Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Kunst GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Thema: Formanalyse mit analysierender Skizze · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2022)

Aufgabenstellung

Materialgrundlage

Bildmaterial:

Abbildung 1 (Gesamtansicht):

Louise Bourgeois: Cell (The Last Climb), 2008, Stahl, Glas, Holz, Gummi, Garnspulen (Fäden), 384,8 × 400,1 × 299,7 cm, National Gallery of Canada, Ottawa

Abbildung 2 (Aufsicht):

siehe oben

Abbildung 3 (Ausstellungsansicht):

siehe oben

Abbildung 4 (Detailansicht mit Gummiform, Fäden und Nadeln):

siehe oben

Abbildung 5 (Detailansicht mit Garnspule und goldfarbenem Garn):

siehe oben

Textmaterial:

Zusatzinformationen zur Werkreihe der „Cells“ von L. Bourgeois:

Die „Cells“ (engl. „Zellen“) entstanden im Zeitraum von 1991 bis 2010.

Zusatzinformationen zum Werk „Cell (The Last Climb)“ von L. Bourgeois:

Übersetzung des Titels: „The Last Climb“ (engl. „Der letzte Aufstieg“).

Es ist die letzte Zelle, die zwei Jahre vor ihrem Tod 2010 entstand.

An den Innenseiten des Käfigs sind 12 Garnspulen montiert, die über goldene Fäden mit der hellblauen Gummiform verbunden sind (vgl. Abbildung 4).

Da hier die Treppe durch eine zentrale Säule (oder Spindel) getragen wird, wird sie auch als „Spindeltreppe“ bezeichnet.

(Autorentexte)

2. Analysieren Sie die formale Gestaltung des Werks und gehen Sie dabei vor allem auf folgende Aspekte ein:

Körper-Raum-Beziehung (einschließlich der Richtungsbezüge),

Material,

Farbe und Form,

Betrachterbezug.

Untersuchen Sie vorab anhand einer analysierenden Skizze den Aspekt „Körper-Raum-Beziehung“ bezogen auf die Gesamtansicht von Bourgeois’ Werk „The Last Climb“ (Abbildung 1). Erläutern Sie in Ihrer Analyse, welche Erkenntnisse sich daraus ergeben, und binden Sie diese ein. [44 Punkte]

2.1

2.2

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 - Teilaufgabe 2 · Abitur NRW Kunst GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

Untersuchen Sie vorab anhand einer analysierenden Skizze den Aspekt „Körper-Raum-Beziehung“ bezogen auf die Gesamtansicht von Bourgeois’ Werk „The Last Climb“ (Abbildung 1).

Lösung: Die analysierende Skizze verdeutlicht grafisch die wesentlichen Raum- und Richtungsbezüge der Gesamtansicht: - Begrenzung und Hülle: Schematische Erfassung des zylindrischen Käfigs als teiltransparenter Raumkörper mit Kennzeichnung der Türöffnung und des Deckendurchbruchs. - Vertikale Hauptachse und Spiralbewegung: Markierung der zentralen vertikalen Spindelsäule sowie des spiralförmig nach oben strebenden Treppenlaufs (Richtungsvektoren nach oben). - Strahlenförmige Richtungsbezüge: Einzeichnung der linearen Verbindungen (goldene Fäden) von den peripheren Garnspulen an den Wänden hin zur hellblauen Gummiform im unteren Eingangsbereich. - Schwebende Teilvolumina: Lokalisierung und Akzentuierung der frei im Raum hängenden Glaskörper.

Analysieren Sie die formale Gestaltung des Werks (Körper-Raum-Beziehung, Farbe und Form, Material, Betrachterbezug).

Lösung: Ausführliche Analyse der vier geforderten Aspekte: 1. Körper-Raum-Beziehung (10 P.): - Raumgreifende Präsenz und Ausgewogenheit zwischen statischen (Gitterzylinder, Treppensäule) und dynamischen Wirkungsaspekten (Spirale, Schwebung). - Klare Dominanz der Vertikale und Blickführung nach oben durch das Durchstoßen der Decke. - Gleichzeitigkeit von Gehäuse/Begrenzung (Käfig) und Transparenz/Durchlässigkeit; Verbindung von Außen- und Innenraum durch Maschendraht und Türöffnung. - Exponierte Positionierung der Gummiform im Übergangsbereich. 2. Farbe und Form (12 P.): - Formkontraste: Geometrisch/tektonisch (zylindrischer Käfig, lineare Stufen) vs. organisch/biomorph (tropfenförmige Glaskörper, Gummiform); statisch-geradlinig vs. spiralförmig. - Farbkontraste und -bezüge: Gedeckte, rohe Töne der Industriematerialien (metallgrauer Stahl, verwittertes Holz) im Kontrast zum leuchtenden Hellblau des Gummis und dem warmen Goldton der Fäden; Transparenz des farblosen Glases. 3. Materialität (8 P.): - Kontrastierende optische und haptische Qualitäten: Stabilität und Kälte des Stahls vs. Vergänglichkeit und Wärme des gealterten Holzes; Fragilität und Glätte des Glases vs. Weichheit und Elastizität des Gummis; Zartheit der Fäden. 4. Betrachterbezug (6 P.): - Allansichtigkeit der Skulptur fordert ein Umwandern heraus; menschliches Größenverhältnis (Höhe ca. 3,85 m) erzeugt Immersion, der Einblick ins Innere evoziert Intimität bei gleichzeitiger physischer Distanzierung durch das Gitter.

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