Aufgabe 2 - Nahrungsbeziehungen und Populationen · Abitur NRW Biologie GK · Nutria 2026
Thema: Nahrungsbeziehungen und Populationen · Aus der Prüfung GK · Nutria (2026)
Aufgabenstellung
Nutrias am Niederrhein
Die Nutria ( Myocastor coypus) ist eine in verschiedenen Ökosystemen in Mitteleuropa angesiedelte Nagetierart. Ihr Vorkommen in Deutschland, unter anderem am Niederrhein, wird sehr kontrovers diskutiert.
Material 1: Ökologie der Nutria
Nutrias sind Nagetiere mit einer Kopf-Rumpf-Länge von ca. 45 bis 65 cm. Sie stammen ursprünglich aus Südamerika und leben dort in frostfreien Regionen. In Deutschland gab es 1950 erste Nachweise für das Vorkommen von Nutrias im Freiland. In Tabelle 1 sind Informationen zur Ökologie der Nutria zusammengefasst.
Tabelle 1: Informationen zur Ökologie der Nutria in Deutschland Kriterien · Informationen zur Ökologie der Nutria in Deutschland
Lebensraum · langsam fließende oder stehende Gewässer mit ausgeprägter Unterwasser- und Ufervegetation; in selbstgegrabenen unterirdischen Bauen in Uferböschungen und Dämmen
Nahrung · Wasserpflanzen, junge Wurzeln und Triebe von Rohrkolben; auch landwirtschaftliche Kulturen, wie z. B. Kartoffeln; selten Schnecken, Würmer, Muscheln
Aktivität · ganzjährig, dämmerungs- und nachtaktiv
Überwinterung · überleben kurze Frostperioden, wenn Nahrung verfügbar und bei ausreichendem Schutz in einem Bau
Fressfeinde · kaum vorhanden, selten z. B. Wolf, Luchs
Fortpflanzung · ganzjährige Paarung, Tragzeit ca. 131 Tage; bis zu drei Würfe pro Jahr mit 1 bis 13 Jungtieren, Nestflüchter, nach 90 Tagen selbstständig; Geschlechtsreife nach 5 bis 6 Monaten
(Quelle: In Anlehnung an Scheibner, 2015. Artensteckbriefe)
Material 2: Nutrias in Deutschland
Ab 1920 wurden Nutrias in Deutschland für Pelztierfarmen eingeführt und gezüchtet. Nach Aufgabe der Farmhaltungen kam es nach 1990 zu illegalen Freilassungen und somit breiteten sie sich im Freiland aus.
In Deutschland gab es seit 2012 in vielen Verbreitungsgebieten der Nutrias keinen strengen Winter mehr. An nur wenigen Tagen lagen die Temperaturen unter 0 °C. Auch Fütterungen durch Menschen tragen zur Verringerung der Wintersterblichkeit der Nutrias bei.
In mehreren Bundesländern ist ein Abschuss bzw. Lebendfang mit anschließender Tötung genehmigt. Die Anzahl von Nutrias, die bei der Jagd in Deutschland erlegt wurden, ist in Abbildung 2 dargestellt. Solche Abschussdaten gelten als direkt proportional zur Populationsgröße.
Material 3: Ökologische Bedeutung der Röhrichte
Röhrichte sind Pflanzengesellschaften, die teilweise im Wasser stehen und von schilfartigen Pflanzenarten dominiert werden, z. B. dem Schilfrohr und dem Rohrkolben. Röhrichte bieten für Vögel ein großes Nahrungs- und Brutplatzangebot. Die Unterwasserzone ist Eiablageplatz, Rückzugsraum und Larvenhabitat verschiedener Fisch- und Amphibienarten sowie Lebensraum zahlreicher Wirbelloser. Die hohen und hohlen Sprossachsen von Schilfrohr und Rohrkolben sind außerdem ein wertvoller Überwinterungsraum für Insekten. Ökologisch übernehmen Röhrichte als natürliche „Kläranlage“ eine wesentliche Funktion in der Selbstreinigung eines Gewässers. Sie verlangsamen die Fließgeschwindigkeit und wirken somit der Erosion entgegen. Auch die zum Teil recht tiefen Wurzeln der Röhrichte stabilisieren den Gewässerrand, was besonders in Hochwasserzonen von großer Bedeutung ist.
Im Rahmen mehrerer Kartierungen wurde in einem Untersuchungsgebiet am unteren Niederrhein bei Kleve seit 1995 ein Rückgang der Rohrkolben-Röhrichte festgestellt, gebietsweise wurde 2018 eine Dezimierung um bis zu 96 % registriert.
(Quelle: In Anlehnung an Manderbach, o. D. und Lebensraum, Röhricht, Röhrichte, Rohrkolben., o. D.)
Material 4: LIFE-Projekt „Lebendige Röhrichte – Reeds for LIFE“
Ziel des 2018 gestarteten LIFE-Projektes ist die Förderung und Wiederherstellung hochwüchsiger Röhrichte als wichtiger Lebensraum. Eine Maßnahme dabei ist die Kontrolle der Nutrias und damit einhergehend eine systematische Reduzierung dieser Nagetiere im Projektgebiet. Die Kontrolle der Nutrias erfolgt mithilfe spezieller tierschutzgerechter Lebendfallen aus blickdichten Kunststoffplatten, um die Tiere nicht unnötigem Stress auszusetzen. Die Ausstattung mit Fallenmeldern gewährleistet eine zeitnahe Kontrolle der Fallen. Die Tiere werden anschließend möglichst schnell durch Erschießen getötet. Danach werden sie nicht entsorgt, sondern verschiedenen Verwertungen zugeführt. Sie werden als Futter für die Tiere eines benachbarten Tierparks verwendet oder verbleiben im Gebiet als Nahrung z. B. für Aasfresser und Insekten. Des Weiteren kann ihr Fell verwertet und ihr Körper für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden.
(Quelle: In Anlehnung an Vossmeyer et al., 2021)
2
Begründen Sie den Verlauf der Populationsentwicklung der Nutrias in Deutschland (M 1, M 2). [7 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2 Begründen Sie den Verlauf der Populationsentwicklung der Nutrias in Deutschland (M 1, M 2).
Lösung: Verlauf und Begründung der Populationsentwicklung: - Bis 2012: leichter, kontinuierlicher Anstieg der Populationsgröße - wenige Tiere aus Pelztierfarmen mit idealen Umweltbedingungen für Fortpflanzung - keine oder kaum intraspezifische Konkurrenz, da geringe Populationsgröße und somit genügend Lebensraum und ausreichend Nahrung zur Verfügung stand - kaum natürliche Feinde - Ab 2012: starker Anstieg der Populationsgröße infolge zusätzlicher Fütterungen durch den Menschen und Wegfall der Frostperioden im Winter.
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