Abitur Hessen Philosophie 2021 · GK
Abiturprüfung Philosophie in Hessen 2021, GK: 12 Aufgaben mit Lösungen. Themen: Texterschließung: Text zusammenfassen. Mit automatischer Korrektur.
Themen der Prüfung: Texterschließung: Text zusammenfassen · Staatsphilosophie: Gesellschaftsvertrag, Staat und Individuum · Erkenntnis und Wissenschaft: Wahrheit und Wissenschaftstheorie · Technikphilosophie und Verantwortungsethik (Jonas) · Die Frage nach dem Ich: Freud, La Mettrie und das Bewusstsein
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen
Material
Sigmund Freud: Zum Verhältnis von individueller Freiheit und Rechtsordnung (1930)
Als letzten, gewiß nicht unwichtigsten Charakterzug einer Kultur haben wir zu würdigen, in welcher
Weise die Beziehungen der Menschen zueinander, die sozialen Beziehungen, geregelt sind, die den
Menschen als Nachbarn, als Hilfskraft, als Sexualobjekt eines anderen, als Mitglied einer Familie,
eines Staates betreffen. [...] Vielleicht beginnt man mit der Erklärung, das kulturelle Element sei mit
5 dem ersten Versuch, diese sozialen Beziehungen zu regeln, gegeben. Unterbliebe ein solcher Versuch,
so wären diese Beziehungen der Willkür des einzelnen unterworfen, d. h. der physisch Stärkere würde
sie im Sinne seiner Interessen und Triebregungen entscheiden. [...] Das menschliche Zusammenleben
wird erst ermöglicht, wenn sich eine Mehrheit zusammenfindet, die stärker ist als jeder einzelne und
gegen jeden einzelnen zusammenhält. Die Macht dieser Gemeinschaft stellt sich nun als „Recht“ der
10 Macht des einzelnen, die als »rohe Gewalt« verurteilt wird, entgegen. Diese Ersetzung der Macht des
einzelnen durch die der Gemeinschaft ist der entscheidende kulturelle Schritt. Ihr Wesen besteht darin,
daß sich die Mitglieder der Gemeinschaft in ihren Befriedigungsmöglichkeiten beschränken, während
der einzelne keine solche Schranke kannte. Die nächste kulturelle Anforderung ist also die der
Gerechtigkeit, d. h. die Versicherung, daß die einmal gegebene Rechtsordnung nicht wieder zu
15 Gunsten eines einzelnen durchbrochen werde. [...] Das Endergebnis soll ein Recht sein, zu dem alle –
wenigstens alle Gemeinschaftsfähigen – durch ihre Triebopfer beigetragen haben und das keinen –
wiederum mit der gleichen Ausnahme – zum Opfer der rohen Gewalt werden läßt.
Die individuelle Freiheit ist kein Kulturgut. Sie war am größten vor jeder Kultur, allerdings damals
meist ohne Wert, weil das Individuum kaum imstande war, sie zu verteidigen. Durch die
20 Kulturentwicklung erfährt sie Einschränkungen, und die Gerechtigkeit fordert, daß keinem diese
Einschränkungen erspart werden. Was sich in einer menschlichen Gemeinschaft als Freiheitsdrang
rührt, kann Auflehnung gegen eine bestehende Ungerechtigkeit sein und so einer weiteren
Entwicklung der Kultur günstig werden, mit der Kultur verträglich bleiben. Es kann aber auch dem
Rest der ursprünglichen, von der Kultur ungebändigten Persönlichkeit entstammen und so Grundlage
25 der Kulturfeindseligkeit werden. Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und
Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt. [...] Ein gut Teil des Ringens der Menschheit
staut sich um die eine Aufgabe, einen zweckmäßigen, d. h. beglückenden Ausgleich zwischen diesen
individuellen und den kulturellen Massenansprüchen zu finden [...].
Durch alle ihre Mühen hat diese Kulturbestrebung bisher nicht sehr viel erreicht. Die gröbsten
30 Ausschreitungen der brutalen Gewalt hofft sie zu verhüten, indem sie sich selbst das Recht beilegt, an
den Verbrechern Gewalt zu üben, aber die vorsichtigere und feineren Äußerungen der menschlichen
Aggression vermag das Gesetz nicht zu erfassen. [...]
Wenn die Kultur nicht allein der Sexualität, sondern auch der Aggressionsneigung des Menschen so
große Opfer auferlegt, so verstehen wir es besser, daß es dem Menschen schwer wird, sich in ihr
35 beglückt zu finden. Der Urmensch hatte es in der Tat darin besser, da er keine Triebeinschränkungen
kannte. Zum Ausgleich war seine Sicherheit, solches Glück lange zu genießen, eine sehr geringe. Der
Kulturmensch hat für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht. [...]
Wenn wir gegen unseren jetzigen Kulturzustand mit Recht einwenden, wie unzureichend er unsere
Forderungen an eine beglückende Lebensordnung erfüllt, wieviel Leid er gewähren läßt, das
40 wahrscheinlich zu vermeiden wäre, wenn wir mit schonungsloser Kritik die Wurzeln seiner
Unvollkommenheit aufzudecken streben, üben wir gewiß unser gutes Recht und zeigen uns nicht als
Kulturfeinde. Wir dürfen erwarten, allmählich solche Abänderungen unserer Kultur durchzusetzen, die
unsere Bedürfnisse besser befriedigen und jener Kritik entgehen. Aber vielleicht machen wir uns auch
mit der Idee vertraut, daß es Schwierigkeiten gibt, die dem Wesen der Kultur anhaften und die keinem
45 Reformversuch weichen werden.
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur. Und andere kulturtheoretische Schriften. Frankfurt/M. 10. Aufl. 2007, S. 60–62 und S. 77–80.
Hinweise
Die Erstveröffentlichung von „Das Unbehagen in der Kultur“ erfolgte 1930 in Wien.
Der Arzt und Kulturphilosoph Sigmund Freud (1856–1939) emigrierte 1938 und verstarb im britischen Exil in London.
1
Fassen Sie den Text Freuds zusammen. (Material)
(30 BE)
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 2 · Staatsphilosophie: Gesellschaftsvertrag, Staat und Individuum
Material
Sigmund Freud: Zum Verhältnis von individueller Freiheit und Rechtsordnung (1930)
Als letzten, gewiß nicht unwichtigsten Charakterzug einer Kultur haben wir zu würdigen, in welcher
Weise die Beziehungen der Menschen zueinander, die sozialen Beziehungen, geregelt sind, die den
Menschen als Nachbarn, als Hilfskraft, als Sexualobjekt eines anderen, als Mitglied einer Familie,
eines Staates betreffen. [...] Vielleicht beginnt man mit der Erklärung, das kulturelle Element sei mit
5 dem ersten Versuch, diese sozialen Beziehungen zu regeln, gegeben. Unterbliebe ein solcher Versuch,
so wären diese Beziehungen der Willkür des einzelnen unterworfen, d. h. der physisch Stärkere würde
sie im Sinne seiner Interessen und Triebregungen entscheiden. [...] Das menschliche Zusammenleben
wird erst ermöglicht, wenn sich eine Mehrheit zusammenfindet, die stärker ist als jeder einzelne und
gegen jeden einzelnen zusammenhält. Die Macht dieser Gemeinschaft stellt sich nun als „Recht“ der
10 Macht des einzelnen, die als »rohe Gewalt« verurteilt wird, entgegen. Diese Ersetzung der Macht des
einzelnen durch die der Gemeinschaft ist der entscheidende kulturelle Schritt. Ihr Wesen besteht darin,
daß sich die Mitglieder der Gemeinschaft in ihren Befriedigungsmöglichkeiten beschränken, während
der einzelne keine solche Schranke kannte. Die nächste kulturelle Anforderung ist also die der
Gerechtigkeit, d. h. die Versicherung, daß die einmal gegebene Rechtsordnung nicht wieder zu
15 Gunsten eines einzelnen durchbrochen werde. [...] Das Endergebnis soll ein Recht sein, zu dem alle –
wenigstens alle Gemeinschaftsfähigen – durch ihre Triebopfer beigetragen haben und das keinen –
wiederum mit der gleichen Ausnahme – zum Opfer der rohen Gewalt werden läßt.
Die individuelle Freiheit ist kein Kulturgut. Sie war am größten vor jeder Kultur, allerdings damals
meist ohne Wert, weil das Individuum kaum imstande war, sie zu verteidigen. Durch die
20 Kulturentwicklung erfährt sie Einschränkungen, und die Gerechtigkeit fordert, daß keinem diese
Einschränkungen erspart werden. Was sich in einer menschlichen Gemeinschaft als Freiheitsdrang
rührt, kann Auflehnung gegen eine bestehende Ungerechtigkeit sein und so einer weiteren
Entwicklung der Kultur günstig werden, mit der Kultur verträglich bleiben. Es kann aber auch dem
Rest der ursprünglichen, von der Kultur ungebändigten Persönlichkeit entstammen und so Grundlage
25 der Kulturfeindseligkeit werden. Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und
Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt. [...] Ein gut Teil des Ringens der Menschheit
staut sich um die eine Aufgabe, einen zweckmäßigen, d. h. beglückenden Ausgleich zwischen diesen
individuellen und den kulturellen Massenansprüchen zu finden [...].
