Aufgabe 1 · Abitur NRW Musik LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021
Thema: Programmmusik und absolute Musik · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)
Aufgabenstellung
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) schrieb zwischen 1832 und 1845 kurze Klavierstücke unter der Gattungsbezeichnung „Lieder ohne Worte". Lediglich einige dieser Werke versah Mendelssohn mit zusätzlichen Titeln. Das vorliegende Stück hat er selbst Venetianisches Gondellied genannt. Auf den Vorschlag, einigen der Lieder ohne Worte Titel zu geben, reagiert Mendelssohn in einem Brief vom 15. Oktober 1842 wie folgt:
1 „Die Leute beklagen sich gewöhnlich, die Musik sei so vieldeutig; es sei so zweifelhaft, was sie sich dabei zu denken hätten, und die Worte verstände doch ein Jeder. Mir geht es aber gerade umgekehrt. Und nicht blos mit ganzen Reden, auch mit einzelnen Worten, auch die scheinen mir so vieldeutig, so unbestimmt, so 5 mißverständlich im Vergleich zu einer rechten Musik, die Einem die Seele erfüllt mit tausend besseren Dingen als Worten. Das, was mir eine Musik ausspricht, die ich liebe, sind mir nicht zu unbestimmte Gedanken, um sie in Worte zu fassen, sondern zu bestimmte. Und habe ich bei dem einen oder anderen [Lied ohne Worte] bestimmte Worte im Sinne gehabt, so mag ich die doch keinem Menschen [gegenüber] aussprechen, weil 10 das Wort dem Einen nicht heißt, was es dem Andern heißt, weil nur das Lied dem Einen dasselbe sagen, dasselbe Gefühl in ihm erwecken kann, wie im Andern, – ein Gefühl, das sich aber nicht durch dieselben Worte ausspricht."
Zur Untersuchung steht Ihnen das Lied ohne Worte op. 62 Nr. 5, Venetianisches Gondellied, zur Verfügung.
Legende zu den im Notentext verwendeten Bezeichnungen und Zeichen:
sempre (ital.): immer
tranquillo (ital.): ruhig
1.
Beschreiben Sie Ihren Wahrnehmungseindruck, den die vorliegende Komposition Venetianisches Gondellied op. 62 Nr. 5 bei Ihnen auslöst. Geben Sie die Aussagen Mendelssohn Bartholdys wieder. (20 Punkte)
Teilaufgabe 2 (nicht Teil dieser Aufgabe)
Vergleicha tu respuesta con la solución oficial mostrada abajo.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1. Beschreiben Sie Ihren Wahrnehmungseindruck, den die vorliegende Komposition Venetianisches Gondellied op. 62 Nr. 5 bei Ihnen auslöst. Geben Sie die Aussagen Mendelssohn Bartholdys wieder. (20 Punkte)
Lösung: Wahrnehmungseindruck (z. B.): zu Beginn melancholischer Ausdruck, Moll; fließend, wiegend; ruhiger, gleichmäßiger Rhythmus; in der zweiten Hälfte des Stücks raschere rhythmische Bewegung in kürzeren Notenwerten der Begleitung; zwei gesangliche Melodien erkennbar, die häufiger wiederholt werden; überwiegend leise, zurückgehaltener, sanfter, ruhiger Ausdruck; Unterbrechungen der ruhigen Stimmung mit lauter werdenden Abschnitten, teilweise dissonanten Klängen und beunruhigendem Ausdruck; auffälliges, laut gespieltes, für sich stehendes Motiv (absteigende Quarte) zu Beginn des Stücks, das stets in tieferer Lage wiederholt wird und (teilweise auch verändert) im Laufe des Stücks mehrfach erscheint; Nachspiel aus Umspielungen und Arpeggien in kurzen Notenwerten; Schlussteil und Schluss-Akkord in Dur. Wiedergabe von Mendelssohn Bartholdys Aussagen (z. B.): Musik ist eindeutiger zu verstehen als Worte, was der landläufigen Meinung widerspricht (Z. 1–3); die Musik erfüllt den Hörer („die Seele") mit Gefühlen (Z. 5 f.); die Gefühle, die von der Musik hervorgerufen werden, sind bei jedem gleich und eindeutig, im Gegensatz zu Worten, deren Sinn von jedem anders verstanden wird (Z. 8–12); daher würde er niemals Worte, die ihm beim Komponieren seiner Lieder ohne Worte bewusst gewesen seien, weitergeben (Z. 8–9).
Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium
Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.
‹ Aufgabe 1 · LK · Haupttermin 2021