Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1: Synapse, Hormone und n… · Abitur NRW Biologie GK · Nachtermin 2022
Thema: Synapse, Hormone und neuronale Plastizität · Aus der Prüfung GK · Nachtermin (2022)
Aufgabenstellung
Material A: Symptome und Ursachen der Spinalen Muskelatrophie
Die Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine vererbbare neuronale Erkrankung derjenigen Neuronen, die Muskeln innervieren. Sie leiten im gesunden Zustand die Erregung an die Muskulatur weiter. Die SMA tritt oft schon bei Neugeborenen oder im Kleinkindalter auf. Erkrankte leiden an einer langsam fortschreitenden Muskelschwäche, die unter anderem zu Lähmungserscheinungen führt.
Ursache der SMA ist eine geringere Menge an SMN-Proteinen ( survival motor neuron). Das SMN-Protein ist für grundlegende zelluläre Stoffwechselvorgänge wichtig. Durch die Verringerung der Menge von SMN-Proteinen in Neuronen und Muskelzellen kommt es auf Dauer dazu, dass die Synapsen schließlich mehr oder weniger schnell verkümmern. Je geringer die Menge an SMN-Proteinen ist, desto gravierender ist die Ausprägung der Krankheit.
Material B: Vererbung der Spinalen Muskelatrophie
In Abbildung 1 ist der Stammbaum einer von SMA betroffenen Familie dargestellt.
Material C: Genetische Ursachen der Spinalen Muskelatrophie
Das SMN-Protein wird vom SMN -Gen codiert. Das Gen liegt bei gesunden Menschen in zwei Formen vor, dem SMN1 -Gen und dem SMN2 -Gen. Jeder Mensch hat durch Genduplikation eine bis mehrere Kopien des SMN1 -Gens. Diese Kopien des SMN1 -Gens werden SMN2 -Gene genannt. Die prä-mRNAs der SMN1 - und SMN2 -Gene werden im Verlauf der Prozessierung unterschiedlich gespleißt (Abbildung 2).
SMA-Erkrankungen werden in der Regel durch die Deletion des SMN1 -Gens verursacht. Bei der SMA werden verschiedene Typen mit unterschiedlich starkem Krankheitsverlauf unterschieden:
Tabelle 1 Klassifikation der Spinalen Muskelatrophie (SMA) SMA-Typ · Alter bei Erkrankungsbeginn · Lebenserwartung · Anzahl SMN2 -Genkopien
Typ 0 · vorgeburtlich · < 6 Monate · 1
Typ 1 · 0 – 6 Monate · < 2 Jahre · 2
Typ 2 · < 18 Monate · > 2 Jahre · 3
Typ 3 · > 18 Monate · normal · 3 – 4
Typ 4 · ≥ 20 Jahre · normal · > 4
Thema: Spinale Muskelatrophie
1. Stellen Sie den Ablauf der Erregungsübertragung an einer erregenden chemischen Synapse als Fließschema dar. Erklären Sie auf dieser Grundlage die Symptome der Spinalen Muskelatrophie (SMA) auf molekularer Ebene (Material A). [14 Punkte]
a)
b)

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Stellen Sie den Ablauf der Erregungsübertragung an einer erregenden chemischen Synapse als Fließschema dar.
Lösung: Eintreffen von Aktionspotentialen im Endknöpfchen → Öffnung spannungsabhängiger Calciumionen-Kanäle → Einströmen von Calciumionen → synaptische Vesikel verschmelzen mit präsynaptischer Membran → Transmittermoleküle werden in den synaptischen Spalt freigesetzt → Transmittermoleküle diffundieren durch den synaptischen Spalt → Transmittermoleküle binden an ligandengesteuerte Rezeptoren der postsynaptischen Membran → Natriumionen-Kanäle öffnen sich → Natriumionen strömen in das postsynaptische Cytoplasma → exzitatorisches postsynaptisches Potential (EPSP) entsteht.
Erklären Sie auf dieser Grundlage die Symptome der Spinalen Muskelatrophie (SMA) auf molekularer Ebene (Material A).
Lösung: Ursache der SMA ist der Mangel an SMN-Proteinen. Dieser Mangel führt auf Dauer dazu, dass die Synapsen derjenigen Neuronen, die Muskeln innervieren, verkümmern. Somit bestehen nur noch wenige synaptische Kontakte zwischen Neuron und Muskelzelle. Das führt dazu, dass das EPSP nicht ausreicht, um Aktionspotentiale in der postsynaptischen Muskelzelle auszulösen. Die Folge sind Lähmungserscheinungen der Muskeln und eine fortschreitende Muskelschwäche.
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