Aufgabe 2.3 - Ernährungsempfehlungen, Therapie un… · Abitur NRW Ernährungslehre GK · Haupttermin 2021

Thema: Ernährungsempfehlungen, Therapie und Produktbeurteilung · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2021)

Aufgabenstellung

Thema: Ernährungstherapie bei Morbus von Gierke

M 1: Morbus von Gierke (Glykogenose Typ I)

Morbus von Gierke, oft auch als Glykogenose Typ I bezeichnet, ist eine seltene angeborene Störung im Kohlenhydratstoffwechsel. Die Krankheit wurde erstmalig 1929 vom Pathologen Edgar von Gierke beschrieben und gehört zu den Glykogenspeicherkrankheiten.

Charakteristisch für Morbus von Gierke ist das Fehlen des Enzyms Glucose-6-phosphatase aufgrund eines Gendefekts. Eine medikamentöse Therapie ist nicht möglich. Bereits ab dem frühen Alter von ca. 3 – 5 Monaten sinkt bei den Betroffenen in Phasen ohne Nahrungsaufnahme (Nahrungskarenz) der Blutglucosespiegel auf unter 50 mg/dl (starke Hypoglykämie). Dies ist vor allem nachts problematisch. Zudem zeigt sich im Verlauf der Lebenszeit in der Regel eine deutlich vergrößerte Leber.

Die einzige Möglichkeit, die schädlichen Folgen der Stoffwechselstörung für einen Patienten möglichst gering zu halten, ist die Durchführung einer geeigneten Diätbehandlung. Das vorrangige Behandlungsziel besteht darin, Hypoglykämien, aber auch schon „zu niedrige“ Blutglucosespiegel (unter 75 – 80 mg/dl) zu vermeiden, um den Abbau von Leberglykogen und damit einhergehende Stoffwechselstörungen, u. a. Fettstoffwechselstörungen, zu verhindern.

M 2: Glykogenstoffwechsel in der Leber (vereinfacht)

Glykogen dient dem menschlichen Organismus als Speicher für Glucose, der bei Bedarf schnell mobilisiert werden kann. Nur freie, nicht phosphorylierte Glucose kann ins Blut abgegeben werden. Im Gegensatz zu den Leberzellen verfügen Muskelzellen nicht über das Enzym Glucose-6-phosphatase. Folglich dient der Glykogenspeicher der Muskulatur ausschließlich der Energiebereitstellung für die Muskelkontraktion.

M 3: Vereinfachtes Schema der Regulation des Blutglucosespiegels

Der Blutglucosespiegel wird bei gesunden Personen im Bereich von 80 bis 120 mg/dl Blut konstant gehalten. Die Einhaltung dieser Homöostase unterliegt einer hormonellen Regulation. Die Leber kann Glucose insulinunabhängig aufnehmen.

M 4: Blutglucoseprofile einer gesunden Person und einer von Morbus von Gierke betroffenen Person

Sinkt der Blutglucosespiegel unterhalb von 50 mg/dl, kommt es zu neuronalen Ausfallerscheinungen wie z. B. Benommenheit, Verwirrtheit, Sprach- und Sehstörungen. Bei einem weiteren Abfall des Blutglucosespiegels auf ca. 30 – 40 mg/dl können die Betroffenen bewusstlos werden und ins Koma fallen. Diese Zustände stellen folglich eine lebensbedrohliche Situation dar.

M 5: Produktinformation zu einem Präparat aus Maisstärke

Das Produkt enthält physikalisch modifizierte Maisstärke, wodurch die Stärke besonders langsam verdaut wird. Es ist als Pulver in 60-g-Beuteln erhältlich. Die vorab – in Absprache mit medizinischen Fachkräften – individuell ermittelte Einnahmemenge wird typischerweise in 100 ml kaltem Wasser aufgelöst, gut geschüttelt und im Anschluss sofort getrunken. (Geeignet ab 2 Jahren.)

1 Beutel kostet ca. 5,- Euro.

· pro 100 g · pro 60 g (Beutel)

Brennwert / Energie (kJ) · 1496 · 901

Fett (g) · 0 · 0

Kohlenhydrate (g)

davon Zucker (g) · 88

0 · 53

0

Proteine (g) · 0 · 0

Salz (g) · < 0,05 · < 0,03

3. Entwickeln Sie unter Heranziehung sämtlicher Materialien vier Empfehlungen zur Ernährung für Erkrankte. Beurteilen Sie, wie gut sich das in M 5 dargestellte Produkt für die Ernährung bei Morbus von Gierke eignet. (12 Punkte)

a)

b)

Aufgabenstellung: Aufgabe 2.3 - Ernährungsempfehlungen, Therapie un… · Abitur NRW Ernährungslehre GK · Haupttermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Entwickeln Sie unter Heranziehung sämtlicher Materialien vier Empfehlungen zur Ernährung für Erkrankte.

Lösung: Mögliche Empfehlungen (vier Aspekte gefordert): - Häufige, kohlenhydratbetonte Mahlzeiten (7–8 über den Tag verteilt), um den Blutglucosespiegel stabil zu halten (über 75–80 mg/dl). - Regelmäßige nächtliche Kohlenhydratzufuhr (Unterbrechen des Schlafs oder Sondennahrung), um kritische Werte (< 50 mg/dl) zu vermeiden. - Keine übermäßige Kohlenhydratzufuhr auf einmal zur Vorbeugung von Lebereinlagerungen. - Weitgehender Verzicht auf Fructose und Saccharose (Obst, Süßigkeiten, gezuckerte Getränke), da Fructose in Glucose-6-phosphat umgewandelt wird und den gestörten Stoffwechsel belastet, ohne den Blutglucosespiegel direkt zu heben. - Weitgehender Verzicht auf Lactose (Milch und Milchprodukte), da Galactose zu Glucose-1-phosphat bzw. Glucose-6-phosphat umgewandelt wird; ggf. Supplementierung von Calcium und Vitamin C. - Bevorzugung von Kohlenhydraten mit niedrigem glykämischem Index / niedriger glykämischer Last (ballaststoffreich, Vollkorngetreide, Gemüse, kombiniert mit Proteinen und Fetten). - Reine Glucose nur zur raschen Behebung oder Vorbeugung akuter Hypoglykämien einsetzen. - Zusätzliche Kohlenhydratzufuhr bei starker körperlicher Anstrengung / Sport.

Beurteilen Sie, wie gut sich das in M 5 dargestellte Produkt für die Ernährung bei Morbus von Gierke eignet.

Lösung: Beurteilung der Eignung des Maisstärkepräparats: - Positiv / Geeignet: Enthält modifizierte Maisstärke, die besonders langsam verdaut wird. Dies gewährleistet eine kontinuierliche Glucoseabgabe über mehrere Stunden und verhindert ein kritisches Absinken des Blutglucosespiegels. - Besonders gut geeignet zur Überbrückung längerer Nahrungskarenzphasen, insbesondere während der Nacht (Einnahme vor dem Schlafengehen), sowie zur Ergänzung kohlenhydratarmer Mahlzeiten oder bei längerer körperlicher Belastung. - Enthält weder Fett, Proteine noch Zuckerzusätze (keine Fructose, Lactose oder Saccharose). - Einschränkungen: Hoher Preis (ca. 5,- Euro pro 60-g-Beutel), weshalb tagsüber kostengünstigere vollwertige Lebensmittel oder Standardstärken vorzuziehen sind; individuelle Wirkdauer muss vorab medizinisch erprobt werden.

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