Abitur NRW Geographie 2022 · LK · Haupttermin
Abiturprüfung Geographie in Nordrhein-Westfalen 2022, LK · Haupttermin: 4 Aufgaben mit Lösungen. Mit automatischer Korrektur.
Themen der Prüfung: Intensivierung der Landwirtschaft und Ressourcengefährdung · Strukturwandel und Tertiärisierung · Stadtentwicklung und Stadtumbau · Wirtschaftsfaktor Tourismus
Aufgabe 1 · Intensivierung der Landwirtschaft und Ressourcengefährdung
Thema: Agrarproduktion in Trockenräumen – Das Beispiel des Murray-Darling Beckens
Materialgrundlage
M 1: Atlaskarten nach Wahl
M 2: Murray-Darling Becken – Lage
M 3: Hay – Klima
M 4: Murray-Darling Becken – Steckbrief
Größe · ca. 1.040.000 km²
Naturraum · über 77.000 km² an Flüssen und 25.000 km² an Schwemmland (wetlands)
längste Flüsse Australiens: Murray (2.508 km Länge) und Darling (1.472 km Länge)
120 verschiedene Arten von Wasservögeln und 50 verschiedene Fischarten
dominiert von humusarmen Halbwüsten- und Wüstenböden (39 %) sowie verdichteten Lehmböden von mittlerer Qualität (32 %)
Landwirtschaft 2019 · Umsatz landwirtschaftlicher Produkte: 24 Mrd. AUD (davon 9 Mrd. AUD durch Bewässerungslandwirtschaft)
Anteil an der Produktion Australiens: Reis (100 %), Baumwolle (96 %), Weintrauben (74 %), Früchte (46 %)
Hauptexportprodukte: Weizen, Wein, Baumwolle, Früchte, Nüsse und Mandeln
Bevölkerung · 2,2 Mio. Einwohner
Klimatische Extreme · Jahrhundertdürren: 2002 – 2003 und 2017 – 2019 mit verheerenden Buschbränden
Jahrhunderthochwasser: 2010 – 2011 und 2020 – 2021
Anmerkung: AUD = Australischer Dollar; 1 AUD entspricht 0,64 EUR (Umrechnungskurs vom 05.11.2021)
M 5: Südliches Murray-Darling Becken – landwirtschaftliche Nutzung
M 6: Murray-Darling Becken – Agrardaten
M 7: Der Murray-Darling Plan
* überwiegend fossiles Grundwasser (Wasser in tiefen Gesteinsschichten, das sich in früheren erdgeschichtlichen Zeiten gesammelt hat und unter gegenwärtigen klimatischen Gegebenheiten nicht erneuerbar ist)
** 1 GL (Gigaliter) = 1.000 ML (Megaliter) oder 1 Mio. m³ (zum Vergleich: Bodensee = 48.000 GL)
M 8: Südliches Murray-Darling Becken – Bewässerung
Anmerkungen: Behörden teilen Bewässerungswasser zu, mit Bezug auf Fläche und Anbauprodukt der Farmen sowie Niederschlagsmenge.
Die Bewässerung hat besonders in den trockenen Monaten Auswirkungen auf die Sedimentablagerung in den Flüssen.
Lizensierte Entnahme von fossilem Grundwasser (in GL)
Bundesstaat · 2016 – 2017 · 2017 – 2018 · 2018 – 2019
New South Wales · 590 · 1.063 · 1.242
Victoria · 314 · 351 · 441
Queensland · 854 · 623 · 983
M 9: Südliches Murray-Darling Becken – Agrarproduktion und Wasserverbrauch
M 10: Murrumbidgee Tal – Anbauflächen ausgewählter Agrarprodukte und Wasserpreis
Anmerkung: Bereits in den 1990er-Jahren begann die australische Regierung, den Handel mit Wasserrechten zu ermöglichen.
1.
Lokalisieren Sie das südliche Murray-Darling Becken und kennzeichnen Sie dessen naturräumliche Bedingungen im Hinblick auf eine intensive Landwirtschaft. [21 Punkte]
2.
