Aufgabe 1 · Abitur NRW Chemie LK · Viele Wege führen zum Eisen 2025

Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung LK · Viele Wege führen zum Eisen (2025)

Aufgabenstellung

Material 1: Hochofenprozess [1]

Im Hochofenprozess werden Eisenerze zu elementarem Eisen umgesetzt. Wichtige Eisenerze sind Hämatit (Eisen(III)-oxid (Fe2O3\text{Fe}_2\text{O}_3)) und Magnetit (Eisen(II,III)-oxid (Fe3O4\text{Fe}_3\text{O}_4)). Ein einmal in Betrieb genommener Hochofen arbeitet 8 bis 10 Jahre ohne Unterbrechung und liefert täglich bis zu 12.000 Tonnen Roheisen.

Im Hochofen werden die Ausgangsstoffe Eisenerz, Koks (ein stark kohlenstoffhaltiger Brennstoff, vereinfacht Kohlenstoff) und Zuschlagsstoffe zur Reaktion gebracht. Zuschlagsstoffe dienen hierbei der Abtrennung unerwünschter Begleitstoffe in Form von Schlacke. Von unten wird heiße Druckluft in den Hochofen eingeblasen. Im Gasstrom laufen die beiden folgenden Reaktionen ab: Zunächst verbrennt der Koks zu Kohlenstoffdioxid, das durch überschüssigen Koks sofort zu Kohlenstoffmonooxid reduziert wird (sogenanntes Boudouard-Gleichgewicht, vgl. Abb. 1).

Die im Hochofen bei ca. 800 °C ablaufenden Prozesse können für Hämatit vereinfacht in einer Reaktionsgleichung zusammengefasst werden:

Fe2O3+3 CO→2 Fe+3 CO2\text{Fe}_2\text{O}_3 + 3\,\text{CO} \rightarrow 2\,\text{Fe} + 3\,\text{CO}_2

Dabei entstehen ca. 1,18 t Kohlenstoffdioxid pro Tonne Eisen.

Betrachtet man die Reduktion des Eisen(III)-oxids im Hochofen genauer, so stellt man fest, dass das Erz nicht in einem einzigen Schritt zu Eisen reduziert wird, sondern dass es in den verschiedenen Zonen des Hochofens zu unterschiedlichen Reaktionen kommt, z. B. der Reduktion von Eisen(III)-oxid mit Kohlenstoffmonooxid zu Eisen(II,III)-oxid und Kohlenstoffdioxid. Weitere Reaktionen sind in Tabelle 1 dargestellt.

Tab. 1: Änderung der Enthalpien ausgewählter Reaktionen (bei T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K}, p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa}) [2] Reaktionsgleichung · ΔH\Delta H in kJ

Fe2O3+3 CO→2 Fe+3 CO2\text{Fe}_2\text{O}_3 + 3\,\text{CO} \rightarrow 2\,\text{Fe} + 3\,\text{CO}_2 · −25-25

Fe3O4+4 CO→3 Fe+4 CO2\text{Fe}_3\text{O}_4 + 4\,\text{CO} \rightarrow 3\,\text{Fe} + 4\,\text{CO}_2 · −14-14

Material 2: Eisen mithilfe von Wasserstoff (Direkt-Reduktionsverfahren) [3] – [5]

Die Produktion von Eisen war im Jahr 2020 deutschlandweit für ca. sechs Prozent der Kohlenstoffdioxid-Gesamtemissionen verantwortlich. Um diese Emissionen zu senken, erproben verschiedene Firmen den Betrieb einer Eisenverhüttung mit Wasserstoff. Das Eisenerz (z. B. Eisen(III)-oxid) wird im Prozess zunächst durch Verbrennung von Erdgas (hauptsächlich Methan) auf ca. 950 °C erhitzt. Dabei entstehen Kohlenstoffdioxid-Emissionen von etwa 37 kg pro Tonne Eisen. Bei der anschließenden Reaktion des Erzes mit dem Wasserstoff gemäß der folgenden Reaktionsgleichung entstehen elementares Eisen und Wasserdampf:

