Aufgabe 3 - Farbstoffe und Farbigkeit · Abitur NRW Chemie GK · Nachtermin 2021
Thema: Farbstoffe und Fotometrie · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2021)
Aufgabenstellung
Fachspezifische Vorgaben
Nitrazingelb ist ein säureempfindlicher Farbstoff und wird in der analytischen Chemie als pH-Indikator eingesetzt. Im sauren Bereich bis pH 6 zeigt der Farbstoff die namensgebende gelbe Farbe. Die Moleküle dieser Form des Indikators können symbolhaft mit abgekürzt werden. Bei höheren pH-Werten ist der Farbstoff blau gefärbt (symbolhafte Abkürzung: ).
Nitrazingelb-Test in der Hautdiagnostik
Die Indikatorwirkung des Nitrazingelbs macht man sich bei Hautuntersuchungen zunutze. Die oberste Hautschicht, die Hornschicht ( Stratum corneum), ist eine wirksame Barriere gegen die Umwelt und deren Wirkungen auf Haut und Körper. Nach der Abheilung von Hauterkrankungen, wie z. B. Ekzemen, wird die Hornschicht erst langsam wieder aufgebaut, ist zunächst noch unvollständig ausgebildet und somit noch für verschiedene Stoffe durchlässig.
Der Grad der Ausbildung der Hornschicht kann mittels des Nitrazingelb-Tests untersucht werden. Für diesen Test wird die zu untersuchende Hautpartie mit einer -igen wässrigen Nitrazingelb-Lösung bestrichen und nach einer Minute betrachtet. Eine vollständig ausgebildete Hornschicht der Haut ist für den Farbstoff nicht durchlässig. Bei nicht vollständiger Ausbildung können Farbstoff-Moleküle in tiefere Hautschichten eindringen und führen zu einem positiven Testergebnis. Während die Hautoberfläche von einem sog. Säuremantel überzogen ist (pH 4 bis 5), liegt der pH-Wert in den tieferen Hautschichten bei 7 und bewirkt einen Farbumschlag des Indikators. Der Test wird im Allgemeinen ein bis vier Wochen nach klinischer Symptomfreiheit negativ, d. h. es erfolgt kein Farbumschlag des Indikators mehr.
Synthese von Nitrazingelb
Einer der Ausgangsstoffe zur Synthese von Nitrazingelb ist 2,4-Dinitroanilin. 2,4-Dinitroanilin kann z. B. aus 2,4-Dinitrochlorbenzol und einer alkoholischen Ammoniak-Lösung () unter Druck hergestellt werden. Dabei entsteht als weiteres Reaktionsprodukt Ammoniumchlorid.
Zur Synthese von Nitrazingelb wird eine Lösung von 2,4-Dinitroanilin mit Natriumnitrit () und konzentrierter Schwefelsäure () versetzt. Das dabei entstehende Diazonium-Ion lässt man anschließend mit Stoff A zum Farbstoff reagieren.
Zusatzinformationen
Ekzeme: Gruppe entzündlicher Hauterkrankungen (nicht-infektiöse Entzündungsreaktionen der Haut, die durch eine typische Abfolge von Hautreaktionen charakterisiert sind: Hautrötung, Bläschenbildung, Nässen, Krustenbildung, Schuppung).
Säuremantel der Haut (auch Säureschutzmantel): Eine durch die Schweiß- und Talgdrüsen gebildete wasser- und fetthaltige Schicht auf der Haut, die einen pH-Wert von 4 bis 5 besitzt und die Haut vor dem Austrocknen sowie vor Mikroorganismen schützt.