Erläutern Sie, wie sich die Landwirtschaft im Murray-Darling Becken entwickelt hat und welche Bedeutung sie hat, und beziehen Sie dabei die Ziele und die Umsetzung des Murray-Darling Planes ein. [32 Punkte]
3.
Nehmen Sie Stellung zu den gegenwärtigen Tendenzen in der landwirtschaftlichen Nutzung des Murray-Darling Beckens. [27 Punkte]
Aufgabe 2 · Wirtschaftsfaktor Tourismus
Thema: Tourismus als Impulsgeber einer zukunftsfähigen räumlichen Entwicklung? – Das Beispiel Myanmar
Materialgrundlage: M 1 (Atlaskarten nach Wahl), M 2–M 10 (siehe unten). Zugelassene Hilfsmittel: Atlas, Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung, Taschenrechner.
M 2: Myanmar – landeskundliche Informationen
Myanmar (ehemals Burma) 1824–1948 unter britischer Kolonialherrschaft
4. Januar 1948: Unabhängigkeit und Gründung des Staates Myanmar
Militärdiktatur bis 2011; ab 2011 Phase der Öffnung und Demokratisierung; 2015 erste freie Wahlen; 2021 erneute Machtübernahme durch das Militär
Einwohner der 4 größten Städte (2017): Yangon 4.728.524, Mandalay 1.225.546, Naypyitaw 333.506 (Regierungssitz seit 2005), Taunggyi 264.804
Informationen Yangon: kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes; Sitz nationaler und internationaler Unternehmen; internationaler Flughafen, Bahnverbindung; 7 Universitäten und nationale Forschungseinrichtungen
Korruptionsindex*: Myanmar 130 (Vergleich Deutschland 9)
* Rang 1 = Land mit geringster Korruption
M 3: Myanmar – Strukturdaten
M 4: Myanmar – Bevölkerungs- und Armutsverteilung
M 5: Myanmar – Klima
M 6: Myanmar – Tourismuspotenzial und -regionen
M 7: Tourismus in Myanmar – ausgewählte Daten
* Hauptherkunftsländer 2019: China (39,5 %), Thailand (14,4 %), Japan (6,6 %), Südkorea (5,9 %). ** Anteil des Tourismus am BNE: 2010: 0,2 %; 2019: 3,3 %
* Anteil an Gesamtarbeitsplätzen. ** nach Myanmar Tourism Master Plan 2013–2020
M 8: Meldung des Auswärtigen Amtes (23.04.2021)
Am 1. Februar 2021 wurden landesweit hochrangige Mitglieder der Zivilregierung und der Zivilgesellschaft durch das Militär festgenommen. Das Militär hat die Macht übernommen und den Ausnahmezustand angeordnet. Internet und gelegentlich auch Telefonverbindungen werden substantiell gestört. In Yangon (Rangun), Mandalay und vielen anderen Orten werden weiterhin Demonstrationen und Proteste verübt, denen Sicherheitskräfte mit grausamer Gewalt begegnen. Das öffentliche Leben einschließlich des Banken- und Transportwesens und die medizinische Versorgung sind erheblich beeinträchtigt.
M 9: Regionale touristische Entwicklung – Beispiele
[1] Inle Lake Hotel Zone Masterplan
2014: Verkauf von Grundstücken (621 ha) und infrastrukturelle Erschließung
Käufer: nationale und internationale Investoren
geplant: Bau von 87 Luxushotels und Resorts
geschätztes Investitionsvolumen: insgesamt ca. 360 Mio. US-$
Fertigstellung 2020
geringe Entschädigung der Grundstückseigentümer
[2] Myeik Archipel
Geheimtipp für Naturliebhaber und Tauchfreunde
Einsame feine Sandstrände, transparent-blaues Wasser, eine üppig grüne tropische Vegetation und eine zum Teil noch unerforschte Tierwelt erwarten den Besucher. Die touristisch unberührten Mergui-Inseln ermöglichen erst seit wenigen Jahren einen mehrtägigen Aufenthalt. Die einheimische Moken -Bevölkerung hat Resorts aus umweltfreundlichen Materialien unter Einbezug der Natur erbaut und diese sind Vorzeigebeispiel für einen verantwortlichen Ökotourismus.