Fe2O3+3 H2→2 Fe+3 H2O(ΔH=+98 kJ)\text{Fe}_2\text{O}_3 + 3\,\text{H}_2 \rightarrow 2\,\text{Fe} + 3\,\text{H}_2\text{O} \quad (\Delta H = +98\text{ kJ})

Die Industrie unterteilt den Wasserstoff je nach Herstellungsart wie in nachfolgender Übersicht dargestellt:

Grüner Wasserstoff

Herstellung durch Elektrolyse von Wasser, wobei die dafür notwendige Energie aus erneuerbaren Energien bereitgestellt wird.

Grauer Wasserstoff

Herstellung aus Erdgas unter Erzeugung von Kohlenstoffdioxid gemäß der Gleichung:

CH4+2 H2O→CO2+4 H2\text{CH}_4 + 2\,\text{H}_2\text{O} \rightarrow \text{CO}_2 + 4\,\text{H}_2

Blauer Wasserstoff

Herstellung aus Erdgas, anfallendes Kohlenstoffdioxid wird abgeschieden und gespeichert oder für Produkte weiterverwendet

Türkiser Wasserstoff

Herstellung aus Erdgas mittels Methanpyrolyse (thermischer Zersetzung), anfallender fester Kohlenstoff wird abgeschieden und gespeichert

Tab. 2: Standardentropien ausgewählter Substanzen (bei T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K}, p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa}) [2] · Aggregatzustand · S∘S^\circ in JK⋅mol\frac{\text{J}}{\text{K}\cdot\text{mol}}

Eisen · s · 27

Eisen(III)-oxid · s · 87

Wasser · g · 189

Wasserstoff · g · 131

1.

Formulieren Sie die Reaktionsgleichung für die Umsetzung von Koks mit Kohlenstoffdioxid zu Kohlenstoffmonooxid (M 1).

Beschreiben Sie die Abbildung 1 (M 1).

Geben Sie das Prinzip von Le Chatelier an und werten Sie die Abbildung 1 auf dieser Grundlage aus (M 1).

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Chemie LK · Viele Wege führen zum Eisen 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Formulieren Sie die Reaktionsgleichung für die Umsetzung von Koks mit Kohlenstoffdioxid zu Kohlenstoffmonooxid (M 1).

Lösung: CO2+C⇌2 CO\mathrm{CO_2 + C \rightleftharpoons 2\,CO}

Beschreiben Sie die Abbildung 1 (M 1).

Lösung: Das Diagramm zeigt die Volumenanteile von Kohlenstoffdioxid und Kohlenstoffmonooxid in Prozent in Abhängigkeit von der Temperatur in °C. Bei niedrigeren Temperaturen ist der Anteil an Kohlenstoffmonooxid gering und der Anteil an Kohlenstoffdioxid hoch. Bei steigender Temperatur nimmt der Anteil an Kohlenstoffmonooxid zu und der Anteil an Kohlenstoffdioxid ab.

Geben Sie das Prinzip von Le Chatelier an und werten Sie die Abbildung 1 auf dieser Grundlage aus (M 1).

Lösung: Prinzip von Le Chatelier: Nach dem Prinzip von Le Chatelier weicht ein im Gleichgewicht befindliches System einem äußeren Zwang so aus, dass der Zwang minimiert wird. Auswertung: Bei hohen Temperaturen läuft verstärkt die endotherme Reaktion ab (Ausweichen des Systems durch Wärmeaufnahme). Da mit steigender Temperatur der Anteil an Kohlenstoffmonooxid zunimmt, ist die Bildung von Kohlenstoffmonooxid endotherm.

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe 5 · LK · Milchsäure-Lactat-Puffer in harnsto 2025

Mehr Aufgaben zu Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht