Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 und 2: Synapse und Neu… · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Thema: Synapse, Hormone und neuronale Plastizität · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (Kolleg) (2022)

Aufgabenstellung

Material A: Das Gift des Wasserschierlings

Der Wasserschierling ( Cicuta virosa) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütler ( Apiaceae), die weltweit verbreitet ist. Wasserschierlinge enthalten neben anderen Giftstoffen Cicutoxin und das nahezu strukturgleiche Virol A. Beide wirken auf GABA-gesteuerte Synapsen (Abbildung 1). Bei einer Vergiftung kommt es zu einer Serie sich wiederholender Krämpfe der Körpermuskulatur.

In einer Versuchsreihe wurde die Wirkung von Virol A auf den Chlorid(Cl−\text{Cl}^-)-Ionenfluss von GABA-gesteuerten Ionenkanälen an isolierten Neuronen von Ratten untersucht (Abbildung 2). Dabei wurde dauerhaft GABA hinzugegeben und es wurden unterschiedliche Konzentrationen von Virol A eingesetzt.

Material B: Weitere Messungen mit GABA und Virol A

Im Rahmen weiterer Untersuchungen wurde der GABA-gesteuerte Chloridionen-Strom über die Membran in einer dreiteiligen Versuchsreihe gemessen:

Im ersten Versuchsschritt ließ man GABA auf die Membran einwirken und maß den Chloridionen-Einstrom (Abbildung 3A).

Im zweiten Versuchsschritt wurde GABA von der Membran gewaschen und so vollständig entfernt. Anschließend wurde nur Virol A hinzugegeben und der Chloridionen-Einstrom gemessen (Abbildung 3B).

Im dritten Versuchsschritt wurde Virol A durch Waschen der Membran vollständig entfernt. Dann wurde erneut GABA hinzugegeben und der Chloridionen-Einstrom gemessen (Abbildung 3C).

Material C: Verteilung von Giften im Wasserschierling

Der Wasserschierling wächst auf feuchten Wiesen und in Uferzonen stehender Gewässer. Er wird grundsätzlich von Pflanzenfressern gemieden. Sollte es dennoch zum Verzehr größerer Mengen kommen, können die Tiere daran sterben.

Der Wasserschierling besitzt eine Knolle als Wurzelverdickung, die ganzjährig Nährstoffe speichert und mit der er im Winter im Boden überdauert. Aus den Knollen treiben im folgenden Frühjahr durch ungeschlechtliche Fortpflanzung neue Pflanzen aus. Im Sommer reifen die Samen heran, die Schwimmgewebe besitzen und sich über Wasser verbreiten.

Für den Wasserschierling wurde die Giftverteilung in verschiedenen Pflanzenteilen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien im Jahresverlauf untersucht (Abbildung 4).

Material D: Verwandtschaftsbeziehungen der Wasserschierlinge zu anderen Gattungen der Doldenblütler

Die artenreiche Familie der Doldenblütler enthält viele Heil- und Giftpflanzen. Als toxisch bezeichnen Botaniker bei den Doldenblütlern die Gattungen Wasserschierlinge, Hundspetersilie, Schierlinge und Wasserfenchel, deren Gift schon in geringer Konzentration zum Tode bei Menschen und Tieren führt.

Die von den vier Gattungen gebildeten Toxine lassen sich in verschiedenen Stoffgruppen einteilen, wie z. B. Polyacetylene und Alkaloide, die auf sehr unterschiedlichen Synthesewegen in spezialisierten Zellen produziert werden. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Doldenblütler wurden anhand von molekularen Daten untersucht (Abbildung 5).

1.

Stellen Sie dar, wie die Erregung an der in Abbildung 1 abgebildeten Synapse übertragen wird (Material A). Fassen Sie die Messergebnisse aus Abbildung 2 zusammen und werten Sie sie im Hinblick auf die Wirkung von Virol A aus (Material A). Erklären Sie auf neurophysiologischer Ebene, wodurch die Symptome einer Virol-A-Vergiftung entstehen (Material A). [22 Punkte]

2.

