Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie LK · Power-to-Gas 2026

Thema: Reaktionsgeschwindigkeit und chemisches Gleichgewicht · Aus der Prüfung LK · Power-to-Gas (2026)

Aufgabenstellung

2 Material

Material 1: Methanisierung von Wasserstoff – Sabatier-Reaktion [1] – [5]

Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der französische Chemiker und spätere Nobelpreisträger Paul Sabatier geeignete Metallkatalysatoren, um aus Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff Methan gemäß der nachfolgenden Reaktionsgleichung (Methanisierung) herzustellen.

CO2(g)+4 H2(g)⇌CH4(g)+2 H2O(g); ΔH<0\mathrm{CO_2(g) + 4\,H_2(g) \rightleftharpoons CH_4(g) + 2\,H_2O(g);\ \Delta H < 0}

Die Abbildung zeigt den Umsatz von Kohlenstoffdioxid zu Methan bei einem Druck von p1=5 MPap_1 = 5\text{ MPa} sowie einem weiteren Druck p2p_2 in Abhängigkeit von der Temperatur.

In der Praxis wird die Methanisierung bei 300 bis 550 ∘C300\text{ bis }550\ ^\circ\text{C}, bei 1 bis 10 MPa1\text{ bis }10\text{ MPa} sowie unter Einsatz eines Katalysators durchgeführt.

Material 2: Power-to-Gas-Technologie [1] – [5]

Bei der Stromerzeugung durch Wind-, Wasser- oder Solarkraftwerke kommt es zu „Stromüberschüssen“, das heißt, es wird mehr elektrische Energie erzeugt als zur gleichen Zeit verbraucht wird. Im Falle von Stromüberschüssen werden aktuell Wind- bzw. Wasserkraftwerke abgeschaltet. Sinnvoller wäre eine Speicherung der Energie, damit diese in Zeiten, in denen der Verbrauch an elektrischer Energie die Erzeugung übersteigt, genutzt werden kann.

Die Power-to-Gas-Technologie beschreibt eine Möglichkeit, mittels elektrischer Energie („Power“) brennbare Gase („Gas“) herzustellen. Diese finden in unterschiedlichen Bereichen Anwendung (siehe Abbildung 2).

Material 3: Thermodynamische Größen [6]

Tab. 1: Ausgewählte thermodynamische Größen (für T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K} und p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa})

Verbindung · CO2 (g)\text{CO}_2\text{ (g)} · H2O (l)\text{H}_2\text{O (l)} · CH4 (g)\text{CH}_4\text{ (g)}

ΔfH∘ in kJmol\Delta_\text{f}H^\circ\text{ in }\frac{\text{kJ}}{\text{mol}} · −393,51-393{,}51 · −285,83-285{,}83 · −74,6-74{,}6

Material 4: Energierückgewinnung durch Verbrennen [7]

Die Rückgewinnung der durch Power-to-Gas-Technologie gespeicherten Energie erfolgt u. a. über die Verbrennung des produzierten Wasserstoffs bzw. die Verbrennung des Methans.

Für die Verbrennung von Wasserstoff gilt (für T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K} und p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa}):

2 H2+O2→2 H2O(l); ΔH=−571,66 kJ2\,\mathrm{H_2 + O_2 \rightarrow 2\,H_2O(l);\ \Delta H = -571{,}66\text{ kJ}}

Material 5: Volumenbezogener Brennwert [6]

Der volumenbezogene Brennwert eines gasförmigen Stoffes ist der Betrag der Änderung der Enthalpie, der bei der Verbrennung abgegeben wird, bezogen auf das Volumen dieses Stoffes (bei T=298,15 KT = 298{,}15\text{ K} und p=101,325 kPap = 101{,}325\text{ kPa}). Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Reaktionsprodukte wieder auf Anfangstemperatur abkühlen.

Methan besitzt einen höheren volumenbezogenen Brennwert als Wasserstoff.

3 Erklären Sie mithilfe der Stoßtheorie den Einfluss einer Druck- bzw. Temperaturerhöhung auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Methanisierung (M 1).

Leiten Sie die Auswirkungen einer Temperaturerhöhung auf die Gleichgewichtskonstante bei der Methanisierung ab (M 1).

Schätzen Sie mithilfe der Abbildung 1 ab, ob p2p_2 größer oder kleiner als p1p_1 ist (M 1).