(Werbetext)
M 10: Modell raum-zeitlicher Entwicklung der Tourismuswirtschaft (Vorlaufer)
Anmerkung: Polarisation-Reversal: Umkehrung des Polarisationsprozesses
1.
Lokalisieren Sie Myanmar und kennzeichnen Sie sowohl die Raumstruktur als auch den Entwicklungsstand dieses Staates. (21 Punkte)
2.
Erläutern Sie die Entwicklung und die Bedeutung des Tourismus in Myanmar und beziehen Sie dabei das touristische Potenzial ein. (30 Punkte)
3.
Stellen Sie die zentralen Aussagen des Modells der raum-zeitlichen Entfaltung der Tourismuswirtschaft nach Vorlaufer dar und nehmen Sie auf dieser Grundlage Stellung dazu, ob der Tourismus in Myanmar eine zukunftsfähige räumliche Entwicklung anstoßen kann. (29 Punkte)
Aufgabe 3 · Strukturwandel und Tertiärisierung
Abiturprüfung 2022 – Geographie, Leistungskurs
Thema: Veränderungen im globalen Güterverkehr als Auslöser raumwirksamer Prozesse – Das Beispiel der Seehäfen in der Jade-Weser-Mündung
1.
Lokalisieren Sie die Hafenstandorte Bremerhaven und Wilhelmshaven und kennzeichnen Sie, wie sich die beiden Städte demografisch und sozioökonomisch entwickelt haben. (20 Punkte)
2.
Erläutern Sie, wie die beiden Häfen verkehrsinfrastrukturell angebunden sind, wie sie sich entwickelt haben und welche Bedeutung sie haben, und gehen Sie auf die Maßnahmen der jeweiligen Ausbaupläne ein. (30 Punkte)
3.
Stellen Sie die wesentlichen Aussagen des Modells intermodaler Transportketten dar und nehmen Sie auf dieser Grundlage kritisch Stellung zu den bisherigen Entwicklungen sowie zu den Ausbauplänen. (30 Punkte)
Materialgrundlage
M 1: Atlaskarten nach Wahl
M 2: Jade-Weser-Mündung
Anmerkung: Kavernen sind große unterirdische Hohlräume, die zur Speicherung von Erdgas und Erdöl genutzt werden.
M 3: Bremerhaven und Wilhelmshaven – sozioökonomische Daten
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
Jahr · Bremerhaven · Wilhelmshaven · Niedersachsen
2000 · 43.952 · 27.412 · 2.436.007
2010 · 46.993 · 27.976 · 2.356.527
2019 · 52.883 · 31.379 · 3.042.547
Anmerkung: Anteil der maritimen Hafenwirtschaft 2019 (direkt und indirekt) an der Gesamtbeschäftigung: Bremerhaven 21,9 %, Wilhelmshaven 19,1 % und Hamburg 10,8 %
M 4: Güterumschlag der Seehäfen der Jade-Weser-Mündung
Bremerhaven
Jahr · Güterumschlag (in 1.000 t) · Anzahl der Seeschiffe · Hauptumschlaggüter
Container (TEU)* · Pkw/Fahrzeuge
2000 · 30.318 · k. A. · 2.726.301 · 1.099.986
2010 · 55.667 · 6.943 · 5.182.991 · 1.631.443
2019 · 57.285 · 5.239 · 5.180.115 · 2.166.382
Wilhelmshaven
Jahr · Güterumschlag (in 1.000 t) · Anzahl der Seeschiffe · Hauptumschlaggüter
Container (TEU)* · Mineralöl (in 1.000 t)
2000 · 40.927 · 1.559 · – · 29.120
2010 · 24.728 · 1.128 · – · 23.967
2019 · 28.296 · 1.036 · 639.084 · 24.694
* TEU = Twenty-foot Equivalent Unit, Einheit für einen Standardcontainer
M 5: Größenentwicklung in der Containerschifffahrt
Baujahr · Länge in m · Breite in m · Tiefgang in m · Kapazität in TEU
ab 1980 · bis 295 · bis 32,20 · bis 13,50 · bis 5.000
ab 1997 · bis 318 · bis 42,00 · bis 14,50 · bis 6.000
