Aufgabe 1 – Fotosynthese · Abitur NRW Biologie GK · Fotosynthese bei Algen 2026
Thema: Fotosynthese · Aus der Prüfung GK · Fotosynthese bei Algen (2026)
Aufgabenstellung
Ausgewählte stoffwechselphysiologische Aspekte von Algen
Die Fotosynthese läuft bei Algen im Prinzip genauso ab wie bei höheren Pflanzen. Im Detail aber zeigen sich bei verschiedenen Algenarten einige Besonderheiten. Dadurch wird die Nutzung von Algen unter anderem für den Einsatz gegen den Klimawandel interessant.
Material 1: Chloroplast der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii
Die einzellige Grünalge C. reinhardtii bewegt sich mithilfe ihrer zwei Geißeln fort. Sie besitzt einen Augenfleck, mit dem sie die Richtung und die Intensität des einfallenden Lichts ermittelt. Die Fotosynthese läuft bei C. reinhardtii prinzipiell so ab wie bei Landpflanzen. Der Chloroplast füllt bei der Grünalge einen großen Teil der Zelle aus und enthält als besondere Struktur ein Pyrenoid (siehe Abb. 1). In der Matrix des Pyrenoids liegt das Enzym Rubisco in hoher Konzentration vor.
Material 2: Pyrenoid der Grünalge Chlamydomonas reinhardtii
Kohlenstoffdioxid ist im Wasser als Gas gelöst und liegt dort im Gleichgewicht mit Hydrogencarbonat vor. In der Grünalge C. reinhardtii lässt sich das Enzym Carboanhydrase im so genannten periplasmatischen Raum zwischen Zellwand und Zellmembran nachweisen (Abb. 2). Die Carboanhydrase katalysiert die gegenseitige Umwandlung von Kohlenstoffdioxid und Hydrogencarbonat. Die ungeladenen Kohlenstoffdioxid-Moleküle können die Zellmembran und die Membranen des Chloroplasten sehr leicht in beide Richtungen passieren, während die geladenen Hydrogencarbonat-Ionen nicht frei durch die Membranen diffundieren können. Sie werden von Hydrogencarbonat-Transportproteinen unter ATP-Verbrauch durch die Membranen transportiert.
Material 3: Untersuchungen am Blasentang
Braunalgen bilden teilweise große, blattartige Strukturen und nehmen große Mengen Kohlenstoffdioxid auf. Der zur Gruppe der Braunalgen gehörende Blasentang ( Fucus vesiculosus) ist im Nordatlantik sowie in der Nord- und Ostsee weit verbreitet.
Forschende interessieren sich insbesondere für seinen Inhaltsstoff Fucoidan, ein Polysaccharid, das der Blasentang aus Fructose-6-phosphat herstellt. Fructose-6-phosphat ist ein Zwischenprodukt der Glykolyse und des Calvin-Zyklus. Fucoidan dient dem Blasentang zum einen als Zellwandbestandteil, zum anderen als schleimige Schutzschicht gegen Mikroorganismen und Austrocknung, da der Blasentang aufgrund von Gezeitenströmungen zeitweise im Trockenen liegen kann. Der Blasentang bildet die schleimige Schicht ständig neu, da sie im Wasser relativ schnell abgelöst wird. Fucoidan kann im Meerwasser nur von sehr wenigen Bakterien abgebaut werden, sodass der weitaus größte Teil auf den Meeresboden sinkt, wo das Fucoidan von Sediment überlagert wird und dann für Hunderte bis Tausende von Jahren verbleibt.
In einem Experiment an der Ostseeküste wurden Blasentang-Individuen für 5 Stunden entweder in durchsichtige oder in schwarze mit Wasser gefüllte Plastikbeutel eingeschlossen. Im Wasser in den Beuteln wurden zu Beginn und nach 5 Stunden die Konzentrationen von Sauerstoff und gelöstem Fucoidan gemessen (Tab. 1).
