Aufgabe 1 - Redoxreaktionen und galvanische Zellen · Abitur NRW Chemie LK · Nachtermin 2022
Thema: Redoxreaktionen und galvanische Zellen · Aus der Prüfung LK · Nachtermin (2022)
Aufgabenstellung
Fachspezifische Vorgaben:
MÖBIUS-Verfahren zur Silberreinigung
Als Edelmetall wird Silber im Alltag vielseitig eingesetzt. Es dient nicht nur als Material für Schmuck, sondern auch für Besteck und zur Herstellung von Spiegeln. Zudem kommt es in manchen Batterien und Akkumulatoren (kurz Akkus) zum Einsatz.
Silber kommt als edles Metall in der Natur häufig elementar vor. Diese Silbervorkommen enthalten Verunreinigungen, wobei hauptsächlich Kupfer und Blei als unedlere und Gold und Platin als edlere Metalle zu nennen sind. Für die weitere Verarbeitung muss das Silber gereinigt werden. Diese Reinigung erfolgt auf elektrolytischem Wege (MÖBIUS-Verfahren). Hierbei wird das Rohsilber in Anodenplatten gegossen und in eine saure Silbernitrat-Lösung () mit Kathoden aus dünnem Feinsilberblech zusammengeschaltet und elektrolysiert. Da die Abscheidung nicht in Form eines glatten zusammenhängenden Überzugs, sondern in Form loser, verästelter Kristalle erfolgt, sind zur Vermeidung eines zwischen Anode und Kathode auftretenden Kurzschlusses Schaber vorhanden, die sich während der Elektrolyse hin und her bewegen und die Silberkristalle abstreifen. Das Phänomen, dass sich Silber nicht gleichmäßig an einer Elektrode abscheidet, macht auch Probleme beim Bau von Akkumulatoren, die Silber enthalten.
Silberoxid-Zink-Akkumulator
Als edles Metall findet Silber in Batterien und Akkumulatoren Verwendung. Ein Beispiel ist hier der Silberoxid-Zink-Akkumulator. Hohe Kosten machen ihn für viele alltägliche Einsätze unattraktiv.
In einem einfachen Experiment wird die Funktionsweise des Silberoxid-Zink-Akkumulators nachvollzogen:
Durchführung
Es wird eine Kaliumhydroxid-Lösung der Konzentration hergestellt und in ein Becherglas gefüllt. In die Lösung werden ein Silberblech und ein Zinkblech gestellt. Das Silberblech wird mit dem Pluspol und das Zinkblech mit dem Minuspol einer Spannungsquelle mit verbunden, was dem Laden des Akkus entspricht. Nach wenigen Sekunden wird die Gleichspannungsquelle wieder entfernt und an ihrer Stelle ein Elektromotor angeschlossen.
Sobald der Elektromotor aufhört sich zu drehen, kann der Akku ein zweites Mal durch Anlegen der Gleichspannung geladen werden.
Beobachtung
Nach dem Anlegen der Gleichspannung überzieht sich die Silberelektrode mit einer schwarzen Schicht. Am Zinkblech entstehen kleine Mengen eines farblosen Gases. Fängt man das Gas auf und führt damit die Knallgasprobe durch, so verläuft diese positiv. Der nach dem Laden angeschlossene Elektromotor beginnt sofort sich zu drehen. Das Zinkblech erhält dabei eine raue Oberfläche und die schwarze Farbe des Silberbleches verschwindet langsam wieder.
Beim erneuten Anlegen der Gleichspannung überzieht sich das Silberblech wieder mit einer schwarzen Schicht. Die Gasbildung am Zinkblech setzt nicht wie beim ersten Laden sofort, sondern erst nach einiger Zeit ein.
Silberoxid-Zink-Zellen im Alltag und Optimierungsmöglichkeiten
Im Alltag werden die Silberoxid-Zink-Zellen oft als Knopfzellen z. B. in Hörgeräten genutzt, da sie eine hohe Energiedichte besitzen. Dies bedeutet, dass die Knopfzellen nicht so häufig gewechselt werden müssen wie andere mobile Energiequellen mit geringerer Energiedichte. Diese Silberoxid-Zink-Zellen werden im Alltag nicht wieder aufgeladen.
Wird die Silberoxid-Zink-Zelle als Akku verwendet, werden zur Optimierung der Einbau eines kleinen Ventils in der Zinkhalbzelle oder die Erhöhung der Zink(II)-Ionenkonzentration und die Vergrößerung der Masse an Zink vorgeschlagen.
Zusatzinformationen:
Der Stoff Silberoxid () ist schwarz.
Standardpotentiale () bei und
Stoff · Reaktionsgleichung · Standardpotential ()
Wasserstoff () · ·
Zink · ·
Silber () · ·
Nernst-Gleichung:
Faraday-Gesetz:
Faraday-Konstante:
Molare Masse:
Teilaufgabe 2 [18 Punkte]
2.1
Zeichnen Sie eine mögliche Versuchsanordnung für das Modellexperiment, mit dem der Silberoxid-Zink-Akkumulator geladen wird.