Durch alle ihre Mühen hat diese Kulturbestrebung bisher nicht sehr viel erreicht. Die gröbsten
30 Ausschreitungen der brutalen Gewalt hofft sie zu verhüten, indem sie sich selbst das Recht beilegt, an
den Verbrechern Gewalt zu üben, aber die vorsichtigere und feineren Äußerungen der menschlichen
Aggression vermag das Gesetz nicht zu erfassen. [...]
Wenn die Kultur nicht allein der Sexualität, sondern auch der Aggressionsneigung des Menschen so
große Opfer auferlegt, so verstehen wir es besser, daß es dem Menschen schwer wird, sich in ihr
35 beglückt zu finden. Der Urmensch hatte es in der Tat darin besser, da er keine Triebeinschränkungen
kannte. Zum Ausgleich war seine Sicherheit, solches Glück lange zu genießen, eine sehr geringe. Der
Kulturmensch hat für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht. [...]
Wenn wir gegen unseren jetzigen Kulturzustand mit Recht einwenden, wie unzureichend er unsere
Forderungen an eine beglückende Lebensordnung erfüllt, wieviel Leid er gewähren läßt, das
40 wahrscheinlich zu vermeiden wäre, wenn wir mit schonungsloser Kritik die Wurzeln seiner
Unvollkommenheit aufzudecken streben, üben wir gewiß unser gutes Recht und zeigen uns nicht als
Kulturfeinde. Wir dürfen erwarten, allmählich solche Abänderungen unserer Kultur durchzusetzen, die
unsere Bedürfnisse besser befriedigen und jener Kritik entgehen. Aber vielleicht machen wir uns auch
mit der Idee vertraut, daß es Schwierigkeiten gibt, die dem Wesen der Kultur anhaften und die keinem
45 Reformversuch weichen werden.
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur. Und andere kulturtheoretische Schriften. Frankfurt/M. 10. Aufl. 2007, S. 60–62 und S. 77–80.
Hinweise
Die Erstveröffentlichung von „Das Unbehagen in der Kultur“ erfolgte 1930 in Wien.
Der Arzt und Kulturphilosoph Sigmund Freud (1856–1939) emigrierte 1938 und verstarb im britischen Exil in London.
2
Vergleichen Sie Freuds Ausführungen (Material) zum Zusammenleben der Menschen mit Hobbes' Staatsphilosophie.
(40 BE)
Aufgabe Vorschlag A - Aufgabe 3 · Technikphilosophie und Verantwortungsethik (Jonas)
Material
Sigmund Freud: Zum Verhältnis von individueller Freiheit und Rechtsordnung (1930)
Als letzten, gewiß nicht unwichtigsten Charakterzug einer Kultur haben wir zu würdigen, in welcher
Weise die Beziehungen der Menschen zueinander, die sozialen Beziehungen, geregelt sind, die den
Menschen als Nachbarn, als Hilfskraft, als Sexualobjekt eines anderen, als Mitglied einer Familie,
eines Staates betreffen. [...] Vielleicht beginnt man mit der Erklärung, das kulturelle Element sei mit
5 dem ersten Versuch, diese sozialen Beziehungen zu regeln, gegeben. Unterbliebe ein solcher Versuch,
so wären diese Beziehungen der Willkür des einzelnen unterworfen, d. h. der physisch Stärkere würde
sie im Sinne seiner Interessen und Triebregungen entscheiden. [...] Das menschliche Zusammenleben
wird erst ermöglicht, wenn sich eine Mehrheit zusammenfindet, die stärker ist als jeder einzelne und
gegen jeden einzelnen zusammenhält. Die Macht dieser Gemeinschaft stellt sich nun als „Recht“ der
10 Macht des einzelnen, die als »rohe Gewalt« verurteilt wird, entgegen. Diese Ersetzung der Macht des
einzelnen durch die der Gemeinschaft ist der entscheidende kulturelle Schritt. Ihr Wesen besteht darin,
daß sich die Mitglieder der Gemeinschaft in ihren Befriedigungsmöglichkeiten beschränken, während
der einzelne keine solche Schranke kannte. Die nächste kulturelle Anforderung ist also die der
Gerechtigkeit, d. h. die Versicherung, daß die einmal gegebene Rechtsordnung nicht wieder zu
15 Gunsten eines einzelnen durchbrochen werde. [...] Das Endergebnis soll ein Recht sein, zu dem alle –
wenigstens alle Gemeinschaftsfähigen – durch ihre Triebopfer beigetragen haben und das keinen –
wiederum mit der gleichen Ausnahme – zum Opfer der rohen Gewalt werden läßt.
Die individuelle Freiheit ist kein Kulturgut. Sie war am größten vor jeder Kultur, allerdings damals
meist ohne Wert, weil das Individuum kaum imstande war, sie zu verteidigen. Durch die
20 Kulturentwicklung erfährt sie Einschränkungen, und die Gerechtigkeit fordert, daß keinem diese
Einschränkungen erspart werden. Was sich in einer menschlichen Gemeinschaft als Freiheitsdrang
rührt, kann Auflehnung gegen eine bestehende Ungerechtigkeit sein und so einer weiteren
Entwicklung der Kultur günstig werden, mit der Kultur verträglich bleiben. Es kann aber auch dem
Rest der ursprünglichen, von der Kultur ungebändigten Persönlichkeit entstammen und so Grundlage
25 der Kulturfeindseligkeit werden. Der Freiheitsdrang richtet sich also gegen bestimmte Formen und
Ansprüche der Kultur oder gegen Kultur überhaupt. [...] Ein gut Teil des Ringens der Menschheit
staut sich um die eine Aufgabe, einen zweckmäßigen, d. h. beglückenden Ausgleich zwischen diesen
individuellen und den kulturellen Massenansprüchen zu finden [...].
Durch alle ihre Mühen hat diese Kulturbestrebung bisher nicht sehr viel erreicht. Die gröbsten
30 Ausschreitungen der brutalen Gewalt hofft sie zu verhüten, indem sie sich selbst das Recht beilegt, an
den Verbrechern Gewalt zu üben, aber die vorsichtigere und feineren Äußerungen der menschlichen
Aggression vermag das Gesetz nicht zu erfassen. [...]
Wenn die Kultur nicht allein der Sexualität, sondern auch der Aggressionsneigung des Menschen so
große Opfer auferlegt, so verstehen wir es besser, daß es dem Menschen schwer wird, sich in ihr
35 beglückt zu finden. Der Urmensch hatte es in der Tat darin besser, da er keine Triebeinschränkungen
kannte. Zum Ausgleich war seine Sicherheit, solches Glück lange zu genießen, eine sehr geringe. Der
Kulturmensch hat für ein Stück Glücksmöglichkeit ein Stück Sicherheit eingetauscht. [...]
Wenn wir gegen unseren jetzigen Kulturzustand mit Recht einwenden, wie unzureichend er unsere
Forderungen an eine beglückende Lebensordnung erfüllt, wieviel Leid er gewähren läßt, das
40 wahrscheinlich zu vermeiden wäre, wenn wir mit schonungsloser Kritik die Wurzeln seiner
Unvollkommenheit aufzudecken streben, üben wir gewiß unser gutes Recht und zeigen uns nicht als
Kulturfeinde. Wir dürfen erwarten, allmählich solche Abänderungen unserer Kultur durchzusetzen, die
unsere Bedürfnisse besser befriedigen und jener Kritik entgehen. Aber vielleicht machen wir uns auch
mit der Idee vertraut, daß es Schwierigkeiten gibt, die dem Wesen der Kultur anhaften und die keinem
45 Reformversuch weichen werden.
Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur. Und andere kulturtheoretische Schriften. Frankfurt/M. 10. Aufl. 2007, S. 60–62 und S. 77–80.
Hinweise
Die Erstveröffentlichung von „Das Unbehagen in der Kultur“ erfolgte 1930 in Wien.
Der Arzt und Kulturphilosoph Sigmund Freud (1856–1939) emigrierte 1938 und verstarb im britischen Exil in London.
3
„Aber vielleicht machen wir uns auch mit der Idee vertraut, daß es Schwierigkeiten gibt, die dem Wesen der Kultur anhaften und die keinem Reformversuch weichen werden.“ (Material)
Diskutieren Sie diese These Freuds unter Berücksichtigung der Frage, ob sich mit Hilfe neuer Technologien die Chance auf eine „beglückende Lebensordnung“ (Material) vergrößern lässt.
(30 BE)
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen
Material
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens (2018)
Der Mensch ist ein wesentlich geschichtliches Lebewesen. Als das Tier, das keines sein will, erfindet
der Mensch Geschichten davon, wie die Episoden, die er erlebt, zusammenhängen. Diese Geschichten
haben über Tausende von Generationen des Erzählens zu den hochkulturellen Blüten geführt, die uns
ab dem Zeitpunkt der Erfindung der Schrift aus der tiefen Vergangenheit des Menschen
5 entgegentreten. […]
Was die großen Epen dokumentieren, ist die menschliche Art und Weise, sich ein Bild davon zu
machen, wer oder was wir eigentlich sind. Der Mensch tritt uns hier als ein Wesen entgegen, das in
dichte Netze des Erzählens verwoben ist, die dazu dienen, Mensch und Nichtmensch zu unterscheiden.
