Aufgabe 1 - Kunststoffe · Abitur NRW Chemie LK · Plexiglas-EN 2025
Thema: Kunststoffe · Aus der Prüfung LK · Plexiglas-EN (2025)
Aufgabenstellung
Altes, neues Plexiglas® [1]
Plexiglas® ist ein Kunststoffprodukt. 1933 meldeten die deutschen Chemiker Otto Röhm und Walter Bauer die Marke Plexiglas® an, die Grundlage einer bis heute wachsenden Produktpalette für vielfältige Anwendungen ist.
Plexiglas® ist ein Kunststoff, der sich gut recyceln lässt.
Material 1: Polymethylmethacrylat (PMMA)
Plexiglas® (auch Acrylglas) ist ein Kunststoffprodukt auf Basis von Polymethylmethacrylat (PMMA).
Material 2: Eigenschaften verschiedener Kunststoffe [2], [3]
Es liegt ein Gemisch aus Kunststoffschnipseln von PE, PS, PET und PMMA vor. Diese Kunststoffe lassen sich aufgrund ihrer Eigenschaften für eine Wiederverwertung sortenrein trennen.
Tab. 1: Eigenschaften der Kunststoffe Kunststoff · Dichte in · Verhalten bei mechanischer Einwirkung · Löslichkeit in Aceton · Schmelzbereich in °C
PE
(Polyethylen) · 0,92–0,96 · biegsam · schlecht · 105–120
PS
(Polystyrol) · 1,05 · hart und spröde · gut · 240–270
PET
(Polyethylenterephthalat) · 1,3 · biegsam bis hart · schlecht · 220–260
PMMA
(Polymethylmethacrylat) · 1,18 · hart und spröde · gut · 85–105
Anmerkung: Bei 20 °C beträgt die Dichte einer 14%igen Kochsalz-Lösung .
Material 3: Recycling von Kunststoffen [4] – [6]
Zur Wiederverwertung werden die meisten Kunststoffe verbrannt. Alternativ können sie werkstofflich recycelt und danach zu anderen, geringerwertigen Produkten verarbeitet werden. Das ist das sogenannte Downcycling.
Plexiglas® kann auch durch rohstoffliches Recycling wieder in seine Monomere zerlegt werden. Da das Polymer PMMA auf Basis eines einzigen Ausgangsstoffes synthetisiert wird, ist es möglich, durch Depolymerisation von PMMA zum Edukt zurückzukehren.
Hier kommt das Hamburger Verfahren zum Einsatz. Es ist ein Verfahren der kontinuierlich arbeitenden Pyrolyse zum Recyceln von Kunststoffen, wie z. B. PMMA.
PMMA wird als Reinkunststoff in einem Wirbelschichtreaktor bei Temperaturen um 450 °C unter Sauerstoffausschluss zersetzt. Als Wirbelgas wird Stickstoff oder Pyrolysegas verwendet, das bei der Pyrolyse entsteht und nach der Abscheidung der Kondensationsprodukte wieder in den Reaktor zurückgeführt wird. Sauerstoff darf nicht verwendet werden, es handelt sich hier um eine Pyrolyse und keine Verbrennung. Daher erfolgt auch die Beheizung indirekt durch Brenner oder elektrisch. Die Polymere reagieren innerhalb von wenigen Sekunden. Nach der Pyrolyse werden die Produkte in mehreren Schritten abgekühlt und abgeschieden.
Eine Erfolgskontrolle im Labor kann erfolgen, indem eine Probe des Pyrolysats mit wenigen Tropfen in Wasser gelöstem Brom versetzt und geschüttelt wird.
1
Beschreiben Sie die Einteilung der Kunststoffe in drei Kunststoffklassen anhand ihres mechanisch-thermischen Verhaltens. Geben Sie dabei auch strukturelle Merkmale der Kunststoff-Moleküle an.
Ordnen Sie PMMA begründet einer der drei Klassen zu (M 1).
2
Geben Sie die Strukturformel des Monomers von PMMA an.
Beschreiben Sie unter Verwendung von Strukturformeln den Reaktionsmechanismus der radikalischen Polymerisation zur Synthese von PMMA (M 1).
Hinweis: Verwenden Sie zum Beispiel R–R als Starter-Molekül.
3
Planen Sie für das Kunststoffgemisch ein mögliches experimentelles Vorgehen, um jeden Kunststoff als Feststoff getrennt zu erhalten (M 2).
4
Beschreiben Sie kurz das rohstoffliche, werkstoffliche und energetische Recycling (thermische Verwertung).
Beurteilen Sie die drei Verfahren im Hinblick auf ihre ökologische und ökonomische Eignung zum Recyceln von PMMA (M 3).

