Aufgabe 2 - Teilaufgabe 4: Neurobiologie und Schm… · Abitur NRW Biologie LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2023

Thema: Synapse, Hormone und neuronale Plastizität · Aus der Prüfung LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg (2023)

Aufgabenstellung

Thema: Die erythropoetische Protoporphyrie

Material A: Vererbung der erythropoetischen Protoporphyrie

Die erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine seltene, angeborene Erkrankung, bei der schon wenige Minuten in der Sonne ausreichen, um Schmerzen an allen unbedeckten Hautstellen bei betroffenen Personen auszulösen. In der Regel vergehen Tage, bis die Schmerzen nachlassen. Da das sichtbare Licht Verursacher der Symptome ist, helfen Sonnencreme und andere Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung nicht. Abbildung 1 zeigt den Stammbaum einer von EPP betroffenen Familie.

Bei EPP kommt es zu einer Störung der Biosynthese von Häm, dem eisenhaltigen Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (Abbildung 2). Eine Anreicherung von Vorläuferstoffen des Hämoglobins verursacht bei Belichtung tief in der Haut liegende Verbrennungssymptome und Schäden an den Blutgefäßen, was die Schmerzen zur Folge hat. Die Konzentration von Protoporphyrin in den roten Blutzellen wurde bei einigen Personen der betroffenen Familie ermittelt (Tabelle 1).

Tabelle 1: Konzentration von Protoporphyrin im Blut von Personen der von EPP betroffenen Familie. Der Normalwert liegt unter 2,00 µmol/µl.

· Protoporphyrin-Konzentration

Person 4 · 23,64 µmol/µl

Person 7 · 24,50 µmol/µl

Person 10 · 1,16 µmol/µl

Material B: Genetische Ursachen der EPP

Das FECH -Gen codiert ein Enzym, dessen Funktion für die Häm-Synthese wichtig ist und bei Fehlfunktion zu EPP führt. Das FECH -Gen umfasst 11 Exons und codiert für insgesamt 423 Aminosäuren. Um die genetische Ursache in einer betroffenen Familie zu ermitteln, wurde eine PCR mit anschließender Sequenzierung des Gens sowohl von nicht betroffenen als auch betroffenen Familienmitgliedern durchgeführt. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 2: Ausschnitt aus dem nicht-codogenen DNA-Strang des FECH -Gens von betroffenen und nicht betroffenen Familienmitgliedern

Material C: Schmerztherapie bei EPP

EPP ist häufig von starken Schmerzen begleitet. Die den Schmerz auslösenden Reize werden über Schmerzsinneszellen, die Nozizeptoren, in Erregung umgewandelt und weitergeleitet. Im Rückenmark erfolgt die Verschaltung auf Folgeneuronen, welche die Signale an das Gehirn weiterleiten, wo die Schmerzempfindung entsteht.

Eine Möglichkeit der Therapie starker Schmerzen ist die Behandlung mit Morphin, das unter anderem auch an den in Abbildung 3 dargestellten Synapsen wirkt. Morphin kann mithilfe von Tabletten verabreicht werden. Das Abhängigkeitspotenzial von Morphin ist hoch, da die Wirkung bei andauernder Anwendung nachlässt und dann die Dosis erhöht werden muss. Bei einer erhöhten Dosis von Morphin wird das Atemzentrum gelähmt. Diese Nebenwirkung wird durch die gleichzeitige Gabe eines anderen Wirkstoffs wie Naloxon verhindert.

Eine Alternative stellt der Wirkstoff Ziconotid dar, der unter anderem die spannungsabhängigen Calciumionen-Kanäle der in Abbildung 3 dargestellten Synapsen blockiert. Ziconotid hilft auch Patienten, bei denen Morphin nicht mehr höher dosiert werden darf. Der Wirkstoff kann über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, da fast keine Gewöhnung erfolgt. Ziconotid muss direkt ins Rückenmark injiziert werden. Nebenwirkungen von Ziconotid sind vorwiegend zentralnervöser Art, dazu gehören Atemnot, Schwindel, Verwirrung, Halluzinationen oder zunehmende Vergesslichkeit.