Der Mensch wird dadurch zu sich selber, dass er Geschichten darüber erzählt, warum er nicht nur ein
10 Tier, kein Stein, und kein Gott ist. Er wird zu einem Geschichtenerzähler.
Wir können unseren Geschichten niemals ganz entkommen. Dennoch haben wir es in der Moderne
geschafft, uns dem Unendlichen zu nähern, das durch keine Geschichte, sondern durch
wissenschaftliche Theoriekonstruktionen erfasst werden kann. Dieser Vorgang beginnt selber im
Zeitalter der großen Mythen, in Griechenland, durch die Unterscheidung von Mythos und Logos, von
15 Geschichte und reinem Denken.
Indem der Mensch diese Unterscheidung zieht, erfindet er eine neue Form der Intelligenz, die es
vorher nicht gab. Durch Erziehung und Unterricht programmieren wir unsere Nachfahren und
übermitteln ihnen diejenigen Algorithmen, die wir erfunden haben, um unsere Mustererkennung zu
optimieren. Die Mathematik, die man heute in der Schule lernt, ist weit über alles hinaus, was unsere
20 intelligentesten Vorfahren wissen konnten, weil wir unsere künstliche erworbene Intelligenz durch
Bildungssysteme tradieren.
Der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit beruht darauf, dass wir selber eine künstliche
Intelligenz haben. Unsere Intelligenz ist nämlich zu großen Teilen ein Artefakt 1 unserer kulturellen,
das heißt sozialen Umgebung. Natürlich gibt es biologische Voraussetzungen unseres jeweiligen
25 Zugangs zur künstlichen Intelligenz des Menschen. Aber das heißt nicht, dass Intelligenz angeboren
ist. Angeboren sind biologische Voraussetzungen, die es erleichtern oder erschweren können, die
logischen Strukturen zu erfassen, die einem menschlichen Denk- und Erzählbereich zugrunde liegen.
[…]
Die von uns Menschen auf nicht biologischer Grundlage installierten Programme sind Modelle des
30 Verhältnisses von biologischer und künstlicher Intelligenz des Menschen. Sie simulieren diese. Wir
sollten deswegen hierbei nicht mehr von künstlicher Intelligenz sprechen, sondern von künstlicher
künstlicher Intelligenz. Dasjenige, was heute K.I. heißt, ist demnach in Wirklichkeit eine K.I. zweiter
Stufe. Nennen wir dies die K.K.I.-These. Eine K.K.I. ist demnach ein Denkmodell und keine
Denkkopie. Wir haben diese Modelle entwickelt. Sie sind Artefakte des Menschen, dessen eigene
35 Intelligenz ein Artefakt ist.
Der Mensch hat zwei Komponenten, die sich allerdings gegenseitig beeinflussen und deswegen nicht
etwa, wie der Dualismus meint, auf zwei abgetrennte Wirklichkeitsbereiche verteilt werden können.
Die eine Komponente können wir das Menschentier nennen. Das Menschentier ist eine biologische
Art, die durch die Evolution entstanden ist. Es hat sich seit Langem nicht verändert. Wir sind immer
40 noch dieselbe Art wie viele unserer Vorfahren. Wenn wir die Barden, die vor Jahrtausenden die
Vorformen der erst später verschriftlichten Epen gesungen haben, mit einer Zeitmaschine ins heutige
Tokio versetzen könnten, könnten wir diesen beibringen, wie man die U-Bahn nimmt. Sie wären nicht
biologisch von uns verschieden. […]
Die zweite Komponente des Menschen ist das Bild, das er sich jeweils davon macht, wer oder was er
45 ist, und woraus jeder Mensch Anweisungen darüber ableitet, wer oder was er sein soll. Das soll hier
als das Menschenbild bezeichnet werden. Menschen sind Tiere, die keine sein wollen, weil es nicht
möglich ist, dass wir uns mit dem Menschentier identifizieren. Wir sind als Menschen nicht nur eine
Spezies, die sich im Laufe der Evolution auf einem ihrer Zweige ausdifferenziert hat. Denn wir
kommen nicht umhin, uns mit unserem Denksinn zu befassen, der sich nicht vollständig evolutionär
50 beschreiben lässt, da er ein historisches, soziokulturelles Artefakt ist. […] Die Veränderungen im
Menschenbild unterstehen nicht den Prinzipien der langsamen, biologischen Auslese, sie unterliegen
nicht dem Prinzip, dass Lebewesen auf ihre Selbsterhaltung zugeschnitten sind, was man daran sieht,
dass (leider) die meisten Menschenbilder zur Selbstzerstörung des Menschen führen.
Die derzeitige Entwicklung der K.K.I. ist hierbei keine Ausnahme von dieser Regel.
1 Artefakt, hier: „künstliches Erzeugnis“
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens, Berlin 1. Aufl. 2018, S. 310ff.
Hinweis
Markus Gabriel (*1980) ist Professor für Philosophie an der Universität Bonn.
1
Geben Sie den Inhalt des vorliegenden Textes wieder. (Material) (30 BE)
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 · Die Frage nach dem Ich: Freud, La Mettrie und das Bewusstsein
Material
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens (2018)
Der Mensch ist ein wesentlich geschichtliches Lebewesen. Als das Tier, das keines sein will, erfindet
der Mensch Geschichten davon, wie die Episoden, die er erlebt, zusammenhängen. Diese Geschichten
haben über Tausende von Generationen des Erzählens zu den hochkulturellen Blüten geführt, die uns
ab dem Zeitpunkt der Erfindung der Schrift aus der tiefen Vergangenheit des Menschen
5 entgegentreten. […]
Was die großen Epen dokumentieren, ist die menschliche Art und Weise, sich ein Bild davon zu
machen, wer oder was wir eigentlich sind. Der Mensch tritt uns hier als ein Wesen entgegen, das in
dichte Netze des Erzählens verwoben ist, die dazu dienen, Mensch und Nichtmensch zu unterscheiden.
Der Mensch wird dadurch zu sich selber, dass er Geschichten darüber erzählt, warum er nicht nur ein
10 Tier, kein Stein, und kein Gott ist. Er wird zu einem Geschichtenerzähler.
Wir können unseren Geschichten niemals ganz entkommen. Dennoch haben wir es in der Moderne
geschafft, uns dem Unendlichen zu nähern, das durch keine Geschichte, sondern durch
wissenschaftliche Theoriekonstruktionen erfasst werden kann. Dieser Vorgang beginnt selber im
Zeitalter der großen Mythen, in Griechenland, durch die Unterscheidung von Mythos und Logos, von
15 Geschichte und reinem Denken.
Indem der Mensch diese Unterscheidung zieht, erfindet er eine neue Form der Intelligenz, die es
vorher nicht gab. Durch Erziehung und Unterricht programmieren wir unsere Nachfahren und
übermitteln ihnen diejenigen Algorithmen, die wir erfunden haben, um unsere Mustererkennung zu
optimieren. Die Mathematik, die man heute in der Schule lernt, ist weit über alles hinaus, was unsere
20 intelligentesten Vorfahren wissen konnten, weil wir unsere künstliche erworbene Intelligenz durch
Bildungssysteme tradieren.
Der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit beruht darauf, dass wir selber eine künstliche
Intelligenz haben. Unsere Intelligenz ist nämlich zu großen Teilen ein Artefakt 1 unserer kulturellen,
das heißt sozialen Umgebung. Natürlich gibt es biologische Voraussetzungen unseres jeweiligen
25 Zugangs zur künstlichen Intelligenz des Menschen. Aber das heißt nicht, dass Intelligenz angeboren
ist. Angeboren sind biologische Voraussetzungen, die es erleichtern oder erschweren können, die
logischen Strukturen zu erfassen, die einem menschlichen Denk- und Erzählbereich zugrunde liegen.
[…]
Die von uns Menschen auf nicht biologischer Grundlage installierten Programme sind Modelle des
30 Verhältnisses von biologischer und künstlicher Intelligenz des Menschen. Sie simulieren diese. Wir
sollten deswegen hierbei nicht mehr von künstlicher Intelligenz sprechen, sondern von künstlicher
künstlicher Intelligenz. Dasjenige, was heute K.I. heißt, ist demnach in Wirklichkeit eine K.I. zweiter
Stufe. Nennen wir dies die K.K.I.-These. Eine K.K.I. ist demnach ein Denkmodell und keine
Denkkopie. Wir haben diese Modelle entwickelt. Sie sind Artefakte des Menschen, dessen eigene
35 Intelligenz ein Artefakt ist.
Der Mensch hat zwei Komponenten, die sich allerdings gegenseitig beeinflussen und deswegen nicht
etwa, wie der Dualismus meint, auf zwei abgetrennte Wirklichkeitsbereiche verteilt werden können.
