Aufgabe 1–3 - Enzyme, Stofftransport und Zellatmu… · Abitur NRW Biologie GK · Maniok-GN 2025

Thema: Enzyme, Stofftransport und Zellatmung · Aus der Prüfung GK · Maniok-GN (2025)

Aufgabenstellung

Maniok – eine giftige Nutzpflanze

Maniok ( Manihot esculenta) ist ein Wolfsmilchgewächs und wird weltweit in vielen Teilen der Tropen und Subtropen angebaut. In vielen afrikanischen Staaten ist Maniok das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Genutzt werden vor allem die stärkehaltigen Wurzelknollen.

Material 1: Maniok als Giftpflanze

Maniok enthält in allen Pflanzenteilen einen Saft mit dem Stoff Linamarin. Dieser Stoff ist ungefährlich, kann allerdings zu Blausäure umgewandelt werden, die in der Atmungskette eine Giftwirkung entfalten kann.

Solange die Maniokpflanze unverletzt ist, wird kein Gift gebildet. Werden jedoch Zellen innerhalb des Gewebes beschädigt, z. B. durch Tierfraß oder durch das Zerkleinern der Maniokknollen bei der Verarbeitung zu Lebensmitteln, kommt das in den Vakuolen enthaltene Linamarin mit verschiedenen Enzymen im Cytoplasma in Kontakt. Im Cytoplasma wandelt das Enzym Linase in einem ersten Reaktionsschritt das Linamarin und Wasser unter Abspaltung von Glucose zu dem Zwischenprodukt Acetoncyanhydrin um. Dieses Zwischenprodukt wird anschließend durch das Enzym Hydroxynitrillyase zu Aceton und leicht flüchtiger Blausäure umgesetzt, die beim Lösen in Wasser hochgiftige Cyanid-Ionen bildet.

Um einen gesundheitlich bedenkenlosen Verzehr von Maniok zu gewährleisten, bieten sich bei seiner Zubereitung u. a. zwei Möglichkeiten an:

Möglichkeit 1: Die Maniokwurzel wird geraspelt oder geschnitten und anschließend erhitzt, z. B. geröstet oder in Dampf gegart.

Möglichkeit 2: Die Maniokwurzel wird zunächst im Ganzen gekocht und erst danach zerkleinert.

(in Anlehnung an: Bickel, 2021, S. 272-280, Heuberger, 2008)

Material 2: Giftwirkung von Cyanid-Ionen

Die toxisch wirksamen Cyanid-Ionen der Blausäure binden an die Cytochrom-c-Oxidase, ein Enzym der Atmungskette, das am Aufbau des Protonengradienten beteiligt ist, und hemmen dieses dadurch.

In Abbildung 1 ist die Wirkung von Blausäure auf die pH-Werte in der Matrix und im Intermembranraum von menschlichen Mitochondrien dargestellt. Je größer der pH-Wert ist, desto kleiner ist die Protonenkonzentration.

Material 3: Fotosynthese in den Blättern des Manioks

Stoffwechselphysiologische Grundlage für die in den Maniokwurzeln enthaltene Stärke ist die in den Blättern der Maniokpflanze ablaufende Fotosynthese.

In einer Untersuchung wurde jeweils die Fotosyntheserate in Form der Kohlenstoffdioxid-Aufnahme von Maniokblättern an zwei unterschiedlichen Positionen an der Maniokpflanze bestimmt. Die Fotosyntheserate wurde dabei in Abhängigkeit von der Beleuchtungsstärke unter sonst optimalen Bedingungen gemessen (Abb. 2).

Maniok – eine giftige Nutzpflanze

1

Stellen Sie die Schritte, die ausgehend von der Verletzung einer Maniokpflanze durch Tierfraß zur Bildung von Blausäure führen, in einem Fließschema dar (M 1). Erklären Sie, warum die beiden unterschiedlichen Zubereitungsmöglichkeiten einen bedenkenlosen Verzehr von Maniok ermöglichen (M 1).

[9 BE]

2

Beschreiben Sie die chemiosmotische ATP-Bildung in der Atmungskette.

[5 BE]

3

Erklären Sie die in Abbildung 1 dargestellten Kurvenverläufe (M 2). Leiten Sie eine physiologische Folge dieser Veränderung ab (M 2).

