Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 (2.2 - 2.5) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Thema: Mutationen, DNA-Reparatur und Erbkrankheiten · Aus der Prüfung LK (2022)

Aufgabenstellung

Bei Xeroderma pigmentosum (XP) handelt es sich um eine seltene genetisch bedingte Hautkrankheit, bei der die betroffenen Personen sehr empfindlich auf UV-Strahlung reagieren. Sie meiden das Sonnenlicht und verlegen ihre Aktivität meist in die Nacht, weswegen sie umgangssprachlich auch „Mondscheinkinder“ genannt werden. Kennzeichnend für diese Erkrankung ist die Entstehung von bösartigen Hauttumoren, die häufig bereits im Kindesalter zum Tod führen.

Material 4: Molekulare Ursachen von Xeroderma pigmentosum (XP)

https://www.klett.de/inhalt/sixcms/media.php/341/Arbeitsblaetter-Mgenetik.pdf (abgerufen am 19.02.21).

https://www.klett.de/inhalt/sixcms/media.php/341/Arbeitsblaetter-Mgenetik.pdf (abgerufen am 19.02.21).

Hinweis: Bei Thymin-Dimeren handelt es sich um zwei benachbarte Thyminbasen des gleichen DNA-Strangs, welche kovalent miteinander verbunden sind.

Material 5: Mechanismus der Nukleotid-Exzisionsreparatur

Otto Nehren, Achem 2018, Natura Oberstufe Biologie für Gymnasien, Lehrerband Teil A, S. 291.

Hinweis: XPA/XPC: Proteine für die Erkennung und Reparatur von DNA Schäden, TFIIH: Allgemeiner Transkriptions- und DNA-Reparatur Komplex, RPA: Einzelstrangbindeprotein, XPB/XPD: Helikase Untereinheiten des TFIIH-Komplexes, XPG/XPF: DNA Exzisionsreparatur-Proteine (Endonukleasen), Pol und Lig sind Abkürzungen zweier bestimmter Enzyme.

Material 6: Mutationen im Gen des XPA-Proteins

Die XP-Krankheit kann durch verschiedene Mutationen verursacht werden. So können z. B. diverse Mutationen im XPA-Gen gleichermaßen für das Auftreten eines anormalen Proteins XPA bei Patienten verantwortlich sein, das zur Mondscheinkrankheit führt. Das Protein XPA ist normalerweise aus sechs Exons aufgebaut und hat eine Länge von insgesamt 274 Aminosäuren.

Abbildung 6.1 Darstellung der mRNA bei verschiedenen Mutationen des XPA-Gens

Fall 1

gesund · Codon-Nr. 108 UGU

XP-Patient · Codon-Nr. 108 UUU

Fall 2

gesund · Codon-Nr. 116 UAU

XP-Patient · Codon-Nr. 116 UAA

Fall 3 — Basensequenzen von Exon 6 ab Codon-Nr. 261

gesund · ACU UGU ACU AUG UGU GGC CAU GAA CUG ACA UAU GAA AAA AUG UGA

XP-Patient · AUU CUU UUG UAC UAU GUG UGG CCA UGA ACU GAC AUA UGA AAA AAU...

geändert nach: Natura Oberstufe Biologie für Gymnasien, Lehrerband Teil A, Stuttgart 2018, S. 292.

geändert nach: https://www.abiweb.de/assets/courses/media/screen-shot-2013-01-13-at-09.11.38-print.png (abgerufen am 28.03.2021).

2.2

Zeigen Sie anhand von Material 4 das Zustandekommen der Krankheit Xeroderma pigmentosum (XP) auf.

[10 BE]

2.3

Erklären Sie den Mechanismus der Nukleotid-Exzisionsreparatur (Material 5).

[12 BE]

2.4

Die XP-Krankheit kann durch verschiedene Mutationen verursacht werden. So können z. B. diverse Mutationen im XPA-Gen (xeroderma pigmentosum complementation group A) für das Auftreten eines anormalen XPA-Proteins verantwortlich sein.

Ermitteln Sie die Mutationen und die jeweiligen Aminosäuresequenzen für die Fälle 1-3 (Material 6) und leiten Sie die zu erwartenden Auswirkungen auf Proteinebene ab.

[12 BE]

2.5

Die XP-Krankheit kann, abhängig von der Mutation, schwere oder milde Verläufe annehmen. So zeigen XP-Patienten mit Mutationen der Fälle 1 und 2 einen schweren Krankheitsverlauf, während Patienten mit Mutationen des Falls 3 eine milde Form von XP zeigen.

Erklären Sie diesen Sachverhalt.

