigen Sie dabei biblische Beispiele. (40 BE)

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Abitur Hessen Katholische Religion GK 2022

Lösung

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2 Erläutern Sie, vom Text ausgehend, die Reich-Gottes-Botschaft Jesu. Berücksichtigen Sie dabei biblische Beispiele.

Lösung: Ausführliche Erläuterung der Reich-Gottes-Botschaft Jesu ausgehend vom Text und unter Heranziehung biblischer Beispiele.

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