Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3 · Abitur NRW Kunst LK · Nachtermin 2021

Thema: Vergleichende Interpretation zweier Werke · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2021)

Aufgabenstellung

Materialgrundlage

Bildmaterial:

Abbildung 1: Francisco José de Goya y Lucientes, „La aguadora“/„Die Wasserträgerin“, 1808 – 1812, Öl auf Leinwand, 68 x 52 cm, Budapest, Szépművészeti Múzeum

Abbildung 2: Hannah Höch, „Das schöne Mädchen“, 1920, Collage, 47,6 x 57,1 cm, Privatsammlung

Textmaterial:

Zusatzinformationen:

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zu Abbildung 1:

Das Bild entstand im Zusammenhang des Besuchs Goyas in Saragossa, dem Ort, in welchem er als Kind aufgewachsen war.

Der Besuch erfolgte aufgrund einer Einladung des mit ihm befreundeten Generals Don José Palafox, welcher den bewaffneten Widerstand in Saragossa organisierte und Goya bat, die Zustände vor Ort visuell festzuhalten.

Die Stadt Saragossa wurde während des spanischen Unabhängigkeitskrieges im August und Dezember 1808 von französischen Truppen belagert. Die gesamte Bevölkerung bekämpfte die Eindringlinge mit allem, was ihr verfügbar war. So brachten z. B. die sogenannten Wasserträgerinnen mit Wasser gefüllte Tonkrüge zusammen mit Wassergläsern zu den in den Straßen an vorderster Front Kämpfenden.

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zu Abbildung 2:

Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich Deutschland in einem sehr angespannten Übergangszustand, geprägt von schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen wie Inflation und zunehmender Arbeitslosigkeit.

Die Weimarer Republik brachte den Frauen in Deutschland zwar politische Fortschritte, indem diesen neue Rechte, wie z. B. das Wahlrecht und das Recht auf gleiches Entgeld, gewährt wurden, jedoch fand die konkrete Umsetzung dieser Rechte kaum erkennbar statt.

Aufgrund der äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation hatten Frauen große Schwierigkeiten, ihre neuen Rechte de facto einzufordern und das neue Frauenbild der zwanziger Jahre auch praktisch umzusetzen. Vielmehr waren sie vorrangig damit beschäftigt, ihre durch die Folgen des Krieges gezeichneten Familien ausreichend zu ernähren bzw. zu unterstützen.

Autorentext

3. Interpretieren Sie beide Werke, indem Sie Ihre bisherigen Analyseergebnisse sowie die Zusatzinformationen heranziehen.

Berücksichtigen Sie in Ihren Überlegungen Ihr Wissen über die Arbeitsweise, insbesondere die der Künstlerin Hannah Höch, und weitere Ihnen bekannte Werke der Künstlerin und des Künstlers.

Nehmen Sie abschließend vergleichend Stellung zu der Frage, inwiefern sich in den beiden vorliegenden Werken eine Konstruktion von Wirklichkeit in gesellschaftlichen Kontexten zeigt. (34 Punkte)

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3 · Abitur NRW Kunst LK · Nachtermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

3. Interpretieren Sie die beiden Werke auf der Grundlage Ihrer bisherigen Analyseergebnisse und unter Berücksichtigung der Zusatzinformationen... Beziehen Sie abschließend vergleichend Stellung zu der Frage, inwiefern sich in den beiden vorliegenden Werken eine Konstruktion von Wirklichkeit in gesellschaftlichen Kontexten manifestiert. (34 Punkte)

Lösung: Eine schlüssige Interpretation umfasst drei Schwerpunkte: 1. Werkinterpretation anhand der Zusatzinformationen: - Goya deutet das Frauenporträt als heroisierendes, idealisierendes Bildnis einer tapferen Vertreterin des Widerstands von Saragossa im Spanischen Unabhängigkeitskrieg; selbstbewusste Positur aus dem Volk. - Höch dekonstruiert das tradierte bzw. moderne Klischee der Frau der Weimarer Republik: Glühbirne als Intellekt/Idee, maschinelle Elemente (BMW, Kurbelwelle) als männlich dominierte Arbeits- und Konsumwelt im Bruch mit modischem Zierrat (Sonnenschirm, Haarschopf). 2. Einbezug von Arbeitsweise und Werkkontexten: - Goya verbindet klassische Malweise mit expressiven Zügen; parteiergreifende, patriotische Würdigung der einfachen Bevölkerung im Kontext der Schrecken des Krieges (Desastres de la Guerra). - Höch nutzt die Fotomontage als dadaistisches Instrument zur Demontage gesellschaftlicher Rollenbilder, Zerstörung vorgeblicher Einheit und Entlarvung des Modernisierungsmythos. 3. Abschließende vergleichende Stellungnahme zur Konstruktion von Wirklichkeit: - Beide Werke reagieren auf tiefgreifende historische Krisen (Krieg, gesellschaftlicher Umbruch). - Goyas Wirklichkeitskonstruktion ist affirmativ, heroisierend und stiftet nationale Identität durch Verklärung des Alltäglichen zum Heldenhaften. - Höchs Konstruktion von Wirklichkeit ist analytisch, fragmentierend und dekonstruktiv: Sie montiert vorgefundene Versatzstücke der Massenmedien, um die Ambivalenz zwischen formaler Gleichberechtigung und realer Rollenzuschreibung sichtbar zu machen.

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