(Quelle: In Anlehnung an Buck-Wiese et al., 2022, S. 5)
1
Stellen Sie die wesentlichen Schritte des Calvin-Zyklus dar. [6 BE]
2
Vergleichen Sie den elektronenmikroskopisch erkennbaren Aufbau des Chloroplasten einer Landpflanze mit dem Aufbau des Chloroplasten von Chlamydomonas reinhardtii anhand von sechs Aspekten (M 1). [4 BE]
3
Erläutern Sie den in Abbildung 2 dargestellten Prozess der -Anreicherung ausgehend vom im Wasser gelösten bis zur Stärkebildung im Pyrenoid (M 2). [7 BE]
4
Erklären Sie die in Tabelle 1 dargestellten Befunde (M 3). [7 BE]

Lösung
Nach den offiziellen Korrekturhinweisen
1 Stellen Sie die wesentlichen Schritte des Calvin-Zyklus dar.
Lösung: Fixierungsphase: Bindung von CO₂ an ein C₅-Molekül mithilfe von Rubisco. Bildung von zwei C₃-Molekülen. Reduktionsphase: Reduktion der C₃-Moleküle zu anderen C₃-Molekülen unter Beteiligung von ATP und NADPH + H⁺. Ein Teil der reduzierten C₃-Moleküle wird über weitere Reaktionsschritte zu Glucose-Molekülen umgewandelt. Regenerationsphase: Die restlichen C₃-Moleküle werden über mehrere Reaktionen und unter Beteiligung von ATP zu C₅-Akzeptor-Molekülen zurückgebildet.
2 Vergleichen Sie den elektronenmikroskopisch erkennbaren Aufbau des Chloroplasten einer Landpflanze mit dem Aufbau des Chloroplasten von Chlamydomonas reinhardtii anhand von sechs Aspekten (M 1).
Lösung: Gemeinsamkeiten: ringförmige DNA, Ribosomen, Thylakoide. Unterschiede: - Landpflanzen: Rubisco im Stroma; C. reinhardtii: Rubisco in der Matrix des Pyrenoids. - Landpflanzen: linsenförmig abgeflachte Form; C. reinhardtii: gebogene / becherförmige Form. - Landpflanzen: viele Chloroplasten pro Zelle; C. reinhardtii: ein einziger Chloroplast.
3 Erläutern Sie den in Abbildung 2 dargestellten Prozess der CO2-Anreicherung ausgehend vom im Wasser gelösten CO2 bis zur Stärkebildung im Pyrenoid (M 2).
Lösung: Das im Wasser gelöste CO₂ wird im periplasmatischen Raum durch die Carboanhydrase zu HCO₃⁻ umgesetzt und durch verschiedene Membransysteme unter ATP-Verbrauch bis in ein Thylakoid des Chloroplasten transportiert, das mit einem Ende im Pyrenoid liegt. Die Hydrogencarbonat-Ionen können die Thylakoidmembran nicht durchdringen. Sie werden von der Carboanhydrase zu CO₂-Molekülen umgewandelt. Die CO₂-Moleküle können die Membran des Thylakoids passieren und stehen nach der Diffusion in das Pyrenoid der Rubisco als Substrat zur Verfügung. Die im Calvin-Zyklus gebildeten Glucose-Moleküle werden zu Stärke-Molekülen verknüpft.
4 Erklären Sie die in Tabelle 1 dargestellten Befunde (M 3).
Lösung: Die O₂-Konzentration steigt im Licht aufgrund der Fotosynthese des Blasentangs. Im Dunkeln sinkt sie, da der Blasentang durch Zellatmung O₂ verbraucht. Im Licht wird mehr Fucoidan ins Wasser abgegeben, da es nicht nur in der Glykolyse der Zellatmung, sondern zusätzlich aus Zwischenprodukten des Calvin-Zyklus gebildet wird. Fucoidan, das im Dunkeln ins Wasser abgegeben wird, kann nur aus Fructose-6-phosphat, das als Zwischenprodukt der Glykolyse bei der Zellatmung entsteht, gebildet werden.
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