Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 und 2 · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2021

Thema: Mechanische und elektromagnetische Schwingungen · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung:

Aufgabe: Warensicherung mithilfe elektromagnetischer Schwingkreise

Viele Warenhäuser schützen ihre Artikel unter anderem mit Sicherungsetiketten vor Diebstahl. Manche dieser Systeme nutzen elektromagnetische Schwingkreise, die an den Artikeln befestigt sind. Wer das Warenhaus verlässt, geht am Ausgang durch eine sogenannte Schleuse. Führt ein Kunde Ware mit sich, die nicht bezahlt wurde, erkennt die Schleuse das Sicherungsetikett und löst einen Alarm aus.

Teilaufgabe 1: Der ideale elektromagnetische Schwingkreis

Besteht ein elektromagnetischer Schwingkreis ausschließlich aus einem Kondensator und einer Spule, gilt er als ideal, also ungedämpft. In Abbildung 2a sind für einen solchen Schwingkreis die elektrischen Feldlinien im Kondensator und die magnetischen Feldlinien in der Spule zu den Zeitpunkten t=0t = 0 und t=T4t = \frac{T}{4} schematisch dargestellt. TT steht dabei für die Periodendauer der elektromagnetischen Schwingung.

a)

• Skizzieren Sie in Abbildung 2b für die Zeitpunkte t=T2t = \frac{T}{2} und t=3⋅T4t = \frac{3\cdot T}{4} die elektrischen bzw. magnetischen Feldlinien innerhalb der jeweiligen Bauteile.

• Zeichnen Sie für alle vier Zeitpunkte die Polarität des Kondensators sowie die Richtung des Elektronenstroms in die Abbildungen 2a und 2b ein.

• Beschreiben Sie, was im ungedämpften elektromagnetischen Schwingkreis im Zeitraum 0≤t≤T20 \leq t \leq \frac{T}{2} abläuft, und berücksichtigen Sie dabei vor allem diese Punkte:

die zeitliche Entwicklung der Kondensatorspannung UU und der Stromstärke II in der Spule,

die zeitliche Entwicklung der elektrischen und der magnetischen Feldstärke,

die Lenz'sche Regel.

b)

Bei einer ungedämpften elektromagnetischen Schwingung besteht für die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}} zu jedem Zeitpunkt tt folgende Beziehung:

Eges(t)=12⋅L⋅(Q˙(t))2+12⋅1C⋅(Q(t))2=konstant.E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot L\cdot (\dot{Q}(t))^2 + \frac{1}{2}\cdot \frac{1}{C}\cdot (Q(t))^2 = \text{konstant}.

LL ist die Induktivität der Spule und CC die Kapazität des Kondensators. QQ steht für die Ladung auf den Kondensatorplatten, Q˙=I\dot{Q} = I für deren zeitliche Ableitung, also die Stromstärke.

Leiten Sie die angegebene Beziehung für die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}} her.

c)

Die Ladung auf den Kondensatorplatten lässt sich zeitabhängig durch Q(t)=Q0⋅cos⁡(ω0⋅t)Q(t) = Q_0 \cdot \cos(\omega_0 \cdot t) darstellen. ω0\omega_0 ist hierbei die Resonanzkreisfrequenz des elektromagnetischen Schwingkreises.

Weisen Sie nach, dass die gegebene Funktion mit ω0=1L⋅C\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} die in Teilaufgabe b) genannte Beziehung Eges(t)=konstantE_{\text{ges}}(t) = \text{konstant} erfüllt.

[Hinweis: Die Beziehung sin⁡2(ω0⋅t)+cos⁡2(ω0⋅t)=1\sin^2(\omega_0 \cdot t) + \cos^2(\omega_0 \cdot t) = 1 darf ohne Beweis benutzt werden.]

Teilaufgabe 2: Der reale elektromagnetische Schwingkreis

In einem realen elektromagnetischen Schwingkreis weisen alle Bauelemente Ohm'sche Widerstände auf, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Ein solcher Schwingkreis wird experimentell untersucht: Ein Kondensator mit der Kapazität C=2,0 μFC = 2{,}0\text{ }\mu\text{F} wird zuerst an einer Gleichspannungsquelle mit U=1,0 VU = 1{,}0\text{ V} aufgeladen und zur Zeit t=0 st = 0\text{ s} mit einer Spule der Induktivität L=9,0 mHL = 9{,}0\text{ mH} verbunden. Ein Messgerät nimmt den zeitlichen Verlauf der Kondensatorspannung UCU_C auf.

a)

Zeichnen Sie eine passende Schaltskizze zum oben beschriebenen Versuch.

