Aufgabe 1 · Abitur NRW Französisch LK · Güngör, D.: Lern du erschdamol rich 2025

Thema: Sprachmittlung Deutsch → Französisch (Médiation) · Aus der Prüfung LK · Güngör, D.: Lern du erschdamol richtig Deitsch (2025)

Aufgabenstellung

1 Aufgabe

Aufgabenstellung

Pour préparer un exposé sur l'intégration de personnes issues de l'immigration dans différents pays européens, votre correspondant/e français/e vous demande de l'aider.

Vous lui écrivez un e-mail présentant les expériences faites par Dilek Güngör pendant son enfance et ce qui en résulte pour sa vie d'adulte.

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Material

Lern du erschdamol richtig Deitsch (2021)

Von Dilek 1 Güngör

60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei: Dilek Güngör erzählt, wie es ist, ein Kind von „Gastarbeitern“ zu sein

1 Was haben wir gelernt? Unsere Eltern nannte man Gastarbeiter, sie nannten sich selbst Gastarbeiter und wir, wir waren die Kinder der Gastarbeiter. Wir haben uns nicht gewundert über

5 dieses Wort, in dem der Gast und der Arbeiter eins waren. Wir hätten uns wundern können, denn ja, wir sprachen Deutsch, das haben wir gelernt. Wir haben erst einmal richtig Deutsch gelernt. „Lern du erschdamol richtig Deitsch.“ Man sagte uns das unentwegt, auf Schwäbisch, also haben wir es gelernt, und heute, Jahre später, wo wir nicht mehr Schwäbisch sprechen, kommt uns das richtige Deitsch unserer Kindheit nur holprig über die Lippen.

10 Niemand sagt mehr „Lern du erst einmal richtig Deutsch“ zu uns, es spricht auch keiner von Gastarbeitern. Wir sagen jetzt Deutsche mit Migrationsgeschichte, aber auch das wird sich bald geben. Immerzu suchen wir nach neuen Namen für uns, finden sie und häuten uns wieder.

Wir haben nicht nur richtig Deutsch gelernt, wir haben auch gelernt, was richtig ist. Auch das,

15 was falsch ist. Aber noch viel mehr haben wir gelernt, was zählt und was nicht zählt.

Richtig war, Erwachsene mit „Grüß Gott“ zu grüßen und an Ostern Eier auszublasen, ein Schulranzen von Scout 2 war richtig und Sommerferien an der Adria. „Merhaba“ 3 war nicht falsch, aber ein Gruß für eine andere Welt, für andere Menschen, ein Gruß, der nur zu Hause oder am Telefon mit Oma etwas bedeutete.

20 Wir kauften uns einen Weihnachtsbaum und glänzende Kugeln, das Opferfest 4 aber blieb ein Fest für eine Welt in unserer Welt, sichtbar für alle Augen und dennoch unsichtbar für die allermeisten. Von den Sommerferien bei Oma ganz zu schweigen, unsere Ferien waren keine Ferien, das war bloß ein Familienbesuch. Sie zählten nicht und wir beschwerten uns nicht. Wir haben Deutsch gelernt, aber nicht, Ansprüche zu stellen. Nicht aus Angst, wir kamen einfach

25 nicht auf die Idee. Es war, so wie es war. Denn was wir am allerbesten gelernt haben, worin wir Meisterinnen sind und Meister, ist das Aushalten von Widersprüchen.

Wir haben Deutsch gelernt, aber auch, dass wir nicht immer gemeint sind, wenn von „uns“ gesprochen wird. Dass ein Wir nicht wir, sondern „ihr nicht“ bedeuten kann. Wir haben gelernt, dass das, was und wie wir zu Hause sprachen und aßen und feierten, in der Schule oft nicht

30 relevant war. Relevant war das, was eure Eltern euch beibrachten, was ihr zu Hause lerntet und wie ihr eure Feste begingt. Doch weil das, was uns die Eltern beibrachten, natürlich trotzdem galt und relevant war, verknüpften wir das, was etwas zählte, und das, was nicht zählte, zu einem festen Netz.

