Aufgabe 1 - Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleic… · Abitur NRW Chemie GK · Power-to-X-Technologien 2025
Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung GK · Power-to-X-Technologien (2025)
Aufgabenstellung
Power-to-X-Technologien
Power-to-X-Technologien (P2X) bieten die Möglichkeit, fossile Energieträger (z. B. Erdgas) und Erdölprodukte (z. B. Benzin oder Diesel) durch klimafreundliche synthetische Energieträger zu ersetzen.
Material 1: Methan aus Power-to-Gas [1] – [3]
Die Entwicklung von Power-to-X-Technologien (P2X) verfolgt das Ziel, elektrische Energie aus erneuerbaren Energien zur Produktion von synthetischen Kraftstoffen zu nutzen. Fossile Kraftstoffe sollen dann durch die synthetisch hergestellten ausgetauscht werden.
In einem Power-to-Gas-Prozess (P2G) wird beispielsweise Methan schrittweise synthetisiert. Erdgas, dessen Hauptbestandteil Methan ist, kann so ersetzt werden.
Schritt 1: Es erfolgt die Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser, bei der die Änderung der Enthalpie bezogen auf ein Mol Wasser beträgt. Klimafreundlich wird dieser Schritt durch das Nutzen von elektrischer Energie aus erneuerbaren Energien.
Beispielsweise werden durch den Offshore-Windpark „Baltic 2“ in der Nähe der Insel Rügen mit seinen 80 Windkraftanlagen durchschnittlich Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie pro Jahr (entspricht ca. pro Minute) eingespeist.
Schritt 2: Bei der „reversen Wassergas-Shift-Reaktion“ (rWGS) werden Kohlenstoffdioxid und der zuvor synthetisierte Wasserstoff in einer Gleichgewichtsreaktion zu Kohlenstoffmonooxid und Wasserdampf umgesetzt.
Schritt 3: Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff werden in einer exothermen Gleichgewichtsreaktion zu Methan und Wasserdampf umgesetzt. Die Synthese wird bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen von unter unter Einsatz von Katalysatoren auf Eisenbasis durchgeführt (Fischer-Tropsch-Synthese).
Material 2: Gleichgewichtskonstante für die reverse Wassergas-Shift-Reaktion rWGS [4]
Tab. 1: Gleichgewichtskonstante der rWGS in Abhängigkeit von der Temperatur · 400 · 800 · 1200
· 0,0845 · 1,0663 · 3,396
Material 3: Fischer-Tropsch-Synthese [2]
Bei der Reaktion von Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff gibt es auf Teilchenebene genau einen Übergangszustand, bei dem ein Kohlenstoffmonooxid-Molekül und zwei Wasserstoff-Moleküle aufeinandertreffen und Methan- und Wasser-Moleküle bilden. Durch Katalysatoren auf Basis von Eisen wird der Reaktionsprozess der Fischer-Tropsch-Synthese in zwei Teilprozesse untergliedert. Dabei wird im ersten Schritt das Kohlenstoffmonooxid-Molekül an der Eisen-Oberfläche des Katalysators adsorbiert. Im zweiten Schritt wird das Sauerstoff-Atom des Kohlenstoffmonooxid-Moleküls durch Wasserstoff-Atome ersetzt und Methan-Moleküle werden gebildet.
Tab. 2: Ausgewählte Standardbildungsenthalpien (für und ) [5] Verbindung · · · · ·
· -110,53 · -393,51 · -285,83 · -241,83 · -74,6
Material 4: Energiequellen für den Strom in Deutschland 2023 [1], [6]
Die in der Erforschungs- und Optimierungsphase befindlichen P2X-Prozesse nutzen aktuell noch überwiegend den in Deutschland üblichen Strommix für die Wasser-Elektrolyse sowie für Kühl- und Regelungsprozesse.
Neben den Energiequellen sind auch die Kohlenstoffdioxid-Quellen für die rWGS ein Faktor für die Klimafreundlichkeit der P2X-Technologien.
Material 5: Kopernikus-Projekt P2X [7]
Kopernikus-Projekte sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die Technologien und Lösungen zur Erreichung der deutschen Klimaschutzziele entwickeln und gleichzeitig eine sichere, klimafreundliche und bezahlbare Energieversorgung für Deutschland ermöglichen sollen.
Die häufig zum Projekt gestellte Frage „Warum Power-to-X?“ wird wie folgt beantwortet:
„Unser Energiesystem beruht auf stofflichen Energieträgern, die fast ausschließlich fossiler Natur sind, wie Öl, Kohle und Erdgas […].
