Aufgabe HT 2 - 2 und 3 · Abitur NRW Jüdische Religionslehre GK · Haupttermin 2021

Thema: Verantwortliches Handeln: Tikkun Olam, Tiere und Schöpfung · Aus der Prüfung GK · Haupttermin (2021)

Aufgabenstellung

2. Erklären Sie, welche Verantwortung der Mensch aus jüdischer Perspektive für die Schöpfung trägt, und bringen Sie das Verhältnis von Mensch und Tier mit den Aussagen des Textes in Zusammenhang. (32 Punkte)

3. Rabbiner Evers stellt die Frage, ob Lebewesen als Organbanken genutzt werden dürfen (vgl. Z. 30). Erörtern Sie dieses Problem auf der Grundlage Ihrer bisherigen Ergebnisse und nehmen Sie dazu begründet Stellung. (25 Punkte)

Aufgabenstellung: Aufgabe HT 2 - 2 und 3 · Abitur NRW Jüdische Religionslehre GK · Haupttermin 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

2. Erklären Sie, welche Verantwortung der Mensch aus jüdischer Perspektive für die Schöpfung trägt, und bringen Sie das Verhältnis von Mensch und Tier mit den Aussagen des Textes in Zusammenhang. (32 Punkte)

Lösung: Erwartet wird eine differenzierte Ausarbeitung auf Basis der jüdischen Ethik und Quellen: - Thematische Überleitung (3 Punkte) - Verantwortung im Rahmen der Schöpfung (6 Punkte): * Schöpfung fortführen und bewahren; * Erde bevölkern; * Herrschaftsauftrag über die Tiere im Sinne verantwortlicher Fürsorge. - Verhältnis Mensch und Tier (8 Punkte): * Prinzip „Zaar Baale Chajim“ (Verbot, Tieren unnötiges Leid zuzufügen); * Prinzip „Bal Taschchit“ (Verbot sinnloser Zerstörung/Verschwendung; Tiere nicht grundlos töten); * Anerkennung der psychischen Verfasstheit als „Nefesch Chaja“ (beseeltes Lebewesen), z. B. Mutter-Kalb-Trennung (Wajikra 22,27), Vertreiben des Muttervogels (Dwarim 22,6 f.); * Ernährungsgeschichtliche Entwicklung: ursprünglich vegetarisch (Bereschit 1,29 f.), Fleischgenuss erst nach der Sintflut (Bereschit 9,2 f.). - Position des Menschen gegenüber dem Tier (7 Punkte): * Nutzung erlaubt, aber gebunden an Auflagen (Reiten, Melken erlaubt; dem dreschenden Ochsen nicht das Maul verbinden; kein ungleiches Gespann); * Pflicht zur Fürsorge (Ruhegebot am Schabbat, Tiere füttern, bevor man selbst isst). - Rückbezug auf Evers' Text (8 Punkte): * Tiernutzung für Xenotransplantation im Rahmen von „Pikuach Nefesch“ (Lebensrettung) legitimiert; * Bei sachgerechter medizinischer Entnahme wird dem Tier kein unnötiges Leid zugefügt, weshalb „Zaar Baale Chajim“ dem nicht entgegensteht.

3. Rabbiner Evers stellt die Frage, ob Lebewesen als Organbanken genutzt werden dürfen (vgl. Z. 30). Erörtern Sie dieses Problem auf der Grundlage Ihrer bisherigen Ergebnisse und nehmen Sie dazu begründet Stellung. (25 Punkte)

Lösung: Erwartet wird eine strukturierte Erörterung und Urteilsbildung: - Thematische Überleitung und Bündelung bisheriger Ergebnisse (4 Punkte): * Mensch darf Tiere zweckgebunden nutzen, aber nicht quälen oder grundlos töten; * Pflicht zur Beachtung der Schöpfungsordnung und Fürsorge für Tiere als empfindungsfähige Wesen. - Zustimmende Argumentation vor dem Hintergrund jüdischer Quellen (8 Punkte): * Schöpfungsauftrag legitimiert die Nutzung von Tieren zum Wohl des Menschen; * Das fundamentale Prinzip „Pikuach Nefesch“ überwiegt fast alle anderen Ge- und Verbote; Tierorgane retten konkrete Menschenleben; * Keine Tötung als Selbstzweck oder sinnlose Verschwendung. - Ablehnende / kritische Argumentation (8 Punkte): * Tiere sind als „Nefesch Chaja“ Geschöpfe G"ttes mit Eigenwert, nicht bloße biologische „Ersatzteillager“; * Instrumentalisierung und industrielle Zucht als „Organbanken“ verletzt Grenzen menschlicher Herrschaft; * Unkalkulierbare gesundheitliche Gefahren (z. B. Retroviren/Zoonosen für die Gesamtbevölkerung); ein Überwiegen von Risiken verbietet nach jüdischer Ethik solche Eingriffe. - Eigenständige begründete Stellungnahme (5 Punkte): * Klares, reflektiertes und sachlich begründetes Fazit unter Abwägung der Argumente.

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