Diskutieren Sie anhand von zwei Argumenten, ob sich die in der Praxis gewählten Reaktionsbedingungen günstig auf die Produktion von Methan auswirken (M 1).

a)

b)

c)

p2<p1p_2 < p_1 (kleiner)

p2>p1p_2 > p_1 (größer)

d)

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Chemie LK · Power-to-Gas 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Erklären Sie mithilfe der Stoßtheorie den Einfluss einer Druck- bzw. Temperaturerhöhung auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Methanisierung (M 1).

Lösung: Druckerhöhung: - Da alle beteiligten Stoffe gasförmig sind, führt eine Druckerhöhung zur Volumenverringerung und damit zum Anstieg der Konzentrationen (geringerer Teilchenabstand). - Dies bewirkt mehr wirksame Zusammenstöße pro Zeitintervall und somit eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit. - Die Reaktionsgeschwindigkeit der Hinreaktion steigt stärker als die der Rückreaktion, da bei der Hinreaktion die Zahl der Gasteilchen abnimmt. Temperaturerhöhung: - Erhöht die mittlere kinetische Energie der Teilchen; mehr Teilchen besitzen die erforderliche Mindestenergie für wirksame Zusammenstöße. - Höhere Zahl wirksamer Zusammenstöße pro Zeitintervall steigert die Reaktionsgeschwindigkeit beider Reaktionen (die endotherme Rückreaktion wird stärker beschleunigt).

Leiten Sie die Auswirkungen einer Temperaturerhöhung auf die Gleichgewichtskonstante bei der Methanisierung ab (M 1).

Lösung: Massenwirkungsgesetz: Kc=c(CH4)⋅c2(H2O)c(CO2)⋅c4(H2)K_c = \frac{c(\mathrm{CH_4}) \cdot c^2(\mathrm{H_2O})}{c(\mathrm{CO_2}) \cdot c^4(\mathrm{H_2})} - Da die Hinreaktion exotherm ist (ΔH<0\Delta H < 0), begünstigt eine Temperaturerhöhung nach dem Prinzip von Le Chatelier die endotherme Rückreaktion. - Dadurch sinken die Gleichgewichtskonzentrationen der Produkte im Zähler, während die Konzentrationen der Edukte im Nenner steigen. - Der Wert der Gleichgewichtskonstante KcK_c nimmt bei Temperaturerhöhung folglich ab.

Schätzen Sie mithilfe der Abbildung 1 ab, ob p2p_2 größer oder kleiner als p1p_1 ist (M 1).

Lösung: p2<p1p_2 < p_1 (bzw. p2<5 MPap_2 < 5\ \mathrm{MPa})

Begründung zur Abschätzung des Drucks p2p_2:

Lösung: - Bei einer gegebenen Temperatur ist der Umsatz von Kohlenstoffdioxid bei p2p_2 kleiner als bei p1p_1. - Die Hinreaktion ist eine Reaktion mit Volumenabnahme (5 mol Gasteilchen→3 mol Gasteilchen5\ \text{mol Gasteilchen} \rightarrow 3\ \text{mol Gasteilchen}); hohe Drücke begünstigen die Reaktion mit Volumenabnahme. - Daher muss p2<5 MPap_2 < 5\ \mathrm{MPa} bzw. p2<p1p_2 < p_1 sein.

Diskutieren Sie anhand von zwei Argumenten, ob sich die in der Praxis gewählten Reaktionsbedingungen günstig auf die Produktion von Methan auswirken (M 1).

Lösung: Pro-Argument: - Hohe Temperaturen (300300 bis 550 ∘C550\,^\circ\mathrm{C}) und hoher Druck (11 bis 10 MPa10\ \mathrm{MPa}) erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit, wodurch pro Zeitintervall mehr Methan gebildet wird (hohe Raum-Zeit-Ausbeute). Contra-Argument: - Hohe Temperaturen verschieben das Gleichgewicht der exothermen Reaktion zur Eduktseite und senken damit den theoretisch maximalen Umsatz (Gleichgewichtsausbeute) an Methan bezogen auf die eingesetzten Stoffmengen. Fazit: - Die gewählten Bedingungen stellen einen wirtschaftlichen Kompromiss zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und thermodynamischer Gleichgewichtslage dar.

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