Mit Power-to-X können diese Ressourcen nachhaltig ersetzt werden. Aus erneuerbarem Strom („Power“) werden dabei stoffliche Energieträger („X“) wie Wasserstoff, Chemieprodukte oder synthetische Treibstoffe hergestellt. So können entlang von Wertschöpfungsketten aus Abgasen () wieder neue Energieträger entstehen. Die Dekarbonisierung des Energiesektors ermöglicht somit die Defossilisierung der anderen Sektoren. […]
Eine Wertschöpfungskette beschreibt die chemische Aufwertung der nachhaltigen Ausgangsstoffe Kohlenstoffdioxid und Wasser. Hierbei wird Elektrizität aus erneuerbaren Quellen eingesetzt, um die Moleküle in höherwertige Verbindungen umzuwandeln. Diese können als Grundstoffe in der chemischen Industrie, als Kraftstoffe oder als stoffliche Energieträger eingesetzt werden.“
3
Leiten Sie aus den in Tabelle 1 gegebenen Gleichgewichtskonstanten eine Aussage zum Einfluss der Temperatur auf die Lage des Gleichgewichts bei der reversen Wassergas-Shift-Reaktion (rWGS) her (M 1, M 2).
Überprüfen Sie Ihre Aussage durch eine Berechnung der Änderung der Enthalpie (M 3).
4
Skizzieren Sie ein beschriftetes Energieverlaufs-Diagramm für die Reaktion von Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff und ergänzen Sie Ihr Diagramm für die katalysierte Reaktion (Fischer-Tropsch-Synthese) (M 1, M 3).
Erklären Sie die Auswirkung niedriger Prozesstemperaturen auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Fischer-Tropsch-Synthese.
Begründen Sie den daraus resultierenden notwendigen Einsatz eines Katalysators bei Temperaturen von unter 400 °C (M 1, M 3).

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
3. Leiten Sie aus den in Tabelle 1 gegebenen Gleichgewichtskonstanten eine Aussage zum Einfluss der Temperatur auf die Lage des Gleichgewichts bei der reversen Wassergas-Shift-Reaktion (rWGS) her (M 1, M 2).
Lösung: , d. h. wird größer mit zunehmender Temperatur. Die Gleichgewichtskonstante ergibt sich für diese Reaktion aus dem Quotienten des Produktes der Stoffmengen der Reaktionsprodukte und dem Produkt der Stoffmengen der Edukte. Die Gleichgewichtskonstante wird größer, wenn der Zähler im Quotienten größer wird, d. h. die Lage des Gleichgewichts hat sich in Richtung der Produkte verschoben und das hat zur Folge, dass die Stoffmengenkonzentrationen der Produkte steigen.
3. Überprüfen Sie Ihre Aussage durch eine Berechnung der Änderung der Enthalpie (M 3).
Lösung: +41,15 kJ / +41,15 kJ/mol
4. Skizzieren Sie ein beschriftetes Energieverlaufs-Diagramm für die Reaktion von Kohlenstoffmonooxid und Wasserstoff und ergänzen Sie Ihr Diagramm für die katalysierte Reaktion (Fischer-Tropsch-Synthese) (M 1, M 3).
Lösung: Das Diagramm zeigt den exothermen Verlauf mit Edukten und Produkten . Ohne Katalysator liegt ein einziger Peak mit hoher Aktivierungsenergie vor. Mit Eisenkatalysator verläuft die Reaktion in zwei Teilschritten mit verringerter Aktivierungsenergie () über ein Zwischenprodukt (adsorbiertes ).
4. Erklären Sie die Auswirkung niedriger Prozesstemperaturen auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Fischer-Tropsch-Synthese.
Lösung: Je niedriger die Temperatur, desto geringer ist die Reaktionsgeschwindigkeit einer chemischen Reaktion, weil weniger Teilchen mit der notwendigen Mindestenergie (Stoßtheorie) vorliegen (weniger wirksame Zusammenstöße). Entsprechend verläuft die Fischer-Tropsch-Synthese bei geringen Temperaturen langsamer.
4. Begründen Sie den daraus resultierenden notwendigen Einsatz eines Katalysators bei Temperaturen von unter 400 °C (M 1, M 3).
Lösung: Diesen Nachteil können Katalysatoren ausgleichen, da sie chemische Reaktionen durch Absenkung der Aktivierungsenergie beschleunigen. Durch die Beschleunigung der Reaktion erhöht sich die produzierte Menge Methan pro Zeit.
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe (4–5) - Reaktionsgeschwindigkeit und chem… · GK · Leinöl – ein einfacher und effektiv 2025 · Aufgabe 4 · GK · Versauerung der Meere 2025 ›
Mehr Aufgaben zu Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht
- Aufgabe 6 · LK · Ethansäureethylester 2026
- Aufgabe 4 · LK · Herstellung und Verwendung von Gase 2026
- Aufgabe 3 · LK · Power-to-Gas 2026
- Aufgabe 2 · GK · Beton 2025
- Aufgabe (4–5) - Reaktionsgeschwindigkeit und chem… · GK · Leinöl – ein einfacher und effektiv 2025
- Aufgabe 4 · GK · Versauerung der Meere 2025
- Aufgabe 1 · LK · Energieträger für Fahrzeuge 2025
- Aufgabe 3 · LK · Energieträger für Fahrzeuge 2025
- Aufgabe 5 · LK · Milchsäure-Lactat-Puffer in harnsto 2025
- Aufgabe 1 · LK · Viele Wege führen zum Eisen 2025