Aufgabe 3 · Abitur NRW Physik LK · Röntgenstrahlen in der Medizin 2026

Thema: Photonen und Photoeffekt · Aus der Prüfung LK · Röntgenstrahlen in der Medizin (2026)

Aufgabenstellung

2 Material

Material 1: Aufbau einer Röntgenröhre

Eine Röntgenröhre ist das zentrale Bauteil eines Röntgengeräts. In einer Röntgenröhre werden Elektronen freigesetzt und aufgrund der angelegten Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} zu einem Metallkörper (Röntgenanode) hin beschleunigt. Die von der Röntgenanode emittierten Röntgenphotonen gelangen nur durch den Filter aus der Röntgenröhre.

Material 2: Messdaten zur Grenzwellenlänge

Die Elektronen werden in einer Röntgenröhre durch Anlegen einer Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} zur Röntgenanode hin beschleunigt (siehe auch Material 1). In einem Experiment wurde diese Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} variiert und die Grenzwellenlänge λGrenz\lambda_\text{Grenz} der emittierten Röntgenphotonen jeweils gemessen (Tab. 1).

Tab. 1: Messdaten

Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} in kV · 20,0 · 40,0 · 60,0 · 80,0 · 100

Grenzwellenlänge λGrenz\lambda_\text{Grenz} in pm · 63,9 · 32,0 · 21,0 · 16,2 · 13,2

Material 3: Röntgenspektrum und Datenblatt

Tab. 2: technische Daten einer Röntgenröhre (Auszug)

Beschleunigungsspannung UBU_\text{B} · max. 100 kV

Anodenmaterial · Wolfram

Kühlleistung Anode · max. 110 W

Filter · 0,5 mm Aluminium

Masse · 120 g

Material 4: Absorption von Röntgenstrahlung

Je mehr Röntgenstrahlung von einem Körperbereich absorbiert wird, desto dunkler ist das Röntgenbild (Abbildung 3). Für ein aussagekräftiges Röntgenbild müssen sich insbesondere Knochen und Gewebe hinreichend gut unterscheiden lassen. Wie in Abbildung 4 dargestellt, hängt die Absorption maßgeblich von der Energie der Röntgenphotonen ab. Bei der Röntgendiagnostik gilt aber auch: Je mehr Energie vom menschlichen Körper absorbiert wird, desto größer ist die Strahlenbelastung. Dies ist zumindest für Photonen mit Wellenlängen deutlich kleiner als 380 nm der Fall, da diese die DNA schädigen können.

Material 5: Filterung von Röntgenstrahlung

Durch das Anbringen eines Filters aus Aluminium an der Röntgenröhre (siehe auch Material 1) kann das Röntgenspektrum beeinflusst werden (Abb. 5).

Material 6: Wie gefährlich sind Röntgenstrahlen?

Der folgende Text enthält unter anderem zitierte Aussagen von Dr. Ellen Foert, Fachärztin für Radiologie, Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie Mitte, DRK Kliniken Berlin.

Die Röntgendiagnostik ist eine Technik, die statistisch pro Patient mehr als einmal pro Jahr zum Einsatz kommt. „Durch die häufige Anwendung von Röntgenstrahlen in der zivilisierten Welt steigt statistisch auch das Krebsrisiko“, sagt Dr. Foert. Wer wegen einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls zahlreiche Durchleuchtungen braucht, hat wahrscheinlich ein etwas erhöhtes Risiko, Jahrzehnte später an Krebs zu erkranken, sagt die Expertin. Denn: Die Strahlen können die Erbinformation (DNA) von Zellen schädigen. Dass durch gewöhnliche Röntgendiagnostik Krebserkrankungen hervorgerufen würden, sei wegen der sehr niedrigen Strahlenbelastung allerdings extrem unwahrscheinlich.

Durch den technischen Fortschritt konnte die Strahlenbelastung beim Röntgen immer weiter reduziert werden. Die Aufnahme eines Röntgenbilds einer Hand führt heute nur noch zu einer Strahlenbelastung von 0,05 Millisievert. Zum Vergleich gibt das Bundesamt für Strahlenschutz an: Ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück führt zu einer durchschnittlichen Strahlenbelastung von ca. 100 Mikrosievert. Und was mit einem Röntgengerät von 1896 anderthalb Stunden dauerte, ist mittlerweile in Bruchteilen einer Sekunde erledigt. Die Anfertigung eines Röntgenbilds erfolgt somit heute erheblich schneller als z. B. das Abtasten einer verletzten Stelle, und das Röntgen an sich ist darüber hinaus auch noch völlig schmerzfrei.

„Dennoch sei es wichtig, jede Untersuchung abzuwägen“, so Foert. Sie ergänzt aber noch: „Röntgenstrahlen ermöglichen bis heute Erkennung, Behandlungsplanung, minimalinvasive Therapie und Verlaufskontrolle einer Großzahl von Erkrankungen mit einer Präzision, die andere Verfahren nicht bieten.“

Beachten Sie für die Bearbeitung der Aufgabe:

Sievert ist die Einheit einer physikalischen Größe, die ein Maß für die Strahlenbelastung der Röntgenstrahlung auf einen Körper ist.

Heutzutage erfolgt eine Filterung der Röntgenstrahlung.

3 Eine Schülerin hat Schmerzen in der Hand. Ursache für die Schmerzen könnte ein gebrochener Handknochen sein. Es steht daher im Raum, ob ein Röntgenbild aufgenommen werden soll.

Diskutieren Sie mithilfe von vier Argumenten aus Material 6 den Einsatz der Röntgendiagnostik bei einem vermutlich gebrochenen Handknochen.

Aufgabenstellung: Aufgabe 3 · Abitur NRW Physik LK · Röntgenstrahlen in der Medizin 2026

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Diskutieren Sie mithilfe von vier Argumenten aus Material 6 den Einsatz der Röntgendiagnostik bei einem vermutlich gebrochenen Handknochen.

Lösung: Mögliche Bewertung anhand von vier Argumenten: Die Aufnahme eines Röntgenbilds ist bei einer vermutlich gebrochenen Hand zu befürworten. Röntgenstrahlung kann zwar prinzipiell die DNA schädigen, aber die Strahlenbelastung durch Röntgenstrahlung ist nur in etwa so stark wie bei einem Flug nach New York und zurück (bzw. nur ca. die Hälfte). Ferner kann die Strahlenbelastung bei heutigen Röntgenaufnahmen durch den Einsatz von Filtern, etwa aus Aluminium, effektiv reduziert werden. Darüber hinaus ist die Untersuchung etwa im Gegensatz zum Abtasten von Hand schmerzfrei. Vor allem erlaubt die Untersuchung eine Diagnose mit einer Präzision, die andere Diagnoseverfahren nicht bieten können.

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