Aufgabe 2 · Abitur NRW Geographie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Thema: Rohstoffförderung als Entwicklungsimpuls · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2023)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung

Thema: Rohstoffförderung als Motor der Raum- und Wirtschaftsentwicklung? – Das Beispiel Kupfergewinnung in Sambia

Teilaufgaben:

1. Lokalisieren Sie Sambia und kennzeichnen Sie sowohl die wirtschaftsräumlichen und demografischen Strukturen als auch den Entwicklungsstand des Staates. (22 Punkte)

2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Lage Sambias die Entwicklung, die Struktur und die Bedeutung der Kupfergewinnung im Land. (30 Punkte)

3. Nehmen Sie kritisch Stellung dazu, inwieweit die Kupfergewinnung zur nachhaltigen Entwicklung Sambias beiträgt. (28 Punkte)

Materialgrundlage: M1 Atlaskarten nach Wahl; M2 Sambia – Wirtschaft; M3 Sambia – Bevölkerungsverteilung; M4 Sambia – ausgewählte Strukturdaten; M5 Informationen zu Kupfer; M6 Geschichte und Daten zur Kupfergewinnung in Sambia; M7 Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt; M8 Mopani Copper Mine in Mufulira

M 2: Sambia – Wirtschaft

Quelle: lernhelfer.de/schuelerlexikon/geografie/artikel/republik-sambia (verändert; Zugriff 26.04.2022)

M 3: Sambia – Bevölkerungsverteilung

Quelle: geo-ref.net/pdf/zambia.pdf (verändert; Zugriff 26.04.2022)

M 4: Sambia – ausgewählte Strukturdaten

Quellen: cia.gov/the-world-factbook; wko.at; worldbank.org; laenderdaten.info (Zugriff jeweils 13.04.2022)

M 5: Informationen zu Kupfer

Quellen: scielo.org.za; indexmundi.com; kupferinstitut.de; commons.wikimedia.org (Zugriff jeweils 2022)

M 6: Geschichte und Daten zur Kupfergewinnung in Sambia

ab 1880 · infrastrukturelle Erschließung des Copperbelt durch britische Kolonialverwaltung,

1902 erste Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt,

nach Unabhängigkeit 1964 Kupfergewinnung durch ausländische Unternehmen

ab 1970 · Verstaatlichung der Kupfergewinnung,

1982 Gründung des staatlichen Unternehmens Zambia Consolidated Copper Mines (ZCCM),

Investitionen in Infrastruktur sowie soziale Dienstleistungen

Ende 1970er Jahre · Weltwirtschafts- und Rohstoffkrise,

zunehmende Verschuldung, Aufnahme von Krediten (Weltbank)

ab Mitte der 1990er Jahre · Reprivatisierung des Bergbausektors, Verkauf der Vermögenswerte und ausschließlich Minderheitsbeteiligung der ZCCM,

Vereinbarung mit ausländischen Investoren (Development Agreement) über freiwillige Verpflichtung zur Zahlung von Renten sowie Einhaltung von Umweltauflagen

seit 2000 · Kupfergewinnung dominiert von multinationalen Unternehmen (u. a. Schweiz, Kanada, Großbritannien); nahezu keine Weiterverarbeitung von Kupfer im Land, weitgehende Einstellung der von der ZCCM initiierten Investitionen in öffentliche und soziale Infrastruktur

aktuell · Beschäftigte in der Kupfergewinnung: 62.236, davon direkt Beschäftigte 28.933

Kupfergewinnung generiert ca. 30 % der staatlichen Einnahmen

Quellen: Sikamo/Meanza/Mweemba (2018): Copper mining in Zambia – history and future; mining.com; wits.worldbank.org; reuters.com (Zugriff jeweils 2022)

M 7: Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt

Anteil der Provinz Copperbelt an der Kupfergewinnung Sambias: 53,4 %

Anteil der Provinz Copperbelt am gesamten BIP: 29,2 % (Hauptstadtregion Lusaka: 26,9 %)

77 % der Beschäftigten in der Provinz Copperbelt arbeiten in der Kupfergewinnung

Quelle: researchgate.net/figure/Land-use-map-of-the-Zambian-Copperbelt-Province (Zugriff 26.04.2022)

M 8: Mopani Copper Mine in Mufulira – Satellitenbild 2022

Pressemeldung SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) vom 12.06.2019

[...] Gemäß der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte die Umgebungsluft im Tagesmittel nicht über 20 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter enthalten. [...] Schwefeldioxid ist ein farbloses, giftiges Gas, das die Schleimhäute reizt. In der Minenstadt Mufulira wird es freigesetzt, wenn im Kupferwerk Mopani schwefelhaltiges Erz eingeschmolzen wird. Aber nur drei der zehn Messungen ergaben Werte unterhalb dieser WHO-Richtlinie. Die anderen sieben Messungen lagen darüber – zum Teil massiv: Der höchste Wert betrug 1551 Mikrogramm pro Kubikmeter Umgebungsluft im 5-Tages-Durchschnitt. [...] Weitere Messungen ergaben Konzentrationen von 896 und 576 Mikrogramm SO₂ pro Kubikmeter Luft.