[8 BE]

Aufgabenstellung: Aufgabe 1–3 - Enzyme, Stofftransport und Zellatmu… · Abitur NRW Biologie GK · Maniok-GN 2025

Lösung

Nach den offiziellen Korrekturhinweisen

1.1 Stellen Sie die Schritte, die ausgehend von der Verletzung einer Maniokpflanze durch Tierfraß zur Bildung von Blausäure führen, in einem Fließschema dar (M 1).

Lösung: Fließschema: - Verletzung durch Tierfraß →\rightarrow Freisetzung von Linamarin aus der Vakuole ins Cytoplasma - Im Cytoplasma: Linamarin + Wasser →Linase\xrightarrow{\text{Linase}} Acetoncyanhydrin (+ Glucose) - Acetoncyanhydrin →Hydroxynitrillyase\xrightarrow{\text{Hydroxynitrillyase}} Blausäure (+ Aceton)

1.2 Erklären Sie Zubereitungsmöglichkeit 1 (M 1): Die Maniokwurzel wird geraspelt oder geschnitten und anschließend erhitzt.

Lösung: Beim Zerkleinerungsprozess gebildete Blausäure ist leicht flüchtig und wird so beim anschließenden Erhitzen entfernt.

1.3 Erklären Sie Zubereitungsmöglichkeit 2 (M 1): Die Maniokwurzel wird zunächst im Ganzen gekocht und erst danach zerkleinert.

Lösung: Kochen der intakten Maniokwurzel führt zur Hitzedenaturierung der bei der Bildung von Blausäure beteiligten Enzyme (Linase, Hydroxynitrillyase) →\rightarrow Unterbrechung des Stoffwechselweges →\rightarrow keine Bildung von Blausäure.

2 Beschreiben Sie die chemiosmotische ATP-Bildung in der Atmungskette.

Lösung: - Durch den Elektronentransport in der Atmungskette wird ein Protonengradient über die innere Mitochondrienmembran aufgebaut: höhere Protonenkonzentration im Intermembranraum, niedrigere Protonenkonzentration in der Matrix. - Wenn die Protonen entlang ihres Konzentrationsgefälles durch das membranständige Protein ATP-Synthase wieder in die Matrix zurückströmen, können dabei aus ADP\text{ADP} und Pi\text{P}_\text{i} energiereiche ATP\text{ATP}-Moleküle aufgebaut werden: chemiosmotische ATP-Bildung.

3.1 Erklären Sie die in Abbildung 1 dargestellten Kurvenverläufe (M 2).

Lösung: - Ohne die Zugabe von Blausäure arbeiten die Protonenpumpen in der inneren Mitochondrienmembran, wodurch der Protonengradient und die pH-Werte von ca. 7,7 in der Matrix und 6,8 im Intermembranraum aufrechterhalten werden. - Bei Zugabe von Blausäure ändern sich die pH-Werte im Intermembranraum und der Matrix: In der Matrix nimmt der pH-Wert ab und im Intermembranraum steigt er an, bis beide pH-Werte annähernd identisch bei ca. 7,2 liegen. - Dies ist durch die Hemmung der Cytochrom-c-Oxidase durch die Bindung der Cyanid-Ionen aus der Blausäure zu erklären: Arbeitet die Cytochrom-c-Oxidase nicht mehr, kann kein Protonengradient über die innere Mitochondrienmembran mehr aufgebaut werden. Ein Protonenrückstrom und die ATP-Synthese sind nur noch kurzzeitig möglich, dadurch nähern sich die pH-Werte in der Matrix und im Intermembranraum einander an. Danach existiert kein Protonengradient mehr und der pH-Wert bleibt in beiden Kompartimenten konstant. →\rightarrow Chemiosmotische ATP-Bildung kommt zum Erliegen.

3.2 Leiten Sie eine physiologische Folge dieser Veränderung ab (M 2).

Lösung: Mögliche physiologische Folge (z. B.): Beeinträchtigung der Natrium-Kalium-Pumpe bei ATP-Mangel →\rightarrow Ruhepotenzial kann nicht mehr aufrechterhalten werden (oder: Ausfall energieabhängiger Lebensprozesse / Zelltod).

Die ausführliche Erklärung Schritt für Schritt (mit KI) gibt es mit Premium. Premium

Löse sie direkt hier: automatische Korrektur, Hinweise und Lösung Schritt für Schritt.

‹ Aufgabe 2 · LK · Tomaten-EN 2026 · Aufgabe 2 - Enzyme, Stofftransport und Zellatmung · GK · Salztoleranz-GN 2025 ›

Mehr Aufgaben zu Enzyme, Stofftransport und Zellatmung