Material D: Codesonne und Tabelle zum genetischen Code

4. Stellen Sie in einem Fließschema die neurobiologischen Vorgänge dar, die während eines Aktionspotentials ablaufen. Erläutern Sie, wie Morphin und Ziconotid wirken, wenn Aktionspotentiale an der Synapse des Nozizeptors ankommen (Abbildung 3, Material C). Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile, die sich beim Einsatz beider Substanzen in der Schmerztherapie bei EPP ergeben (Materialien A und C). [28 Punkte]

a)

b)

c)

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgabe 4: Neurobiologie und Schm… · Abitur NRW Biologie LK · Nachtermin · Weiterbildungskolleg 2023

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Stellen Sie in einem Fließschema die neurobiologischen Vorgänge dar, die während eines Aktionspotentials ablaufen.

Lösung: Depolarisation bis zum Schwellenwert → Öffnung spannungsabhängiger Natriumionen-Kanäle → Einstrom von Natriumionen → Ladungsumkehr → Inaktivierung der Natriumionen-Kanäle → Stopp des Natriumionen-Einstroms → Öffnung spannungsabhängiger Kaliumionen-Kanäle → Ausstrom von Kaliumionen → Repolarisation und Hyperpolarisation → Verschluss der Kaliumionen-Kanäle → Ladungsausgleich → Ruhepotential.

Erläutern Sie, wie Morphin und Ziconotid wirken, wenn Aktionspotentiale an der Synapse des Nozizeptors ankommen (Abbildung 3, Material C).

Lösung: Wirkungsweise von Morphin: - Morphin bindet an den M1-Opioid-Rezeptor der präsynaptischen Membran. Dadurch werden G-Proteine aktiviert, die auf Ionenkanäle der Präsynapse einwirken. - Infolgedessen werden die spannungsgesteuerten Kaliumionen-Kanäle aktiviert und die spannungsgesteuerten Calciumionen-Kanäle gehemmt. - Die ankommenden Aktionspotentiale bewirken zwar einen Natriumionen-Einstrom, durch die G-Proteine werden jedoch ein erhöhter Kaliumionen-Ausstrom und ein verminderter Calciumionen-Einstrom ausgelöst. Die Präsynapse wird daher trotz ankommender Aktionspotentiale letztlich nicht oder nur geringfügig depolarisiert. - Aufgrund der geringen Calciumionen-Konzentration erfolgt keine Bewegung der transmittergefüllten Vesikel zur präsynaptischen Membran und keine Fusion mit dieser. Wirkungsweise von Ziconotid: - Ziconotid blockiert die spannungsabhängigen Calciumionen-Kanäle direkt, sodass auch bei eintreffender Depolarisation keine Öffnung dieser Kanäle erfolgt und der Einstrom von Calciumionen gehemmt wird. Gemeinsame Folge: - Die Transmitterausschüttung in den synaptischen Spalt unterbleibt, postsynaptisch öffnen keine Ionenkanäle und es entsteht kein erregendes postsynaptisches Potential (EPSP). Die Weiterleitung zum Gehirn wird unterbrochen und der Schmerz klingt ab.

Diskutieren Sie die Vor- und Nachteile, die sich beim Einsatz beider Substanzen in der Schmerztherapie bei EPP ergeben (Materialien A und C).

Lösung: Vorteile von Morphin: - Einfache Anwendung durch Verabreichung als Tabletten. - Wirksame Unterdrückung der Erregungsleitung starker Schmerzen im Rückenmark. Nachteile von Morphin: - Bei andauernder Anwendung entsteht eine Abhängigkeit sowie Toleranzentwicklung (Dosissteigerung erforderlich). - Gefahr einer lebensbedrohlichen Atemlähmung bei Überdosierung (kann allerdings durch gleichzeitige Gabe von Naloxon verhindert werden, wobei die Abhängigkeit bestehen bleibt). Vorteile von Ziconotid: - Verursacht keine Gewöhnung und keine Abhängigkeit; kann über längere Zeiträume in gleicher Dosierung verabreicht werden. Nachteile von Ziconotid: - Aufwändige Verabreichung durch direkte Injektion ins Rückenmark. - Schwere zentralnervöse Nebenwirkungen (Atemnot, Schwindel, Verwirrung, Halluzinationen, Vergesslichkeit). Bezug zu EPP: - Die durch EPP bei Tageslicht verursachten starken Schmerzen können durch beide Substanzen erträglich gemacht werden, sodass sich Betroffene tagsüber im Freien aufhalten können.

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe 2 - Synapse, Hormone und neuronale Plasti… · LK · Nachtermin 2023 · Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1 · GK · Haupttermin · bilingual Englisch 2022 ›

Mehr Aufgaben zu Synapse, Hormone und neuronale Plastizität