Aufgabe 1 · Abitur NRW Chemie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Thema: Redoxreaktionen und galvanische Zellen · Aus der Prüfung GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2021)

Aufgabenstellung

Aufgabenstellung: Das GROVE-Element

Fachspezifische Vorgaben:

1839 hatte WILLIAM GROVE ein galvanisches Element entwickelt, in dem ein Zinkblech in verdünnte Schwefelsäure (H2SO4H_2SO_4) und ein Platinblech als Kathode in Salpetersäure (HNO3HNO_3) eintaucht. Kupferbleche als Kathode sind nicht einsetzbar, da diese zersetzt werden. Die Lösungen wurden durch einen porösen, ionendurchlässigen Tonzylinder getrennt (Abbildung 1). Das Element lieferte für die damalige Zeit hohe Stromstärken. In der Salpetersäure-Halbzelle entstand gasförmiges Stickstoffdioxid (NO2NO_2) als Produkt. Die Reaktion in der Halbzelle verläuft gemäß:

NO3−+2 H3O++e−→NO2+3 H2ONO_3^- + 2\,H_3O^+ + e^- \rightarrow NO_2 + 3\,H_2O

Versuch:

Ein GROVE-Element wird, wie in Abbildung 1 dargestellt, aufgebaut. Das Zinkblech hat zu Beginn des Versuchs eine Masse m0=45,00 gm_0 = 45{,}00\text{ g}. Das Element wird über einen Verbraucher vollständig entladen. Das Zinkblech hat am Ende des Versuchs eine Masse m=26,04 gm = 26{,}04\text{ g}.

Für ein Modellexperiment wird eine moderne Abwandlung des GROVE-Elements vorgeschlagen: In einer Zweikammer-Apparatur (Abbildung 2) mit einer kationendurchlässigen Membran (KAM) soll eine mit Schwefelsäure angesäuerte Kaliumperoxodisulfat-Lösung (K2S2O8K_2S_2O_8) statt der Salpetersäure eingesetzt werden. Als Elektrode wird eine Kohleelektrode verwendet.

Zusatzinformationen:

M(Zn)=65,38 g⋅mol−1M(Zn) = 65{,}38\text{ g}\cdot\text{mol}^{-1}

Faraday-Gesetz: Q=I⋅t=n⋅F⋅zQ = I\cdot t = n\cdot F\cdot z

Faraday-Konstante: F=96485 A⋅s⋅mol−1F = 96485\text{ A}\cdot\text{s}\cdot\text{mol}^{-1}

Tabelle 1: Redoxpotentiale bei Standardbedingungen

Korrespondierendes Redoxpaar

Standard-Redoxpotential E0E^0

Zn/Zn2+Zn/Zn^{2+}

E0=−0,76 VE^0 = -0{,}76\text{ V}

Cu/Cu2+Cu/Cu^{2+}

E0=+0,34 VE^0 = +0{,}34\text{ V}

NO2, H2O/NO3−, H3O+NO_2,\,H_2O / NO_3^-,\,H_3O^+

E0=+0,80 VE^0 = +0{,}80\text{ V}

SO42−/S2O82−SO_4^{2-} / S_2O_8^{2-}

E0=+2,01 VE^0 = +2{,}01\text{ V}

Tabelle 2: Gefahrenmerkmale ausgewählter Stoffe

Stoff

Summenformel

Gefahrenmerkmale

Kaliumperoxodisulfat

K2S2O8K_2S_2O_8

Oxidierender Feststoff

Reizwirkung auf die Haut und Augen

Sensibilisierung der Atemwege

Salpetersäure, konzentriert

HNO3HNO_3

Korrosiv gegenüber Metallen

Akute Toxizität beim Einatmen

Ätzwirkung auf die Haut und Augen

Stickstoffdioxid

NO2NO_2

Oxidierendes Gas

Akute Toxizität beim Einatmen

Ätzwirkung auf die Haut

Zink

ZnZn

Keine bekannt

Zinksulfat

ZnSO4ZnSO_4

Schwere Augenschädigung

Gewässerschädigend

1.