2.2
Erklären Sie die Beobachtungen, die bei dem Experiment gemacht wurden (Farbänderungen, Gasentwicklung, Verhalten bei wiederholtem Laden).
2.3
Stellen Sie die Teilgleichungen für die Reaktionen auf, die während des Ladens und des Entladens stattfinden.
Teilaufgabe 3 [16 Punkte]
3.1
Berechnen Sie die Spannung eines Silberoxid-Zink-Akkumulators unter Standardbedingungen.
3.2
Berechnen Sie die Spannung des Akkumulators im Modellexperiment unter der Annahme einer Zink-Ionen-Konzentration von .
3.3
Erläutern Sie, auf welche Weise sich die Spannung des Akkumulators durch eine Änderung der Ionenkonzentration steigern ließe.
Teilaufgabe 4 [16 Punkte]
4.1
Erklären Sie, welche Vor- und Nachteile sich aus der Nutzung eines Silberoxid-Zink-Akkumulators im Alltag ergäben.
4.2
Beurteilen Sie die vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Optimierung des Silberoxid-Zink-Akkumulators, indem Sie die jeweils entstehenden Vor- und Nachteile gegenüberstellen.

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
2.1 Zeichnen Sie eine mögliche Versuchsanordnung für das Modellexperiment, mit dem der Silberoxid-Zink-Akkumulator geladen wird.
Lösung: Skizze des Versuchsaufbaus: Ein Becherglas gefüllt mit Kaliumhydroxid-Lösung (). In der Lösung stehen ein Zinkblech (verbunden mit dem Minuspol einer Gleichspannungsquelle von 1,5 V) und ein Silberblech (verbunden mit dem Pluspol der Spannungsquelle).
2.2 Erklären Sie die Beobachtungen, die bei dem Experiment gemacht wurden.
Lösung: Die Schwarzfärbung der Silberelektrode beim Laden entsteht durch sich bildendes Silberoxid. Das entstehende Gas ist Wasserstoff. Die Schwarzfärbung der Silberelektrode beim Entladen verschwindet, da sich wieder elementares Silber bildet. Das Zink erhält eine raue Oberfläche, da es oxidiert wird und in Form von Zink(II)-Ionen in Lösung geht. Beim zweiten Aufladen werden am Zinkblech zunächst Zink(II)-Ionen zu elementarem Zink reduziert. Sind sämtliche Zink(II)-Ionen zu elementarem Zink reduziert, bildet sich wieder Wasserstoff am Zinkblech.
2.3 Laden – Reduktion (am Minuspol / Zinkblech):
Lösung: 2 H2O + 2 e- -> H2 + 2 OH-
2.3 Laden – Oxidation (am Pluspol / Silberblech):
Lösung: 2 Ag + 2 OH- -> Ag2O + H2O + 2 e-
2.3 Entladen – Oxidation (Anode / Zinkblech):
Lösung: Zn -> Zn2+ + 2 e-
2.3 Entladen – Reduktion (Kathode / Silberoxid):
Lösung: Ag2O + H2O + 2 e- -> 2 Ag + 2 OH-
3.1 Berechnen Sie die Spannung eines Silberoxid-Zink-Akkumulators unter Standardbedingungen.
Lösung: 1,1 V
3.2 Berechnen Sie die Spannung des Akkumulators im Modellexperiment unter der Annahme einer Zink-Ionen-Konzentration von c(Zn2+) = 0,01 mol · L-1.
Lösung: 1,123 V / 1,12 V
3.3 Erläutern Sie, auf welche Weise sich die Spannung des Akkumulators durch eine Änderung der Ionenkonzentration steigern ließe.
Lösung: Je weniger Zink-Ionen in der Lösung sind, desto niedriger ist das Potential der Zink-Halbzelle. Je niedriger das Potential der Zink-Halbzelle ist, desto größer ist die Spannung des Akkumulators. / Alternativ: Je weniger Hydroxid-Ionen in der Lösung sind, desto höher ist das Potential der Silber-Halbzelle und desto größer ist die Spannung des Akkumulators.
4.1 Erklären Sie, welche Vor- und Nachteile sich aus der Nutzung eines Silberoxid-Zink-Akkumulators im Alltag ergäben.
Lösung: Vorteile: hohe Energiedichte. Nachteile: hoher Preis, Wasserstoffentwicklung beim Laden (die eine Explosionsgefahr mit sich bringt) macht den Akkumulator für den Hausgebrauch unbrauchbar.
4.2 Beurteilen Sie die vorgeschlagenen Möglichkeiten zur Optimierung des Silberoxid-Zink-Akkumulators, indem Sie die jeweils entstehenden Vor- und Nachteile gegenüberstellen.
Lösung: Einbau eines kleinen Ventils: Der Akkumulator kann durch Knallgasbildung nicht mehr bersten; Nachteil: Der Elektrolyt kann austrocknen und der Akku unbrauchbar werden. Vergrößerung der Zinkmasse / Erhöhung der Zink-Ionen-Konzentration: Verzögert das Entstehen von Wasserstoff beim Laden, da zunächst Zink-Ionen entladen werden; Nachteil: Macht den Akkumulator schwerer und teurer und unterdrückt die Wasserstoffbildung letztlich nicht vollständig.
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