Aufgabe 2 - Ernährungsempfehlungen, Therapie und… · Abitur NRW Ernährungslehre LK · Haupttermin 2023
Thema: Ernährungsempfehlungen, Therapie und Produktbeurteilung · Aus der Prüfung LK · Haupttermin (2023)
Aufgabenstellung
M 1: Oxidativer Stress und Regulationsmechanismen
Intensive körperliche Aktivität ist nachweislich mit der vermehrten Bildung von freien Radikalen und entsprechend auch mit der Gefahr von oxidativem Stress, d. h. einem Missverhältnis zwischen Radikalbildung und Radikalneutralisierung, verbunden.
Freie Radikale sind Teilchen, die ein freies, d. h. ungepaartes Elektron besitzen. Sie entstehen physiologisch u. a. im Rahmen der mitochondrialen Oxidation (ca. des -Umsatzes) und bei Entzündungsreaktionen. Zu den Radikalen gehören u. a. einige reaktive Sauerstoffspezies (ROS), z. B. das Superoxid-Radikal () sowie das besonders aggressive Hydroxylradikal ().
Aufgrund ihrer hohen Reaktivität können freie Radikale biologische Strukturen schädigen und deren Eigenschaften negativ verändern. So nehmen freie Radikale auch ungünstigen Einfluss auf Faktoren der körperlichen Leistungsfähigkeit.
Freie Radikale schädigen allerdings nicht grundsätzlich, sondern nur dann, wenn ihre Wirkung nicht neutralisiert werden kann. Dies ist der Fall, wenn prooxidative gegenüber antioxidativen Faktoren überwiegen. Diese Situation wird als oxidativer Stress (OS) bezeichnet. Dabei kann ein Ungleichgewicht in der antioxidativen Regulation zum einen über Ernährungsdefizite, d. h. durch die unzureichende Zufuhr von antioxidativen Nährstoffen, entstehen, zum anderen durch eine unzureichende Anpassungsreaktion von körpereigenen Schutzenzymen.
Eine besondere Quelle von reaktiven Sauerstoff-Spezies (ROS) sind die Mitochondrien. Jede körperliche Anstrengung führt zu einer Erhöhung des sogenannten „Lecks“ der Atmungskette und einer vermehrten ROS-Bildung. Sie sorgt für die Aktivierung derjenigen Signalwege, die für den Abbau der durch körperliche Anstrengung vermehrt anfallenden geschädigten Zellen benötigt werden, und sorgt für eine Verstärkung der körpereigenen Abwehrkräfte des Immunsystems. Damit ist die Leckage der Atmungskette unter körperlicher Anstrengung ein „sinnvoller“ Prozess, der sich evolutionär entwickelt hat.
Aber auch bestimmte Zellen des Immunsystems können bei einer Entzündungsreaktion erhebliche Mengen an ROS produzieren, die dann gezielt der Abwehr von Parasiten und Mikroorganismen dienen.
M 2: Schema der Atmungskette
Die Atmungskettenenzyme sind hintereinander geschaltete Multienzymkomplexe und sind in der inneren Mitochondrienmembran integriert. Sie transportieren Elektronen, die im letzten Schritt der Atmungskette enzymatisch auf Sauerstoff übertragen werden können.
Etwa 1 bis 2 Prozent der in den Mitochondrien umgesetzten Sauerstoffmoleküle werden mit nur einem Elektron reduziert (s. gestrichelter Pfeil in der Abbildung). Durch diese Reaktion entsteht das Superoxid-Radikal (), das seinerseits Wasserstoffperoxid () bilden kann.
Weder Superoxid noch Wasserstoffperoxid allein sind besonders gefährlich; sie können jedoch durch Reaktion miteinander, besonders in Gegenwart von Schwermetallionen, z. B. Eisen und Kupfer, das extrem reaktive Hydroxylradikal () bilden.
M 3: Antioxidative Vitamine und körperliche Belastbarkeit
Intensive körperliche Belastung bedeutet für den Organismus Stress. Dieser erzeugt neben der muskulären Belastungsreaktion auch eine Ganzkörperreaktion, die die Wiederherstellung des Gleichgewichtes im Organismus zum Ziel hat.
Die meisten Organsysteme wie auch die Skelettmuskulatur können sich gegen den belastungsinduzierten oxidativen Stress auf zellulärer Ebene schützen. Entsprechend ist belegt, dass Organe mit einem hohen mitochondrialen Stoffwechselumsatz (Muskel, Herz, Leber) über anpassungsfähige Schutzeinrichtungen verfügen, die sie bei Stressexposition verstärken (exprimieren) können. Der wichtigste Mechanismus des Körpers, den oxidativen Stress zu senken, ist die Neubildung antioxidativ wirksamer Enzyme.