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1 Beschreiben Sie die Einteilung der Kunststoffe in drei Kunststoffklassen anhand ihres mechanisch-thermischen Verhaltens. Geben Sie dabei auch strukturelle Merkmale der Kunststoff-Moleküle an. Ordnen Sie PMMA begründet einer der drei Klassen zu (M 1).
Lösung: Thermoplaste: lineare oder wenig verzweigte Makromoleküle; werden weich und formbar beim vorsichtigen Erhitzen und behalten ihre Form beim Abkühlen, bei Überhitzung thermische Zersetzung. Duroplaste: engmaschig, dreidimensional vernetzte Makromoleküle; hart, spröde, schmelzen nicht, sondern verkohlen und zersetzen sich bei Überhitzung. Elastomere: weitmaschig vernetzte Makromoleküle; gummielastisch, erweichen, aber schmelzen nicht, sondern verkohlen und zersetzen sich bei Überhitzung. Zuordnung von PMMA: PMMA gehört zu den Thermoplasten, da es aus unvernetzten, linearen Ketten aufgebaut ist.
2 Geben Sie die Strukturformel des Monomers von PMMA an. Beschreiben Sie unter Verwendung von Strukturformeln den Reaktionsmechanismus der radikalischen Polymerisation zur Synthese von PMMA (M 1).
Lösung: Monomer von PMMA (Methylmethacrylat, MMA): Reaktionsmechanismus der radikalischen Polymerisation: 1. Radikalbildung: 2. Startreaktion: 3. Kettenwachstum: 4. Kettenabbruch (z. B. durch Rekombination zweier wachsender Radikalketten):
2 Beschreiben Sie den Reaktionsmechanismus der radikalischen Polymerisation (Erläuterung der Reaktionsschritte).
Lösung: Radikalbildung: Durch geringe Wärmezufuhr zerfallen Starter-Moleküle homolytisch in Radikale. Startreaktion: Das Radikal reagiert mit dem Monomer zum MMA-Radikal. Kettenwachstum: Das MMA-Radikal reagiert in einer Kettenreaktion mit weiteren MMA-Monomeren, die radikalische Kette wächst. Kettenabbruch: Zwei Radikale bilden ein Molekül (Rekombination / Disproportionierung).
3 Planen Sie für das Kunststoffgemisch ein mögliches experimentelles Vorgehen, um jeden Kunststoff als Feststoff getrennt zu erhalten (M 2).
Lösung: 1. Abtrennung von PE durch Wasser (Schwimm-Sink-Verfahren): Aufgrund seiner Dichte () schwimmt nur PE auf Wasser auf und kann abgetrennt werden. 2. Abtrennung von PS mittels 14%iger NaCl-Lösung: Die Dichte beträgt . PS () schwimmt auf dieser Salzlösung auf, während PET und PMMA absinken. 3. Trennung von PMMA und PET: Das verbleibende Gemisch aus PMMA und PET wird mit Aceton versetzt; PMMA löst sich gut in Aceton, PET ist schlecht löslich und verbleibt als Feststoff. Nach Abfiltration von PET wird das Aceton verdampft, sodass PMMA als Feststoff zurückbleibt.
4 Beschreiben Sie kurz das rohstoffliche, werkstoffliche und energetische Recycling (thermische Verwertung). Beurteilen Sie die drei Verfahren im Hinblick auf ihre ökologische und ökonomische Eignung zum Recyceln von PMMA (M 3).
Lösung: Beschreibung der Recyclingverfahren: - thermische Verwertung (energetisches Recycling): Nutzung der durch die Verbrennung der Kunststoffe entstehenden Wärmeenergie (z. B. zur Dampferzeugung und Umwandlung in elektrische Energie). - werkstoffliches Recycling: direkte Verwertung des Materials, z. B. durch Ein- und Umschmelzen. - rohstoffliches Recycling: Zerlegung der Polymere in die Monomere und deren Wiederverwendung. Beurteilung der Verfahren: - thermische Verwertung: Vernichtung wertvoller Rohstoffe durch Verbrennung sowie Kohlenstoffdioxid-Ausstoß (ökologisch ungünstig); ökonomisch, da kostengünstig und Nutzung der Wärmeenergie. - werkstoffliches Recycling: ökologisch durch Einsparung von Ressourcen; ökonomisch durch Umschmelzung von Thermoplasten zu neuen Produkten, jedoch führt wiederholtes Einschmelzen zu Qualitätsverlust (Downcycling). - rohstoffliches Recycling: ökologisch durch Einsparung von Ressourcen und Abfällen; ökonomisch durch Wiederverwenden von hochwertigen Monomeren wie MMA, aber energetisch aufwendiges Verfahren durch Beheizung. Sachurteil: Rohstoffliches Recycling ist bei PMMA zu bevorzugen wegen Einsparung von Ressourcen und Abfällen sowie Rückgewinnung von hochwertigen Monomeren wie MMA (Depolymerisation im Hamburger Verfahren).
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