Aufgabe (4–5) - Reaktionsgeschwindigkeit und chem… · Abitur NRW Chemie GK · Leinöl – ein einfacher und effektiv 2025
Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung GK · Leinöl – ein einfacher und effektiver Holzschutz (2025)
Aufgabenstellung
Leinöl – ein einfacher und effektiver Holzschutz
Leinöl ist ein altbewährtes Mittel, um Holzoberflächen wetterfest zu machen. Es ist möglich, die Wirkungsweise des Leinöls durch bestimmte Zusatzstoffe noch zu verbessern. Das deutlich günstigere und in vielen Bereichen vergleichbare Olivenöl wird nicht als Holzschutz eingesetzt.
Material 1: Gewinnung und Eigenschaften von Leinöl und Olivenöl [1]
Natürliche Öle werden durch Pressen von Früchten und Samen gewonnen. Durch anschließende Reinigungsschritte werden Schwebstoffe und wässrige Anteile des Presssaftes entfernt. So kann unter anderem eine Hydrolyse der Fett-Moleküle bei der Lagerung verhindert werden.
Leinöl wird aus den Samen des Saat-Leins gewonnen und hat einen Schmelzbereich von −20 °C bis −13 °C. Das deutlich preiswertere Olivenöl wird aus den Früchten des Olivenbaums gewonnen und weist einen Schmelzbereich von −9 °C bis −5 °C auf.
Tab. 1: Fettsäurezusammensetzung von Leinöl und Olivenöl (Fettsäuren mit Doppelbindungen in der cis-Form) Trivialname · Systematischer Name · Massenanteil in Leinöl in % · Massenanteil in Olivenöl in %
Ölsäure · Octadec-9-ensäure · 10,0–22,0 · 55,0–83,0
Linolsäure · Octadeca-9,12-diensäure · 12,0–18,0 · 3,5–21,0
Linolensäure · Octadeca-9,12,15-triensäure · 56,0–71,0 · 0–1,0
Palmitinsäure · Hexadecansäure · 4,0–6,0 · 7,5–20,0
Stearinsäure · Octadecansäure · 2,0–3,0 · 0,5–5,0
Material 2: Leinöl als Holzschutz [2] – [4]
Das Leinöl wird mit dem Pinsel in dünnen Schichten auf das zu schützende Holz aufgetragen und härtet dann an der Luft innerhalb von einigen Tagen aus. Dadurch wird das Holz vor Feuchtigkeit durch Wettereinflüsse geschützt.
Beim Härtungsvorgang laufen Prozesse ab, bei denen überwiegend mehrfach ungesättigte Fette und Sauerstoff miteinander reagieren. Dadurch entstehen erst Hydroperoxid-Moleküle und im Anschluss daran verschiedene Radikale, die maßgeblich an der Aushärtung des Leinöls beteiligt sind. Diese Reaktionen sind in der Summe exotherm (siehe Abb. 1).
Bei Leinölfirnis handelt es sich um ein Produkt, das neben reinem Leinöl weitere Zusätze enthält, die den Aushärtungsprozess beschleunigen sollen. Unter anderem werden als Zusätze Cobalt-Salze beigefügt. Die Wirkungsweise der Cobalt-Ionen aus den Salzen ist in Abb. 2 dargestellt.
Material 3: Sicherheits- und Gefahrenhinweise auf Leinölfarben [5], [6]
Im Februar 1991 kam es im „One Meridian Plaza“, einem Hochhaus in Philadelphia, aufgrund von liegengelassenen, leinölgetränkten Lappen zu einem der größten Hochhausbrände in den USA.
Auf einer Dose mit Leinölfarbe finden sich folgende Sicherheits- und Gefahrenhinweise: „Leinölfarbe nur in verschlossenen Gefäßen aufbewahren und transportieren. Bei Verschütten, wenn mit saugfähigem Material aufgenommen, dieses feucht halten. Brennbar in sehr feiner Verteilung. Bei großer wirksamer Oberfläche und Luftzutritt selbstentzündlich.“
4
Erklären Sie, dass die Cobalt-Ionen im Leinölfirnis als Katalysatoren wirken (M 2).
[5 BE]
5
Begründen Sie die Sicherheitsmaßnahmen und Gefahrenhinweise auf der Dose mit Leinölfarbe (M 2, M 3).
[4 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
4 Erklären Sie, dass die Cobalt-Ionen im Leinölfirnis als Katalysatoren wirken (M 2).
Lösung: • Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit: Die Cobalt-Ionen bewirken eine zusätzliche Bildung derselben Radikale wie in Abb. 1. Dadurch ist deren Konzentration erhöht und die Reaktionsgeschwindigkeit für die Aushärtung vermutlich höher als ohne Zusatz von Cobalt-Ionen. • Änderung des Reaktionswegs: Die Bildung der Radikale erfolgt über einen anderen Mechanismus als in Abb. 1. • Durch die beiden Reaktionen werden ständig Cobalt-Ionen in beiden Oxidationsstufen nachgebildet und somit nicht dauerhaft verbraucht.
5 Begründen Sie die Sicherheitsmaßnahmen und Gefahrenhinweise auf der Dose mit Leinölfarbe (M 2, M 3).
Lösung: • Aufbewahrung und Transport in verschlossenen Gefäßen verhindert den Kontakt mit dem Sauerstoff aus der Luft. • Das Feuchthalten der leinölgetränkten Lappen verhindert eine Erhitzung durch die exotherme Reaktion des Leinöls mit dem Luftsauerstoff. • Je größer die Oberfläche, über die eine Reaktion des Leinöls mit Luftsauerstoff stattfinden kann, desto mehr Reaktionen laufen pro Zeiteinheit ab und umso mehr Wärme wird freigesetzt, was zur Entzündung führen kann.
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