Beschreiben Sie, wie das GROVE-Element aufgebaut ist, und ordnen Sie dabei die Pole zu. Geben Sie die Vorgänge, die während des Betriebs ablaufen, auf Teilchenebene an. Berechnen Sie die theoretische Spannung eines GROVE-Elements bei Standardbedingungen sowie die im Versuch geflossene Ladungsmenge Q. [22 Punkte]

2.

Erläutern Sie am Beispiel des GROVE-Elements das Donator-Akzeptor-Prinzip. Geben Sie dazu die im Betrieb des GROVE-Elements ablaufende Redoxreaktion auch in Form der Teilreaktionen an. Begründen Sie, weshalb sich ein Kupferblech in Salpetersäure zersetzt. [16 Punkte]

3.

Prüfen Sie, ob das vorgeschlagene Modellexperiment als galvanisches Element funktioniert. Stellen Sie in einer einfachen Skizze die elektrochemischen Vorgänge und die Ionenwanderung bei Stromfluss im Modellexperiment dar (vgl. Abbildung 2). Beurteilen Sie die moderne Abwandlung des GROVE-Elements auf Grundlage der verwendeten Stoffe und Materialien, auch im Hinblick auf Umwelteigenschaften und Störanfälligkeit. [22 Punkte]

Aufgabenstellung: Aufgabe 1 · Abitur NRW Chemie GK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2021

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1. Beschreiben Sie, wie das GROVE-Element aufgebaut ist, und ordnen Sie dabei die Pole zu.

Lösung: Der Aufbau entspricht einer galvanischen Zelle aus zwei Halbzellen, die durch einen porösen Tonzylinder voneinander getrennt sind. Die Zink-Halbzelle besteht aus einer Zinkelektrode in verdünnter Schwefelsäure und bildet den Minuspol (Anode). Die zweite Halbzelle besteht aus einer Platinelektrode in Salpetersäure und bildet den Pluspol (Kathode).

1. Geben Sie die Vorgänge, die während des Betriebs ablaufen, auf Teilchenebene an.

Lösung: Zink-Atome werden zu Zink-Ionen oxidiert und gehen in Lösung. Die abgegebenen Elektronen fließen über den äußeren Leiterdraht zur Platinelektrode. An der Platinelektrode reduzieren Nitrat-Ionen und Oxonium-Ionen unter Elektronenaufnahme zu Stickstoffdioxid und Wasser. Zum Ladungsausgleich wandern Ionen durch den porösen Tonzylinder.

1. Berechnen Sie die theoretische Spannung eines GROVE-Elements bei Standardbedingungen.

Lösung: 1,561{,}56 V

1. Berechnen Sie die im Versuch geflossene Ladungsmenge Q.

Lösung: 5596055960 C / 5596055960 A·s / 5595955959 C

2. Erläutern Sie am Beispiel des GROVE-Elements das Donator-Akzeptor-Prinzip.

Lösung: Chemische Reaktionen, bei denen Teilchen (hier Elektronen) von einem Donator auf einen Akzeptor übertragen werden, unterliegen dem Donator-Akzeptor-Prinzip. Zink fungiert als Elektronendonator (Oxidation / Elektronenabgabe), während Nitrat-Ionen in saurer Lösung als Elektronenakzeptor fungieren (Reduktion / Elektronenaufnahme).

