Aufgabe 4 · Abitur NRW Chemie LK · Herstellung und Verwendung von Gase 2026

Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung LK · Herstellung und Verwendung von Gasen im Labor (2026)

Aufgabenstellung

Material 1: Herstellung von Gasen mithilfe einer einfachen Gasentwicklungsapparatur [1] – [4]

Gase können auf unterschiedliche Art und Weise hergestellt werden. Eine für den Laborgebrauch geeignete Methode ist die Reaktion einer Flüssigkeit mit einem Feststoff (Tab. 1).

Tab. 1: Ausgewählte Gasentwicklungsreaktionen [1], [2]

Nr. · vorgelegter Feststoff · zugegebene Flüssigkeit · Reaktionsprodukte

1 · Natriumchlorid · Schwefelsäure, konz. · Chlorwasserstoff und Natriumsulfat

2 · Chlorkalk, vereinfacht CaCl(OCl)\text{CaCl(OCl)} (Calciumchloridhypochlorit) · Salzsäure · Chlor, Calciumchlorid und Wasser

In der Schule wird dafür häufig eine einfache Gasentwicklungsapparatur genutzt (Abb. 1). Durch Auftropfen von konz. Schwefelsäure auf Natriumchlorid entsteht Chlorwasserstoff und entweicht über den seitlichen Ansatz.

Der mit dieser Methode hergestellte Chlorwasserstoff kann aufgefangen und anschließend in Wasser eingeleitet werden, wobei sich Salzsäure bildet. Die Stoffmengenkonzentration der Lösung kann im Anschluss experimentell bestimmt werden.

Tab. 2: Thermodynamische Daten ausgewählter Verbindungen (bei T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K}, p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa}) [3]

· ΔfH∘ in kJmol\Delta_{\text{f}}H^\circ\text{ in }\frac{\text{kJ}}{\text{mol}} · S∘ in JK⋅molS^\circ\text{ in }\frac{\text{J}}{\text{K}\cdot\text{mol}}

NaCl (s)\text{NaCl (s)} · −411-411 · 7272

HCl (g)\text{HCl (g)} · −92-92 · 187187

H2SO4 (l)\text{H}_2\text{SO}_4\text{ (l)} · −814-814 · 157157

Na2SO4 (s)\text{Na}_2\text{SO}_4\text{ (s)} · −1387-1387 · 150150

Material 3: Herstellung von Gasen mit dem Kipp'schen Apparat [1], [2], [4], [5]

Der Kipp'sche Apparat ist ein Glasgerät, das in vielen Schullaboren verwendet wird. Seine Handhabung wird hier am Beispiel der Herstellung von Chlor veranschaulicht. Er besteht aus einem Kugeltrichter, der fast bis auf den Boden des unteren Geräteteils reicht. Dieser Kugeltrichter dient als Vorratsgefäß für die Flüssigkeit (hier Salzsäure) und wird auf den unteren Geräteteil gesetzt.

Der untere Geräteteil besteht aus einem kugelförmigen Gefäß mit seitlichem, verschließbarem Gasableitungsrohr. Im kugelförmigen Gefäß befindet sich eine für Flüssigkeiten durchlässige Lochplatte, auf der das grobe, in der Flüssigkeit unlösliche Material (hier Chlorkalkstücke) liegt.

Die Reaktion wird durch das Öffnen des Hahns gestartet und sie kommt zum Erliegen, wenn der Hahn wieder geschlossen wird.

4 Erklären Sie die Funktionsweise eines Kipp'schen Apparats und erläutern Sie, dass die Reaktion nach dem Schließen des Hahns zum Erliegen kommt (M 1, M 3). [7 BE]

Begründen Sie, dass für den Einsatz im Kipp'schen Apparat grobkörnige und in der verwendeten Flüssigkeit schlecht lösliche Feststoffe bevorzugt werden (M 1, M 3).

Aufgabenstellung: Aufgabe 4 · Abitur NRW Chemie LK · Herstellung und Verwendung von Gase 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erklären Sie die Funktionsweise eines Kipp'schen Apparats und erläutern Sie, dass die Reaktion nach dem Schließen des Hahns zum Erliegen kommt (M 1, M 3).

Lösung: Wird der Hahn am Gasableitungsrohr geöffnet, strömt die Salzsäure aus dem Kugeltrichter durch die Lochplatte in den unteren Geräteteil. Erreicht die Salzsäure die Chlorkalkstücke, entsteht Chlor. Beim Schließen des Hahns drängt das entstehende Chlor die Salzsäure wieder unter die Lochplatte und in das Vorratsgefäß zurück. Die Gasbildung kommt zum Erliegen, wenn die Chlorkalkstücke nicht mehr mit Salzsäure in Kontakt sind.

Begründen Sie, dass für den Einsatz im Kipp'schen Apparat grobkörnige und in der verwendeten Flüssigkeit schlecht lösliche Feststoffe bevorzugt werden (M 1, M 3).

Lösung: Der verwendete Feststoff muss grobkörnig sein, damit er nicht durch die Lochplatte hindurchfällt. Löst sich der Feststoff in der Flüssigkeit, gelangen die gelösten Teilchen in den Vorratsbehälter. Dort kommt es zu einer unkontrollierten Reaktion, die nicht mehr durch das Schließen des Hahns beendet werden kann. Chlor entweicht über das Vorratsgefäß nach oben.

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