In Abbildung 3 ist die Spannung UCU_C am Kondensator über der Zeit dargestellt.

b)

• Bestimmen Sie mithilfe von Abbildung 3 die Periodendauer TT der gedämpften elektromagnetischen Schwingung.

• Zeigen Sie, dass die Beziehung ω0=1L⋅C\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} für die Resonanzfrequenz bei dieser schwach gedämpften elektromagnetischen Schwingung näherungsweise gut gilt.

c)

• Skizzieren Sie qualitativ das tt-II-Diagramm für 0≤t≤2⋅T0 \leq t \leq 2\cdot T in Abbildung 3.

• Erklären Sie, wie es bei der gedämpften elektromagnetischen Schwingung zu Energieverlusten kommt.

d)

• Berechnen Sie mithilfe des Diagramms in Abbildung 3 die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}}, die zum Zeitpunkt t=0 st = 0\text{ s} im Schwingkreis gespeichert ist.

• Ermitteln Sie, welcher prozentuale Anteil der anfänglichen Gesamtenergie dem Schwingkreis am Ende der ersten Periode nicht mehr zur Verfügung steht.

%

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 und 2 · Abitur NRW Physik LK · Nachtermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1 a) Skizzieren Sie in Abbildung 2b die elektrischen bzw. magnetischen Feldlinien sowie Polarität und Richtung des Elektronenstroms für alle vier Zeitpunkte; 2 a) Schaltskizze; 2 c) Skizze des t-I-Diagramms

Lösung: Teilaufgabe 1 a) Schematische Darstellung der Feldlinien, Polarität und Elektronenstromrichtung: Abbildung 2a: Abbildung 2b: Teilaufgabe 2 a) Schaltskizze: Teilaufgabe 2 c) Skizze des tt-II-Diagramms:

1 a) Beschreiben Sie, was im ungedämpften elektromagnetischen Schwingkreis im Zeitraum 0 ≤ t ≤ T/2 abläuft

Lösung: Zum Zeitpunkt t=0t = 0 ist der Kondensator auf die maximale Spannung aufgeladen und damit ist auch die Stärke des elektrischen Feldes maximal. Der Strom und somit auch die magnetische Feldstärke sind gleich Null. Bis zum Zeitpunkt t=T4t = \frac{T}{4} nimmt die Aufladung des Kondensators ab, d. h. die Spannung und die elektrische Feldstärke sinken. Gleichzeitig nimmt die Stromstärke und infolgedessen die Stärke des Magnetfeldes zu. Dies geschieht allerdings nicht schlagartig, da die Induktivität der Spule die Entladung gemäß der Lenz’schen Regel verzögert. Zum Zeitpunkt t=T4t = \frac{T}{4} ist der Kondensator entladen, die Spannung und die elektrische Feldstärke sind Null und die Stromstärke sowie die magnetische Feldstärke sind maximal. Bis zum Zeitpunkt t=T2t = \frac{T}{2} verhindert die Induktivität der Spule nach der Lenz’schen Regel ein plötzliches Absinken der Stromstärke und sorgt damit für eine Aufladung des Kondensators mit umgekehrter Polarität. Die elektrische Feldstärke steigt, die magnetische Feldstärke sinkt.

1 b) Leiten Sie die angegebene Beziehung für die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}} her.

Lösung: Die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}} ist zu jedem Zeitpunkt tt konstant und setzt sich aus der in dem elektrischen Feld des Kondensators gespeicherten Energie Eel(t)=12⋅C⋅(U(t))2E_{\text{el}}(t) = \frac{1}{2}\cdot C\cdot (U(t))^2 und der im Magnetfeld der Spule gespeicherten Energie Emag(t)=12⋅L⋅(I(t))2E_{\text{mag}}(t) = \frac{1}{2}\cdot L\cdot (I(t))^2 zusammen. Einsetzen der beiden Beziehungen I(t)=Q˙(t)I(t) = \dot{Q}(t) und U(t)=Q(t)CU(t) = \frac{Q(t)}{C} in die Gleichung für die Gesamtenergie liefert: Eges(t)=12⋅L⋅(Q˙(t))2+12⋅1C⋅(Q(t))2=konstant.E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot L\cdot (\dot{Q}(t))^2 + \frac{1}{2}\cdot \frac{1}{C}\cdot (Q(t))^2 = \text{konstant}.