2. Geben Sie dazu die Teilreaktion der Oxidation an.

Lösung: Zn→Zn2++2 e−Zn \rightarrow Zn^{2+} + 2\,e^-

2. Geben Sie dazu die Teilreaktion der Reduktion an.

Lösung: NO3−+2 H3O++e−→NO2+3 H2ONO_3^- + 2\,H_3O^+ + e^- \rightarrow NO_2 + 3\,H_2O

2. Geben Sie dazu die im GROVE-Element ablaufende Redoxreaktion an.

Lösung: Zn+2 NO3−+4 H3O+→Zn2++2 NO2+6 H2OZn + 2\,NO_3^- + 4\,H_3O^+ \rightarrow Zn^{2+} + 2\,NO_2 + 6\,H_2O

2. Begründen Sie, weshalb sich ein Kupferblech in Salpetersäure zersetzt.

Lösung: Kupfer hat ein niedrigeres Standard-Redoxpotential (E0(Cu/Cu2+)=+0,34 VE^0(Cu/Cu^{2+}) = +0{,}34\text{ V}) als das Redoxpaar Nitrat/Stickstoffdioxid (E0=+0,80 VE^0 = +0{,}80\text{ V}). Daher ist Salpetersäure in der Lage, elementares Kupfer zu oxidieren, wodurch sich das Blech unter Bildung von Kupfer-Ionen und Stickstoffdioxid auflöst.

3. Prüfen Sie, ob das vorgeschlagene Modellexperiment als galvanisches Element funktioniert.

Lösung: Das Modellexperiment ist voll funktionsfähig als galvanisches Element: Die Zinkhalbzelle fungiert aufgrund ihres niedrigen Potentials als Donatorhalbzelle. In der Akzeptorhalbzelle dient Peroxodisulfat mit E0=+2,01 VE^0 = +2{,}01\text{ V} als starkes Oxidationsmittel, das an der inerten Kohleelektrode zu Sulfat reduziert werden kann. Die kationendurchlässige Membran gewährleistet den nötigen Ladungsausgleich zwischen den Halbzellen.

3. Stellen Sie in einer einfachen Skizze die elektrochemischen Vorgänge und die Ionenwanderung bei Stromfluss im Modellexperiment dar (vgl. Abbildung 2).

Lösung: Skizze des Modellexperiments mit folgenden Beschriftungen und Pfeilen: 1. An der Zinkelektrode: Oxidation von Zinkatomen zu Zn2+Zn^{2+}-Ionen (Zn→Zn2++2 e−Zn \rightarrow Zn^{2+} + 2\,e^-). 2. Äußerer Stromkreis: Elektronenfluss von der Zinkelektrode zur Kohleelektrode (e−e^- von rechts nach links). 3. An der Kohleelektrode: Reduktion von Peroxodisulfat-Ionen zu Sulfat-Ionen (S2O82−+2 e−→2 SO42−S_2O_8^{2-} + 2\,e^- \rightarrow 2\,SO_4^{2-}). 4. Membran (KAM): Wanderung positiv geladener Ionen (Zn2+Zn^{2+}, H3O+H_3O^+, K+K^+) durch die kationendurchlässige Membran zum Ladungsausgleich von der Zink- zur Akzeptorhalbzelle.

3. Beurteilen Sie die moderne Abwandlung des GROVE-Elements auf Grundlage der verwendeten Stoffe und Materialien, auch im Hinblick auf Umwelteigenschaften und Störanfälligkeit.

Lösung: Vorteile der modernen Abwandlung: 1. Materialkosten: Ersatz der teuren Platinelektrode durch eine kostengünstige Kohleelektrode. 2. Umwelt- und Arbeitssicherheit: Kaliumperoxodisulfat besitzt ein deutlich geringeres Gefahrenpotential als konzentrierte Salpetersäure; vor allem wird die Freisetzung von giftigem, ätzendem Stickstoffdioxidgas vermieden. 3. Störanfälligkeit: Die kationenselektive Membran verhindert, dass oxidierende Ionen zur Zinkelektrode diffundieren und dort eine direkte chemische Zersetzung hervorrufen. 4. Zellspannung: Das Redoxpotential von Peroxodisulfat (+2,01 V+2{,}01\text{ V}) führt zu einer wesentlich höheren theoretischen Spannung (U=2,77 VU = 2{,}77\text{ V} gegenüber 1,56 V1{,}56\text{ V}).

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