Vor allem lernten wir, den Überblick zu behalten. Mit doppeltem Netz und doppeltem Boden

35 lernt man, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Wir bleiben vorsichtig, aber wir können schnell sein. Wir haben einen guten Sinn für Ungereimtheiten, wir wissen, wann ihr wissen wollt, woher wir kommen, und wann ihr bloß fragt, weil ihr uns nicht dabeihaben wollt. Wir erkennen den Unterschied.

Wir können über vieles hinwegsehen, wir können auch weghören, wir können improvisieren

40 und etwas schaffen aus nichts, nämlich Sinn.

Wir haben gelernt zu verzichten, auf Eindeutigkeit zum Beispiel. Wir brauchen keine Klarheit, wir können auch ohne, wir haben keine Angst vor Gegensätzen. Wir können damit leben, dass etwas wichtig ist, das Opferfest 5 etwa, und dass es in Ordnung ist, wenn uns dieses Fest nichts bedeutet, dass wir es mit der Familie feiern und allen gratulieren, die es auch feiern […]. Wir

45 können damit leben, dass man uns meint, wenn man von den Kindern der Gastarbeiter spricht. Wir fühlen uns sogar gemeint, auch wenn wir heute sagen, wir sind deutsch und den Begriff so weit fassen, wie unsere Arme greifen können. Wir suchen keinen Namen mehr, schon gar nicht einen perfekten. Wir sind wir selbst, das waren wir von Anfang an.

643 Wörter

Güngör, D. (2021, 29. Oktober). Lern du erschdamol richtig Deitsch. Frankfurter Rundschau.

1 Dilek – türkischer weiblicher Vorname

2 Scout – bekannte Marke für Schulranzen

3 „Merhaba“ – Türkisch für „Hallo“

4, 5 das Opferfest – der höchste islamische Feiertag / la fête du sacrifice

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Französisch LK · Güngör, D.: Lern du erschdamol rich 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

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Lösung: Objet : Exposé sur l'intégration / Expériences de Dilek Güngör Chère / Cher [Nom], Pour t'aider à préparer ton exposé sur l'intégration, voici les éléments clés tirés du témoignage de Dilek Güngör, fille de travailleurs immigrés turcs en Allemagne. Expériences pendant son enfance : - Considérée comme une enfant de « Gastarbeiter » (travailleurs immigrés). - Apprentissage de l'allemand et du dialecte régional (le souabe) pour s'adapter et répondre aux exigences de la société d'accueil. - Pratique des traditions et fêtes des deux cultures (d'un côté l'arbre de Noël et la fête de Pâques, de l'autre la fête du sacrifice / l'Aïd). - Vacances passées exclusivement au pays pour rendre visite à la famille turque, perçues comme moins valorisées socialement que les vacances des autres camarades. - Expérience précoce de l'exclusion et de l'altérité (« nous » ne les incluait pas toujours ; ce qui venait de leur foyer n'était pas jugé pertinent à l'école). Conséquences pour sa vie d'adulte : - Bonne perception et grande lucidité face aux différents comportements et intentions de ses concitoyens (reconnaître la curiosité sincère du rejet déguisé). - Prudence et vigilance accrues dans les rapports humains. - Tolérance et capacité remarquable à vivre avec des contradictions et des identités multiples, sans avoir besoin d'une clarté absolue. - Capacité à ignorer certains préjugés ou comportements maladroits et à improviser pour donner du sens. - Sentiment enrichissant d'appartenance à deux cultures qui forment un réseau solide. - Acceptation sereine de son identité : bien qu'officiellement qualifiée d'« Allemande issue de l'immigration », elle se sent tout simplement allemande et pleinement elle-même. J'espère que ces pistes t'aideront pour ton exposé ! N'hésite pas si tu as d'autres questions. Bien amicalement, [Ton prénom]

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