Aufgabe HT 2 - Kraftwerksberechnungen · Abitur NRW Technik LK · Haupttermin 2022

Thema: Kraftwerksberechnungen: Leistung und Wirkungsgrad · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2022)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung: Optimierung eines Laufwasserkraftwerks am Hochrhein

Bei Rheinfelden steht das älteste Laufwasserkraftwerk Europas. Die ursprüngliche Anlage wurde 1898 errichtet und versorgt seither das Netz mit regenerativ erzeugter elektrischer Energie. 2010 wurde die neue Anlage mit 4 Turbinen sowie einer weiteren Dotierturbine in Betrieb genommen. Analysieren Sie in den folgenden Aufgaben beide Kraftwerke.

M 2: Beschreibung des Kraftwerksstandortes

Im Jahr 1884 erteilte der Schweizer Kanton Aargau und im Jahr 1895 das Herzogtum Baden den Kraftwerksbetreibern die Erlaubnis zum Betrieb eines Wasserkraftwerks in Rheinfelden am Hochrhein. Im Jahr 1898 begann das Kraftwerk mit der Stromlieferung ins Netz. Damals war dieses Kraftwerk die größte europäische Wasserkraftanlage zur Elektrizitätsgewinnung. Die Genehmigung für eine Laufzeit von 90 Jahren wurde im Jahr 1989 für weitere 80 Jahre erweitert. Dies erfolgte unter der Auflage, dass ein neues Kraftwerk mit einer höheren Leistung gebaut werden sollte.

Im Sommer 2003 wurde mit dem Neubau des Wasserkraftwerks begonnen. Nachdem 2010 der erste Strom ins Netz geliefert wurde, folgte 2011 die offizielle Einweihung.

Die Flusslandschaft wurde durch ökologische Ausgleichsmaßnahmen im natürlichen Zustand erhalten. Dadurch entstanden naturnahe Fischaufstiege und Laichgewässer. Die Dotierturbine erzeugt dabei eine Strömung, die die Fische in den Aufstieg leitet.

M 3: Technische Daten des alten Wasserkraftwerks

Baujahr · 1898

Ausbaudurchfluss des Kraftwerks · 600 m³/s

Fallhöhe

bei niedrigem Wasserstand im Unterlauf

bei hohem Wasserstand im Unterlauf

Δh=6,0 m\Delta h = 6{,}0\text{ m}

Δh=4,2 m\Delta h = 4{,}2\text{ m}

Turbinen (20 Stück, nicht baugleich) · 8 Kaplan-Turbinen

6 Propeller-Turbinen

6 Francis-Turbinen

Generatoren · 8 Drehstromgeneratoren (6800 V, 50 Hz)

12 Gleichstromgeneratoren (100 V bis 1800 V)

elektrische Nennleistung · 25,7 MW

mittlere Jahresarbeit · 185 Mio. kWh

M 4: Technische Daten des neuen Wasserkraftwerks

Einweihung · 2010

Ausbaudurchfluss des Kraftwerks durch die Kaplan-Turbinen · 1500 m³/s

Fallhöhe

bei niedrigem Wasserstand im Unterlauf

bei hohem Wasserstand im Unterlauf

Δh=9,0 m\Delta h = 9{,}0\text{ m}

Δh=6,0 m\Delta h = 6{,}0\text{ m}

Turbinen (4 Stück, baugleich) · 4 doppelt regulierte Kaplan-Turbinen mit jeweils 28,5 MW Bruttoleistung

Dotierturbine · 1 Dotierturbine mit 2,28 MW Bruttoleistung

Generatoren · 4 Drehstromgeneratoren

Wirkungsgrad η=0,98\eta = 0{,}98

elektrische Nettoleistung · 4 x 25 MW = 100 MW

zusätzliche elektrische Nettoleistung · 1 x 2 MW (durch die Dotierturbine)

mittlere Jahresarbeit · 600 Mio. kWh

M 5: Schematischer Aufbau einer Kaplan-Turbine im neuen Kraftwerk

M 6: Diagramm zum Einsatzbereich von Wasserturbinen

M 7: Abfluss des Rheins in m³/s in Rheinfelden

b) Wirkungsgrad des alten Kraftwerks

Berechnen Sie unter Verwendung von Material M 3 die mittlere Fallhöhe sowie die hydraulische Leistung des alten Kraftwerks. Ermitteln Sie außerdem den Wirkungsgrad dieses alten Wasserkraftwerks. [8 Punkte]

c) Wirkungsgrad und Auslastungsfaktor des neuen Kraftwerks

Berechnen Sie unter Verwendung von Material M 4 die mittlere Fallhöhe sowie die hydraulische Leistung des neuen Kraftwerks. Ermitteln Sie außerdem den Wirkungsgrad dieses neuen Wasserkraftwerks. Nennen Sie auf Grundlage der Materialien M 1 bis M 4 die Optimierungen, die beim Neubau umgesetzt wurden. Ermitteln Sie für die neue Anlage die Vollbenutzungsstunden und den Auslastungsfaktor. [19 Punkte]

d) Turbinenaufbau

Nennen Sie anhand von Material M 5 die wichtigsten Bauteile der Turbine und erläutern Sie ihre Funktionen. Berechnen Sie den Wirkungsgrad der in Material M 4 genannten Kaplan-Turbine. Erörtern Sie mit Hilfe von Material M 6, wo der Einsatz dieser Turbinenart an Grenzen stößt. [15 Punkte]