Tabelle: Zusammenhang von absorbierter Strahlung, zugehöriger Spektralfarbe und beobachteter Komplementärfarbe
Wellenlänge in nm · Spektralfarbe · Komplementärfarbe
· ultraviolett · farblos
· violett · gelbgrün
· blau · gelb
· grünblau · orange
· blaugrün · rot
· grün · purpur
· gelbgrün · violett
· gelb · blau
· orange · grünblau
· rot · blaugrün
Aufgabe 3 – Teilaufgabe 3
Erklären Sie, wie die Farbigkeit von Nitrazingelb in saurer Lösung mit der Struktur des Moleküls zusammenhängt. Geben Sie mit Begründung an, in welchen Bereichen die Absorptionsmaxima von Nitrazingelb in saurer bzw. in alkalischer Lösung zu erwarten sind. Erklären Sie, weshalb die Farbe in saurer und alkalischer Lösung verschieden ist, und nennen Sie dabei für beide Formen je eine weitere relevante mesomere Grenzstruktur des Farbstoff-Moleküls.
[20 Punkte]
3.1
3.2
3.3
3.4

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Erklären Sie, wie die Farbigkeit von Nitrazingelb in saurer Lösung mit der Struktur des Moleküls zusammenhängt.
Lösung: - Das Molekül besitzt ein ausgedehntes System konjugierter Doppelbindungen (Chromophor), bestehend aus den aromatischen Ringsystemen und der verbindenden Azo-Gruppe (). - Die -Elektronen sind über diesen gesamten Bereich delokalisiert. - Die Hydroxygruppe wirkt als Elektronendonator (+M-Effekt, auxochrome Gruppe), während die Nitrogruppen als starke Elektronenakzeptoren (-M-Effekt, antiauxochrome Gruppen) fungieren (Push-Pull-System). - Durch die Delokalisierung wird der energetische Abstand zwischen HOMO und LUMO verringert, sodass Licht im sichtbaren Bereich absorbiert werden kann.
Geben Sie mit Begründung an, in welchem Bereich das Absorptionsmaximum von Nitrazingelb in saurer Lösung zu erwarten ist.
Lösung: 435 – 480 nm / 435–480 nm
Geben Sie mit Begründung an, in welchem Bereich das Absorptionsmaximum von Nitrazingelb in alkalischer Lösung zu erwarten ist.
Lösung: 580 – 595 nm / 580–595 nm
Begründung für die Bereiche der Absorptionsmaxima:
Lösung: Da die Farbe des absorbierten Lichts und die wahrgenommene Farbe komplementär zueinander sind: - Saure Lösung (gelb): Absorptionsmaximum im blauen Bereich (435–480 nm). - Alkalische Lösung (blau): Absorptionsmaximum im gelben Bereich (580–595 nm).
Erklären Sie, weshalb die Farbe in saurer und alkalischer Lösung verschieden ist.
Lösung: - In alkalischer Lösung wird die Hydroxygruppe zum Phenolat-Ion () deprotoniert. - Die negativ geladene Sauerstoffgruppe besitzt einen wesentlich stärkeren -Effekt als die neutrale -Gruppe. - Dadurch wird die Elektronendichte im konjugierten System noch weiter erhöht und die Delokalisierung verstärkt. - Die zur Anregung der -Elektronen benötigte Energie () sinkt, was zu einer bathochromen Verschiebung der Absorption in den langwelligeren Bereich (von blau nm nach gelb nm) führt.
Nennen Sie für die saure und die alkalische Form je eine weitere relevante mesomere Grenzstruktur des Farbstoff-Moleküls.
Lösung: Mesomere Grenzstrukturen: - Saure Lösung: Ein freies Elektronenpaar des Sauerstoffatoms der Hydroxygruppe klappt unter Ausbildung einer Doppelbindung () in das Naphthalinsystem ein; die Ladung delokalisiert über die Azo-Gruppe bis zu den Nitrogruppen, wo eine negative Ladung an einem Sauerstoffatom der -Gruppe lokalisiert wird. - Alkalische Lösung: Analog geht das negativ geladene Sauerstoffatom () in eine Carbonyl-Doppelbindung () über, während die negative Ladung über das ausgedehnte -System zu den Nitrogruppen wandert (chinoides System, vollständige Ladungsübertragung zwischen Donator und Akzeptor).
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