1 c) Weisen Sie nach, dass die gegebene Funktion mit ω0=1L⋅C\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} die Beziehung Eges(t)=konstantE_{\text{ges}}(t) = \text{konstant} erfüllt.

Lösung: Einsetzen von Q(t)=Q0⋅cos⁡(ω0⋅t)Q(t) = Q_0 \cdot \cos(\omega_0 \cdot t) bzw. Q˙(t)=−ω0⋅Q0⋅sin⁡(ω0⋅t)\dot{Q}(t) = -\omega_0 \cdot Q_0 \cdot \sin(\omega_0 \cdot t) in die Gleichung für die Gesamtenergie liefert: Eges(t)=12⋅L⋅(−ω0⋅Q0⋅sin⁡(ω0⋅t))2+12⋅1C⋅(Q0⋅cos⁡(ω0⋅t))2.E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot L\cdot (-\omega_0 \cdot Q_0 \cdot \sin(\omega_0 \cdot t))^2 + \frac{1}{2}\cdot \frac{1}{C}\cdot (Q_0 \cdot \cos(\omega_0 \cdot t))^2. Auflösen der Klammern ergibt: Eges(t)=12⋅L⋅ω02⋅Q02⋅sin⁡2(ω0⋅t)+12⋅Q02C⋅cos⁡2(ω0⋅t).E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot L\cdot \omega_0^2 \cdot Q_0^2 \cdot \sin^2(\omega_0 \cdot t) + \frac{1}{2}\cdot \frac{Q_0^2}{C}\cdot \cos^2(\omega_0 \cdot t). Einsetzen von ω0=1L⋅C\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} liefert: Eges(t)=12⋅Q02C⋅(sin⁡2(ω0⋅t)+cos⁡2(ω0⋅t)).E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot \frac{Q_0^2}{C}\cdot (\sin^2(\omega_0 \cdot t) + \cos^2(\omega_0 \cdot t)). Wegen sin⁡2(ω0⋅t)+cos⁡2(ω0⋅t)=1\sin^2(\omega_0 \cdot t) + \cos^2(\omega_0 \cdot t) = 1 ist damit: Eges(t)=12⋅Q02C=konstant.E_{\text{ges}}(t) = \frac{1}{2}\cdot \frac{Q_0^2}{C} = \text{konstant}.

2 b) Bestimmen Sie mithilfe von Abbildung 3 die Periodendauer TT der gedämpften elektromagnetischen Schwingung.

Lösung: 0,830{,}83 ms / 0,000830{,}00083 s

2 b) Zeigen Sie, dass die Beziehung ω0=1L⋅C\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} für die Resonanzfrequenz bei dieser schwach gedämpften elektromagnetischen Schwingung näherungsweise gut gilt.

Lösung: Die Kreisfrequenz der gedämpften elektromagnetischen Schwingung ist: ω=2⋅π⋅f=2⋅π⋅1T=7,6⋅103 Hz.\omega = 2\cdot \pi\cdot f = 2\cdot \pi\cdot \frac{1}{T} = 7{,}6\cdot 10^3\text{ Hz}. Mit der angegebenen Kapazität C=2,0 μFC = 2{,}0\text{ }\mu\text{F} und der angegebenen Induktivität L=9,0 mHL = 9{,}0\text{ mH} erhält man: ω0=1L⋅C=7,5⋅103 Hz,\omega_0 = \frac{1}{\sqrt{L\cdot C}} = 7{,}5\cdot 10^3\text{ Hz}, sodass der angegebene Zusammenhang in guter Näherung gültig ist.

2 c) Erklären Sie, wie es bei der gedämpften elektromagnetischen Schwingung zu Energieverlusten kommt.

Lösung: Bei der gedämpften elektromagnetischen Schwingung treten Energieverluste bei der Umwandlung von elektrischer Energie in Wärme, bedingt durch den Ohm’schen Widerstand der Bauteile, auf.

2 d) Berechnen Sie mithilfe des Diagramms in Abbildung 3 die Gesamtenergie EgesE_{\text{ges}}, die zum Zeitpunkt t = 0 s im Schwingkreis gespeichert ist.

Lösung: 1,0⋅10−61{,}0\cdot 10^{-6} J / 1,01{,}0 µJ / 1,0⋅10−31{,}0\cdot 10^{-3} mJ

2 d) Ermitteln Sie, welcher prozentuale Anteil der anfänglichen Gesamtenergie dem Schwingkreis am Ende der ersten Periode nicht mehr zur Verfügung steht.

Lösung: 44 % / 43,8 %

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