Die eine Komponente können wir das Menschentier nennen. Das Menschentier ist eine biologische
Art, die durch die Evolution entstanden ist. Es hat sich seit Langem nicht verändert. Wir sind immer
40 noch dieselbe Art wie viele unserer Vorfahren. Wenn wir die Barden, die vor Jahrtausenden die
Vorformen der erst später verschriftlichten Epen gesungen haben, mit einer Zeitmaschine ins heutige
Tokio versetzen könnten, könnten wir diesen beibringen, wie man die U-Bahn nimmt. Sie wären nicht
biologisch von uns verschieden. […]
Die zweite Komponente des Menschen ist das Bild, das er sich jeweils davon macht, wer oder was er
45 ist, und woraus jeder Mensch Anweisungen darüber ableitet, wer oder was er sein soll. Das soll hier
als das Menschenbild bezeichnet werden. Menschen sind Tiere, die keine sein wollen, weil es nicht
möglich ist, dass wir uns mit dem Menschentier identifizieren. Wir sind als Menschen nicht nur eine
Spezies, die sich im Laufe der Evolution auf einem ihrer Zweige ausdifferenziert hat. Denn wir
kommen nicht umhin, uns mit unserem Denksinn zu befassen, der sich nicht vollständig evolutionär
50 beschreiben lässt, da er ein historisches, soziokulturelles Artefakt ist. […] Die Veränderungen im
Menschenbild unterstehen nicht den Prinzipien der langsamen, biologischen Auslese, sie unterliegen
nicht dem Prinzip, dass Lebewesen auf ihre Selbsterhaltung zugeschnitten sind, was man daran sieht,
dass (leider) die meisten Menschenbilder zur Selbstzerstörung des Menschen führen.
Die derzeitige Entwicklung der K.K.I. ist hierbei keine Ausnahme von dieser Regel.
1 Artefakt, hier: „künstliches Erzeugnis“
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens, Berlin 1. Aufl. 2018, S. 310ff.
Hinweis
Markus Gabriel (*1980) ist Professor für Philosophie an der Universität Bonn.
2
Stellen Sie die Ausführungen Gabriels (Material) dem Menschenbild La Mettries gegenüber. (40 BE)
Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 3 · Technikphilosophie und Verantwortungsethik (Jonas)
Material
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens (2018)
Der Mensch ist ein wesentlich geschichtliches Lebewesen. Als das Tier, das keines sein will, erfindet
der Mensch Geschichten davon, wie die Episoden, die er erlebt, zusammenhängen. Diese Geschichten
haben über Tausende von Generationen des Erzählens zu den hochkulturellen Blüten geführt, die uns
ab dem Zeitpunkt der Erfindung der Schrift aus der tiefen Vergangenheit des Menschen
5 entgegentreten. […]
Was die großen Epen dokumentieren, ist die menschliche Art und Weise, sich ein Bild davon zu
machen, wer oder was wir eigentlich sind. Der Mensch tritt uns hier als ein Wesen entgegen, das in
dichte Netze des Erzählens verwoben ist, die dazu dienen, Mensch und Nichtmensch zu unterscheiden.
Der Mensch wird dadurch zu sich selber, dass er Geschichten darüber erzählt, warum er nicht nur ein
10 Tier, kein Stein, und kein Gott ist. Er wird zu einem Geschichtenerzähler.
Wir können unseren Geschichten niemals ganz entkommen. Dennoch haben wir es in der Moderne
geschafft, uns dem Unendlichen zu nähern, das durch keine Geschichte, sondern durch
wissenschaftliche Theoriekonstruktionen erfasst werden kann. Dieser Vorgang beginnt selber im
Zeitalter der großen Mythen, in Griechenland, durch die Unterscheidung von Mythos und Logos, von
15 Geschichte und reinem Denken.
Indem der Mensch diese Unterscheidung zieht, erfindet er eine neue Form der Intelligenz, die es
vorher nicht gab. Durch Erziehung und Unterricht programmieren wir unsere Nachfahren und
übermitteln ihnen diejenigen Algorithmen, die wir erfunden haben, um unsere Mustererkennung zu
optimieren. Die Mathematik, die man heute in der Schule lernt, ist weit über alles hinaus, was unsere
20 intelligentesten Vorfahren wissen konnten, weil wir unsere künstliche erworbene Intelligenz durch
Bildungssysteme tradieren.
Der wissenschaftliche Fortschritt der Menschheit beruht darauf, dass wir selber eine künstliche
Intelligenz haben. Unsere Intelligenz ist nämlich zu großen Teilen ein Artefakt 1 unserer kulturellen,
das heißt sozialen Umgebung. Natürlich gibt es biologische Voraussetzungen unseres jeweiligen
25 Zugangs zur künstlichen Intelligenz des Menschen. Aber das heißt nicht, dass Intelligenz angeboren
ist. Angeboren sind biologische Voraussetzungen, die es erleichtern oder erschweren können, die
logischen Strukturen zu erfassen, die einem menschlichen Denk- und Erzählbereich zugrunde liegen.
[…]
Die von uns Menschen auf nicht biologischer Grundlage installierten Programme sind Modelle des
30 Verhältnisses von biologischer und künstlicher Intelligenz des Menschen. Sie simulieren diese. Wir
sollten deswegen hierbei nicht mehr von künstlicher Intelligenz sprechen, sondern von künstlicher
künstlicher Intelligenz. Dasjenige, was heute K.I. heißt, ist demnach in Wirklichkeit eine K.I. zweiter
Stufe. Nennen wir dies die K.K.I.-These. Eine K.K.I. ist demnach ein Denkmodell und keine
Denkkopie. Wir haben diese Modelle entwickelt. Sie sind Artefakte des Menschen, dessen eigene
35 Intelligenz ein Artefakt ist.
Der Mensch hat zwei Komponenten, die sich allerdings gegenseitig beeinflussen und deswegen nicht
etwa, wie der Dualismus meint, auf zwei abgetrennte Wirklichkeitsbereiche verteilt werden können.
Die eine Komponente können wir das Menschentier nennen. Das Menschentier ist eine biologische
Art, die durch die Evolution entstanden ist. Es hat sich seit Langem nicht verändert. Wir sind immer
40 noch dieselbe Art wie viele unserer Vorfahren. Wenn wir die Barden, die vor Jahrtausenden die
Vorformen der erst später verschriftlichten Epen gesungen haben, mit einer Zeitmaschine ins heutige
Tokio versetzen könnten, könnten wir diesen beibringen, wie man die U-Bahn nimmt. Sie wären nicht
biologisch von uns verschieden. […]
Die zweite Komponente des Menschen ist das Bild, das er sich jeweils davon macht, wer oder was er
45 ist, und woraus jeder Mensch Anweisungen darüber ableitet, wer oder was er sein soll. Das soll hier
als das Menschenbild bezeichnet werden. Menschen sind Tiere, die keine sein wollen, weil es nicht
möglich ist, dass wir uns mit dem Menschentier identifizieren. Wir sind als Menschen nicht nur eine
Spezies, die sich im Laufe der Evolution auf einem ihrer Zweige ausdifferenziert hat. Denn wir
kommen nicht umhin, uns mit unserem Denksinn zu befassen, der sich nicht vollständig evolutionär
50 beschreiben lässt, da er ein historisches, soziokulturelles Artefakt ist. […] Die Veränderungen im
Menschenbild unterstehen nicht den Prinzipien der langsamen, biologischen Auslese, sie unterliegen
nicht dem Prinzip, dass Lebewesen auf ihre Selbsterhaltung zugeschnitten sind, was man daran sieht,
dass (leider) die meisten Menschenbilder zur Selbstzerstörung des Menschen führen.
Die derzeitige Entwicklung der K.K.I. ist hierbei keine Ausnahme von dieser Regel.
1 Artefakt, hier: „künstliches Erzeugnis“
Markus Gabriel: Der Sinn des Denkens, Berlin 1. Aufl. 2018, S. 310ff.
Hinweis
Markus Gabriel (*1980) ist Professor für Philosophie an der Universität Bonn.
3
Im Jahr 2017 sagte der Physiker Prof. Stephen Hawking (1942–2018) in einem Interview: „Die potenziellen Vorteile der Schaffung von Intelligenz sind riesig. Wir können nicht vorhersagen, was wir erreichen könnten, wenn unser Verstand erweitert wird durch künstliche Intelligenz. […] Kurzum, Erfolg bei der Schaffung einer künstlichen Intelligenz könnte das größte Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation sein. Aber es könnte auch das letzte sein […].“
Diskutieren Sie ausgehend von dem Zitat die Entwicklung künstlicher Intelligenz vor dem Hintergrund der Verantwortungsethik von Hans Jonas. (30 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen
Material
Andreas Sentker: Der Weckruf (2019)
Was macht ein wissenschaftliches Gutachten politisch glaubwürdig? Der Umfang der Stellungnahme?
Ihre Dringlichkeit? Die Zahl der Autoren? Der Glanz ihrer Titel? Was sorgt dafür, dass ein Papier
nicht in einer ministeriellen Schublade verschwindet?
Ganz gewiss kein Fall für die Schublade ist jenes Papier 1, das die Leopoldina, die Nationale Akademie
5 der Wissenschaften, am Dienstag zur deutschen Klimapolitik vorgelegt hat. Das Bemerkenswerte an
ihm ist sein Ton: deutlich, kritisch und ermutigend zugleich.
Forscher sind vorsichtige Menschen, Meister der Relativierung. Statt Position zu beziehen, verweisen
sie gern auf die Vorläufigkeit und Unvollständigkeit ihres Wissens – und bleiben im Ungefähren.