ab 2005 · bis 397 · bis 56,00 · bis 16,50 · bis 14.000
ab 2017 · > 400 · bis 59,00 · bis 16,50 · bis 20.000
M 6: Ausbauprojekt Containerhafen Jade-Weser-Port
Tiefster Seehafen Deutschlands* mit gezeitenunabhängiger Wassertiefe von 18,50 m
Arbeitsplatzprognose 2008
Arbeitsplätze 2014
Arbeitsplätze 2018 · 1.100 – 1.900
650
400
Kosten für allgemeine Infrastruktur (Kaianlagen, Ufereinfassungen, Geländeaufspülung, Anschluss der Verkehrsträger etc.) · ca. 600 Mio. Euro (Hauptinvestor: Land Niedersachsen)
Kosten für spezifische Infrastruktur (Containerbrücken etc.) · ca. 350 Mio. Euro
Containerumschlag-Kapazität pro Jahr · 2,7 Mio. TEU
* Zum Vergleich: Bremerhaven 14,10 m; Hamburg 13,80 m (Vertiefung auf 14,50 m 2021 abgeschlossen)
Ausbauzustand 2019 und Ausbaupläne
Planungen für Anlandemöglichkeiten für Flüssiggastanker jeder Größe
VW-Logistikzentrum: Baubeginn 2018, Inbetriebnahme 2019; ca. 500 Beschäftigte
M 7: Containerterminal Bremerhaven – Ausbaupläne
zentrale Infrastrukturmaßnahme: Vertiefung der Fahrrinne in der Wesermündung von derzeit 14,10 m auf 14,50 m; Baubeginn 2023, Fertigstellung 2025
gezeitenunabhängige Wassertiefe nach dem Ausbau: 14,10 m
Ausbau der Hafenumschlagsanlagen im Bereich des Containerumschlags; Steigerung der Umschlagkapazität pro Jahr von derzeit 6 auf 7 Mio. TEU
Höhe der geplanten Investitionen in allgemeine Infrastruktur (Kaianlagen, Ufereinfassungen, Anschluss der Verkehrsträger etc.): ca. 170 Mio. Euro (Hauptinvestor: Land Bremen)
durch den Ausbau entstehende neue Arbeitsplätze im Hafenbereich: 350
Verkehrsanbindung des Überseehafens und der hafennahen Gewerbegebiete an die Autobahn A27, u. a. durch den sogenannten Hafentunnel; geschätztes Investitionsvolumen: ca. 370 Mio. Euro
M 8: Seehäfen der Nordrange
Anmerkung: Nordrange ist eine Bezeichnung für die kontinentaleuropäischen Häfen an der Nordsee.
M 9: Modell intermodaler Transportketten
M 10: Positionen der Landesregierungen Bremen und Niedersachsen
Bremen: Ziel bremischer Politik muss es daher sein, die ökonomische Schlüsselrolle der Häfen für das Land Bremen auch in den kommenden Jahren zu erhalten und auszubauen. Hierzu gilt es, im Rahmen einer konsequenten Investitions- und Instandhaltungsstrategie verschiedene, wichtige Projekte und Themenstellungen zu evaluieren und bedarfsgerecht umzusetzen.
Niedersachsen: Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Häfen zu sichern gehört daher zu den wichtigsten Aufgaben der niedersächsischen Wirtschaftspolitik. Eine gut ausgebaute Infrastruktur (Häfen, Hinterlandanbindungen, Gewerbeflächen) ist dabei der Schlüssel zu Wachstum und Beschäftigung in der seit jeher eher strukturschwachen Küstenregion. Hier eine vernünftige Balance zwischen notwendigen Investitionen auf der einen und strukturell ausgeglichenen Haushalten auf der anderen Seite zu finden, wird auch in den nächsten Jahren zu den wesentlichen Herausforderungen gehören. Aus- und Neubaumaßnahmen müssen sich demzufolge streng am Bedarf orientieren.