Quellen: Google Earth (Zugriff 12.07.2022); srf.ch (Zugriff 12.05.2022)

1.

2.

3.

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 · Abitur NRW Geographie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Lokalisieren Sie Sambia und kennzeichnen Sie sowohl die wirtschaftsräumlichen und demografischen Strukturen als auch den Entwicklungsstand des Staates.

Lösung: Einordnung Sambias als Binnenstaat im südlichen Afrika (M1–M3); Kennzeichnung der Grenzregion im Süden sowie der Provinz Copperbelt als wirtschaftliche Aktivräume (landwirtschaftlich intensive Nutzung, Bodenschätze, industrielle und verkehrsinfrastrukturelle Erschließung); Gegenüberstellung der infrastrukturell wenig erschlossenen, landwirtschaftlich extensiv genutzten Regionen im Norden und Westen; Darstellung der Bevölkerungsverteilung unter Einbezug regionaler Disparitäten (hohe Dichte in Copperbelt und Lusaka, geringe Dichte in Western/North-Western); Herausarbeitung des niedrigen Entwicklungsstands anhand ökonomischer Indikatoren (geringes BIP/Kopf, wirtschaftsstrukturelle Verteilung des BIP nach Sektoren und Beschäftigung, einseitige Ausrichtung auf den Export von Bodenschätzen, zunehmende Verschuldung und Außenhandelsdefizit) und sozialer Indikatoren (hohes Bevölkerungswachstum, hoher Anteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, geringes Bildungsniveau, vergleichsweise geringe Lebenserwartung).

2. Erläutern Sie unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Lage Sambias die Entwicklung, die Struktur und die Bedeutung der Kupfergewinnung im Land.

Lösung: Globale Bedeutung und Nachfrage von Kupfer aufgrund vielseitiger industrieller Verwendbarkeit, u. a. in Informations- und Zukunftstechnologien (M5, M6); kolonialer Ursprung der Kupfergewinnung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dadurch angelegte Besitzstrukturen (M6); räumliche Konzentration und Bedeutung der Kupfergewinnung in der Provinz Copperbelt (dominierender Anteil an den landesweiten Abbaumengen, hohe Beschäftigungswirksamkeit, Abbau im Tagebau wie auch in Bergwerken, M4, M7); Folgen des Wechsels von privaten zu verstaatlichten Besitzstrukturen bis heute (zunächst gleichbleibend hohe Produktion bis Ende der 1970er-Jahre, sinkende Förderung und Produktivität unter staatlicher Führung nach Gründung der ZCCM, Rückgang der Produktion infolge der weltwirtschaftlichen Krise, zunehmende Verschuldung und Abnahme öffentlicher Investitionen, M6); Entwicklung der Kupfergewinnung seit Mitte der 1990er-Jahre (Reprivatisierung infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten und Korruption, erneute Steigerung der Produktionsmengen, M6); wirtschaftliche Bedeutung für Sambia (hoher Anteil an der weltweiten Kupferproduktion, kontinuierlicher Anstieg des Handelsvolumens, deutliche Zunahme des BIP und ausländischer Direktinvestitionen, staatliche Deviseneinnahmen, wichtiger nationaler und regionaler Beschäftigungsfaktor, M2, M3, M5, M6).

3. Nehmen Sie kritisch Stellung dazu, inwieweit die Kupfergewinnung zur nachhaltigen Entwicklung Sambias beiträgt.

Lösung: Aufgrund vielfältiger Verwendungsmöglichkeiten und zunehmender Bedeutung für Zukunftstechnologien ist mit weiterhin steigender globaler Nachfrage zu rechnen (M5, M6); positive wirtschaftliche Aspekte: Zunahme ausländischer Direktinvestitionen, wachsendes Exportvolumen, wichtige staatliche Einnahmequelle und Devisenbringer, tendenziell steigender Weltmarktpreis für Kupfer (M4, M5); dem gegenüber kritische ökonomische Aspekte: monostrukturelle Ausrichtung und damit verbundene Abhängigkeit, Anfälligkeit für weltwirtschaftliche Krisen, Schwankungen des Weltmarktpreises, Konkurrenz mit anderen Kupferexporteuren (M4, M5); kritische Anmerkung, dass es sich bei Kupfer um einen endlichen Rohstoff handelt, dessen Förderung bei gleichbleibender Produktion nach ca. 20 Jahren in Sambia erschöpft sein wird (M5); soziale Risiken: Verstärkung regionaler Disparitäten, Gefahr von Arbeitsplatzverlusten in der wirtschaftlich monostrukturierten Provinz Copperbelt, Rückzug internationaler Unternehmen aus der Finanzierung öffentlicher und sozialer Infrastruktur seit Beginn der 2000er-Jahre (M4, M6, M7); negative ökologische Aspekte: hohe gesundheitliche Beeinträchtigung durch Schwefeldioxidemissionen, Kupfergewinnung in unmittelbarer Nähe zu besiedelten Gebieten, Gefahr von Trinkwasserverunreinigungen infolge undichter Absetzbecken (M7, M8); abschließend begründetes Urteil, inwieweit die Kupfergewinnung zu einer nachhaltigen Entwicklung Sambias beiträgt.

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