Anders die 14 Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Klimapolitik: Unmissverständlich prangern sie das
10 zögerliche Handeln, das Verfehlen der selbst gesteckten Ziele, das Versagen der deutschen Politik an.
Und glasklar formuliert ist ihre Schlussfolgerung: Ein „unmittelbarer Transformationsschub“ müsse
her. Jetzt. Heute. Nicht erst im nächsten Jahr und schon gar nicht in irgendeiner politisch womöglich
opportuneren Zukunft.
Die Wissenschaftler verweisen zu Recht auf einen schärfer werdenden „Generationenkonflikt“ um die
15 Frage künftiger Lebensbedingungen [...]. Sie berechnen mahnend die möglichen Kosten eines
business as usual 2 für Deutschland: Allein für die Nichteinhaltung der europäischen Klimaziele
betragen sie 62 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
Entscheidend aber ist: Statt den drohenden Untergang zu beschwören, werben die Sachverständigen
für den Aufbruch. Und tatsächlich muss wirksame Klimapolitik kein Akt von Verzweiflung und
20 Verzicht sein. Die Politik hat – so schreiben die Forscher – im Gegenteil die einmalige Chance, viele
zu Gewinnern zu machen.
Wer die Gunst des Augenblicks begreifen will, darf nicht nur das Papier der Leopoldina lesen. Erst vor
wenigen Tagen hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung sein ökonomisches Urteil zur deutschen Klimapolitik vorgelegt. Selten zuvor waren
25 Wissenschaft und Ökonomie so bis ins Detail einer Meinung. Die Gutachter der Leopoldina fordern
einen „einheitlichen und sektorübergreifenden 3 Preis für Treibhausgasemissionen“ – bei den
Wirtschaftsweisen heißt der Preis „sektorübergreifend einheitlich“. Und selten stießen ihre
Vorschläge – bei allem populistischen Geraune: Klimasteuer, das wird teuer – auf so rasch wachsende
gesellschaftliche Akzeptanz. Teuer, so Forscher und Ökonomen unisono, wird vor allem das
30 Nichtstun.
Darum belassen es die Forscher auch nicht dabei, nur den Preis für CO 2 als politisches
Steuerungsinstrument einzusetzen. Die Einnahmen, fordern sie, müssen transparent in die
Klimapolitik reinvestiert werden. Als sozialer Ausgleich in Form einer Klima-Dividende. Als Puffer,
um die Kosten des Klimaschutzes (etwa die Strompreise!) abzufedern. Schließlich und zentral aber als
35 Investitions- und Innovationsprogramm.
Und wer zahlt? Vor allem die Wohlhabenden. Sie haben den nachweislich größeren ökologischen
Fußabdruck.
Gewinnen aber können alle: die Politik, wenn sie jetzt die Weichen für den Wandel – in der Sprache
der Nachhaltigkeitsdebatte: die große Transformation – stellt. Damit auch künftige Generationen gut
40 leben können und die Politik sich selbst ihren Gestaltungsspielraum für die Zukunft sichert. Die
Wirtschaft profitiert, weil sie weiter Wertschöpfung betreiben kann, statt beschränkte Ressourcen
weiter zu erschöpfen. Und die nachhaltigeren und besseren Infrastrukturen, etwa für Mobilität und
Energieversorgung, werden allen Menschen nützen.
Auch für die Wissenschaft ist dieser Umbau ein Gewinn. Ihre Ideen werden gefragt sein: für die
45 Energiespeicher der Zukunft wie für intelligent vernetzte Mobilitätssysteme.
Es sind [...] nicht nur Ingenieure oder Materialwissenschaftler, die den Innovationsprozess begleiten
müssen, sondern auch Gesellschaftsforscher, Historiker oder Psychologen. Denn der notwendige
Wandel macht vielen Menschen Angst. Die Politik kann ihn aber nur mit den Bürgern organisieren,
nicht gegen sie.
50 Das fängt beim richtigen Ton an. Es ist höchste Zeit für ein Aufbruchssignal. Jetzt!
1 Pressemitteilung „Klimaziele 2030“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina am Dienstag, den 23.07.2019
2 business as usual (engl.) – alles geht seinen Gang, weitermachen wie bisher
3 sektorübergreifend – jede Ebene betreffend, sei es national, regional, europäisch usw., hier insbesondere Energieerzeugung und -nutzung, Bereiche der Landnutzung, Ernährung, Küstenschutz, Schutz der Artenvielfalt, Widerstandskraft von Öko- und Sozialsystemen usw.
Andreas Sentker: Der Weckruf, 24.07.2019, in: DIE ZEIT Nr. 31/2019, URL: https://www.zeit.de/2019/31/leopoldina-nationale-wissenschaftsakademie-klimaschutz-bundesregierung-energiepolitik (abgerufen am 31.08.2020).
Hinweis
Andreas Sentker (*1964) ist geschäftsführender Redakteur der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.
1
Fassen Sie den vorliegenden Text in eigenen Worten zusammen. (Material)
(30 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 2 · Staatsphilosophie: Gesellschaftsvertrag, Staat und Individuum
Material
Andreas Sentker: Der Weckruf (2019)
Was macht ein wissenschaftliches Gutachten politisch glaubwürdig? Der Umfang der Stellungnahme?
Ihre Dringlichkeit? Die Zahl der Autoren? Der Glanz ihrer Titel? Was sorgt dafür, dass ein Papier
nicht in einer ministeriellen Schublade verschwindet?
Ganz gewiss kein Fall für die Schublade ist jenes Papier 1, das die Leopoldina, die Nationale Akademie
5 der Wissenschaften, am Dienstag zur deutschen Klimapolitik vorgelegt hat. Das Bemerkenswerte an
ihm ist sein Ton: deutlich, kritisch und ermutigend zugleich.
Forscher sind vorsichtige Menschen, Meister der Relativierung. Statt Position zu beziehen, verweisen
sie gern auf die Vorläufigkeit und Unvollständigkeit ihres Wissens – und bleiben im Ungefähren.
Anders die 14 Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Klimapolitik: Unmissverständlich prangern sie das
10 zögerliche Handeln, das Verfehlen der selbst gesteckten Ziele, das Versagen der deutschen Politik an.
Und glasklar formuliert ist ihre Schlussfolgerung: Ein „unmittelbarer Transformationsschub“ müsse
her. Jetzt. Heute. Nicht erst im nächsten Jahr und schon gar nicht in irgendeiner politisch womöglich
opportuneren Zukunft.
Die Wissenschaftler verweisen zu Recht auf einen schärfer werdenden „Generationenkonflikt“ um die
15 Frage künftiger Lebensbedingungen [...]. Sie berechnen mahnend die möglichen Kosten eines
business as usual 2 für Deutschland: Allein für die Nichteinhaltung der europäischen Klimaziele
betragen sie 62 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
Entscheidend aber ist: Statt den drohenden Untergang zu beschwören, werben die Sachverständigen
für den Aufbruch. Und tatsächlich muss wirksame Klimapolitik kein Akt von Verzweiflung und
20 Verzicht sein. Die Politik hat – so schreiben die Forscher – im Gegenteil die einmalige Chance, viele
zu Gewinnern zu machen.
Wer die Gunst des Augenblicks begreifen will, darf nicht nur das Papier der Leopoldina lesen. Erst vor
wenigen Tagen hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung sein ökonomisches Urteil zur deutschen Klimapolitik vorgelegt. Selten zuvor waren
25 Wissenschaft und Ökonomie so bis ins Detail einer Meinung. Die Gutachter der Leopoldina fordern
einen „einheitlichen und sektorübergreifenden 3 Preis für Treibhausgasemissionen“ – bei den
Wirtschaftsweisen heißt der Preis „sektorübergreifend einheitlich“. Und selten stießen ihre
Vorschläge – bei allem populistischen Geraune: Klimasteuer, das wird teuer – auf so rasch wachsende
gesellschaftliche Akzeptanz. Teuer, so Forscher und Ökonomen unisono, wird vor allem das
30 Nichtstun.
Darum belassen es die Forscher auch nicht dabei, nur den Preis für CO 2 als politisches
Steuerungsinstrument einzusetzen. Die Einnahmen, fordern sie, müssen transparent in die
Klimapolitik reinvestiert werden. Als sozialer Ausgleich in Form einer Klima-Dividende. Als Puffer,
um die Kosten des Klimaschutzes (etwa die Strompreise!) abzufedern. Schließlich und zentral aber als
35 Investitions- und Innovationsprogramm.
Und wer zahlt? Vor allem die Wohlhabenden. Sie haben den nachweislich größeren ökologischen
Fußabdruck.
Gewinnen aber können alle: die Politik, wenn sie jetzt die Weichen für den Wandel – in der Sprache
der Nachhaltigkeitsdebatte: die große Transformation – stellt. Damit auch künftige Generationen gut
40 leben können und die Politik sich selbst ihren Gestaltungsspielraum für die Zukunft sichert. Die
Wirtschaft profitiert, weil sie weiter Wertschöpfung betreiben kann, statt beschränkte Ressourcen
weiter zu erschöpfen. Und die nachhaltigeren und besseren Infrastrukturen, etwa für Mobilität und
Energieversorgung, werden allen Menschen nützen.