Aufgabe 4 · Stadtentwicklung und Stadtumbau
Abiturprüfung 2022 – Geographie, Leistungskurs
Thema: Leitbildorientierte Stadtentwicklung – Das Beispiel Heidelberg-Bahnstadt
Materialgrundlage
M 1: Atlaskarten nach Wahl
M 2: Heidelberg – Stadtteile
M 3: Heidelberg – Wirtschaft
M 4: Heidelberg – Demografie
M 5: Heidelberg – Daten und Fakten
M 6: Heidelberg – Ausschnitt Stadtplan
M 7: Heidelberg – Immobilienpreise
M 8: Bahnstadt – Daten und Fakten
M 9: Bahnstadt – realisierte und geplante Vorhaben
M 10: Leitbild der kompakten und durchmischten Stadt
M 11: Bahnstadt – Pressemeldungen
M 2: Heidelberg – Stadtteile
M 3: Heidelberg – Wirtschaft
Quelle: www.statistik-bw.de (Zugriff 07.12.2021)
M 4: Heidelberg – Demografie
* Prognose. Altersstruktur Baden-Württemberg 2005 (19,1/14,4/23,4/25,3/17,8) und 2019 (17,0/14,6/19,2/28,8/20,4). Quellen: Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stadt Heidelberg; www.statistik-bw.de
M 5: Heidelberg – Daten und Fakten (Stand 2020)
5 Hochschulen, 39.000 Studierende, Universität als größter Arbeitgeber
Sitz internationaler Forschungseinrichtungen, u. a.: Europäisches Laboratorium für Molekulare Biologie, Krebsforschungszentrum
Tourismus: historische Altstadt, 11,9 Mio. Gäste jährlich
Grünflächenanteil 70 %
Bildung: Gymnasialquote 70 % (Baden-Württemberg 44 %); Akademikerquote 38 % (Baden-Württemberg 20 %)
aktuelle durchschnittliche Wohnungsmiete pro m²: 11,30 €; Bahnstadt: 14,70 €; angrenzende Gemeinden: 8,00 €
Einschätzung der Lebensqualität (ausgewählte Indikatoren im Bereich Wohnen)
Anmerkung: Die Einschätzung ist das Ergebnis einer Studie, in der die Lebensumstände in allen deutschen Kreisen und Städten Anfang der 2000er-Jahre untersucht wurden. 0 ≙ schlechte Bewertung; 10 ≙ gute Bewertung. Im Gesamtranking belegte Heidelberg auf Basis von 53 Indikatoren den zweiten Platz.
M 6: Heidelberg – Ausschnitt Stadtplan
Anmerkung: Die abgebildete räumliche Situation im Bereich der heutigen Bahnstadt entspricht der von 1997.
M 8: Bahnstadt – Daten und Fakten
neuer Stadtteil von Heidelberg (seit 2010); Träger der Entwicklungsmaßnahme: Stadt Heidelberg
ehemaliger Güter- und Rangierbahnhof (Stilllegung 1997) sowie Militärfläche der US-Armee (Übereignung an die Stadt Heidelberg Anfang der 2010er Jahre)
Gesamtfläche: 116 ha, Deutschlands größtes innerstädtisches Siedlungsprojekt
größte Passivhaussiedlung* der Welt
Projektlaufzeit: 2008 bis 2027; Ziele: ca. 6.500 Einwohner in ca. 3.700 Wohneinheiten; 5.000 bis 6.000 Arbeitsplätze
Verkaufsstart von Immobilien: September 2010
Investitionserwartungen: ca. 2 Mrd. €
Wissensquartier: 22 ha großer Bahnstadt-Campus; Herzstück: das repräsentative Büro- und Laborgebäude SkyLabs
19 ha große Fläche für Wissenschaft und Hightech-Unternehmen
Ansiedlung von bereits fünf Firmen auf dem rund 2,7 ha großen Campus-Technologiepark (Stand 2020)
Strom- und Wärmeversorgung aus 100 % erneuerbaren Energien
* Deckung des Energiebedarfs durch Sonneneinstrahlung und Wärmeabgabe von Geräten und Personen im Innenraum
M 9: Bahnstadt – realisierte und geplante Vorhaben
M 10: Leitbild der kompakten und durchmischten Stadt
M 11: Bahnstadt – Pressemeldungen
Verkehrsclub kritisiert Stadt wegen Bahnstadt
Viele Pkw, viel Verkehr: Felix Berschin wirft der Stadt eine „klimapolitische Fehlleistung“ vor – Mit dem Auto heim zum Passivhaus?