e) Abfluss und Einspeisung des neuen Kraftwerks

Erläutern Sie das Diagramm in Material M 7 zum Rheinabfluss am Kraftwerksstandort Rheinfelden vor dem Hintergrund der Jahreszeiten. Stellen Sie unter Nutzung von Material M 4 in Material M 7 grafisch dar, wie viele Turbinen in den einzelnen Zeitabschnitten in Betrieb waren. Erläutern Sie Ihre Vorgehensweise. [10 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe HT 2 - Kraftwerksberechnungen · Abitur NRW Technik LK · Haupttermin 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

b) Berechnen Sie die mittlere Fallhöhe des alten Kraftwerks.

Lösung: 5,15{,}1 m

b) Berechnen Sie die hydraulische Leistung des alten Kraftwerks.

Lösung: 3030 MW / 3001860030018600 W

b) Ermitteln Sie den Wirkungsgrad des alten Wasserkraftwerks.

Lösung: 85,785{,}7 % / 0,8570{,}857

c) Berechnen Sie die mittlere Fallhöhe des neuen Kraftwerks.

Lösung: 7,57{,}5 m

c) Berechnen Sie die hydraulische Leistung des neuen Kraftwerks.

Lösung: 110,4110{,}4 MW / 110362500110362500 W

c) Ermitteln Sie den Wirkungsgrad des neuen Wasserkraftwerks.

Lösung: 92,492{,}4 % / 0,9240{,}924

c) Nennen Sie auf Grundlage der Materialien M 1 bis M 4 die Optimierungen, die beim Neubau umgesetzt wurden.

Lösung: Größerer Ausbaudurchfluss; Fallhöhe vergrößert; Turbinenanzahl verringert; Optimierung der Turbine (doppelt regulierbare Kaplan-Turbine); geringere Anzahl der Generatoren; Installation einer Dotierturbine mit Wirkungsgradverbesserung.

c) Ermitteln Sie die Vollbenutzungsstunden der neuen Anlage.

Lösung: 5882,355882{,}35 h

c) Ermitteln Sie den Auslastungsfaktor der neuen Anlage.

Lösung: 67,1567{,}15 % / 0,67150{,}6715

d) Nennen Sie anhand von Material M 5 die wichtigsten Bauteile der Turbine und erläutern Sie ihre Funktionen.

Lösung: 1. Generator: wandelt Rotationsenergie in elektrische Energie um. 2. Turbinenwelle: überträgt mechanische Energie von den Turbinenschaufeln zum Generator. 3. Leitapparat: reguliert den Durchfluss des Wassers, um auf ändernde Durchflussmengen zu reagieren. 4. Turbinenschaufeln (drehbar): passen sich den ändernden Durchflussmengen an, um eine gleichmäßige Drehzahl zu erreichen.

d) Berechnen Sie den Wirkungsgrad der in Material M 4 genannten Kaplan-Turbine.

Lösung: 89,589{,}5 % / 0,8950{,}895

d) Erörtern Sie mit Hilfe von Material M 6, wo der Einsatz dieser Turbinenart an Grenzen stößt.

Lösung: Einsatzgrenzen der Kaplan-Turbine: Bei Fallhöhen über 80 m wird die Einsatzgrenze erreicht; bei Volumenströmen unter ca. 3 m³/s ist die Wassermenge zu gering; bei Volumenströmen über 50 m³/s und Fallhöhen unter 20 m werden die Grenzen einzelner Turbinen erreicht, weshalb mehrere Turbinen parallel eingesetzt werden müssen.

e) Erläutern Sie das Diagramm in Material M 7 zum Rheinabfluss am Kraftwerksstandort Rheinfelden vor dem Hintergrund der Jahreszeiten.

Lösung: Größere Abflussmengen Anfang Februar durch starke Niederschläge im Einzugsgebiet; Zunahme im Mai durch Schmelzwasser aus den Bergen; starker Abfluss im Juli aufgrund starker Sommerniederschläge; Abnahme im Herbst durch geringere Niederschläge; Abnahme im Winter, da Niederschlag als Schnee liegen bleibt.

e) Erläutern Sie Ihre Vorgehensweise.

Lösung: Bestimmung des Volumenstroms pro Turbine: V˙Turbine=1500 m3/s/4=375 m3/s\dot{V}_{\text{Turbine}} = 1500\text{ m}^3/\text{s} / 4 = 375\text{ m}^3/\text{s}. Einzeichnen der Stufen bei 375 m³/s, 750 m³/s, 1125 m³/s und 1500 m³/s und Ermittlung der Anzahl genutzter Turbinen je Zeitintervall.

e) Stellen Sie unter Nutzung von Material M 4 in Material M 7 grafisch dar, wie viele Turbinen in den einzelnen Zeitabschnitten in Betrieb waren.

Lösung: Im Abflussdiagramm werden Stufen bei Vielfachen von 375 m3/s375\text{ m}^3/\text{s} (375, 750, 1125 und 1500 m³/s) eingezeichnet, die den Betrieb von 1, 2, 3 bzw. allen 4 Kaplan-Turbinen repräsentieren.

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