Aufgabe 2 · Abitur NRW Geographie GK · Haupttermin 2023
Thema: Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
Thema: Rohstoffförderung als Motor der Raum- und Wirtschaftsentwicklung? – Das Beispiel Kupfergewinnung in Sambia
Zugelassene Hilfsmittel: Atlas (schulüblich, gleiche Auflage für alle Prüflinge), Wörterbuch zur deutschen Rechtschreibung, Taschenrechner.
M 1: Atlaskarten nach Wahl
Ziehen Sie nach eigener Auswahl Karten zu Sambia aus Ihrem Schulatlas heran.
M 2: Sambia – Wirtschaft
Quelle: lernhelfer.de/schuelerlexikon/geografie/artikel/republik-sambia (verändert; Zugriff 26.04.2022)
M 3: Sambia – Bevölkerungsverteilung
Quelle: geo-ref.net/pdf/zambia.pdf (verändert; Zugriff 26.04.2022)
M 4: Sambia – ausgewählte Strukturdaten
* Rang 1 = Land mit geringster Korruption
M 5: Informationen zu Kupfer
M 6: Geschichte und Daten zur Kupfergewinnung in Sambia
ab 1880 · infrastrukturelle Erschließung des Copperbelt durch britische Kolonialverwaltung, 1902 erste Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt, nach Unabhängigkeit 1964 Kupfergewinnung durch ausländische Unternehmen
ab 1970 · Verstaatlichung der Kupfergewinnung, 1982 Gründung des staatlichen Unternehmens Zambia Consolidated Copper Mines (ZCCM), Investitionen in Infrastruktur sowie soziale Dienstleistungen
Ende 1970er Jahre · Weltwirtschafts- und Rohstoffkrise, zunehmende Verschuldung, Aufnahme von Krediten (Weltbank)
ab Mitte der 1990er Jahre · Reprivatisierung des Bergbausektors, Verkauf der Vermögenswerte und ausschließlich Minderheitsbeteiligung der ZCCM, Vereinbarung mit ausländischen Investoren (Development Agreement) über freiwillige Verpflichtung zur Zahlung von Renten sowie Einhaltung von Umweltauflagen
seit 2000 · Kupfergewinnung dominiert von multinationalen Unternehmen (u. a. Schweiz, Kanada, Großbritannien); nahezu keine Weiterverarbeitung von Kupfer im Land, weitgehende Einstellung der von der ZCCM initiierten Investitionen in öffentliche und soziale Infrastruktur
aktuell · Beschäftigte in der Kupfergewinnung: 62.236, davon direkt Beschäftigte 28.933. Kupfergewinnung generiert ca. 30 % der staatlichen Einnahmen
M 7: Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt
Anteil der Provinz Copperbelt an der Kupfergewinnung Sambias: 53,4 %
Anteil der Provinz Copperbelt am gesamten BIP: 29,2 % (Hauptstadtregion Lusaka: 26,9 %)
77 % der Beschäftigten in der Provinz Copperbelt arbeiten in der Kupfergewinnung
M 8: Mopani Copper Mine in Mufulira – Satellitenbild 2022
Pressemeldung SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) vom 12.06.2019: […] Gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte die Umgebungsluft im Tagesmittel nicht über 20 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter enthalten. […] Schwefeldioxid ist ein farbloses, giftiges Gas, das die Schleimhäute reizt. In der Minenstadt Mufulira wird es freigesetzt, wenn im Kupferwerk Mopani schwefelhaltiges Erz eingeschmolzen wird. Aber nur drei der zehn Messungen ergaben Werte unterhalb dieser WHO-Richtlinie. Die anderen sieben Messungen lagen darüber – zum Teil massiv: Der höchste Wert betrug 1551 Mikrogramm pro Kubikmeter Umgebungsluft im 5-Tages-Durchschnitt. […] Weitere Messungen ergaben Konzentrationen von 896 und 576 Mikrogramm SO₂ pro Kubikmeter Luft.
1.
Lokalisieren Sie Sambia und kennzeichnen Sie sowohl die wirtschaftsräumliche und demografische Struktur als auch den Entwicklungsstand des Staates. [22 Punkte]
2.
Erläutern Sie die Entwicklung, die Struktur und die Bedeutung der Kupfergewinnung in Sambia unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Lage des Landes. [30 Punkte]
3.
Nehmen Sie kritisch Stellung dazu, inwieweit die Kupfergewinnung zur nachhaltigen Entwicklung Sambias beiträgt. [28 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Lokalisieren Sie Sambia und kennzeichnen Sie sowohl die wirtschaftsräumliche und demografische Struktur als auch den Entwicklungsstand des Staates.
