Aufgabe 2 - Teilaufgabe 3: Synapse, Hormone und n… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2023
Thema: Synapse, Hormone und neuronale Plastizität · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2023)
Aufgabenstellung
Material A: Vererbung der erythropoetischen Protoporphyrie
Die erythropoetische Protoporphyrie (EPP) ist eine seltene, angeborene Erkrankung, bei der schon wenige Minuten in der Sonne ausreichen, um Schmerzen an allen unbedeckten Hautstellen bei betroffenen Personen auszulösen. In der Regel vergehen Tage, bis die Schmerzen nachlassen. Da das sichtbare Licht Verursacher der Symptome ist, helfen Sonnencreme und andere Maßnahmen zum Schutz vor UV-Strahlung nicht.
Bei EPP kommt es zu einer Störung der Biosynthese von Häm, dem eisenhaltigen Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Dadurch kommt es zu einer Anreicherung von Vorläuferstoffen des Hämoglobins, die nicht weiterverarbeitet werden können. Sie verursachen tief in der Haut liegende Verbrennungssymptome und Schäden an den Blutgefäßen, was die Schmerzen zur Folge hat. Abbildung 1 zeigt den Stammbaum einer von EPP betroffenen Familie.
Material B: Genetische Ursachen der EPP
Das FECH -Gen codiert ein Enzym, dessen Funktion für die Häm-Synthese wichtig ist. Das FECH -Gen umfasst 11 Exons und codiert für insgesamt 423 Aminosäuren. Um die genetische Ursache in einer betroffenen Familie zu ermitteln, wurde eine PCR mit anschließender Sequenzierung des Gens sowohl von nicht betroffenen als auch betroffenen Familienmitgliedern durchgeführt. Ausgewählte Ergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt.
Tabelle 1 Ausschnitt aus dem nicht-codogenen DNA-Strang des FECH -Gens von betroffenen und nicht betroffenen Familienmitgliedern · · Triplett-Nummer
· 5'... · 26 · 27 · 28 · 29 · 30 · 31 · 32 ·...3'
Normal-Allel · · AGC · AGC · TGG · AGG · GTC · TGT · CAG
mutiertes Allel · · AGC · AGC · TGA · AGG · GTC · TGT · CAG
Material C: Schmerztherapie bei EPP
EPP ist häufig von starken Schmerzen begleitet. Die den Schmerz auslösenden Reize werden über Schmerzsinneszellen, die Nozizeptoren, in Erregung umgewandelt und weitergeleitet. Im Rückenmark erfolgt die Verschaltung auf Folgeneuronen, welche die Signale an das Gehirn weiterleiten, wo die Schmerzempfindung entsteht.
Eine Möglichkeit der Therapie starker Schmerzen ist die Behandlung mit Morphin, das unter anderem auch an den in Abbildung 2 dargestellten Synapsen wirkt. Morphin kann mithilfe von Tabletten verabreicht werden. Das Abhängigkeitspotenzial von Morphin ist hoch, da die Wirkung bei andauernder Anwendung nachlässt und dann die Dosis erhöht werden muss. Bei einer erhöhten Dosis von Morphin wird das Atemzentrum gelähmt. Diese Nebenwirkung wird durch die gleichzeitige Gabe eines anderen Wirkstoffs wie Naloxon verhindert.
Material D: Codesonne und Tabelle zum genetischen Code
3. Stellen Sie in einem Fließschema die neurobiologischen Abläufe während eines Aktionspotentials dar. Erläutern Sie, wie Morphin wirkt, wenn Aktionspotentiale an der Synapse des Nozizeptors ankommen (Abbildung 2, Material C). Diskutieren Sie die Vorteile und Nachteile, die Morphin in der Schmerztherapie bei EPP mit sich bringt (Materialien A und C). (24 Punkte)
a)
b)
c)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Stellen Sie in einem Fließschema die neurobiologischen Abläufe während eines Aktionspotentials dar.
Lösung: Depolarisation bis zum Schwellenwert → Öffnung spannungsabhängiger Natriumionen-Kanäle → Einstrom von Natriumionen → Ladungsumkehr → Inaktivierung der Natriumionen-Kanäle → Stopp des Natriumionen-Einstroms → Öffnung spannungsabhängiger Kaliumionen-Kanäle → Ausstrom von Kaliumionen → Repolarisation und Hyperpolarisation → Verschluss der Kaliumionen-Kanäle → Ladungsausgleich → Ruhepotential.
Erläutern Sie, wie Morphin wirkt, wenn Aktionspotentiale an der Synapse des Nozizeptors ankommen (Abbildung 2, Material C).
Lösung: Morphin bindet an den M1-Opioid-Rezeptor der präsynaptischen Membran. Dadurch werden G-Proteine aktiviert, die auf Ionenkanäle der Präsynapse einwirken. Infolgedessen werden die spannungsgesteuerten Kaliumionen-Kanäle aktiviert und die spannungsgesteuerten Calciumionen-Kanäle gehemmt. Die ankommenden Aktionspotentiale bewirken zwar einen Natriumionen-Einstrom und damit eine Depolarisation des Endknöpfchens. Durch die G-Proteine werden allerdings sowohl ein erhöhter Kaliumionen-Ausstrom als auch ein verminderter Calciumionen-Einstrom ausgelöst. Daher wird die Präsynapse des Nozizeptors bei der Einwirkung von Morphin trotz ankommender Aktionspotentiale letztlich nicht oder nur geringfügig depolarisiert. Die Transmitterausschüttung in den synaptischen Spalt unterbleibt, in der postsynaptischen Membran werden keine Ionenkanäle geöffnet und somit entsteht auch kein erregendes postsynaptisches Potential. Die Weiterleitung zum Gehirn wird unterbrochen und der Schmerz klingt ab.
Diskutieren Sie die Vorteile und Nachteile, die Morphin in der Schmerztherapie bei EPP mit sich bringt (Materialien A und C).
Lösung: Vorteile: - Morphin wird mit Tabletten verabreicht, daher ist die Anwendung einfach. - Zur Therapie starker Schmerzen ist Morphin geeignet, da die Erregungsleitung am Nozizeptor im Rückenmark wirksam unterbunden wird. - Die durch EPP verursachten starken Schmerzen bei Tageslicht können so erträglich gemacht werden und die Betroffenen können sich auch tagsüber draußen bewegen. Nachteile und Risiken: - Bei andauernder Anwendung von Morphin entsteht eine Abhängigkeit und eine Dosissteigerung muss erfolgen (Toleranzentwicklung). Dies birgt die Gefahr einer Atemlähmung. - Die lebensbedrohliche Nebenwirkung der Atemlähmung kann zwar durch gleichzeitige Gabe von Naloxon verhindert/behandelt werden, die Abhängigkeit von Morphin wird dadurch aber nicht beeinflusst.
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