Aufgabe · Abitur NRW Deutsch LK · soziologischer bzw. sozialgeschicht 2022
Thema: Literarische Erörterung und Pflichtlektüre · Aus der Prüfung LK · soziologischer bzw. sozialgeschichtlicher Interpretationsansatz (2022)
Aufgabenstellung
Michael Jaeger: Global Player Faust oder Das Verschwinden der Gegenwart (2008)
Margarete, vorübergehend
Die vom Hexentrank ausgelöste materialistische Bewußtseinsrevolution wirkt sofort: Kaum hat Faust die Hexenküche verlassen, steht er unter der unumschränkten Herrschaft seiner Triebphantasie und erkennt in der nächstbesten Passantin – „Margarete vorüber gehend“ – das, was er in ihr erkennen will, sein Wunschbild also und nicht etwa das, was die andere ihm gegenübertretende Person in ihrer eigenen Lebensrealität in Wahrheit an und für sich selbst ist. Er greift nach ihr als dem Objekt seiner Begierde und verlangt umgehende Triebbefüllung. Faust zu Mephisto: „Hör, du mußt mir die Dirne schaffen!“ (V. 2618) Weil nun einmal Margarete in einer Faust fremd gewordenen, religiösen Kultur lebt, in der der Sexus nicht frei verfügbar ist, droht die Aussicht auf Triebstau oder gar Triebverzicht, eine für den Getriebenen schreckliche Perspektive, die nun wiederum Mephisto zum Zwecke der Triebsteigerung raffiniert zu instrumentalisieren versteht. „Keine Gewalt“, so teilt er bedauernd mit, habe er über das „unschuldig Ding / Das eben für nichts zur Beichte ging“ (V. 2625 f.), und als solches dem ungeduldigen, schlechterdings profanen Zugriff Fausts entzogen zu sein scheint. Dessen Verlangen, so Mephistos Kalkül, wird freilich ob solcher Tabuisierung erst recht angefacht und pocht nun, ohne Rücksicht auf den drohenden Verlust der Wette, auf die Erfüllung des Kontraktes. Faust zu Mephisto: „Und das sag' ich Ihm kurz und gut:/ Wenn nicht das süße junge Blut / Heut' nacht in meinen Armen ruht, / So sind wir um Mitternacht geschieden.“ (V. 2635 ff.)
Wenn man in der Fausttragödie jenen brachialen Einbruch des modernen Materialismus des Kapitals in die alte – womöglich antiquierte – Welt beobachten will, der die menschlichen Beziehungen auf die Verhältnisse des Warentauschs reduziert, dann könnte man auch die bewußtseinsverwandelnde Unruhe ins Auge fassen, die in Margaretes Zimmer von dem mephistophelischen Schmuckkasten ausgeht und die später, gesteigert durch den „Zauberfluß“ von Fausts Rede, durch seinen „Händedruck“ und „Kuß“ (V. 3398 ff.), Margaretes Sinn „zerstückt“ und ihren Kopf – horribile dictu – so wird man wohl im Blick auf ihr schauerliches Ende sagen müssen – „verrückt“ (V. 3382 ff.). […]
Gleichsam als Giftinjektion der Begierde von Mephisto konspirativ eingeführt in die schlichte Stube, provoziert die Schatzkiste als Zirkulationsmotor par excellence, wie dezent auch immer in den „eitlen“ Gedanken, ihren Körper als Ware einzutauschen gegen die Aussicht auf Reichtum und sozialen Aufstieg, ein unter diesen Verhältnissen von vornherein vollkommen hoffnungsloses Unterfangen, das in der Pauperisierung endet. Gewissermaßen in Gebetsform memoriert Margarete das Gesetz der Verdinglichung, dem sie sich bei ihrem Ausbruchsversuch zu beugen hat: „Nach Golde drängt, / Am Golde hängt / Doch alles. Ach wir Armen!“ (V. 2802 ff.) […]
Jaeger, Michael: Global Player Faust oder Das Verschwinden der Gegenwart. Zur Aktualität Goethes. Berlin: wjs Verlag 2008, S. 34-36.
Michael Jaeger (*1961) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler.
Rechtschreibung und Zeichensetzung entsprechen der Textquelle.
Aufgabenstellung
1.
Stellen Sie Michael Jaegers Interpretationsansatz dar. [ca. 30 %]
2.
Erörtern Sie den Interpretationsansatz von Michael Jaeger in Bezug auf die „Gretchentragödie“ in Johann Wolfgang Goethes Drama „Faust. Der Tragödie Erster Teil“. Beziehen Sie dabei im Unterricht erworbenes Wissen zum Dramentext ein. [ca. 70 %]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Stellen Sie Michael Jaegers Interpretationsansatz dar.
Lösung: Eine präzise, strukturierte Darstellung der zentralen Aussagen des Textauszugs und des daraus resultierenden soziologischen bzw. sozialgeschichtlichen Interpretationsansatzes Jaegers.
2. Erörtern Sie den Interpretationsansatz von Michael Jaeger in Bezug auf die „Gretchentragödie“ in Johann Wolfgang Goethes Drama „Faust. Der Tragödie Erster Teil“. Beziehen Sie dabei im Unterricht erworbenes Wissen zum Dramentext ein.
Lösung: Eine differenzierte Erörterung, die Jaegers Interpretationsansatz sowohl zustimmend als auch kritisch-relativierend anhand von Textbelegen aus dem Dramentext prüft und zu einem begründeten, thesen- und textbezogenen Fazit kommt.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe 4 - Literarische Erörterung und Pflichtle… · LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2022 · Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2 · GK · Haupttermin 2021 ›
Mehr Aufgaben zu Literarische Erörterung und Pflichtlektüre
- Aufgabe 4 - Teilaufgabe 2 (Unter der Drachenwand) · LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 2 - Teilaufgabe 2: Literarische Erörterun… · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe 4 - Teilaufgabe 2: Literarische Erörterun… · LK · Nachtermin 2022
- Aufgabe 2 - Literarische Erörterung und Pflichtle… · LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 4 - Literarische Erörterung und Pflichtle… · LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2022
- Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2 · GK · Haupttermin 2021
- Aufgabe 4 - Teilaufgabe 2 · GK · Haupttermin 2021
- Aufgabe 3 - Teilaufgabe 2 · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
- Aufgabe 4 - Teilaufgabe 2 · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
- Aufgabe HT 3 · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021