Aufgabe 2 - Teilaufgabe 2: Genregulation · Abitur NRW Biologie LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg 2022
Thema: Genregulation, Epigenetik und Krebs · Aus der Prüfung LK · Haupttermin · Weiterbildungskolleg (2022)
Aufgabenstellung
Thema: Genetik der Blütenfarben des Gewöhnlichen Kohlröschens
Material A: Blütenfarben beim Gewöhnlichen Kohlröschen
Das Gewöhnliche Kohlröschen ( Gymnadenia rhellicani) ist eine Orchidee, die in Bergregionen der Alpen bis in den Balkan vorkommt. Die mehrjährige Art besitzt einen Blütenstand mit zahlreichen, in der Regel dunkelroten Einzelblüten, die von Insekten wie Fliegen und Bienen bestäubt werden. Ohne Bestäubung entwickeln sich bei dieser Art keine Samen.
Am Puflatsch, einer Erhebung in Norditalien, findet man beim Gewöhnlichen Kohlröschen neben Pflanzen mit dunkelroten Blüten auch Pflanzen mit hellroter und weißer Blütenfarbe. Innerhalb der Population bestehen keine Unterschiede in der räumlichen Verteilung, verschiedene Farbvarianten kommen oft in unmittelbarer Nähe vor.
Die Färbung der Blüten beim Gewöhnlichen Kohlröschen ändert sich im Laufe des Lebens einer Pflanze nicht.
Beim Gewöhnlichen Kohlröschen ist der wichtigste Blütenfarbstoff das rote Cyanidin-3-glucosid. Der Farbstoff wird in den Blütenzellen mithilfe von Enzymen synthetisiert (Abbildung 2).
Material B: Regulation des ANS-Gens
Im Gewöhnlichen Kohlröschen wird die Synthese von Cyanidin-3-glucosid aus Leukocyanidin durch das Enzym Anthocyanidin-Synthase (ANS) katalysiert. Die Anthocyanidin-Synthase wird vom ANS -Gen codiert.
Die Regulation des ANS -Gens ist in anderen Pflanzenarten gut untersucht. Dort sind unter anderem MYB-Transkriptionsfaktoren an der Regulation beteiligt. Im Gewöhnlichen Kohlröschen wurde der MYB1-Transkriptionsfaktor identifiziert. Weil MYB1 große Aminosäuresequenz-Übereinstimmungen mit bekannten MYB-Transkriptionsfaktoren anderer Pflanzenarten zeigt, wird der in Abbildung 3 dargestellte Mechanismus auch beim Gewöhnlichen Kohlröschen vermutet.
Material C: MYB1 -Allele und Blütenphänotyp
In der Population am Puflatsch wurden unterschiedliche Allele des MYB1 -Gens gefunden, die im Gewöhnlichen Kohlröschen in unterschiedlichen Kombinationen vorkommen. Das MYB1-Protein besteht aus 262 Aminosäuren. DNA-Sequenzen der Allele und der Zusammenhang zwischen Allelkombination und Blütenfarbe des Gewöhnlichen Kohlröschens am Puflatsch wurden näher untersucht (Tabellen 1 und 2).
Tabelle 1: Ausschnitt aus dem nicht-codogenen Strang des MYB1 -Gens des Gewöhnlichen Kohlröschens
Triplett-Nummer
218
219
220
221
222
223
Allel 1
TCG
GCA
GAT
TAC
GAC
CTC
Allel 2
TCG
GCA
GAT
TAG
GAC
CTC
Allel 3
TCG
GCA
GAT
TAA
GAC
CTC
Tabelle 2: Blütenphänotypen bei verschiedenen MYB1 -Allelkombinationen
Allel 1
Allel 2
Allel 3
Allel 1
dunkelrot
hellrot
hellrot
Allel 2
hellrot
weiß
weiß
Allel 3
hellrot
weiß
weiß
Material D: Entwicklung der Population am Puflatsch
Der prozentuale Anteil der Farbvarianten am Puflatsch wird seit 1997 wissenschaftlich erfasst und ausgewertet. In einer Studie wurden darüber hinaus Daten zum Besuch von Bestäubern und zur Anzahl der Samen pro Pflanze bei den verschiedenen Phänotypen erhoben. Untersuchungen von Bienen und Fliegen zeigten außerdem, dass an Bienen dreimal häufiger Blütenpollen zu finden waren als an Fliegen.
Material E: Codesonne und Tabelle zum genetischen Code
Aufgabe 2 – Teilaufgabe 2
a)
Erläutern Sie, wie das ANS -Gen reguliert wird (Material B). [7 Punkte]
b)
Nehmen Sie kritisch Stellung zu der Frage, ob Erkenntnisse aus anderen Pflanzenarten auf die Wirkungsweise des MYB1-Transkriptionsfaktors beim Gewöhnlichen Kohlröschen übertragbar sind (Material B). [6 Punkte]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
Erläutern Sie, wie das ANS-Gen reguliert wird (Material B).
Lösung: Das ANS-Gen wird durch einen aus drei Proteinen zusammengesetzten Proteinkomplex reguliert, bestehend aus den spezifischen Transkriptionsfaktoren WDR, bHLH und MYB1. Für die positive Regulation bindet dieser Komplex an den Promotorbereich, wodurch die RNA-Polymerase stabil binden und die Transkription des ANS-Gens initiieren kann.
Nehmen Sie kritisch Stellung zu der Frage, ob Erkenntnisse aus anderen Pflanzenarten auf die Wirkungsweise des MYB1-Transkriptionsfaktors beim Gewöhnlichen Kohlröschen übertragbar sind (Material B).
Lösung: Pro-Argument: Große Übereinstimmung der Aminosäuresequenz legt eine ähnliche räumliche Proteinstruktur und damit Bindung an analoge Promotorsequenzen nahe. Kontra-Argument: Bereits der Austausch weniger Aminosäuren kann die Tertiärstruktur oder Bindungseigenschaften verändern; die Übertragung ist hypothetisch und bedarf experimenteller Verifikation.
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