[4 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe Vorschlag B - Aufgabe 2 (2.2 - 2.5) · Abitur Hessen Biologietechnik LK 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2.2 Zeigen Sie anhand von Material 4 das Zustandekommen der Krankheit Xeroderma pigmentosum (XP) auf.

Lösung: Durch UV-Strahlung im Sonnenlicht bilden sich in der DNA von Hautzellen Thymin-Dimere, die die DNA-Polymerase stören und zu Fehlpaarungen führen. In Abb. 4.1 sterben Zellen von XP-Patienten bereits bei geringer Dosis (0−1 J/m20-1\text{ J/m}^2) ab; bei 2 J/m22\text{ J/m}^2 überleben nur noch 3 %3\,\%, während gesunde Zellen eine Überlebensrate von fast 100 %100\,\% zeigen (die 3 %3\,\%-Marke wird erst bei ca. 20 J/m220\text{ J/m}^2 erreicht). In Abb. 4.2 sinkt der Anteil verbleibender Thymin-Dimere bei Gesunden nach 15 h auf ca. 15 %15\,\%, bei XP-Patienten bleibt er bei ca. 80 %80\,\%. XP-Patienten können Thymin-Dimere also nicht oder nur sehr langsam reparieren, was zur Anhäufung von Mutationen und Tumorentstehung führt.

2.3 Erklären Sie den Mechanismus der Nukleotid-Exzisionsreparatur (Material 5).

Lösung: Schritt a: XPC erkennt das Thymin-Dimer und bindet daran. Schritt b: TFIIH-Komplex (mit Helikasen XPB und XPD) bindet an XPC. Schritt c: XPA bindet in 5'-Richtung von XPC; DNA öffnet sich blasenartig; RPA bindet an den komplementären Einzelstrang. Schritt d: Endonukleasen XPG und XPF schneiden den beschädigten Einzelstrang an definierten Stellen; XPC verlässt den Komplex. Schritt e: Der beschädigte Strangbereich wird zusammen mit TFIIH, XPG/XPF und XPA entfernt; RPA stabilisiert die Lücke. Schritt f: RPA löst sich; DNA-Polymerase synthetisiert den fehlenden Strangbereich komplementär neu. Schritt g: DNA-Ligase schließt die verbleibende Phosphodiester-Lücke.

2.4 Ermitteln Sie die Mutationen und die jeweiligen Aminosäuresequenzen für die Fälle 1-3 (Material 6) und leiten Sie die zu erwartenden Auswirkungen auf Proteinebene ab.

Lösung: Fall 1: Punktmutation (C zu A in DNA bzw. G zu U in mRNA an Codon 108). UGU (Cys) wird zu UUU (Phe). Da Cys inmitten des Proteins (Pos. 108 von 274) liegt, können fehlende Disulfid- oder Wasserstoffbrücken die Tertiärstruktur und Funktion beeinträchtigen. Fall 2: Punktmutation (A zu T in DNA bzw. U zu A in mRNA an Codon 116). UAU (Tyr) wird zu UAA (Stopp-Codon). Nonsense-Mutation führt zum Abbruch nach 115 AS; die restlichen 158 AS fehlen, das Protein ist funktionslos oder stark eingeschränkt. Fall 3: Insertion von zwei AA im DNA-Bereich 261/262 führt zu vier zusätzlichen U (UUUU) in der mRNA und Rasterverschiebung. - Sequenz gesund: Thr-Cys-Thr-Met-Cys-Gly-His-Glu-Leu-Thr-Tyr-Glu-Lys-Met-Stopp - Sequenz XP-Patient: Ile-Leu-Leu-Tyr-Tyr-Val-Trp-Pro-Stopp Die letzten 14 Aminosäuren sind verändert und das Protein ist um 6 Aminosäuren verkürzt. Da die ersten 260 Aminosäuren intakt sind, bleibt das Protein wahrscheinlich partiell funktionstüchtig.

2.5 Erklären Sie diesen Sachverhalt (schwere Verläufe in Fällen 1 und 2 vs. milder Verlauf in Fall 3).

Lösung: In den Fällen 1 und 2 ist die Tertiärstruktur bzw. die Integrität des XPA-Proteins so gravierend zerstört (Aminosäureaustausch in der Bindungsdomäne bei Fall 1 bzw. Fehlen von mehr als der Hälfte des Proteins bei Fall 2), dass keine Bindung an DNA oder TFIIH mehr erfolgen kann und die Reparatur komplett ausfällt (schwerer Verlauf). In Fall 3 sind lediglich die C-terminalen 14 Aminosäuren verändert/verkürzt, die offenbar außerhalb der essenziellen Bindungsdomänen liegen. Die Hauptstruktur bleibt intakt, sodass eine Restaktivität für die DNA-Reparatur erhalten bleibt (milder Verlauf).

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