Auch für die Wissenschaft ist dieser Umbau ein Gewinn. Ihre Ideen werden gefragt sein: für die
45 Energiespeicher der Zukunft wie für intelligent vernetzte Mobilitätssysteme.
Es sind [...] nicht nur Ingenieure oder Materialwissenschaftler, die den Innovationsprozess begleiten
müssen, sondern auch Gesellschaftsforscher, Historiker oder Psychologen. Denn der notwendige
Wandel macht vielen Menschen Angst. Die Politik kann ihn aber nur mit den Bürgern organisieren,
nicht gegen sie.
50 Das fängt beim richtigen Ton an. Es ist höchste Zeit für ein Aufbruchssignal. Jetzt!
1 Pressemitteilung „Klimaziele 2030“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina am Dienstag, den 23.07.2019
2 business as usual (engl.) – alles geht seinen Gang, weitermachen wie bisher
3 sektorübergreifend – jede Ebene betreffend, sei es national, regional, europäisch usw., hier insbesondere Energieerzeugung und -nutzung, Bereiche der Landnutzung, Ernährung, Küstenschutz, Schutz der Artenvielfalt, Widerstandskraft von Öko- und Sozialsystemen usw.
Andreas Sentker: Der Weckruf, 24.07.2019, in: DIE ZEIT Nr. 31/2019, URL: https://www.zeit.de/2019/31/leopoldina-nationale-wissenschaftsakademie-klimaschutz-bundesregierung-energiepolitik (abgerufen am 31.08.2020).
Hinweis
Andreas Sentker (*1964) ist geschäftsführender Redakteur der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.
2
Stellen Sie unter Bezugnahme auf Hobbes, Rawls und Sentker (Material) dar, wie staatliches Handeln hinsichtlich gravierender Umweltprobleme vorgestellt werden könnte.
(45 BE)
Aufgabe Vorschlag C - Aufgabe 3 · Technikphilosophie und Verantwortungsethik (Jonas)
Material
Andreas Sentker: Der Weckruf (2019)
Was macht ein wissenschaftliches Gutachten politisch glaubwürdig? Der Umfang der Stellungnahme?
Ihre Dringlichkeit? Die Zahl der Autoren? Der Glanz ihrer Titel? Was sorgt dafür, dass ein Papier
nicht in einer ministeriellen Schublade verschwindet?
Ganz gewiss kein Fall für die Schublade ist jenes Papier 1, das die Leopoldina, die Nationale Akademie
5 der Wissenschaften, am Dienstag zur deutschen Klimapolitik vorgelegt hat. Das Bemerkenswerte an
ihm ist sein Ton: deutlich, kritisch und ermutigend zugleich.
Forscher sind vorsichtige Menschen, Meister der Relativierung. Statt Position zu beziehen, verweisen
sie gern auf die Vorläufigkeit und Unvollständigkeit ihres Wissens – und bleiben im Ungefähren.
Anders die 14 Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Klimapolitik: Unmissverständlich prangern sie das
10 zögerliche Handeln, das Verfehlen der selbst gesteckten Ziele, das Versagen der deutschen Politik an.
Und glasklar formuliert ist ihre Schlussfolgerung: Ein „unmittelbarer Transformationsschub“ müsse
her. Jetzt. Heute. Nicht erst im nächsten Jahr und schon gar nicht in irgendeiner politisch womöglich
opportuneren Zukunft.
Die Wissenschaftler verweisen zu Recht auf einen schärfer werdenden „Generationenkonflikt“ um die
15 Frage künftiger Lebensbedingungen [...]. Sie berechnen mahnend die möglichen Kosten eines
business as usual 2 für Deutschland: Allein für die Nichteinhaltung der europäischen Klimaziele
betragen sie 62 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
Entscheidend aber ist: Statt den drohenden Untergang zu beschwören, werben die Sachverständigen
für den Aufbruch. Und tatsächlich muss wirksame Klimapolitik kein Akt von Verzweiflung und
20 Verzicht sein. Die Politik hat – so schreiben die Forscher – im Gegenteil die einmalige Chance, viele
zu Gewinnern zu machen.
Wer die Gunst des Augenblicks begreifen will, darf nicht nur das Papier der Leopoldina lesen. Erst vor
wenigen Tagen hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung sein ökonomisches Urteil zur deutschen Klimapolitik vorgelegt. Selten zuvor waren
25 Wissenschaft und Ökonomie so bis ins Detail einer Meinung. Die Gutachter der Leopoldina fordern
einen „einheitlichen und sektorübergreifenden 3 Preis für Treibhausgasemissionen“ – bei den
Wirtschaftsweisen heißt der Preis „sektorübergreifend einheitlich“. Und selten stießen ihre
Vorschläge – bei allem populistischen Geraune: Klimasteuer, das wird teuer – auf so rasch wachsende
gesellschaftliche Akzeptanz. Teuer, so Forscher und Ökonomen unisono, wird vor allem das
30 Nichtstun.
Darum belassen es die Forscher auch nicht dabei, nur den Preis für CO 2 als politisches
Steuerungsinstrument einzusetzen. Die Einnahmen, fordern sie, müssen transparent in die
Klimapolitik reinvestiert werden. Als sozialer Ausgleich in Form einer Klima-Dividende. Als Puffer,
um die Kosten des Klimaschutzes (etwa die Strompreise!) abzufedern. Schließlich und zentral aber als
35 Investitions- und Innovationsprogramm.
Und wer zahlt? Vor allem die Wohlhabenden. Sie haben den nachweislich größeren ökologischen
Fußabdruck.
Gewinnen aber können alle: die Politik, wenn sie jetzt die Weichen für den Wandel – in der Sprache
der Nachhaltigkeitsdebatte: die große Transformation – stellt. Damit auch künftige Generationen gut
40 leben können und die Politik sich selbst ihren Gestaltungsspielraum für die Zukunft sichert. Die
Wirtschaft profitiert, weil sie weiter Wertschöpfung betreiben kann, statt beschränkte Ressourcen
weiter zu erschöpfen. Und die nachhaltigeren und besseren Infrastrukturen, etwa für Mobilität und
Energieversorgung, werden allen Menschen nützen.
Auch für die Wissenschaft ist dieser Umbau ein Gewinn. Ihre Ideen werden gefragt sein: für die
45 Energiespeicher der Zukunft wie für intelligent vernetzte Mobilitätssysteme.
Es sind [...] nicht nur Ingenieure oder Materialwissenschaftler, die den Innovationsprozess begleiten
müssen, sondern auch Gesellschaftsforscher, Historiker oder Psychologen. Denn der notwendige
Wandel macht vielen Menschen Angst. Die Politik kann ihn aber nur mit den Bürgern organisieren,
nicht gegen sie.
50 Das fängt beim richtigen Ton an. Es ist höchste Zeit für ein Aufbruchssignal. Jetzt!
1 Pressemitteilung „Klimaziele 2030“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina am Dienstag, den 23.07.2019
2 business as usual (engl.) – alles geht seinen Gang, weitermachen wie bisher
3 sektorübergreifend – jede Ebene betreffend, sei es national, regional, europäisch usw., hier insbesondere Energieerzeugung und -nutzung, Bereiche der Landnutzung, Ernährung, Küstenschutz, Schutz der Artenvielfalt, Widerstandskraft von Öko- und Sozialsystemen usw.
Andreas Sentker: Der Weckruf, 24.07.2019, in: DIE ZEIT Nr. 31/2019, URL: https://www.zeit.de/2019/31/leopoldina-nationale-wissenschaftsakademie-klimaschutz-bundesregierung-energiepolitik (abgerufen am 31.08.2020).
Hinweis
Andreas Sentker (*1964) ist geschäftsführender Redakteur der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.
3
„Es sind […] nicht nur Ingenieure oder Materialwissenschaftler, die den Innovationsprozess begleiten müssen, sondern auch Gesellschaftsforscher, Historiker oder Psychologen. Denn der notwendige Wandel macht vielen Menschen Angst. Die Politik kann ihn aber nur mit den Bürgern organisieren, nicht gegen sie.“ (Material)
Diskutieren Sie o. g. Zitat Andreas Sentkers mit Blick auf die verantwortungsethische Perspektive von Hans Jonas.
(25 BE)
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 1 · Texterschließung: Text zusammenfassen
Material
Karl R. Popper: Die Konsequenzen des Irrationalismus (1945)
Die rationale und phantasievolle Analyse der Folgen einer ethischen Theorie zeigt eine gewisse
Analogie zu der Methode der Wissenschaft. Denn auch in der Wissenschaft nehmen wir eine abstrakte
Theorie nicht deshalb an, weil sie an und für sich überzeugend ist. Wir entschließen uns vielmehr, sie
anzunehmen oder abzulehnen, nachdem wir jene konkreten und praktischen Folgen untersucht haben,
5 die durch ein Experiment direkt geprüft werden können. Aber es besteht ein grundlegender
Unterschied. Im Fall einer wissenschaftlichen Theorie hängt unsere Entscheidung von den
Ergebnissen der Experimente ab. Wenn diese Experimente die Theorie bestätigen, so nehmen wir sie
an, bis wir eine bessere gefunden haben. Wenn die Experimente der Theorie widersprechen, dann
verwerfen wir sie. Aber im Fall einer ethischen Theorie können wir ihre Folgen nur mit unserem
10 Gewissen konfrontieren. Und während die Entscheidung der Experimente nicht von uns abhängt,
hängt die Entscheidung des Gewissens von uns selbst ab.
Ich hoffe, ich habe verständlich gemacht, in welchem Sinn eine Analyse von Konsequenzen unsere
Entscheidung zu beeinflussen vermag, ohne sie zu bestimmen. Und wenn ich nun die Konsequenzen
der beiden Alternativen darlege, zwischen denen wir uns entscheiden müssen, die Konsequenzen des
15 Rationalismus und des Irrationalismus, so muß ich den Leser warnen, daß ich parteiisch sein werde.
Bei der Darlegung der beiden Alternativen der moralischen Entscheidung, die vor uns liegt – sie ist in
vieler Hinsicht die grundlegendste Entscheidung auf ethischem Gebiet –, habe ich bisher versucht,
jede Parteinahme zu vermeiden, wenn ich meine Sympathien auch nicht verborgen habe. Aber jetzt
gehe ich daran, solche Überlegungen der Konsequenzen der beiden Alternativen darzustellen, die mir
20 am wichtigsten zu sein scheinen und die mich selbst bewogen haben, den Irrationalismus zu verwerfen
und den Glauben an die Vernunft anzunehmen.
Untersuchen wir zuerst die Konsequenzen des Irrationalismus. Der Irrationalist behauptet, daß
Gefühle und Leidenschaften, aber nicht die Vernunft, die wichtigsten Triebkräfte der menschlichen
Handlungen sind. Der Antwort des Rationalisten, daß wir dennoch mit aller Kraft versuchen sollten,
25 diese Situation zu verbessern, und daß wir versuchen sollten, dem Verstand eine möglichst große
Rolle zuzuteilen, wird der Irrationalist (wenn er sich zu einer Diskussion herabläßt) entgegenhalten,
daß eine solche Einstellung hoffnungslos unrealistisch ist. Denn sie berücksichtigt nicht die
Schwachheit der „menschlichen Natur“, die schwache intellektuelle Ausrüstung der meisten
Menschen und die Tatsache, daß die meisten Menschen ganz offenkundig von Gefühlen und
30 Leidenschaften abhängen.
Es ist meine feste Überzeugung, daß dieses irrationale Hervorheben von Gefühlen und Leidenschaften
schließlich zu etwas führen muß, das man nur als ein Verbrechen bezeichnen kann. Diese
Überzeugung läßt sich begründen durch den Hinweis, daß eine solche Einstellung (die bestenfalls
bedeutet, daß man angesichts der irrationalen Natur menschlicher Wesen resigniert, im schlechtesten
35 Fall aber, daß man die menschliche Vernunft verachtet) zu einem Appell an Gewalt und an gemeine
Kraftanwendung als den letzten Richter in jeder Auseinandersetzung führen muß. Denn die Tatsache,
daß ein Disput entstanden ist, bedeutet, daß positive Gefühle und Leidenschaften, wie die Verehrung,
die Liebe, die Ergebenheit einer gemeinsamen Sache gegenüber, die im Prinzip zu seiner
Überwindung beitragen könnten, sich unfähig gezeigt haben, das Problem zu lösen. Aber wenn das der
40 Fall ist – was bleibt da dem Irrationalisten anderes übrig, als an andere und weniger konstruktive
Gefühle und Leidenschaften zu appellieren; an die Furcht, den Haß, den Neid und schließlich an die
Gewalt? Diese Tendenz wird durch eine andere und vielleicht noch wichtigere Einstellung verstärkt,
die gleichfalls mit dem Irrationalismus verbunden ist, nämlich durch den Nachdruck, den er auf die
Ungleichheit der Menschen legt. […]
45 […] [I]ch lege Wert auf die Feststellung, daß die irrationale Einstellung es kaum vermeiden kann, in
eine Haltung verstrickt zu werden, die der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen
zuwiderläuft. Dies hängt damit zusammen, daß sie den Gefühlen und Leidenschaften eine so große
Rolle zuschreibt; denn wir können nicht jedem Menschen gegenüber dieselben Gefühle empfinden.
[…]
50 Es ist diese Einstellung – die Ablehnung der Idee der Gleichberechtigung im politischen Leben, das
heißt im Gebiet jener Probleme, die die Gewalt von Menschen über andere Menschen betreffen –, die
ich verbrecherisch nenne. Denn eine solche Einstellung liefert eine Rechtfertigung für die Haltung,
daß Menschen verschiedener Kategorie verschiedene Rechte besitzen; daß der Herr das Recht hat, den
Sklaven in Ketten zu legen; daß einige Menschen das Recht haben, andere als ihr Werkzeug zu
55 verwenden. […]
Ich übersehe nicht, daß es Irrationalisten gibt, die die Menschheit lieben, und daß der Irrationalismus
nicht in allen seinen Formen eine verbrecherische Einstellung erzeugt. Aber ich behaupte, daß die
Lehre, daß nicht die Vernunft, sondern die Liebe herrschen solle, denen Tür und Tor öffnet, die durch
Haß regieren.
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2: Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen. Tübingen, 8. Aufl. 2003 (Originalausgabe London 1945), S. 273ff.
Aufgaben
1
Geben Sie den vorliegenden Text in eigenen Worten wieder. (Material) (30 BE)
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 2 · Erkenntnis und Wissenschaft: Wahrheit und Wissenschaftstheorie
Material
Karl R. Popper: Die Konsequenzen des Irrationalismus (1945)
Die rationale und phantasievolle Analyse der Folgen einer ethischen Theorie zeigt eine gewisse
Analogie zu der Methode der Wissenschaft. Denn auch in der Wissenschaft nehmen wir eine abstrakte
Theorie nicht deshalb an, weil sie an und für sich überzeugend ist. Wir entschließen uns vielmehr, sie
anzunehmen oder abzulehnen, nachdem wir jene konkreten und praktischen Folgen untersucht haben,
5 die durch ein Experiment direkt geprüft werden können. Aber es besteht ein grundlegender
Unterschied. Im Fall einer wissenschaftlichen Theorie hängt unsere Entscheidung von den
Ergebnissen der Experimente ab. Wenn diese Experimente die Theorie bestätigen, so nehmen wir sie
an, bis wir eine bessere gefunden haben. Wenn die Experimente der Theorie widersprechen, dann
verwerfen wir sie. Aber im Fall einer ethischen Theorie können wir ihre Folgen nur mit unserem
10 Gewissen konfrontieren. Und während die Entscheidung der Experimente nicht von uns abhängt,
hängt die Entscheidung des Gewissens von uns selbst ab.
Ich hoffe, ich habe verständlich gemacht, in welchem Sinn eine Analyse von Konsequenzen unsere
Entscheidung zu beeinflussen vermag, ohne sie zu bestimmen. Und wenn ich nun die Konsequenzen
der beiden Alternativen darlege, zwischen denen wir uns entscheiden müssen, die Konsequenzen des
15 Rationalismus und des Irrationalismus, so muß ich den Leser warnen, daß ich parteiisch sein werde.
Bei der Darlegung der beiden Alternativen der moralischen Entscheidung, die vor uns liegt – sie ist in
vieler Hinsicht die grundlegendste Entscheidung auf ethischem Gebiet –, habe ich bisher versucht,
jede Parteinahme zu vermeiden, wenn ich meine Sympathien auch nicht verborgen habe. Aber jetzt
gehe ich daran, solche Überlegungen der Konsequenzen der beiden Alternativen darzustellen, die mir
20 am wichtigsten zu sein scheinen und die mich selbst bewogen haben, den Irrationalismus zu verwerfen
und den Glauben an die Vernunft anzunehmen.
Untersuchen wir zuerst die Konsequenzen des Irrationalismus. Der Irrationalist behauptet, daß
Gefühle und Leidenschaften, aber nicht die Vernunft, die wichtigsten Triebkräfte der menschlichen
Handlungen sind. Der Antwort des Rationalisten, daß wir dennoch mit aller Kraft versuchen sollten,
25 diese Situation zu verbessern, und daß wir versuchen sollten, dem Verstand eine möglichst große
Rolle zuzuteilen, wird der Irrationalist (wenn er sich zu einer Diskussion herabläßt) entgegenhalten,
daß eine solche Einstellung hoffnungslos unrealistisch ist. Denn sie berücksichtigt nicht die
Schwachheit der „menschlichen Natur“, die schwache intellektuelle Ausrüstung der meisten
Menschen und die Tatsache, daß die meisten Menschen ganz offenkundig von Gefühlen und
30 Leidenschaften abhängen.
Es ist meine feste Überzeugung, daß dieses irrationale Hervorheben von Gefühlen und Leidenschaften
schließlich zu etwas führen muß, das man nur als ein Verbrechen bezeichnen kann. Diese
Überzeugung läßt sich begründen durch den Hinweis, daß eine solche Einstellung (die bestenfalls
bedeutet, daß man angesichts der irrationalen Natur menschlicher Wesen resigniert, im schlechtesten
35 Fall aber, daß man die menschliche Vernunft verachtet) zu einem Appell an Gewalt und an gemeine
Kraftanwendung als den letzten Richter in jeder Auseinandersetzung führen muß. Denn die Tatsache,
daß ein Disput entstanden ist, bedeutet, daß positive Gefühle und Leidenschaften, wie die Verehrung,
die Liebe, die Ergebenheit einer gemeinsamen Sache gegenüber, die im Prinzip zu seiner
Überwindung beitragen könnten, sich unfähig gezeigt haben, das Problem zu lösen. Aber wenn das der
40 Fall ist – was bleibt da dem Irrationalisten anderes übrig, als an andere und weniger konstruktive
Gefühle und Leidenschaften zu appellieren; an die Furcht, den Haß, den Neid und schließlich an die
Gewalt? Diese Tendenz wird durch eine andere und vielleicht noch wichtigere Einstellung verstärkt,
die gleichfalls mit dem Irrationalismus verbunden ist, nämlich durch den Nachdruck, den er auf die
Ungleichheit der Menschen legt. […]
45 […] [I]ch lege Wert auf die Feststellung, daß die irrationale Einstellung es kaum vermeiden kann, in
eine Haltung verstrickt zu werden, die der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen
zuwiderläuft. Dies hängt damit zusammen, daß sie den Gefühlen und Leidenschaften eine so große
Rolle zuschreibt; denn wir können nicht jedem Menschen gegenüber dieselben Gefühle empfinden.