Zusätzlich zur Regulation über die körpereigenen Schutzsysteme muss auch die Beeinflussung der antioxidativen Regulation durch Nährstoffe beachtet werden. Sportlerinnen und Sportler sollten als Personengruppe mit erhöhter Exposition zu oxidativem Stress auf eine optimierte Zufuhr an antioxidativen Vitaminen (AOV) achten, um darüber eine ausreichende AOV-Konzentration im Plasma zu erreichen und dadurch die Schutzwirkung gegenüber freien Radikalen zu optimieren. Es stellt sich die Frage, ob auch im Sport diese natürlichen antioxidativen Systeme des Körpers eine sportinduzierte verstärkte Belastung durch freie Radikale ausreichend neutralisieren können oder ob die Supplementierung weiterer antioxidativ wirkender Substanzen sinnvoll und nützlich ist. Insbesondere werden u. a. die Vitamine C und E sowie -Carotin aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften intensiv beworben.
Aufgrund von Studien ist allerdings nicht auszuschließen, dass eine Nahrungsergänzung mit Antioxidantien körpereigene Anpassungen an das Training ggf. beeinträchtigen kann.
M 4: Vitamin-C-Präparat und D-A-CH-Referenzwerte
Auszug der Herstellerangaben:
Vitamin C mit pro Tablette
Der Allrounder unter den Vitaminen
vegan
Preis: ca. 20,– Euro für 200 Tabletten
D-A-CH-Referenzwerte:
Alter · Vitamin C (mg/Tag)
männlich · weiblich
15 bis unter 19 Jahre · 105 · 90
Erwachsene · 110 · 95
4. Entwickeln Sie unter Heranziehung des gesamten Materials sechs Empfehlungen für Sportlerinnen und Sportler, mit denen oxidativer Stress verringert werden kann; mindestens vier davon sollen die Ernährung betreffen. Nehmen Sie ausgehend vom gesamten Material Stellung, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen das angegebene Präparat (M 4) für die Einnahme im Sport geeignet ist. [20 Punkte]
M 4: Vitamin-C-Präparat und D-A-CH-Referenzwerte
Auszug der Herstellerangaben:
Vitamin C mit 1000 mg pro Tablette
Der Allrounder unter den Vitaminen
vegan
Preis: ca. 20,– Euro für 200 Tabletten
D-A-CH-Referenzwerte:
Alter · Vitamin C (mg/Tag)
männlich · weiblich
15 bis unter 19 Jahre · 105 · 90
Erwachsene · 110 · 95
a)
b)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Entwickeln Sie unter Heranziehung des gesamten Materials sechs Empfehlungen für Sportlerinnen und Sportler, mit denen oxidativer Stress verringert werden kann; mindestens vier davon sollen die Ernährung betreffen.
Lösung: Mögliche ernährungsbezogene Empfehlungen (mindestens 4): 1. Ausreichende Zufuhr antioxidativer Vitamine (Ascorbinsäure, Carotinoide, Vitamin E) über frisches Obst, Gemüse und Nüsse sicherstellen, um Überdosierungen zu vermeiden und Schutzsysteme im Gleichgewicht zu halten. 2. Bedarfsdeckende Versorgung mit Spurenelementen wie Eisen und Zink gewährleisten, da diese als Kofaktoren antioxidativer Enzyme dienen (bevorzugt über tierische Lebensmittel oder gezielte pflanzliche Kombinationen). 3. Ausgewogene Ernährung zur Stabilisierung des Redox-Gleichgewichts bei erhöhtem sportinduziertem Radikalaufkommen. 4. Minimierung prooxidativ wirkender Genussmittel wie Alkohol und Tabak. Weitere sport- bzw. verhaltensbezogene Empfehlungen (mindestens 2): 5. Regelmäßiges moderates Training anstelle unregelmäßiger, übermäßiger Belastungen zur optimalen Stimulierung der körpereigenen Enzymabwehr. 6. Ausreichende Erholungs- und Regenerationsphasen (Schlaf, Pausentage) einplanen, um die Wiederherstellung des antioxidativen Status zu ermöglichen.
Nehmen Sie ausgehend vom gesamten Material Stellung, ob bzw. unter welchen Voraussetzungen das angegebene Präparat (M 4) für die Einnahme im Sport geeignet ist.
Lösung: Das Präparat ist für Sportlerinnen und Sportler im Normalfall eher ungeeignet bzw. kritisch zu bewerten: - Mit 1000 mg Vitamin C pro Tablette enthält das Präparat etwa das Zehnfache des täglichen D-A-CH-Referenzwertes (90–110 mg/Tag). - Da Ascorbinsäure wasserlöslich ist, wird der Überschuss renal über die Niere ausgeschieden, was ökonomisch unzweckmäßig ist. - Eine chronische Hochdosiszufuhr von Antioxidantien kann laut M 3 die körpereigene Anpassung an Trainingsreize und die Expression eigener Schutzenzyme hemmen. - Eine Eignung bzw. Sinnhaftigkeit besteht allenfalls kurzzeitig bei nachgewiesenem Mangel, unzureichender Nahrungszufuhr oder akuter extremer Belastung ohne vorbestehende Trainingsanpassung, vorzugsweise nach differenzierter ärztlicher Abklärung (z. B. Blutuntersuchung). Generell wäre ein deutlich niedriger dosiertes Präparat vorzuziehen.
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