[...] Berschin fordert die Stadt Heidelberg auf, eine ehrliche Klimabilanz zur größten Passivhaussiedlung der Welt aufzustellen. „Nach Berechnungen des VCD kommt ziemlich genau die CO2-Einsparung aus den Gebäuden nun bei den Autoabgasen wieder heraus“. [...] „Jeder Bewohner spart gegenüber einem Niedrigenergiehaus durch das Passivhaus 227 Liter Diesel pro Jahr. [...] Umso enttäuschender sei es aber, dass allein die Auspendler aus der Bahnstadt statistisch berechnet 162 Liter pro Jahr und Einwohner verbrauchten.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 28.05.2019
Zeitgemäßes Bauen ist in Heidelberg nicht einfach
Der Architekturexperte Bernd Müller über die anhaltende Kritik an der Bahnstadt und wenig gelungene Neubauten
Die Bahnstadt als jüngster Stadtteil Heidelbergs polarisiert wie kein anderer. Wie finden Sie die Passivhäuser, begrünten Doppel-Fassaden und Dächer?
Ich wohne in der Weststadt – die war auch mal ein neuer Stadtteil. Als man diese gebaut hat, standen da nur Häuser. Und wenn Sie heute durch die Weststadt laufen, sehen Sie einen hohen Grünanteil in den Außenräumen. So wird das auch in der Bahnstadt kommen. Man muss dem neuen Stadtteil und der Natur einfach nur Zeit geben. Die Planer haben sich die grünen Räume und Grünflächen ja mitgedacht.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 14.10.2017
Heidelberger-Bahnstadt: Ein Stadtteil nur für Gutverdiener?
Wohnungen in der Bahnstadt sind begehrt und teuer, vor allem durch den durchgängigen Passivhausstandard. Darum gibt es ein Förderprogramm, das Mieter und Käufer bezuschusst, es steht ein Topf von sechs Millionen Euro zur Verfügung. 20 Prozent der Bewohner sollen in den Genuss dieses Geldes kommen, wenn die Bahnstadt fertig gebaut ist. Doch Ende Dezember 2014 waren es nur rund neun Prozent. Vor allem bei den Eigentumswohnungen scheint das Programm nicht zu funktionieren. Von den zum Stichtag fertiggestellten 861 Wohnungen in der Bahnstadt wurden nur 73 finanziell gefördert. Bei Mietverhältnissen waren es 64, bei Käufern neun. Rund 160 000 Euro wurden bisher ausgezahlt.
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 14.03.2015
1.
Lokalisieren Sie die Stadt Heidelberg und kennzeichnen Sie ihre demografische sowie sozioökonomische Lage zu Beginn der 2000er Jahre. [20 Punkte]
2.
Erläutern Sie auf dieser Grundlage, wie sich der Stadtteil Bahnstadt entwickelt hat und welche Bedeutung er besitzt. [32 Punkte]
3.
Ordnen Sie die Entwicklungen in der Bahnstadt dem Leitbild der kompakten und durchmischten Stadt zu und nehmen Sie kritisch Stellung zu den bereits realisierten sowie den geplanten Vorhaben. [28 Punkte]
Du kannst auch nach Themen lernen
Übe ein Thema mit gemischten Aufgaben aus den Prüfungen aller Jahre.
- Stadtentwicklung und Stadtumbau · 16 Aufgaben · 65 % Wahrscheinlichkeit
- Wirtschaftsfaktor Tourismus · 17 Aufgaben · 60 % Wahrscheinlichkeit
- Weltmarktorientierte Landwirtschaft in den Tropen · 14 Aufgaben · 55 % Wahrscheinlichkeit
- Wachstumsimpulse durch Großprojekte und Infrastruktur · 10 Aufgaben · 30 % Wahrscheinlichkeit
- Strukturwandel und Tertiärisierung · 10 Aufgaben · 30 % Wahrscheinlichkeit
- Disparitäten und Entwicklungsstrategien · 7 Aufgaben · 25 % Wahrscheinlichkeit
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