[…]
50 Es ist diese Einstellung – die Ablehnung der Idee der Gleichberechtigung im politischen Leben, das
heißt im Gebiet jener Probleme, die die Gewalt von Menschen über andere Menschen betreffen –, die
ich verbrecherisch nenne. Denn eine solche Einstellung liefert eine Rechtfertigung für die Haltung,
daß Menschen verschiedener Kategorie verschiedene Rechte besitzen; daß der Herr das Recht hat, den
Sklaven in Ketten zu legen; daß einige Menschen das Recht haben, andere als ihr Werkzeug zu
55 verwenden. […]
Ich übersehe nicht, daß es Irrationalisten gibt, die die Menschheit lieben, und daß der Irrationalismus
nicht in allen seinen Formen eine verbrecherische Einstellung erzeugt. Aber ich behaupte, daß die
Lehre, daß nicht die Vernunft, sondern die Liebe herrschen solle, denen Tür und Tor öffnet, die durch
Haß regieren.
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2: Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen. Tübingen, 8. Aufl. 2003 (Originalausgabe London 1945), S. 273ff.
Aufgaben
2
Erläutern Sie ausgehend von Poppers Vorstellungen Descartes' Rationalismus. (40 BE)
Aufgabe Vorschlag D - Aufgabe 3 · Die Frage nach dem Ich: Freud, La Mettrie und das Bewusstsein
Material
Karl R. Popper: Die Konsequenzen des Irrationalismus (1945)
Die rationale und phantasievolle Analyse der Folgen einer ethischen Theorie zeigt eine gewisse
Analogie zu der Methode der Wissenschaft. Denn auch in der Wissenschaft nehmen wir eine abstrakte
Theorie nicht deshalb an, weil sie an und für sich überzeugend ist. Wir entschließen uns vielmehr, sie
anzunehmen oder abzulehnen, nachdem wir jene konkreten und praktischen Folgen untersucht haben,
5 die durch ein Experiment direkt geprüft werden können. Aber es besteht ein grundlegender
Unterschied. Im Fall einer wissenschaftlichen Theorie hängt unsere Entscheidung von den
Ergebnissen der Experimente ab. Wenn diese Experimente die Theorie bestätigen, so nehmen wir sie
an, bis wir eine bessere gefunden haben. Wenn die Experimente der Theorie widersprechen, dann
verwerfen wir sie. Aber im Fall einer ethischen Theorie können wir ihre Folgen nur mit unserem
10 Gewissen konfrontieren. Und während die Entscheidung der Experimente nicht von uns abhängt,
hängt die Entscheidung des Gewissens von uns selbst ab.
Ich hoffe, ich habe verständlich gemacht, in welchem Sinn eine Analyse von Konsequenzen unsere
Entscheidung zu beeinflussen vermag, ohne sie zu bestimmen. Und wenn ich nun die Konsequenzen
der beiden Alternativen darlege, zwischen denen wir uns entscheiden müssen, die Konsequenzen des
15 Rationalismus und des Irrationalismus, so muß ich den Leser warnen, daß ich parteiisch sein werde.
Bei der Darlegung der beiden Alternativen der moralischen Entscheidung, die vor uns liegt – sie ist in
vieler Hinsicht die grundlegendste Entscheidung auf ethischem Gebiet –, habe ich bisher versucht,
jede Parteinahme zu vermeiden, wenn ich meine Sympathien auch nicht verborgen habe. Aber jetzt
gehe ich daran, solche Überlegungen der Konsequenzen der beiden Alternativen darzustellen, die mir
20 am wichtigsten zu sein scheinen und die mich selbst bewogen haben, den Irrationalismus zu verwerfen
und den Glauben an die Vernunft anzunehmen.
Untersuchen wir zuerst die Konsequenzen des Irrationalismus. Der Irrationalist behauptet, daß
Gefühle und Leidenschaften, aber nicht die Vernunft, die wichtigsten Triebkräfte der menschlichen
Handlungen sind. Der Antwort des Rationalisten, daß wir dennoch mit aller Kraft versuchen sollten,
25 diese Situation zu verbessern, und daß wir versuchen sollten, dem Verstand eine möglichst große
Rolle zuzuteilen, wird der Irrationalist (wenn er sich zu einer Diskussion herabläßt) entgegenhalten,
daß eine solche Einstellung hoffnungslos unrealistisch ist. Denn sie berücksichtigt nicht die
Schwachheit der „menschlichen Natur“, die schwache intellektuelle Ausrüstung der meisten
Menschen und die Tatsache, daß die meisten Menschen ganz offenkundig von Gefühlen und
30 Leidenschaften abhängen.
Es ist meine feste Überzeugung, daß dieses irrationale Hervorheben von Gefühlen und Leidenschaften
schließlich zu etwas führen muß, das man nur als ein Verbrechen bezeichnen kann. Diese
Überzeugung läßt sich begründen durch den Hinweis, daß eine solche Einstellung (die bestenfalls
bedeutet, daß man angesichts der irrationalen Natur menschlicher Wesen resigniert, im schlechtesten
35 Fall aber, daß man die menschliche Vernunft verachtet) zu einem Appell an Gewalt und an gemeine
Kraftanwendung als den letzten Richter in jeder Auseinandersetzung führen muß. Denn die Tatsache,
daß ein Disput entstanden ist, bedeutet, daß positive Gefühle und Leidenschaften, wie die Verehrung,
die Liebe, die Ergebenheit einer gemeinsamen Sache gegenüber, die im Prinzip zu seiner
Überwindung beitragen könnten, sich unfähig gezeigt haben, das Problem zu lösen. Aber wenn das der
40 Fall ist – was bleibt da dem Irrationalisten anderes übrig, als an andere und weniger konstruktive
Gefühle und Leidenschaften zu appellieren; an die Furcht, den Haß, den Neid und schließlich an die
Gewalt? Diese Tendenz wird durch eine andere und vielleicht noch wichtigere Einstellung verstärkt,
die gleichfalls mit dem Irrationalismus verbunden ist, nämlich durch den Nachdruck, den er auf die
Ungleichheit der Menschen legt. […]
45 […] [I]ch lege Wert auf die Feststellung, daß die irrationale Einstellung es kaum vermeiden kann, in
eine Haltung verstrickt zu werden, die der Anerkennung der Gleichberechtigung aller Menschen
zuwiderläuft. Dies hängt damit zusammen, daß sie den Gefühlen und Leidenschaften eine so große
Rolle zuschreibt; denn wir können nicht jedem Menschen gegenüber dieselben Gefühle empfinden.
[…]
50 Es ist diese Einstellung – die Ablehnung der Idee der Gleichberechtigung im politischen Leben, das
heißt im Gebiet jener Probleme, die die Gewalt von Menschen über andere Menschen betreffen –, die
ich verbrecherisch nenne. Denn eine solche Einstellung liefert eine Rechtfertigung für die Haltung,
daß Menschen verschiedener Kategorie verschiedene Rechte besitzen; daß der Herr das Recht hat, den
Sklaven in Ketten zu legen; daß einige Menschen das Recht haben, andere als ihr Werkzeug zu
55 verwenden. […]
Ich übersehe nicht, daß es Irrationalisten gibt, die die Menschheit lieben, und daß der Irrationalismus
nicht in allen seinen Formen eine verbrecherische Einstellung erzeugt. Aber ich behaupte, daß die
Lehre, daß nicht die Vernunft, sondern die Liebe herrschen solle, denen Tür und Tor öffnet, die durch
Haß regieren.
Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 2: Falsche Propheten: Hegel, Marx und die Folgen. Tübingen, 8. Aufl. 2003 (Originalausgabe London 1945), S. 273ff.
Aufgaben
3
„[I]ch behaupte, daß die Lehre, daß nicht die Vernunft, sondern die Liebe herrschen solle, denen Tür und Tor öffnet, die durch Haß regieren.“ (Material)
Diskutieren Sie Poppers Aussage vor dem Hintergrund des Ihnen aus dem Unterricht bekannten Problems des Bewusstseins. Berücksichtigen Sie dabei auch die Position Freuds. (30 BE)
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