Lösung: Sambia liegt im südlichen Afrika, Binnenstaat ohne Meerzugang, Nachbarländer u. a. DR Kongo, Tansania, Simbabwe, Angola, Namibia. Wirtschaftliche Aktivräume: die Grenzregion im Süden (landwirtschaftlich intensiv genutzt, Marktanbau) sowie die Provinz Copperbelt (Bodenschätze, industrielle und verkehrsinfrastrukturelle Erschließung); demgegenüber Norden und Westen infrastrukturell wenig erschlossen und überwiegend extensiv bzw. subsistenzwirtschaftlich genutzt. Bevölkerungsverteilung sehr disparat: hohe Dichten in Lusaka (140,84 E/km²) und Copperbelt (83,58 E/km²), sehr geringe Dichten in Muchinga (12,17) und North-Western (7,42). Niedriger Entwicklungsstand: geringes BIP/Kopf (1.067 US-/Tag), geringes Bildungsniveau (Alphabetisierungsrate 73 %), vergleichsweise geringe Lebenserwartung (62 Jahre), niedriger HDI-Rang (147 von 189).
2. Erläutern Sie die Entwicklung, die Struktur und die Bedeutung der Kupfergewinnung in Sambia unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Lage des Landes.
Lösung: Kupfer ist wegen seiner Wärme- und Energieleitfähigkeit und der Verwendung in Informationstechnologie, Elektrotechnik, regenerativer Energieerzeugung und Elektromobilität global stark gefragt (M5, M6). Die Kupfergewinnung geht auf die koloniale Erschließung des Copperbelt ab 1880 und die erste Förderung 1902 zurück, wodurch frühe Besitzstrukturen (ausländische Unternehmen) angelegt wurden. Räumlich konzentriert sich die Gewinnung stark auf die Provinz Copperbelt (53,4 % der landesweiten Förderung, 77 % der Beschäftigten dort im Kupfersektor), Abbau erfolgt sowohl im Tagebau als auch im Bergwerk (M4, M7). Nach der Unabhängigkeit 1964 zunächst private/ausländische Betreiber, ab 1970 Verstaatlichung und Gründung der ZCCM 1982 mit Investitionen in Infrastruktur und soziale Dienste; die Produktion blieb bis Ende der 1970er Jahre zunächst stabil hoch, sank dann unter staatlicher Führung und durch die weltwirtschaftliche Rohstoffkrise, begleitet von zunehmender Verschuldung und sinkenden öffentlichen Investitionen. Ab Mitte der 1990er Jahre Reprivatisierung infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Korruption, seither erneuter Anstieg der Fördermengen. Wirtschaftliche Bedeutung heute: hoher Anteil an der Weltkupferproduktion, kontinuierlich steigendes Handelsvolumen, deutliche Zunahme von BIP und ausländischen Direktinvestitionen, wichtige staatliche Deviseneinnahmequelle (ca. 30 % der Staatseinnahmen) sowie bedeutender nationaler und regionaler Beschäftigungsfaktor (M2, M3, M5, M6).
3. Nehmen Sie kritisch Stellung dazu, inwieweit die Kupfergewinnung zur nachhaltigen Entwicklung Sambias beiträgt.
Lösung: Aufgrund der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und der zunehmenden Bedeutung für Zukunftstechnologien ist mit einer weiterhin steigenden globalen Nachfrage nach Kupfer zu rechnen (M5, M6). Positive wirtschaftliche Aspekte: zunehmende ausländische Direktinvestitionen, wachsendes Exportvolumen, wichtige staatliche Einnahmequelle und Devisenbringer, tendenziell steigender Weltmarktpreis (M4, M5). Diesen stehen kritische ökonomische Aspekte gegenüber: monostrukturelle Ausrichtung und damit verbundene Abhängigkeit, Anfälligkeit für weltwirtschaftliche Krisen, Schwankungen des Weltmarktpreises, Konkurrenz mit anderen Kupferexporteuren (M4, M5). Kritisch anzumerken ist zudem, dass Kupfer ein endlicher Rohstoff ist, dessen Förderung bei gleichbleibender Produktion in Sambia nach ca. 20 Jahren erschöpft sein wird (M5). Soziale Risiken: Verstärkung regionaler Disparitäten, Gefahr von Arbeitsplatzverlusten in der monostrukturierten Provinz Copperbelt, Rückzug internationaler Unternehmen aus der Finanzierung öffentlicher und sozialer Infrastruktur seit den 2000er-Jahren (M4, M6, M7). Ökologische Aspekte: gesundheitliche Beeinträchtigung durch Schwefeldioxidemissionen, Kupfergewinnung in unmittelbarer Nähe zu besiedelten Gebieten, Gefahr von Trinkwasserverunreinigungen infolge undichter Absetzbecken (M7, M8; Pressemeldung SRF: sieben von zehn Messungen über dem WHO-Grenzwert von 20 µg SO₂/m³, Spitzenwert 1551 µg/m³). Abschließend ist ein begründetes Urteil zu formulieren, das die wirtschaftliche Bedeutung der Kupfergewinnung gegen ihre ökonomische Abhängigkeit, die Endlichkeit des Rohstoffs sowie die sozialen und ökologischen Risiken abwägt.
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