Fassen Sie die Messergebnisse aus Abbildung 3 zusammen und erläutern Sie sie (Materialien A und B). Leiten Sie ab, welche Fragestellung den Messungen zugrunde lag (Material B). [16 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 2 - Teilaufgaben 1 und 2: Synapse und Neu… · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Stellen Sie dar, wie die Erregung an der in Abbildung 1 abgebildeten Synapse übertragen wird (Material A). Fassen Sie die Messergebnisse aus Abbildung 2 zusammen und werten Sie sie im Hinblick auf die Wirkung von Virol A aus (Material A). Erklären Sie auf neurophysiologischer Ebene, wodurch die Symptome einer Virol-A-Vergiftung entstehen (Material A).

Lösung: Ausarbeitung mit folgenden Kernelementen: - Erregungsübertragung an der GABA-Synapse: Depolarisation des präsynaptischen Endknöpfchens durch Aktionspotenziale; Verschmelzen GABA-gefüllter Vesikel mit der präsynaptischen Membran; Ausschüttung von GABA in den synaptischen Spalt; Bindung an postsynaptische GABA-gesteuerte Cl⁻-Kanäle; Öffnung der Kanäle und Einstrom von Chloridionen; Hyperpolarisation (IPSP). - Messergebnisse Abb. 2: Mit steigender Konzentration von Virol A sinkt der Chloridionen-Einstrom nicht-linear (bereits bei 10−6 M10^{-6}\text{ M} deutliche Reduktion auf ca. 40 %40\,\%, bei 10−5 M10^{-5}\text{ M} nahezu völliges Erliegen auf ca. 10 %10\,\%). - Auswertung der Wirkung: Konzentrationsabhängige Hemmung des Cl⁻-Einstroms; Blockade der GABA-Rezeptoren/Kanäle, möglicherweise kompetitive Hemmung um die GABA-Bindungsstelle. - Erklärung der Symptome: Durch die Hemmung der Cl⁻-Kanäle unterbleibt die Hyperpolarisation postsynaptischer Neuronen; nach Verrechnung im Soma werden vermehrt Aktionspotenziale generiert und weitergeleitet, was zu anhaltenden Krämpfen der Körpermuskulatur führt.

2. Fassen Sie die Messergebnisse aus Abbildung 3 zusammen und erläutern Sie sie (Materialien A und B). Leiten Sie ab, welche Fragestellung den Messungen zugrunde lag (Material B).

Lösung: Ausarbeitung mit folgenden Kernelementen: - Zusammenfassung Abb. 3: Phase A (GABA allein): deutlicher Chloridionen-Einstrom (Ausschlag bis ca. 250 pA250\text{ pA}), der nach Entfernen von GABA endet. Phase B (nur Virol A): kein Ionenfluss messbar (Stromstärke bleibt bei 0 pA0\text{ pA}). Phase C (erneute Gabe von GABA nach Auswaschen von Virol A): erneut Cl⁻-Einstrom messbar, aber mit geringerer Amplitude (ca. 130 pA130\text{ pA}) als in Schritt A. - Erläuterung: Der verminderte Einstrom in Schritt C ist auf eine anhaltende/irreversible Schädigung oder Konformationsänderung der GABA-Rezeptoren durch die vorangegangene Einwirkung von Virol A zurückzuführen, sodass auch nach dem Waschen weniger Kanäle öffnen oder die Leitfähigkeit reduziert ist. - Fragestellung: Untersuchung, inwiefern Virol A auch ohne gleichzeitige Anwesenheit von GABA an die Rezeptoren bindet und diese langfristig verändert bzw. ob Virol A selbst Ionenströme auslösen kann.

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe 3 - Teilaufgabe 1: Synapse, Hormone und n… · GK · Nachtermin 2022 · Aufgabe 2 - Synapse und Neurobiologie · GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021 ›

Mehr Aufgaben zu Synapse, Hormone und neuronale Plastizität